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Ein Leben ohne Kunst, Kultur, Tanz und Spiel macht krank

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    Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat Ende vergangenen Jahres in seinem viel beachteten Interview mit der BILD-Zeitung das Einkaufen regelrecht zur „patriotischen Aufgabe“ für die Bürger erklärt. „Diese Äußerung betrachten wir nur als die Spitze des Eisbergs, der für die grundsätzliche (Nicht-)Einstellung vieler Politiker zu Kunst und Kultur steht“, formulieren die Mitstreiter des Westflügel Leipzig ihr Unbehagen an der Sicht der Bundesregierung auf Wirtschaft.

    Denn das Leben besteht nun einmal nicht nur aus Shoppen. Und auch die Kulturwirtschaft trägt jedes Jahr Milliarden Euro bei zum Bruttoinlandsprodukt. Gerade im Lockdown merken viele Menschen, wie ihnen diese Kulturveranstaltungen fehlen. Sie sind der Kitt einer Gesellschaft, die eben nicht nur dazu da ist, dass ständig konsumiert wird.

    Was das internationale Figurentheaterzentrum Westflügel Leipzig jetzt zum Anlass nahm, Altmaiers These in einem Offenen Brief eine andere Sicht auf die momentanen und grundsätzlichen Bedürfnisse der Menschen in einer demokratischen Gesellschaft entgegensetzen und zu einer anderen Corona-Politik aufrufen.

    Der Offene Brief an Peter Altmaier

    An Minister Peter Altmaier

    Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

    Nein, Herr Minister Altmaier,

    ein Leben ohne Shopping ist nicht sinnlos oder unpatriotisch, sondern heilsam.

    Ein Leben ohne Kunst, Kultur, Tanz und Spiel hingegen macht uns krank und ungehalten, ist öde und deprimierend.

    Unser Reichtum ist nicht die glitzernde (Marken-)Warenwelt, reich werden wir im Theater und Konzertsaal, in Clubs und beim Sport. Reich an Freu(n)den, Sinn und innerer Stärke.

    Einkaufen ist ein Scheinriese. Wie Herr Turtur in Michael Endes Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer kleiner und kleiner wird, je näher er den Protagonisten kommt, so wird die Shoppingmall immer kleiner und unwichtiger für unser Leben, je länger wir „auf Entzug“ sind. Aber das Fehlen von Konzerten, Theater & Co., von Tanz, Bewegung und Freude macht uns zum hungrigen Drachen.

    Unsere Forderungen für das neue Jahr:

    Wenn erste Lockerungen möglich werden: Ermöglichen wir Kultur und Begegnungen, wo immer sie mit absehbar geringen Risiken Freude und Unterhaltung möglich machen. Lassen wir kleine Veranstaltungen für Zuschauer:innen/Beteiligte bis 30/50 Personen unter Einhaltung strikter Hygieneregeln als Erste und eben nicht als Letzte wieder zu. Und vergessen wir dabei nicht, dass eine diverse Kulturlandschaft erst die Voraussetzung schafft für vielstimmige demokratische Auseinandersetzungen. Privater Konsum kann diese nicht ersetzen.

    Oder hätten Sie das gern?

    Ihr
    Westflügel Leipzig
    Internationales Produktionszentrum für Figurentheater

    p.s. Übrigens, Herr Altmaier, in der Kultur- und Kreativbranche setzten vor Corona 1,8 Millionen Menschen 106 Milliarden Euro jährlich um. Sie wissen sehr genau, was dieser Wirtschaftszweig, verglichen mit anderen Top-Branchen wie Maschinenbau oder Chemie, für Deutschland auch ökonomisch bedeutet.

    Denn diese Zahl steht prominent in dem Monitoringbericht „Kultur- und Kreativwirtschaft 2020“, herausgegeben vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Oder sollten wir Herbert Grönemeyer oder Daniel Barenboim bitten, Sie ins Konzert einzuladen mit anschließendem persönlichen Plausch beim Abendessen? Ach ja, geht grad nicht.

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