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Projekt East Side im Rabet: „Es gibt Grundfragen, die uns alle beschäftigen“

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    Was ist Heimat? Was ist Identität? Diese Frage stand hinter einem Kunstprojekt mit Jugendlichen im Rabet. Die Leipzigerin Künstlerin Britta Schulze hat mit ihnen Interviews geführt und sie nach ihrer Herkunft und ihren Träumen befragt. An ausgesuchten Orten in Leipzig ging es um Heimat, Identität, Krieg und Frieden. Ein Theaterstück, Musik und Bilder verbanden sich zu einem dichten Bild von Jugendlichen rund um die Eisenbahnstraße.

    „Die Stadt hat eine eigene Kulturprägung mit einer eigenen Identitätsfrage, die sich im Osten von Leipzig ganz besonders stellt. Ich wohne in einer Stadt, die nicht mehr in dem Land ist, in dem ich groß geworden bin“, erklärt Schulze. Das verschwundene Land ist in ihrem Fall die DDR.

    Viele Jugendliche, die am Rabet leben, haben in anderer Weise ihre Heimat verloren. „Wie geht es denen? Gibt es einen Ort, der sie an zu Hause erinnert? Können die sich hier einleben? Was ist Heimat?“ In der Gegenwart ist es Leipzig. Verbindende Erinnerungen wachsen hier. Die mitgebrachten Erfahrungen prägen das Zusammenleben.

    Zweimal wurde das Ergebnis im Sommer öffentlich vorgeführt. Einmal direkt am Rabet und das zweite Mal im Bachmuseum.

    Das Projekt regte die Besucher dazu an, selbst über die eigene Geschichte nachzudenken. Woher komme ich? Bin ich in Leipzig aufgewachsen und habe die Umbrüche miterlebt? Komme ich aus den alten Bundesländern, geprägt von einer anderen Geschichte, die nun in Leipzig eingebracht wird? Bin ich als Flüchtling gekommen? Teilweise hängt Identität auch an Stadtteilen. Wer im Leipziger Süden aufwächst, hat noch mal einen anderen Blick auf die Stadt als ein Mensch, der etwa am Rabet oder in Gohlis verwurzelt ist. „Wie kleinteilig kann man Identität machen? Wo fängt sie an, wo hört sie auf?“ Identität kann aber auch ausgedehnt werden, etwa, wenn scheinbar fremde Menschen ein gemeinsames Thema entdecken: „Ich war in einer Jurte in Kasachstan eingeladen. Fremdes Land, fremde Umgebung. Doch worüber haben wir gesprochen? Über unsere Kinder. Es ging um Sorgen, die Zukunft der Kinder. Es klang wie meine Eltern. Es waren die gleichen Fragen“, erzählt Schulze weiter.

    Es gibt Grundfragen, die uns alle beschäftigen, egal von welcher Kultur wir kommen. Wie können wir leben? Haben wir eine Arbeit, von der wir leben können? Geht es meiner Familie gut? „Dort, wo man das findet, ist zu Hause. Wo man eine Identität mit Freunden aufbauen kann, ist zu Hause.“

    Das Kunstprojekt im Rabet führt Kinder und Jugendliche zusammen, die je eigene Geschichten haben. Auf der Bühne verdichtet sich die Frage nach der Identität im leeren Koffer: „Was bleibt, wenn nichts mehr an materiellen Dingen bleibt, weil man nichts mitnehmen konnte?“ Es ist auch für die Künstlerin eine offene Frage ohne einfache Antworten. Manchmal entdeckt man in der Fremde Spuren eigener Identität. Ibrahim, ein syrischer Jugendlicher, entdeckte in der Stadtbücherei das Buch eines Verwandten. Ein Stück Heimat in der Fremde. Auf der Bühne wird gesungen, ein Gedicht wird vorgetragen, ein Jugendlicher erzählt von einer Weltreise, die er plant.

    Wichtig ist ihr bei allen entstandenen Theaterstücken, Interviews und Bildern: Ich gehe da nicht dran mit der These, dass ich weiß, was Kunst ist.“ So stehen die Jugendlichen mit ihren Träumen und Wünschen im Vordergrund. Die Künstlerin gibt die Materialien, die Jugendlichen liefern dann die konkreten Ideen.

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