Prozess um Drogengeschäfte: Angeklagter wünscht sich Drogentherapie

Uwe N. (26) muss sich wegen Drogengeschäften seit Ende März vor dem Leipziger Landgericht verantworten. Der Colditzer war im September 2014 mit 1,8 Kilo Crystal und 350 Gramm Marihuana im Gepäck erwischt worden. Am Dienstag kamen die Lebensumstände Uwe N.s zur Sprache.

In Colditz kennt man Uwe N. vor allem als den gewaltbereiten Rechtsextremisten. Zusammen mit Vater Ralf und Bruder Andreas musste er sich im August 2012 wegen Angriffen auf politisch Andersdenkende vor dem Amtsgericht Grimma verantworten. Das Gericht verurteilte den Erwerbslosen damals wegen Körperverletzung und Fahren ohne Fahrerlaubnis zu 14 Monaten Haft auf Bewährung.

Uwe N. bewährte sich nicht. Im November 2014 verurteilte ihn das Landgericht Leipzig wegen Fahrens ohne Führerschein in fünf Fällen zu 11 Monaten Gefängnis. Ohne Bewährung. Zu diesem Zeitpunkt saß er bereits wegen seiner Drogenvergehen in Untersuchungshaft. Das Grimmaer Gericht widerrief daraufhin die Bewährung für vorangegangenes Urteil. Während die 11 Monate der Leipziger Berufungskammer mit der zu erwartenden Strafe wegen der Drogendelikte zusammengelegt werden können, wird Uwe N. die Grimmaer Haftstrafe separat verbüßen müssen.

Gerichtspsychiater Christof Hieronymus berichtete am Dienstag, Uwe N. habe ihm gegenüber die Absicht bekundet, seine Drogensucht therapieren zu lassen. „Er ist aufgewacht und auf dem Boden der Realität angekommen.“ Bis zu seiner Verhaftung lebte der Mittzwanziger in einer Art Zuckerwatte-Universum. Er traf sich mit Kumpels, um gemeinsam Crystal zu konsumieren. Das ging meist mehrere Tage so. Dann schlief der Drogenabhängige mehrere Tage durch.

Uwe N. lebt noch immer im Elternhaus, wo er ein eigenes Zimmer bewohnt. Einer Arbeit geht er seit Jahren nicht nach. Die Drogensucht finanzierte er laut dem Gutachter, indem er Freunde und Bekannte mit dem Fuhrpark seines Vaters durch die Gegend fuhr. Manchmal hätten diese Taschen dabei gehabt. Uwe N. vermute, darin könnten sich Drogen befunden haben.

Pflegte der Colditzer Kontakte zur organisierten Kriminalität? Im Augenblick spricht mehr dafür als dagegen. Zeugenaussagen beteiligter Polizisten legen nahe, dass er bei seiner Festnahme gestört worden war, als er einem weiteren polizeibekannten Drogenkonsumenten das hochwertige Crystal-Paket übergeben wollte.

Der Angeklagte ist mittlerweile auf dem Boden der Realität gelandet. Hieronymus zeichnet das Bild eines Muttersöhnchens, das sich im Leben bisher nicht zurechtgefunden hat. „Er wird von der Mutter sehr umsorgt“, erzählte der Psychiater. Uwe N. brach nach der 9. Klasse die Mittelschule ab. Die Ausbildung zum Hochbau-Facharbeiter besuchte er nur so oft wie nötig, um nicht entlassen zu werden. Konsequenterweise rasselte er durch die Abschlussprüfung. Abgesehen von einigen Hilfsjobs im Holzhandel seines Vaters ging Uwe N. die letzten acht Jahre keiner Beschäftigung nach.

„Er hatte ein relativ freies Feld, um sich das Leben so einzurichten, wie er es wollte“, schilderte Hieronymus das Leben des Angeklagten. Die Colditzer, die nicht mit der rechten Clique sympathisieren, die Uwe und Andreas N. um sich geschart haben, können hiervon ein Lied singen. In der Öffentlichkeit soll sich der Angeklagte bisweilen wie der König der Stadt aufgeführt haben, der sich alles erlauben konnte. Damit ist jetzt Schluss.

Das Gericht hat Uwe N. eine Gesamtstrafe knapp unter fünf Jahren in Aussicht gestellt. Dafür legte er bei Prozessauftakt ein vollumfängliches Geständnis ab. Auch sonst spricht die Beweislast klar gegen ihn. So entdeckten Spezialisten des Landeskriminalamts an dem Rucksack und den Tüten, in denen er die Drogen transportierte, DNA-Anhaftungen. Diese konnten sie dem Angeklagten zuordnen.

Hieronymus befürwortete aus psychiatrischer Perspektive die Einweisung in den Maßregelvollzug. Uwe N. leide an einer Methamphetamin-Abhängigkeit sowie einer Persönlichkeitsakzentuierung. In der zuständigen Entzugsklinik, ein geschlossenes Institut des Leipziger Klinikums St. Georg, dauert die Therapie zwei bis zweieinhalb Jahre. Diese Zeit würde Uwe N. auf die Haftstrafe angerechnet werden. Das Urteil wird am 4. Mai erwartet.

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