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Unerzählt und Unbezahlbar: Künstlerinnen der GEDOK Leipzig zeigen die meist ignorierte Seite der Leipziger Stadtgeschichte

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    Das Stadtgeschichtliche Museum wird munterer und zeigt zunehmend all jene Dinge, die in der alten, männerdominierten Geschichtsbetrachtung meist ignoriert wurden. Und dazu gehören nun einmal auch die Frauen, die auch in der Leipziger Stadtgeschichte bislang kaum über ein Alibiplätzchen am Katzentisch hinauskamen. Eine GEDOK-Ausstellung im Alten Rathaus thematisiert diese Marginalisierung jetzt erstmals. Und zwar direkt im Zusammenhang mit der ständigen Ausstellung.

    Zusammen mit der GEDOK Leipzig ist ein Interventionsprojekt in den vergangenen Monaten erarbeitet worden, das vom 30. September bis zum 29. November unter dem Titel „UNERZÄHLT und UNBEZAHLBAR“ in den historischen Räumen des Alten Rathauses 20 künstlerische Positionen und Arbeiten in Kontext zur ständigen Ausstellung stellt. Das Thema: Die vorherrschende Unsichtbarkeit von Frauen in der Geschichte.

    „Eine wahrhaftige und empathische Stadtgeschichte für morgen setzt unser aller Neugier und Offenheit voraus. Und sie erfordert den solidarischen Blick für unterrepräsentierte Themen und Akteure auch der Leipziger Historie. Der bevorstehende Umbau der historischen Festsaaletage des Alten Rathauses ist da für uns eine Chance, mit einer künstlerischen Intervention experimentell eine Bresche in die allzu männlich dominierte Präsentation zu schlagen und so die Möglichkeiten für künftig stärker multiperspektivische Erzählungen zu erkunden“, erklärt dazu der Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Dr. Anselm Hartinger

    Traditionell erzählen in historischen Räumen des ersten Obergeschosses im Alten Rathaus zahlreiche Gemälde und Kostbarkeiten aus vielen Jahrhunderten die Geschichte Leipzigs. Aber eigentlich ist es fast immer nur die eine Hälfte der Geschichte, stellt selbst das Stadtgeschichtliche Museum verblüfft fest. Kurfürsten und Könige, Ratsherren und Bürgermeister, Professoren, Komponisten und Dichter – und kaum eine Frau darunter …

    Die 20 Künstlerinnen aller Sparten der GEDOK Mitteldeutschland– bildende, angewandte und darstellende Kunst, Musikerinnen, Schriftstellerinnen, Performerinnen, Videokünstlerinnen – füllen nach einem Jurywettbewerb einige dieser „Leerstellen“ mit künstlerischen Mitteln und Fragestellungen. Sie regen dazu an, das Altbekannte und Vertraute neu zu befragen und anders zu sehen. Dabei ist das Themenspektrum genauso breit wie die künstlerischen Herangehensweisen.

    Die Bildsprache reicht von der intimen Zeichnung über Fotografie, Malerei und Installation bis zu Klang-Projektionen. Subtile Andeutungen stehen neben der provokanten Rückeroberung allzulang Männern vorbehaltener Positionen. Es werden profilierte Frauen der Kulturgeschichte in Erinnerung gerufen wie die Theater-Reformerin Friederike Caroline Neuber oder die Astronomin Marie Cunitz. Erinnert wird an dunkle Seiten der Geschichte, die auch hier im Rathaus verhandelt wurden: Hexenverfolgung, Todesurteile, Femizide.

    „Für die Künstlerinnen und Mitstreiter/-innen der GEDOK Mitteldeutschland ist dies eine besondere Möglichkeit, neben der künstlerischen Herausforderung, besonders den inhaltlichen Fokus ihres jahrelangen Engagements für die Gleichstellung der Frauen in der Gesellschaft zu lenken. Diese Verbindung ist einzigartig, denn meist passiert die inhaltliche Arbeit im Hintergrund, in Gremien, Netzwerken, Foren usw. Die Themen unserer jährlichen Projekte und Ausstellungen widmen sich natürlich auch diesen Themen.

    Doch in diesem Fall ist die künstlerische Intervention am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, kurz vor der geplanten Modernisierung des Museums, uns damit hoffentlich ein Impuls für die weitere Überarbeitung der musealen Geschichtsaufarbeitung“, erklärt Michaela Weber, Projektverantwortliche der GEDOK Mitteldeutschland e. V.

    Daneben werden die vielen unbekannten Frauen gewürdigt, ohne deren meist unbezahlte Arbeit Geschichte gar nicht hätte stattfinden können – Hebammen, Großmütter und Mütter, Diakonissen und viele mehr. Was natürlich die Frage aufwirft: Wer schreibt jetzt deren Geschichte auf? Und wer sorgt dafür, dass die andere Hälfte der Leipziger Stadtgeschichte auch in der Ausstellung sichtbar wird?

    Beteiligte Künstlerinnen: Doris Baum | Anja Böttger | Maria Cornelia | Angelika Dietzel Brunhild Fischer & Olaf Klimpel | Mandy Gehrt | Sylvia Gerlach | Petra Herrmann | Deborah Jeromin | Gisela Kohl-Eppelt | Kerstin Krieg | Sibylle Kuhne & Mona Ragy Enayat | Carola Lantermann | Ursula Nollau | Jutta Pillat | Sigrid Schmidt | Dagmar Zehnel | Katharina Zönnchen

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