Quer durch Zentrum und Südvorstadt: Randalieren, demonstrieren, kapitulieren

War es bei der Legida-Demo am Montag, 12. Januar noch ein Audi A8 und Mülltonnen, welchen einige Verwirrte anstecken mussten, um den Flüchtlingen angeblich beizustehen, ging es heute Abend einmal quer durch Connewitz. Von rund 100 Personen berichten die ersten Augenzeugen, kurz darauf von 500 und ein exklusives L-IZ-Video zeigt nicht viel, lässt aber den angeblichen Wunsch der "Demonstranten" vom heutigen 15. Januar vor dem Feinkostgelände hören.

Vorgeblich würde man sich für Flüchtlinge einsetzen, so klingt es auf dem Mitschnitt. In Wirklichkeit sind darunter wohl auch junge Menschen, die nichts Dümmeres vorhaben, als irgendetwas zu zerstören. Das Ziel selbst ist der Staat, der sich rassistisch verhalte. Irgendwo auch nicht falsch – nur eben mit eigenen Gewaltausbrüchen kaum zu bekämpfen. Bereits am Montag hatten einige „Demonstranten“ durch Sachbeschädigungen den friedlichen Widerstand von 30.000 NoLegioda-Demonstranten konterkariert. Nun scheint die Fortsetzung zu folgen.

Die Scheiben des Amtsgerichts in der Bernhard-Göring-Straße attackieren, Polizeiautos angreifen und dann noch ein bisschen skandieren: „Refugees are welcome here“. Seit Tagen konterkarieren nun einige Pubertierende und offensichtlich Zurückgebliebene gewaltsam nicht nur Connewitzer und Leipziger Grundvereinbarungen, sondern auch die Debatten um den Polizeiposten im südlichen Stadtteil und die Frage um die Aufnahme von Flüchtlingen. Eine firedliche Spontandemo jedenfalls sieht wohl anders aus.

Mit Gewalt, längst und für Linke bislang ungewöhnlich, wie auch beim Angriff auf den Connewitzer Polizeiposten auf Personen gerichtet, meist jedoch mit Sachschäden „demonstriert“. Dass die Polizei diesen in Connewitz nicht Herr wird, könnte sich mit dem heutigen Abend ändern. Vor der Feinkost wurden nun die Personalien der Randalierer (neues Wort auf L-IZ.de) aufgenommen.

Nach ersten Bildern und Informationen handelte es sich um eine nicht ungewöhnliche Spontandemonstration. Nur, dass es wohl diesmal nicht friedlich bleiben sollte.

 

Update 22:55 Uhr: Es waren gesamt etwa 700 Personen an der Demonstration beteiligt. Weitere Informationen folgen in Kürze.
Start der Demonstration gegen 20:00 an der Albertina, zu Beginn handelt es sich offenbar um zirka 500 Teilnehmer. Anschließend geht es über den Martin-Luther-Ring, an der Thomaskirche vorbei, Richtung Markt. Von da aus über den Augustusplatz, anschließend den Roßplatz entlang. Hier geschieht der erste Angriff auf ein Polizeiauto mit Steinen.

Am Wilhelm-Leuschner-Platz und Bayrischen Bahnhof sammeln sich nun etwa 700 Teilnehmer, zirka 20:15 Uhr geht es Richtung Bernhard-Göring-Straße, wo der Demonstrationszug gegen 20:50 Uhr am Amtsgericht eintrifft. Hier kommt es zu diversen Beschädigungen, unter Anderem eine Kamera am Gebäude, die Eingangstür wird mit Straßenschildern, Latten, Steinen attackiert.

Zu diesem Zeitpunkt tauchen die Bereitschaftspolizisten auf, der Demonstrationszug bewegt sich weiter, führt über die August-Bebel-Straße und wird gegen 21 Uhr auf der Braustraße/Ecke Südplatz von der Polizei gestoppt. Diese errichtet einen Kessel, in welchem jedoch letztlich etwa 50 Personen landen. Die Braustraße wird gesperrt, ab hier ist nur noch Presse zugelassen.

Es ist ca. 21:45 Uhr. Die Identitätskontrollen werden angekündigt. Die Polizei vor Ort spricht in einer Durchsage von einer „unfriedlichen Demonstration“, deshalb gilt das Versammlungsrecht nicht mehr. Dennoch sucht die Polizei einen Ansprechpartner, um ab jetzt eine Versammlung zu genehmigen. Oder jemanden für das bisherige Geschehen haftbar zu machen.

Es gibt Solidaritätsbekundungen, ein Anwohner spielt aus einem Nachbarhaus Musik. („Wir wollen keine Bullenschweine“, „Time To Say Goodby“). Es sind ca.150 Polizeibeamten im Einsatz. Gegen 22:35 Uhr beginnt die Identitätsfeststellung. Die Ansage der Polizei lautet: „Wir beginnen in Kürze mit der Maßnahme. Sie dürfen danach den Ort verlassen“. Einzelne Personen werden nach und nach aus dem Kessel herausgeführt. Zwei herbeigerufenen Anwälten wird vor Ort der Zugang zu ihren Mandanten an der Braustraße verwehrt.

Vorläufiges Fazit des Abends: Es kam zu mehreren Sachbeschädigungen während der Demonstration. Insbesondere sind eingeschlagene Scheiben von Banken zu verzeichnen, mindestens ein Polizeiauto wurde mit Steinen angegriffen, ein Nebelsatz kam zum Einsatz. Die Rufe des Abends lauteten: „Nie wieder Deutschland“, „Abschiebung ist Mord“, „Deportation ist deutsche Tradition“. Maßgeblich richtete sich die Demonstration gegen „Legida“, als Anlass kristallisierte sich im Laufe des Abends die Ermordung des 20-jährigen Flüchtlings aus Eritrea in Dresden heraus.

Zum Artikel vom 16. Januar 2015 auf L-IZ.de

Quer durch Zentrum und Südvorstadt (2): Eine späte Polizei und fünf Stunden im Kessel

Anmerkung d. Red.: In einer ersten Fassung stand der Stadtteil Connewitz in der Überschrift. Die ersten Nachrichten unserer Reporter vor Ort klangen anfangs anders (B.-Göring usw.). Wir entschuldigen uns hiermit beim „Stadtteil Connewitz“ – wie auch immer das funktionieren soll und in welchem wir selbst nicht nur arbeiten. Die Demonstration spielte sich vorrangig im Zentrum und der Südvorstadt ab.

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