Am 6. September 2026 wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Im Mittelpunkt stehen politische Entscheidungen, die weit über diesen Wahltag hinaus wirken: die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung des Landes, Demokratie und Teilhabe, soziale Fragen, Umwelt, Klima und Energie, Migration und die Frage nach dem zukünftigen Zusammenleben.

Genau hier setzt „Geschwister – Ein letzter Wunsch“ an – und denkt die Frage nach der Zukunft 40 Jahre weiter. 

Der Animationsfilm, produziert von Glücklicher Montag, erzählt von einer ostdeutschen Familie im Jahr 2066. Die Geschwister Jasmin und Julian sind politisch und menschlich so weit auseinander gedriftet, dass kaum noch etwas sie verbindet. Ihre unterschiedlichen Lebenswege stehen für zwei mögliche gesellschaftliche Entwicklungen: eine offene, ökologische und solidarische Zukunft auf der einen Seite – eine autoritäre, überwachte und patriarchal geprägte Gesellschaft auf der anderen.

Ein erster Kulminationspunkt ist der Tod ihres Vaters Jan im Jahr 2026. Was zunächst wie eine persönliche Familiengeschichte beginnt, wird zur Geschichte einer Gesellschaft, deren politische und persönliche Brüche über Generationen hinweg fortwirken.

Der Film stellt deshalb keine Frage, die erst im Jahr 2066 beantwortet werden kann. Er stellt sie heute: Welche Zukunft wollen wir? Und was sind wir bereit, heute dafür zu tun?

„Geschwister – Ein letzter Wunsch“. Grafik: Glücklicher Montag
„Geschwister – ein letzter Wunsch.“ Grafik: Glücklicher Montag

Eine Familie, zwei Lebenswege, zwei mögliche Zukünfte

Mitteldeutschland im Jahr 2066: Die 85-jährige Jessica, einst Gymnasiallehrerin, liegt schwer krank in ihrem alten Einfamilienhaus. Sie weiß, dass ihr Leben zu Ende geht. Ihr letzter Wunsch ist schlicht und zugleich beinahe unmöglich: Sie möchte ihre erwachsenen Kinder noch einmal vereint sehen.

Jasmin (55) und Julian (56) waren als Kinder unzertrennlich. Doch nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters Jan im Jahr 2026 haben sie sich immer weiter voneinander entfernt.

Jasmin wird Transformationsforscherin und Nachhaltigkeitsexpertin. Sie lebt in einer Gesellschaft, die den ökologischen und sozialen Wandel trotz aller Krisen als Chance für einen grundlegenden Neuanfang begriffen hat. Julian wird Malermeister, Kleinunternehmer und rechtspopulistischer Lokalpolitiker. Seine Welt ist zunehmend von autoritären Strukturen, Kontrolle, Überwachung und traditionellen Geschlechterrollen geprägt.

Aus persönlicher Unzufriedenheit wird politische Radikalisierung. Beide haben dieselbe Kindheit erlebt. Beide haben denselben Vater verloren. Beide tragen dieselbe Familiengeschichte in sich. Und doch entwickeln sie sich in vollkommen unterschiedliche Richtungen. Was macht Menschen zu denjenigen, die sie werden?

2026 wird zum Ausgangspunkt

Der Film beginnt in einem Jahr, das für die Familie einen tiefen Einschnitt bedeutet. Vater Jan stirbt plötzlich. Seine Kinder sind gerade 15 und 16 Jahre alt. Der Verlust verändert ihr Leben – und wirkt vier Jahrzehnte später noch immer nach.

„Geschwister – Ein letzter Wunsch“. Grafik: Glücklicher Montag
„Geschwister – ein letzter Wunsch.“ Grafik: Glücklicher Montag

Dabei erzählt „Geschwister – Ein letzter Wunsch“ Trauer nicht als etwas, das irgendwann einfach vorbei ist. Der Tod eines Menschen kann eine Familie über Generationen hinweg begleiten. Er bleibt in Erinnerungen, Gegenständen, Orten, Gesten und unausgesprochenen Fragen präsent. So wird aus der Geschichte eines einzelnen Todes auch eine Geschichte darüber, was Menschen einander hinterlassen. Und darüber, was wir selbst weitertragen.

Ostdeutschland im Jahr 2066

Die Geschichte spielt bewusst in Mitteldeutschland. Jessica gehört einer Generation an, die die DDR, die Friedliche Revolution, den Mauerfall, die deutsche Einheit und die damit einhergehenden tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen nach 1990 erlebt hat. Ihre Kinder wachsen bereits im vereinten Deutschland auf. Die politischen und sozialen Erfahrungen der Eltern werden dennoch Teil ihrer Familiengeschichte – manchmal bewusst, manchmal unbewusst.

„Geschwister – Ein letzter Wunsch“ fragt deshalb auch: Was bleibt von ostdeutschen Erfahrungen, wenn die deutsche Einheit längst mehrere Generationen zurückliegt? Und: Wie wirken Transformationserfahrungen weiter, wenn aus gesellschaftlichen Veränderungen persönliche Familiengeschichten werden?

