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Kommentar – Nach dem Chaos in der Kolmstraße: Nur so eine Idee zum Jubiläum

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    Nun war also alles ganz anders. Rund 200 Lokfans wollten sich nach Aussagen mehrerer Facebook-User friedlich versammeln, eine spontane 50-Jahre-Lokomotive-Traditionsfeier am alten Fanprojekt veranstalten, ein bisschen Pyrotechnik entzünden. Anmelden wollte man die Feier aber auch nicht so richtig, was die Polizei auf den Plan rief. Insgesamt eine interessante Idee in Zeiten, wo organisierte linksextreme Randalierer am 12. Dezember 2015 in der Südvorstadt die Polizei angreifen und am 11. Januar 2016 rechte Schläger durch Connewitz ziehen, Läden demolieren und ein ganzes Viertel in Angst und Schrecken versetzen. Und in Sachsen Asylbewerberheime brennen.

    Lokfan Marcel D. ist sauer, wie andere auch sieht er seinen Verein ins falsche Licht gerückt. Auf der Facebookseite der L-IZ schreibt er am Abend des 19. Januar, die Ansammlung vom 19. Januar an der Kolmstraße hätte nichts mit der abgesagten Informationsveranstaltung zu zwei Asylbewerberunterkünften in unmittelbarer Nähe zu tun: „Es hing nicht mit einer Informationsveranstaltung zusammen. Der 1. FC Lok Leipzig feiert morgen 50 Jahre. Das nahmen wir Lokfans zum Grund uns zu treffen am ehemaligen Fanprojekt von Lok! Man sollte besser recherchieren ehe man solche Unwahrheiten in Umlauf bringt!“ Eine Erklärung, der sich einige Lokfans anschließen können, in der Tat ist am 20. Januar die erste offizielle Feierlichkeit zum Vereinsjubiläum in Leipzig.

    Das mit dem „Recherchieren“ allerdings haben die 200 Versammelten am Abend des 19. Januar allen Beobachtern ein wenig schwer gemacht, auch der Polizei. Die hätte vielleicht auch anderes zu tun gehabt, wusste nichts Genaueres vom Begängnis, an welchem man auch gern ein wenig Pyrotechnik abgebrannt hätte und musste mit einer Hundertschaft ausrücken, wo sonst ein paar Streifenwagen genügt hätten. Schuld wahrscheinlich auch sie, dass sie auf Ideen zur spontanen Zusammenkunft kam, welche die Versammelten im Nachgang so abwegig finden. Am Ende verlief alles friedlich und niemand hatte etwas Böses vor, doch das Chaos war vorprogrammiert.

    Nachdem am 11. Januar 2016 als vorläufigem Höhepunkte der Gewalt in Leipzig bis zu 250 Hooligans und Rechtsextremisten Scheiben einschlagend durch die Connewitzer Wolfgang-Heinze-Straße zogen, sind viele Leipziger in Alarmstimmung. Mit dabei in dieser Nacht neben Hooligans aus Halle, Dresden und weiteren Städten auch Lokanhänger, über die der Verein sagt, sie gehören nicht zu Lok, wenn sie solche Taten begehen.

    Die aufgeheizte Asyldebatte andererseits hat nach den Ereignissen in Köln eine neue Dimension angenommen und seit Monaten werden fast täglich Anschläge vor allem auf vorbereitete Asylunterkünfte gemeldet. Am Abend des 19. Januar 2016 wollte die Stadt Leipzig über gleich zwei solcher kommenden Einrichtungen in Leipzig Holzhausen informieren. Die Veranstaltung in der unweit der Kolmstraße gelegenen Grundschule Holzhausen an der Stötteritzer Landstraße 21 musste aufgrund des Andrangs abgesagt und neu terminiert werden. Nicht zu vernachlässigen: auch die NPD Leipzig hatte im Vorfeld dazu aufgerufen, sich an der Bürgerversammlung zu beteiligen.

