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In der Projektgalerie AundV eröffnet am Donnerstag eine Idomeni-Ausstellung mit Fotos von Maximilian Schulz

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    Idomeni ist eigentlich nur ein kleines Dorf an der Grenze von Griechenland zu Makedonien. In die Schlagzeilen geriet es 2015, weil ab Sommer 2015 immer mehr Menschen auf ihrer Flucht aus den Kriegs- und Krisengebieten des Nahen Ostens hier hängen blieben und nicht weiterkamen Richtung Norden. Eine Ausstellung erzählt jetzt in Leipzig von diesem ganz speziellen europäischen Drama.

    Denn Idomeni steht auch für das Versagen der europäischen Staatengemeinschaft bei ihrer zweiten großen Herausforderung seit der Finanzkrise. Jahrelang hatte man die Krisen in Nahost ignoriert und die damit verbundenen Flüchtlingsströme nicht nur ausgeblendet, sondern auch versucht abzuwehren durch stärkere Grenzkontrollen am Mittelmeer. Zumindest in die Köpfe der verantwortlichen Bürokraten ist die Dimension menschlichen Leids in Syrien, Irak, Nordafrika einfach nicht hineinzubekommen. Sie behandeln Menschen als „Kontingente“, als Berechtigte und Unberechtigte. Und sie erweisen sich immer dann, wenn menschlicher Anstand gefragt ist, als plumpe Populisten, die lieber Zäune und Mauern errichten und im eigenen Land die falschen Emotionen schüren. Und Ängste. Wenn man mit Ängsten spielen kann, muss man sich um die Lösung komplexer Probleme ja nicht kümmern.

    Und gelöst ist ja nichts. Auch nicht seit der polizeilichen Räumung des Auffanglagers an der Eisenbahngrenzstation Idomeni, deren Auffanglager ursprünglich nur für 1.500 Wartende eingerichtet war. Aber schon im Sommer 2015 waren es zwischen 5.000 und 6.000. Die Zahl stieg zum Winter auf 8.000, 10.000, 14.000 an. Die Zustände im Lager waren katastrophal. Sie sind es auch nach der Räumung noch, denn nur einen Teil der zeitweiligen Bewohner konnten die griechischen Behörden in andere Lager umlenken. Viele leben noch immer in der Umgebung von Idomeni in der Hoffnung, irgendwann würde hier der Grenzübergang wieder möglich.

    Ein Leipziger hat das Lager Idomeni besucht: der Fotograf Maximilian Schulz, der einen Lagerbesuch im Frühjahr 2016 nutzte, die in Idomeni Gestrandeten auch in ihrer großen Hoffnung auf Hilfe aus Deutschland zu fotografieren.

    Denn längst ist Idomeni zum internationalen Symbol der europäischen Flüchtlingspolitik geworden. Auch im Winter lebten hier mehr als 10.000 Menschen – unter freiem Himmel campierend fehlte es ihnen an warmer Kleidung, Nahrung und medizinischer Versorgung.

    In dieser Situation machte sich auch eine Gruppe von Flüchtlingshelfern und- helferinnen, Sanitätern und Sanitäterinnen aus Leipzig auf den Weg nach Idomeni, um Nahrung und Sachspenden zu verteilen, medizinische Hilfe zu leisten und die freiwilligen Helfer vor Ort zu unterstützen. Hier entstanden die Aufnahmen von Maximilian Schulz.

    Maximilian Schulz wurde 1987 in Leipzig geboren. 2015 schloss er sein Masterstudium in Mittlerer und Neuerer Geschichte ab und promoviert zurzeit am Historischen Seminar der Universität Leipzig. Als Flüchtlingshelfer ist er seit Herbst 2015 tätig.

    Gearbeitet hat er nicht – wie das heute üblich ist – digital, sondern ganz klassisch mit Filmkamera.

     

    Im Auffanglager Idomeni. Foto: Maximilian Schulz
    Im Auffanglager Idomeni. Foto: Maximilian Schulz

    Was dabei herausgekommen ist, kann man ab Donnerstag, 7. Juli, 18:30 Uhr in der Hörgalerie AundV in der Lützner Straße 30 sehen. Dann eröffnet dort eine Ausstellung mit seinen Fotos unter dem Titel „SAVE US GERMANY DON’T FORGET US PLEASE – Fotografien aus Idomeni“.

    Durch die analoge Kamera und den empathischen Zugang des Fotografen entsteht ein intimer Blick zurück – zurück auf einen Ort des Wartens, der Hoffnung und Enttäuschung. Mit der Auflösung des Camps im Mai dieses Jahres verschwanden die Menschen Idomenis aus der internationalen Öffentlichkeit. Doch in dutzenden kleinen Idomenis warten viele von ihnen noch immer in Griechenland auf Weiterreise oder ein Asylverfahren. „SAVE US GERMANY DON’T FORGET US PLEASE“ steht auf der Pappe des kleinen Mädchens geschrieben.

    Gezeigt wird die Ausstellung mit den Fotos von  Maximilian Schulz vom 7. bis 21. Juli.

    Ausstellungseröffnung ist am Donnerstag, 7. Juli, um 18:30 Uhr mit einführenden Worten und einer kommentierten Führung von Maximilian Schulz und seinen Reisebegleiter*innen.

    Die Finissage gibt es am 21. Juli, 19 Uhr, mit einer Diskussion über die Situation von Geflüchteten in Griechenland seit der Räumung Idomenis mit Vertreter*innen des Dresden-Balkan-Konvois.

    Weitere kommentierte Führungen gibt es am 16. und 17. Juli, jeweils 16 Uhr.

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