Der Film versteht Ostdeutschland dabei nicht als abgeschlossenen historischen Raum, sondern als Gegenwart und Zukunft.

„Geschwister – Ein letzter Wunsch“. Grafik: Glücklicher Montag
„Geschwister – ein letzter Wunsch.“ Grafik: Glücklicher Montag

Zwei Zukunftsbilder – keine einfache Antwort

Die beiden Lebenswelten von Jasmin und Julian werden nicht als simple Schwarz-Weiß-Geschichte erzählt. Der Film interessiert sich für die Wege, die zu diesen Zukunftsentwürfen führen. Für Ängste und Hoffnungen. Für persönliche Verletzungen und politische Entscheidungen. Für die Frage, warum Menschen Veränderung als Chance erleben – und andere Veränderung als Bedrohung. Und für die Erkenntnis, dass persönliche Erfahrungen niemals automatisch eine politische Haltung entschuldigen.

Der Film zeigt deshalb keine Zukunft, die zwangsläufig eintreten muss. Er zeigt Möglichkeiten.

Die Esche – ein Baum als Familienmitglied familiäres Stimmungsbaromater?

Im Zentrum des Films steht die alte Esche im Garten des Elternhauses. Jasmin und Julian haben sie als Kinder gemeinsam gepflanzt. Über Jahrzehnte wächst der Baum mit ihnen auf. Später ist er verletzt, ausgetrocknet und von einem tiefen Riss durchzogen. Wie die Familie. Wie Erinnerungen. Wie eine Gesellschaft, die durch Krisen und Konflikte geprägt wurde.

Und dennoch geschieht am Ende etwas Kleines: Die Esche treibt wieder aus. Keine große Erlösung. Keine einfache Lösung. Kein Zurück in eine vermeintlich bessere Vergangenheit. Nur neue Knospen. Ein vorsichtiges Zeichen dafür, dass Weiterleben möglich sein kann – auch nach Verlust, Bruch und Veränderung.

Versöhnung ist keine Pflicht

Jessicas letzter Wunsch ist es, ihre Kinder wieder zusammenzubringen. Doch der Film behauptet nicht, dass politische Unterschiede einfach verschwinden, wenn Menschen sich nur lange genug zuhören. Versöhnung bedeutet hier nicht, Unterschiede aufzulösen. Sie bedeutet auch nicht, Verletzungen oder politische Positionen zu relativieren. Vielmehr geht es um die Möglichkeit, den anderen Menschen hinter der politischen Position wieder wahrzunehmen.

Kann man sich begegnen, ohne sich einig zu sein? Kann man verstehen, ohne zuzustimmen? Und wo liegen die Grenzen von Verständigung?

„Geschwister – Ein letzter Wunsch“. Grafik: Glücklicher Montag
„Geschwister – ein letzter Wunsch“. Grafik: Glücklicher Montag

Ein Film über das, was wir weitergeben

„Geschwister – Ein letzter Wunsch“ erzählt von einer Familie. Doch die Geschichte reicht weit über diese Familie hinaus. Sie handelt von Generationen und ihren Erfahrungen. Von Ost und West. Von Frauen und Männern, von Fürsorge und Männlichkeitsbildern. Von politischer Radikalisierung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Von Verlust und Erinnerung. Von der Frage, wie Menschen mit Veränderung umgehen.

Und schließlich von unserer Verantwortung für die Zukunft. Denn 2066 ist nicht nur ein fernes Jahr. Es ist die Lebenszeit derjenigen, die heute Kinder und Jugendliche sind. Die Entscheidungen, die heute getroffen werden, bestimmen mit, in welcher Welt sie später leben werden.

„Welche Zukunft wollen wir?“

Mit „Geschwister – Ein letzter Wunsch“ können und wollen Sandra Strauß und Schwarwel keine politische Gebrauchsanweisung liefern. Der Film möchte einen Raum öffnen: für Erinnerung, für Widerspruch, für Gespräch, für Trauer, für unterschiedliche Perspektiven und für die Frage, wie eine gemeinsame Zukunft überhaupt möglich bleiben kann. Denn vielleicht beginnt Zukunft nicht erst dort, wo wir sie planen. Vielleicht beginnt sie bereits hier, wo wir entscheiden, wie wir miteinander umgehen.

Und vielleicht ist die wichtigste Frage deshalb nicht: „Welche Zukunft wird kommen?“ Sondern: „Welche Zukunft wollen wir nähren?“

„Geschwister – Ein letzter Wunsch“, Animationsfilm von Sandra Strauß und Schwarwel. Eine Produktion von Glücklicher Montag. In Koproduktion mit dem Mitteldeutschen Rundfunk. Gefördert von der Mitteldeutschen Medienförderung.

Der Film ist ab sofort in der ARD Mediathek zu finden.

Die TV-Ausstrahlung gibt es am 30. Oktober 2026 im MDR Fernsehen.

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