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Interview mit Benjamin Heinsohn: „Sein Glück kann Luan nur in Deutschland finden“

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    LEIPZIGER ZEITUNG/Ausgabe 43Das Schicksal des 18-jährigen Luan Zejneli, der womöglich in den Kosovo zurückkehren muss, sorgte vor drei Monaten bundesweit für Schlagzeilen. Zahlreiche Mitschüler hatten sich mit einer Petition für ein Bleiberecht in Deutschland ausgesprochen. Andere jedoch kritisierten dieses Engagement. Am kommenden Freitag, den 19. Mai, wird sich die sächsische Härtefallkommission mit Luans Fall befassen. Benjamin Heinsohn, ein Mitschüler und zugleich Ersteller der Petition, hat der Redaktion im Vorfeld einige Fragen beantwortet.

    Am Freitag wird die Härtefallkommission darüber entscheiden, ob sie das Innenministerium um eine Aufenthaltserlaubnis für Luan ersucht. Warum soll sie sich für Luan entscheiden?

    Weil Luan es schlicht und einfach verdient hat, sich ein Leben in Deutschland aufbauen zu können. Er hat bewiesen, dass er das Zeug dazu hat, etwas aus sich zu machen. Luan sollte die Möglichkeit bekommen, sein Leben so zu gestalten wie er es vorsieht und nicht der Staat. Sein Glück kann er nur in Deutschland finden.

    Was bedeutet Luan dir persönlich?

    Luan bedeutet mir sehr viel. Die letzten Monaten haben uns sehr zusammengeschweißt. Er ist einer meiner engsten Freunde.

    Was würde es für dich und deine Mitschüler bedeuten, wenn Luan das Land verlassen müsste?

    Für uns würde die Welt untergehen. Wir wären traurig, enttäuscht und sauer, weil wir es nicht geschafft hätten, ihm zu helfen. Dennoch würde das Thema niemals in Vergessenheit geraten. Wir würden weiterhin den Kontakt zu ihm halten und Freunde bleiben. Aber so konkret will ich da noch nicht drüber nachdenken.

    Was würde Luan im Kosovo erwarten?

    Obdachlosigkeit, eine schlechte Wirtschaft und der Tod – wenn man es mal aggressiv ausdrückt. Ich sehe es beim besten Willen nicht ein, dass der Staat über das Wohlergehen eines jungen Mannes entscheiden kann, obwohl er jenen besagten jungen Mann nicht kennt. Es sollte gar nicht erst dazu kommen, dass 15- und 16-Jährige monatelang darauf hinarbeiten müssen, ein Leben zu retten. Ich habe das alles sehr gerne getan und würde es immer wieder tun. Aber hier in Deutschland läuft in der Flüchtlingspolitik einiges falsch. Das ist ein Fakt.

    Zahlreiche Mitschüler und einige Lehrer haben sich für ein Bleiberecht für Luan ausgesprochen. Allerdings gab es aus CDU-Kreisen auch Kritik an dem Engagement. Hat es an eurer Schule Diskussionen zu dem Thema gegeben?

    Ja, die gab es, aber hauptsächlich darüber, dass besagte Personen mit CDU-Hintergrund einfach nur Idioten sind, die ihren Bekanntheitsgrad ein wenig steigern wollten. Wir selber haben uns damit nicht groß befasst uns hat das nicht sonderlich interessiert. Ich persönlich habe es belächelt.

    Für Luan müssen die vergangenen Wochen äußerst belastend gewesen sein. Wie geht es ihm?

    Ihm geht es so weit gut. Er ist aber verständlicherweise extrem aufgeregt wegen kommendem Freitag.

    Die LEIPZIGER ZEITUNG, Ausgabe Mai 2017 erscheint am Freitag, den 19. 05. überall in Leipzig, wo es gute Zeitungen zu kaufen gibt. Unter anderem in diesen Szeneverkaufsstellen, in denen die LZ die Betreiber fair beteiligen kann. Bei einem Abonnement liegt die LZ natürlich regelmäßig am 3. Freitag des Monats im Briefkasten.

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