13.4 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Hintergrund: Die Spur der Schweine auf den Moscheebaustellen führt nach Sevilla

Mehr zum Thema

Mehr

    Es geschieht so sicher wie das Āmīn in der Moschee beim Gebet zum Abschluss der ersten Sure (Al Fatiha) des Koran: Unbekannte legen an den Ort des geplanten muslimischen Gotteshauses ein Schwein. In Gohlis musste ein Ferkel dran glauben. „Mutti Merkel“ hatte jemand draufgeschrieben. Eine Botschaft an die Bundeskanzlerin - und an die Gemeinde: die Moschee könne nicht mehr gebaut werden, meinen die Täter. Das soll in Sevilla geklappt haben. Stimmt das?

    „Wenn sich das herumspricht!!!“ beginnt ein Text, der auf islamkritischen Seiten im Netz kursiert. Darin wird erzählt, wie in Sevilla, der Hauptstadt von Andalusien, der Bau einer Moschee verhindert worden sein soll. Es sei einfach am Baugrundstück ein Schwein vergraben worden. Das Schwein ist ein unreines Tier, daher –  berichtet zum Beispiel vor vier Tagen Gloria.tv: „ist die Errichtung einer Moschee auf einem durch einen Schweinekadaver ‚verseuchten‘ Gelände ausgeschlossen.“ Faktisch sind aber in den letzten Jahren viele Moscheebauten entstanden.

    Johanna Pink, Heisenberg-Professorin  für Islamwissenschaft am Orientalischen Seminar der Universität Freiburg, ist in ihrem Blog der Geschichte dieser Meldung nachgegangen. Zunächst einmal bestätigt sie darin den Eindruck, dass die Sevilla-These „ausschließlich auf Islamgegnerwebseiten wie pi-news oder reconquista-europa zu finden ist, dort aber überall wortgleich.“ Die älteste Fundstelle datiert Pink auf September 2011. Die periodisch wiederkehrende Veröffentlichung des Textes wirkte auf Täter offensichtlich immer neu inspirierend, „denn es gibt gleichartige, in diesem Fall aber auch in seriösen Medien erschienene Meldungen vom November 2011 über den Moscheestreit im schweizerischen Grenchen, in dem Moscheegegner versuchten, sich durch das Hinterlassen toter Schweine zu ‚wehren‘.“ Die Moschee soll nun ab März 2016 endlich gebaut werden. Das Vorhaben ist bislang nicht am Schwein, sondern am mangelnden Geld im Sparschwein der muslimischen Gemeinde gescheitert.

    An vielen anderen Orten in Europa sind indes bereits Moscheen entstanden, obwohl Täter der Anweisung des Sevilla-Textes folgten. Der Glaube an die Wirksamkeit ist aber ungebrochen. Das zeigen auch die Kommentare unter dem jüngsten Artikel auf Gloria.tv: „Ein ähnliche Methode wurde schon an verschiedenen Orten durchgeführt. Es muss kein totes Schwein sein, es reicht, ein Hausschwein an der Leine über den Ort zu führen“, erläutert ein Leser eine Abwandlung, die in der Realität genauso wirkungslos verpufft. „Man hält Muslime auf diesen Seiten für so dumm und abergläubisch, dass man ihnen das ohne Weiteres zutraut“, vermutet Pink.

    Der Weg von Sevilla nach Zentraleuropa führt über einen Artikel der New York Times von 2008, berichtet Pink: „Die NY Times behauptete 2008, das Ganze sei 2005 passiert, aber nur mit einem Schweinekopf und nicht mit einem ganzen Schwein.“ Die in Madrid erscheinende Tageszeitung ABC berichtete online am 12. Mai 2005 von einer Gruppe, die ein Schwein auf dem Grundstück einer geplanten Moschee geschlachtet habe, um den Bau zu verhindern.

    Die Moschee wurde tatsächlich nicht gebaut – Grund war ein Behördenveto gegen den Bau einer Kultstätte auf staatlichem Land.

    Weder damals noch heute aber verhindern Schweine den Bau einer Moschee: Abdullah Uwe Wagishauser, der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinde, erklärte indes: „Das bringt uns nicht außer Fassung“.

    Topthemen

    1 KOMMENTAR

    1. Meines Wissens gibt es im Islam nicht so etwas wie eine „Weihe“, weder bei Personen noch bei Gegenständen. Im Christentum ist der Weihebegriff markant bei den katholischen Denominationen, aber ansonsten… Schon bei den Protestanten sind die Kirchenbauten lediglich Versammlungsorte ohne irgendeine Weihe (es wird nur gesegnet – also eine Bitte(!) an Gott gerichtet).

      Das wird bei Moscheen auch nicht anders sein.. in Deutschland sind die Moscheen rechtlich nur Heime von Moscheevereinen und keine Sakralbauten.

      Zeigt schon, dass bei *gida die Leute keine Ahnung haben, wogegen sie eigentlich „kämpfen“. Erinnert mich an das seinerzeitige Gerücht, dass die meisten US-Amerikaner nicht mal wussten, wo der Irak eigentlich auf dem Globus liegt, trotzdem aber Bomben werfen ließen…

    - Werbung -

    Aktuell auf LZ