Das Statistische Landesamt hat am Dienstag, dem 24. Februar, aktuelle Zahlen zu den Kindertageseinrichtungen im Freistaat Sachsen veröffentlicht. Die sinkenden Geburtenzahlen der letzten Jahre machen sich zunehmend auch in Krippe und Kindergärten bemerkbar. Über Gründe dafür rätselt Sachsens Regierung gar nicht erst.

Immerhin hat der Rückgang einen Vorteil: Es werden ein paar Gelder frei, um Erzieherinnen im System zu halten. Sachsen will den frei werdenden Landeszuschuss 2025 und 2026 zur Verbesserung des Personalschlüssels in Kindergärten und Kinderkrippen einsetzen, verkündete das Kultusministerium am Dienstag.

Dabei ist die Entwicklung eigentlich beängstigend. Was auch Kultusminister Conrad Clemens betonte: „Mit jedem Kind weniger verliert Sachsen etwas Zukunft. Bis 2040 werden 25 Prozent weniger Kinder an den Grundschulen erwartet. Eine Entwicklung, die wir zuerst in den Kinderkrippen und Kindergärten spüren.“

Und das pflanzt sich ja fort. Denn das sind dann auch 25 Prozent weniger Bewerber am Arbeitsmarkt. Jedes Jahr. Da geht die sächsische Wettbewerbsfähigkeit vor aller Augen den Bach runter. Obwohl die Statistiker natürlich nicht sagen können, warum die jungen Frauen heute oft keine Kinder mehr haben wollen.

Die Zahlen

Insgesamt 311.949 Kinder und damit 63,4 Prozent aller Kinder unter 14 Jahren wurden im Freistaat Sachsen am 1. März 2025 in Kindertageseinrichtungen betreut. Das waren 7.469 weniger als im Vorjahr. Von den Kindern waren 159.954 Jungen und 151.995 Mädchen bzw. 166.818 Nichtschulkinder und 145.131 Schulkinder. In Leipzig ging die Zahl der betreuten Kinder übrigens von 51.717 binnen eines Jahres auf 50.680 zurück.

12,9 Prozent der Kinder mit Betreuungsverträgen in Tageseinrichtungen waren jünger als 3 Jahre (2024: 14,2 Prozent). 40,5 Prozent waren im Kindergartenalter, also 3 Jahre und älter, und besuchten noch nicht die Schule (2024: 40,6 Prozent). Weitere 46,5 Prozent gingen neben der Schule noch in die Hortbetreuung (2024: 45,2 Prozent).

Wie das Statistische Landesamt weiter mitteilt, hatten 2 von 100 Kindern im Alter von unter 1 Jahr einen Vertrag zur Betreuung in einer Kindertageseinrichtung. Für Kinder im Alter von 1 bis unter 3 Jahren traf das auf 71 von 100 Kindern zu. In der Altersgruppe der 3- bis unter 6-Jährigen bestanden für 97 von 100 Kindern Betreuungsverhältnisse in einer Kindertageseinrichtung.

Für fast alle Kinder war eine Betreuung an 5 Tagen pro Woche vereinbart. Für die Mehrzahl der Nichtschulkinder (87,8 Prozent) bestand ein Betreuungsvertrag für 36 und mehr Stunden pro Woche. An der Mittagsverpflegung in den Tageseinrichtungen nahmen 84,9 Prozent der Kinder teil (Nichtschulkinder 99,7 Prozent und Schulkinder 67,9 Prozent).

Der Anteil der betreuten Kinder im Alter von 3 bis unter 6 Jahren lag in allen Kreisfreien Städten und Landkreisen bei rund 95 Prozent und mehr. Im Gegensatz dazu unterschied sich der Anteil der betreuten Kinder im Alter von 1 bis unter 3 Jahren deutlich: Dieser lag zwischen 61,3 Prozent (Stadt Chemnitz) und 80,2 Prozent (Landkreis Leipzig).

Im Vergleich zum Vorjahr wurden im März 2025 311.949 Kinder an sächsischen Kindertageseinrichtungen betreut (2024: 319.418). Damit sank die Zahl der in Kindertageseinrichtungen betreuten Kinder um 7.469. Auch die Zahl der in öffentlich geförderter Tagespflege betreuten Kinder verringerte sich zum 1. März 2025 auf 3.827 (2024: 4.568).

Betreuungsschlüssel verbessert sich

Auch die Zahl der Angestellten in sächsischen Kindertageseinrichtungen ist 2025 leicht gesunken (2024: 44.317; 2025: 43.256), da sich der Personalbedarf an der Anzahl der betreuten Kinder orientiert. Doch so streng will Sachsens Regierung das nicht mehr handhaben. Seit August 2025 werde wegen sinkender Kinderzahlen der freiwerdende Landeszuschuss deshalb für eine Schlüsselverbesserung im Kindergarten eingesetzt, ab August 2026 in der Kinderkrippe.

„Weniger Kinder darf nicht weniger Qualität bedeuten – im Gegenteil: Wir nutzen frei werdende Mittel, um die Betreuungsqualität zu erhöhen. Seit dem 1. August 2025 werden Landesmittel, die infolge der sinkenden Kinderzahlen freiwerden, für eine Schlüsselverbesserung im Kindergarten eingesetzt“, erklärt dazu Kultusminister Conrad Clemens. „Damit stehen landesweit etwa 210 Vollzeitkräfte mehr zur Verfügung, was bei einer landesdurchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 32 Stunden in etwa 260 Fach- und Leitungskräften entspricht. So stärken wir insbesondere die Schulvorbereitung im Kindergarten.“

Aus den 2026 weiter sinkenden Betreuungszahlen soll dann zum 1. August 2026 eine zusätzliche Schlüsselverbesserung im Bereich Kinderkrippe folgen. Hier geht es um 210 Vollzeitkräfte bzw. etwa 260 Fach- und Leitungskräfte.

Die Kosten der Kitabetreuung werden vom Land, den Gemeinden und den Eltern gemeinsam übernommen. Der Freistaat Sachsen beteiligt sich an den Kosten durch Zahlung eines Landeszuschusses, der aktuell bei 3.510 Euro je Kind und Jahr liegt – bezogen auf eine tägliche neunstündige Betreuungszeit. 96,8 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen besuchen in Sachsen eine Kindertageseinrichtung oder werden von einer Tagespflegeperson betreut.

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Es gibt 2 Kommentare

In einer alternden (sächsischen) Gesellschaft werden ganz automatisch weniger Kinder geboren.
Hinzu kommt, und das Amt für Wahlen und Statistik schrieb in der Analyse zur Stadtgesellschaft „Die Leipziger Bevölkerung im Wandel“ darüber, dass ökonomische Unsicherheiten das Kinderkriegen negativ beeinflussen. Dazu gabs hier auch schon einen Beitrag. Es „spielt in wissenschaftlichen Untersuchungen die gestiegene Unsicherheit, insbesondere ökonomischer Art, eine Rolle. Die letzten Jahre waren gezeichnet von multiplen Krisen in Verbindung mit dem Krieg in der Ukraine, Inflationswellen sowie eine generell stagnierende wirtschaftliche Entwicklung.“
Da brauchts keine Verschwörungsdiskussion.

Ansonsten ist der Autor doch auch nicht so zurückhaltend mit seinen subjektiven Kommentaren. Man könnte ja mal die Diskussion dazu eröffnen, weshalb immer weniger Kinder geboren werden, das Jahr 2020 oder 2015 könnte der Einstieg in die “Verschwörungsdiskussion” sein oder was anderes.

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