    All dies scheint den 200 Lokfans entgangen zu sein, eine Information an die Behörden oder die Polizei im Vorfeld über den genauen Ort und die Art der Feier fand man anscheinend ebenfalls unnötig. Ob Teile derer, die sich da an der Kolmstraße versammelten, vorher auch vor der Holzhausener Grundschule standen oder in der Aula saßen, ist unbekannt. Auf den einschlägigen Facebookseiten der Fans des Clubs finden sich zudem keine Anzeichen für die Versammlung, auf der Internetseite des Vereins ist zu einem Treffen am Abend des 19. Januar nichts zu lesen. Muss ja auch nicht, es ist Feierzeit und so ein bisschen Anarchie ist sonst durchaus dem Fußball in Leipzig eigen.

    Nur so eine Idee

    Man kann in solchen angespannten Zeiten, insbesondere nach dem 12. Dezember und dem 11. Januar und den durchaus bei nicht wenigen Leipzigern vorhandenen Ängsten vor weiteren Randalen viel Durcheinander vermeiden, wenn man vorab bei der Polizei Bescheid gibt, dass eine Jubelfeierlichkeit zur Huldigung des eigenen Clubs geplant ist. Zumal am Ort eines Fanprojektes, welches aufgrund ehemaliger Strukturen nicht mehr existiert und dennoch ein paar Jahre lang Normalität in Fan-Kreisen war. Auch eingefleischte Lok-Fans wussten auf L-IZ-Nachfrage im Vorfeld nichts von der Jubel-Aktion, der Vorstand des Vereins musste laut LVZ herbeigerufen werden.

    Schaut man sich das Ergebnis an, war es letztlich auch keine Feier, wie sie andere Menschen verstehen: Die Polizei wurde alarmiert, da Menschen Angst hatten, dass sich an der Kolmstraße, Ecke Kommandant-Prendel-Allee Schlimmes abspielen könnte und die Polizei in Hundertschaftsstärke kommen musste. Die Feier selbst ging nicht sehr lang und wurde im Polizeikessel und mit einem Gang Richtung Bruno-Plache-Stadion beendet. Aber vielleicht wollte man es seitens der Beteiligten auch so. Dann ist das aufgekommene Chaos ja sicher einberechnet gewesen und muss denen zugeordnet werden, die es verursachten. Die Codes einer radikalen Zusammenrottung jedenfalls haben sie allesamt nach heute gängigen Abläufen sorgfältig erfüllt. Oder man hat gar nicht nachgedacht. So oder so – keine guten Zeiten für spontane Fußball-Versammlungen in Sachsen angesichts aktueller Vorkommnisse.

    Im besten Falle war es eine unangepasste Reaktion auf die derzeitigen Regeln für sicherheitsrelevante Vorgaben. Inklusive Polizeiaufgebot als Eskorte.

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      1 KOMMENTAR

      1. Sorry, Herr Freitag, aber mit den schon sehr angepassten Tenor Ihres Artikels billigen Sie, dass der Bürger seine Handlungsfreiheiten von sich aus einschränkt – nur weil derzeit mal irgendwelche Nerven blankliegen. So geht’s auch nicht.

        Nach wie vor muss nicht *jede* Zusammenkunft von Menschen im öffentlichen Straßenraum angemeldet oder auch nur „mitgeteilt“ werden. Die Polizei in NRW bietet diese Information an:

        >>>
        Nach herrschender Meinung liegt eine Versammlung im Sinne von Art. 8 GG vor, wenn mindestens 2 Personen zur gemeinschaftlichen, auf die Teilhabe an der öffentlichen Meinungsbildung gerichteten Erörterung oder Kundgebung zusammen kommen .

        Volksfeste und Vergnügungsveranstaltungen sowie Veranstaltungen, die der bloßen Zurschaustellung eines Lebensgefühls dienen fallen deshalb nicht unter den Versammlungsbegriff.
        <<<
        (aus https://www.polizei.nrw.de/artikel__58.html )

        Viel fehlt nicht mehr, und Sie erwarten, dass man schon bei Lampionsumzügen im Stadtteil "Bescheid geben" sollte…

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