Kabeldieb zu Haftstrafe verurteilt

Patrick A. (34) musste sich am Dienstag vor dem Amtsgericht wegen des Diebstahls eines VW Caddy im Juli 2013 verantworten. Mit Hilfe des Fahrzeugs soll der mutmaßliche Autodieb Stromkabel von einer Leipziger Baustelle entwendet haben, um mit dem Verkauf des Buntmetalls seine Crystal-Sucht zu finanzieren. Knapp zwei Wochen später brannte das Auto auf einem Feldweg bei Wiedemar vollständig aus. Bei Gericht kam der Dieb glimpflich davon.

Was genau mit dem weißen VW Caddy im Juli 2013 geschehen ist, bleibt weiter offen. In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli wurde das Auto aus einer Garage in Krostitz gestohlen. Vermutlich wurde das Fahrzeug für den Diebstahl eines Stromkabels wenige Tage später auf einer Baustelle in Leipzig genutzt. Anwohner waren durch den Lärm in den frühen Morgenstunden auf die Diebe aufmerksam geworden und konnten Patrick A. als einen von mehreren Tätern identifizieren.

Der vorbestrafte Angeklagte räumte den Diebstahl bereitwillig ein. Knapp zwei Wochen später brannte das Fluchtfahrzeug auf einem Feldweg bei Wiedemar ab. „Ich war das nicht. Das war jemand anderes“ verteidigte sich A. am Dienstag.

Eine Zeugenaussage brachte die Kommissarin Franziska L. (27) auf A.’s Spur. Bei der Vernehmung durch verschiedene Polizisten äußerte Anja S., eine Bekannte des Angeklagten, den Vorwurf: „Es wurde wohl so in Krostitz erzählt“, schilderte L. den Inhalt einer Vernehmung.

Vor Gericht war die Dame nicht sonderlich redselig. Den Stein ins Rollen hatte allerdings nicht sie, sondern Christoph W. gebracht. Der 32-Jährige und Anja S. saßen nach einer durchzechten Nacht in ihrem Garten, als Patrick A. anrief. Für 100 Euro sollten sie ihn abschleppen.

Vermutlich waren A. und ein Komplize mit dem Caddy liegengeblieben. Den Mittäter wollte der Angeklagte aus Angst nicht verraten. Christoph W. beschloss, den nervenden A. in die Pfanne zu hauen und setzte einen Notruf ab. Patrick A. habe bei Wiedemar einen Unfall gehabt. Eine blanke Lüge. So anonym war der Anruf dann auch nicht. Die Polizei rief nämlich zurück. „W. hat meinen Namen da mit reingezogen“, beschwerte sich Anja S.

Sie und Christoph W. durften am Dienstag übrigens den kostenpflichtigen Abholdienst der Polizei kennenlernen. Beide Zeugen waren trotz Vorladung einem vorherigen Verhandlungstermin im September 2014 fern geblieben. Weber hatte deshalb die Vorführung des Paares verfügt.

Dem Vorsitzenden konnten und wollten beide ihr damaliges Fernbleiben auf Nachfrage nicht erklären. In ihren Aussagen widersprach sich das Paar ständig. „Das ist ein Sumpf“, kommentierte der Vorsitzende den Unwillen zur Wahrheitsfindung. Christoph W. darf sich aufgrund des falschen Notrufs noch auf ein Strafverfahren freuen.

Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller hatte sichtlich Probleme, dem Gericht stichhaltige Beweise bezüglich des Autodiebstahls und der Brandstiftung zu präsentieren: „Keine direkten Beweise konnten am Tatort sichergestellt werden“.

Einzig eine Funkzellenüberprüfung hatte ergeben, dass sich A.’s Handy in der Nähe der Brandstelle befunden haben muss. „Die hier erhoben Beweise reichen nicht aus“, widersprach Strafverteidiger Wolfgang Möller dem Staatsanwalt. Völlig zurecht: Für das geklaute Stromkabel kassierte Patrick A. sechs Monate auf Bewährung.

Für den gestohlenen und abgebrannten PKWs konnte es nur einen Freispruch geben. „Sie könnten es geklaut haben, müssen es aber auch nicht“, führte Weber aus und bezeichnete die Zeugen Anja S. und Christoph W. als unglaubwürdig. Patrick A. muss außerdem 60 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

AmtsgerichtProzessberichte
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