Die Berichte über die Leipziger „Jugendbande“ haben eine neue Diskussion über den richtigen Umgang mit Kinderkriminalität entfacht. Während die CDU mehr Sicherheitskräfte vor Schulen und eine Absenkung der Strafmündigkeit fordert, sprechen sich die Grünen gegen zusätzliche Repression aus. Sie wollen mehr Geld für Prävention und Pädagogik.

Die Stadtratsfraktion der CDU hatte in der vergangenen Woche mehrere Forderungen zur Bekämpfung von Kinder- und Jugendkriminalität veröffentlicht. Oberste Priorität müsse der Schutz von Opfern haben. Dazu soll die Stadtverwaltung „an bekannten Brennpunkten“ das Ordnungsamt einsetzen. Besonders wichtig sei der Einsatz vor Schulen und auf Schulwegen.

Eine weitere Forderung richtet sich an die Justiz. Diese müsse die Verfahren im Jugendstrafrecht beschleunigen, damit es „erzieherisch“ wirken könne. Außerdem wünscht sich die CDU vom Freistaat Sachsen eine Bundesratsinitiative, um die sogenannte Strafmündigkeit von derzeit 14 auf zwölf Jahre abzusenken.

Die CDU verweist dabei auf die Leipziger „Jugendbande“, die bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hat. Hier hätte eine Strafmündigkeit von zwölf Jahren aber nur teilweise einen Unterschied gemacht: Einige „Anführer“ der Gruppe waren erst elf Jahre alt.

Darüber hinaus fordert die CDU eine bessere Kommunikation zwischen den Behörden, mehr Plätze in der Kinder- und Jugendpsychologie sowie mehr niedergelassene Psychotherapeut*innen.

Grüne: Mehr Polizei löst das Problem nicht

Aus Sicht der Grünen-Fraktion sind diese Forderungen der falsche Weg. „Die Lösung des Problems liegt nicht in mehr Polizei- oder Ordnungsamtspräsenz, sondern in der Stärkung präventiver und sozialpädagogischer Angebote und Maßnahmen“, sagt Marsha Richarz, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion.

Die CDU-geführte Landesregierung in Sachsen habe jahrzehntelang an wichtigen Stellen gespart. Wichtig sei jetzt ein besserer Personalschlüssel in Kitas, in der Schulsozialarbeit und bei jugendpsychiatrischen Angeboten.

Besonders entschieden wehrt sich Richarz gegen Sicherheitskräfte vor Schulen: „Das wäre eine Kapitulation vor den gesellschaftlichen und sozialpädagogischen Herausforderungen. Wir wollen keine amerikanischen Verhältnisse in Leipzig.“

Weiter sagt Richarz, dass das Jugendamt im Zusammenhang mit der sogenannten Jugendbande konsequent und fachlich einwandfrei agiert habe. „Ziel muss immer sein, sozialpädagogisch und am einzelnen Kind und Jugendlichen beziehungsweise der ganzen Familie orientierte Lösungen zu finden, die nachhaltige Verhaltensverbesserungen zum Ziel haben. Repression ist die einfachste Antwort, in den seltensten Fällen aber eine sinnvolle und langfristig wirksame.“

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