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Tanners Interview mit der Posaunistin von Karl die Große & Trio.Diktion Antonia Hausmann

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    Die Stadt ist groß und erfindet sich permanent neu. Da den Überblick zu bewahren - allein schon beim musikalischen Ausstoß - ist unmöglich und wer sagt, er wisse alles, der lügt ganz einfach oder schwächelt bei der Selbstbespiegelung. Manchmal hilft Nachfragen - und deshalb fragte Tanner einfach mal bei Antonia nach, die Posaune spielt und beim Schmunzeln die Nase kraus zieht.

    Hallo Antonia Hausmann. Du spielst bei Karl die Große die Posaune und hängst gerade allerorten selber die Plakate fürs Konzert am 14. Mai im WERK II auf. Ist das Musikerinnendasein heute so? Mädchen für alles? Selber aufbauen, selber kleben? Ich hoffte auf teure Hotels, Schampus und Herden von willigen Fans. Und nun doch Schwerstarbeit?

    Hallo Volly Tanner, genau – ich spiele Posaune und bin gerade während einer Übepause auf dem sonnigen Weg der Karl-Heine-Straße um Plakate zu verteilen und empfinde es nicht als Schwerstarbeit oder Mädchen für Alles. Die frische Luft und Bewegung zwischendurch tut gut und macht mir ehrlich gesagt viel mehr Spaß als Schampus in einem teuren Hotel zu trinken.

    Es gibt ja Menschen, die die Band Karl die Große nicht kennen, was macht Ihr überhaupt? Urban Pop? Punkrock? Erzähl mal bitte.

    Karl die Große sind Wencke Wollny (voc), Simon Kutzner (piano,klarinette), Yoann Thiéce (git), Clemens Litschko (drums), Christian Dähne (bass) und ich mit meiner Posaune. Unser Außenkommunikationsschreiber hat das perfekt in Worte gefasst: „Am Anfang von ihrer Musik steht ein Gedanke, stehen viele Gedanken, ein viel zu voller Kopf. Den schreibt sich Wencke Wollny alias Karl leer, und ihre Band hilft ihr, die Gedanken zu vertonen. Davon können sie schon ein Lied singen. Heraus kommt kopflastige Popmusik mit Jazz-Einflüssen, die einen ganz hinten hinter dem Bauchnabel packt und mitreißt. Wie Tocotronic, nur weiblicher, zum Mitfühlen, Mitweinen und Mitwackeln.“ Das kann ich absolut unterschreiben.

    Du hast das ja richtig gelernt, dieses Musikmachen. Wie funktioniert denn das Davon-Leben? Also rein praktisch – wie viele Muggen mit wie vielen Bands und mit welchen machst Du im Monat? Und dann ist doch da bestimmt auch noch Posaune-Anderen-Beibringen dabei. Das würde mich echt interessieren…

    Das lässt sich schwer mit einer Zahl pro Monat festlegen, es kommt immer ein bisschen auf die Jahreszeit und die „Nachfrage“ an, ob ein Big Band Konzert geplant ist, in einem Theaterstück gerade eine Posaune gebraucht wird, auf einer Geburtstagsfeier Musik von einem Jazztrio gewünscht ist, oder neue Melodien auf einer CD eingespielt werden wollen. Unterricht darf ich auch hin und wieder geben, bin aber an keiner Musikschule. Jeder Tag, jede Woche besteht aus Puzzleteilen, welche am Ende ein Bild werden – von welchem man leben kann.

    Einen Tag nach dem WERK II Gig bist Du im Horns Erben mit der Band Trio.Diktion zugange. Was macht Ihr denn da? In welche Richtung geht’s denn mit den Herren Frischkorn, Oehl und Petzl? Und warum seid Ihr ein Trio, wo Ihr doch ein Quartett seid?

    Wir haben uns an der Musikhochschule kennengelernt. Seit Mitte 2012 musizieren, komponieren und diskutieren wir unsere Musik – in diesem Prozess sind wir zusammen gewachsen. 2014 wurden wir Preisträger des Leipziger Jazznachwuchspreises der Marion-Ermer-Stiftung. Wen es interessiert, warum wir Trio.Diktion heißen, aber zu Viert sind, sollte ins Horns kommen und sich die Geschichte von Philip erzählen lassen, er kann das viel besser als ich.

    Auch hier möchte ich auf unseren Schreiberling verweisen, was dieser über uns getextet hat, das kann der nämlich richtig gut: „Inspiriert von Kammermusik der klassischen Romantik, Broadway-Songs und aktueller Singer-Songwriter-Musik entwickeln sie verträumte Miniaturen. Ernste und melancholische Momente treffen auf Witz und Humor. Kurze bis ins Detail durchdachte Kompositionen wechseln sich mit langen und freien Improvisationen ab. Die so entstehende Musik klingt sehr facettenreich, mal nach Kunstlied, mal nach Jazzsong und mal nach moderner Filmmusik. Die einzigartige Besetzung lässt dabei verschiedene musikalische Welten vor den Ohren der Zuhörer entstehen. Musik zum Zuhören.“ Klingt doch gut, nicht wahr?

    Ich hab ja schon vor Jahren den Überblick über’s hiesige Bandgeschehen verloren. Bands scheinen hier wie Bambus rhizomartig zu wuchern. Das ist ja auch schön irgendwie. Aber manchmal braucht’s doch auch so ein Gefühl von: Das gab’s noch nie, das mach ich jetzt. Wie fühlst Du die Leipziger Musikszene?

    Ich finde die Leipziger Musikszene sehr facettenreich – viele tolle Künstler-Musiker-Menschen-Suchende-Entdecker-Abenteurer. Die Spielvereinigung Sued, die stets in Zusammenarbeit mit nationalen Komponisten und hervorragenden Instrumentalisten Konzerte plant, aber auch die Leipzig Big Band, welche Musik spielt, die es schon eine Weile gibt und die damit ihr Publikum begeistert. Trios, Quartette, auch „Über-fünfköpfige-Bands“ sind auf der Suche nach ihrer eigenen Klangfarbe, ihrer „Nische“ – oder setzen sich mit traditionellen Vorbildern auseinander, um deren Musik weiter klingen zu lassen. Es gab und gibt ja alles schon auf irgendeine Art und Weise, was man daraus macht liegt bei jedem selbst, finde ich.

    Danke, liebe Antonia, für Deine Antworten. Ich wünsch Dir Erfolge und immer eine satte Katze am Fußende.

    Vielen Dank!

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