Hunderttausende Kinderpornos gedownloaded: Hallenser kommt mit blauem Auge davon

Schwein gehabt. Am 13. Dezember 2011 fanden Polizisten bei Daniel B. (42) hunderttausende Fotos und Videos mit kinderpornografischen Inhalten. Am Mittwoch kam der Administrator einer Krankenversicherung mit einer Bewährungsstrafe davon.
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In der Anklageschrift war der sensationelle Fund aus verfahrensökonomischen Gründen bereits zusammengeschrumpft. Aus mehreren hunderttausend Dateien wurden knapp 30.000 Fotos und Videos. Immer noch eine ganze Menge. Der Hallenser hatte sich das Material überwiegend in den Jahren 2010 und 2011 über die Filesharing-Plattform „eDonkey“ besorgt. Weil das Programm auf dem Tauschbörsenprinzip fußt, machte sich der Pädophile nicht nur des Besitzes, sondern auch der Verbreitung kinderpornografischer Schriften schuldig. Beides ist in Deutschland streng verboten. Denn hinter jeder einzelnen Aufnahme steckt der sexuelle Missbrauch von mindestens einem Kind.

Daniel B. ist ein unscheinbarer schüchterner Mann, schmallippig von hagerer Statur, dem man zumindest auf dem ersten Blick nicht zutrauen würde, einer Fliege irgendetwas zuleide zu tun. Seit gut 20 Jahren konsumiere er Kinderpornos. Der Prozess – sein allererster – ist ihm sichtlich peinlich. Gegenüber seinem sozialen Umfeld hat er seine sexuellen Neigungen bisher verheimlicht. Über das Strafverfahren sprach er aus Scham nur mit seinem Anwalt. Der ging vor dem Leipziger Amtsgericht in die Offensive, um den IT-Experten vor dem Gefängnis zu bewahren. „Mein Mandant hat über Jahre hinweg ein hohes Kontingent an pornografischen Dateien angesammelt“, gab Verteidiger Clemens Louis an. „Er hat sie gezielt geladen, um sie sich anzusehen.“

„Wenn ich mir diese Videos anschaue, dann kommt mir das kalte Grausen“, befand Amtsrichterin Ute Fritsch. „Jetzt sehe ich hier Bilddateien im vier oder fünfstelligen Bereich. Was haben Sie damit vorgehabt?“ Der Angeklagte hätte sich in diesem Moment am liebsten in seinem Stuhl vergraben. „Wenn jemand im sechsstelligen Bereich Bilder hortet, ist das eine Ausnahme“, fasste Fritsch nach. Daniel B. fand keine Erklärung für sein Verhalten. „Warum, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht.“

Erschreckend. Und doch so plausibel. Immerhin ist ein Foto schnell aus dem Netz geladen. Die abgebildeten Kinder, in diesem Fall viele asiatischer Herkunft, sind den Tätern für gewöhnlich nicht persönlich bekannt. Offensichtlich verdrängte der Angeklagte, dass den Kindern auf den Aufnahmen, mittels derer er sich über Jahre hinweg sexuell befriedigte, großes Leid widerfahren ist. „Man kann nicht in Worte fassen, was hier mit Kleinstkindern passiert ist“, resümierte Staatsanwalt Jens Heinrich in seinem Plädoyer.

Daniel B. steht seit Anfang der 2000er bei demselben Arbeitgeber in Lohn und Brot, hat ein überdurchschnittliches Einkommen und sich seit der Hausdurchsuchung im Jahr 2011 nichts mehr zuschulden kommen lassen. Das Gericht hatte außerdem sein umfassendes Geständnis zu berücksichtigen. Heinrich beantragte deshalb zwei Jahre Haft auf Bewährung. Verteidiger Louis schloss sich dem Antrag an. „Daniel B. hat Angst vor der Justiz und lässt sich von so einem Verfahren abschrecken.“

Das Schöffengericht folgte beim Strafmaß den Plädoyers. Eine höhere Strafe hätte nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden können. Daniel B. muss sich außerdem in sexualtherapeutische Behandlung begeben und 3.000 Euro an die Opferhilfe Sachsen überweisen. „Wir gehen davon aus, dass man Sie nicht erst einsperren muss, damit Sie die richtigen Lehren aus dem Verfahren ziehen“, so Fritsch. Das Urteil ist rechtskräftig.

AmtsgerichtProzessberichte
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