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Stadtgeschichtliches Museum zeigt Böhmen im Schwarz-Weiß der vorletzten Jahrhundertwende

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    Eigentlich ist das kleine Kabinett im Stadtgeschichtlichen Museum eher für Ausstellungen Leipziger Fotografen gedacht. Aber seit Dienstag, 16. August, gibt es hier mal eine Gastausstellung zu sehen, die gleichzeitig eine kleine Zeitreise ist – ins Böhmen der vorletzten Jahrhundertwende.

    In Zusammenarbeit mit dem Fotoexperten und Sammler böhmischer Fotografie, Pavel Scheufler, und dem Generalkonsulat der Tschechischen Republik in Dresden widmet sich das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig einem bislang wenig beachteten Abschnitt gesamteuropäischer Fotografiegeschichte.

    Die Ausstellung zeigt prägende Stationen in der Entwicklung früher böhmischer und sächsischer Fotografie am Beispiel einiger der wichtigsten Vertreter des Mediums. Neben beeindruckenden Zeugnissen früher Fotokunst im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts dokumentiert sie den kontinuierlichen kulturellen Austausch der beiden engen Nachbarn Böhmen und Sachsen.

    Prag, Bade- und Kurorte wie Karlovy Vary (Karlsbad), die Böhmische Schweiz und das Böhmische Mittelgebirge waren beliebte Motive der zahlreichen sächsischen Fotografen, die Böhmen rege bereisten und fotografisch ablichteten. Im Vergleich dazu zog es ihre böhmischen Kollegen eher selten in die entgegengesetzte Richtung und ihre Arbeiten sind weitestgehend unbekannt. Ihr Interesse konzentrierte sich fast ausschließlich auf Dresden und die Sächsische Schweiz.

    Drei herausragende böhmische Fotografen und ihre fotografischen Reisen stehen im Mittelpunkt.

    František Fridrich (1829-1892) war einer der ersten gewerblichen Fotografen in Böhmen, der sich insbesondere auf Aufnahmen von Landschaften und Denkmälern spezialisierte. 1856 erhielt er seine Lizenz zum Daguerreotypieren und organisierte noch im selben Jahr die erste Fotoausstellung in Böhmen. František Krátký (1851-1924) gehört mit seinen handkolorierten Stereoskopien zu den prägendsten Akteuren dieses populären Massenmediums. In Kolín führte er neben seinem Atelier zusätzlich ab 1901 einen Kunstbetrieb, der unterschiedlichste Drucktechniken praktizierte.

    Rudolf Bruner-Dvořák (1864-1921) gilt als Pionier der Fotoreportage, der er durch seine fotografische und publizistische Tätigkeit zum endgültigen Durchbruch im böhmischen Raum verhalf. Vielfach porträtierte er europäische Herrscher wie Kaiser Franz Josef I. und war als Auftragsfotograf auch außerhalb seines Ateliers tätig.

    Ergänzend dazu werden auch weitere Persönlichkeiten der Fotografiegeschichte gewürdigt, die maßgeblich an der technischen Entwicklung und Verbreitung des Mediums beteiligt waren. Dazu zählen der berühmte Fotograf Hermann Krone oder der Publizist Wilhelm Horn. Dieser gab in Prag das „Photographische Journal“, eine der weltweit ersten Zeitschriften zur Fotografie heraus, welche wiederum in Leipzig vom Verleger Otto Spamer gedruckt wurde.

    Mit dem Ende des 19. Jahrhunderts zeigt sich neben dem technischen Fortschritt zunehmend auch eine inhaltliche Verlagerung der Fotografie von der touristischen Werbung hin zur Aufzeichnung privater Erinnerungen. Die Vielseitigkeit der technischen Verfahren und gewählten Motive spiegelt sich auch in den Aufnahmen Fridrichs, Krátkýs und Bruner-Dvořáks wider, die ihren Blick auf Böhmen und Sachsen in eine ganz individuelle Bildästhetik übersetzt haben. Nicht zuletzt zeugen diese ca. 40 großformatigen Aufnahmen von der Dynamik und Anziehungskraft der Fotografie ebenso wie von der wechselseitigen Beeinflussung der Fotografen über die Ländergrenzen hinaus.

    Und Pavel Scheufler ist als Sammler tschechischer Fotografie schon lange kein Unbekannter mehr.

    Pavel Scheufler ist einer der besten Experten auf dem Gebiet der Fotografiegeschichte in den böhmischen Ländern bis 1918. Über die Fotografiegeschichte gab er bisher 45 Bücher heraus und veranstaltete mehr als 66 Ausstellungen. Er beteiligte sich an der Gründung des Fotografiemuseums in Jindřichův Hradec (2002), ist Begründer des Projektes Elektronisches Fotografiemuseum (1995) und beschäftigte sich mit mehreren weiteren Projekten zur Wahrung des fotografischen Kulturerbes. Seit 1990 unterrichtet er Fotografiegeschichte an der Film- und Fernsehfakultät der Akademie der Musischen Künste in Prag und arbeitet auch als Lektor für Digitalfotografie. In den Jahren 1992-2002 wirkte er im Rat des Tschechischen Rundfunks.

    Zu sehen ist die Studioausstellung von 16. August bis zum 15. Oktober 2017.

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