Nach fast zwei Jahren auf dem Bahngelände

Interview mit dem Black Triangle: „Die Instandbesetzung ist weit vorangeschritten“

Für alle LeserAnfang Juni möchte das „Black Triangle“ seinen Geburtstag feiern. Dann sind zwei Jahre vergangen, seit einige Aktivisten das Grundstück der Deutschen Bahn in der Arno-Nitzsche-Straße besetzt haben. Im Moment sind die Pläne der Bahn immer noch unklar. Es gab bislang weder konkrete Gespräche mit den Besetzern noch eine Räumung durch die Polizei.

Vor einigen Wochen war bei Euch auf Twitter zu lesen, dass die Bahn offenbar das Grundstück verkaufen möchte. Mittlerweile hat sie das dementiert. Beruhigt Euch das einigermaßen?

Nicht wirklich. Es gibt ja trotzdem keine eindeutige Entscheidung und das Projekt hängt immer noch in der Luft. Nach dem letzten Gerichtsurteil müsste nun die Polizei aktiv werden. Das macht es vielleicht noch heikler.

Der Tweet enthielt auch ein Foto, auf dem ein Spruchband zu sehen ist: mit dem Satz „Wer kauft, kauft Probleme“, einer Explosion sowie den Logos von Deutscher Bahn und der Stadt Leipzig. Was genau wolltet Ihr denn damit mitteilen?

Das ist eine kreative Formulierung des Widerstandsgedankens.

Im vergangenen Jahr berichtete die „Bild“ darüber, dass das Black Triangle aus Polizeisicht das „linksextreme Hauptquartier“ in Leipzig sei. Was haltet Ihr von dieser Zuschreibung?

Die ist plakativ, haltlos und fernab der Realität. Wir wollen kein Hauptquartier und keine Kommandozentrale sein, sondern ein soziokultureller Freiraum. Das Black Triangle bietet die Möglichkeit, sich auszuleben, sich auszudrücken, sich zu vernetzen und aktiv zu werden. Es ist eine Anlaufstelle für das kreative Potential in dieser Stadt.

Was hat sich seit dem Beginn der Besetzung vor knapp zwei Jahren verändert?

Die Instandbesetzung ist weit vorangeschritten. Wir haben mittlerweile mehr Räume, in denen man sich verwirklichen kann. In einigen Räumen musste alles neu gemacht werden: Fußboden, Wände, Decken, Fenster. Die Bahn hat uns einige ordentliche Baustellen hinterlassen, aber wir wirken dem Verfall aktiv entgegen. Inzwischen können wir uns mehr auf das Außengelände konzentrieren.

Welche regelmäßigen Veranstaltungen gibt es im Black Triangle?

Wir haben dienstags ein offenes Plenum, donnerstags Vokü und an beiden Tagen ist die Kneipe geöffnet. Die Sporträume werden fast täglich genutzt und einmal pro Woche ist der Umsonstladen geöffnet. Wenn die Fahrradwerkstatt und der Infoladen fertig sind, werden sie bestimmt zweimal pro Woche geöffnet sein. Die Bandproberäume können täglich genutzt werden. Die Leute kommen her und füllen die Räume mit Leben.

Anfang Juni wollt ihr den zweiten Geburtstag des Black Triangle feiern – wie sehen die Pläne dafür aus?

Es ist viel geplant, zum Beispiel Konzerte, Vorträge, Filme, ein Fußballspiel, eine Graffitiwand, Kunstausstellungen, Näh- und Siebdruckworkshops, eine Cocktailbar und viele Infostände.

Wie laufen eigentlich die Gespräche mit der Deutschen Bahn?

Es gibt keine. Die mögen uns nicht. Auf unsere Anfragen haben sie nie reagiert.

Trotzdem wollt Ihr weiter Entgegenkommen zeigen?

Die Bahn hat immer damit argumentiert, dass sie nicht auf die elektrischen Anlagen auf dem Gelände kommt. Wir sehen ein, dass die Anlagen gewartet werden müssen, und haben deshalb den Zaun versetzt. Nun sind die Anlagen von außen frei zugänglich. Damit ist dieses Argument nicht mehr haltbar.

Eure Erwartungen an die Bahn sind ja dennoch gering. Ihr wollt aber sicherlich nicht in 20 Jahren noch mit der Angst vor einer Räumung hier leben. Wie ist die langfristige Perspektive?

Ein Duldungsvertrag wäre gut. Noch besser wäre es, wenn uns die Bahn das Gelände überlassen würde. Es ist ja nicht so, dass die Bahn damit noch viel Geld verdienen könnte. Außerdem wäre es doch cool, wenn ein so großes Unternehmen der Gesellschaft etwas zurückgeben und damit Freiräume und Kultur unterstützen würde.

Deutsche Bahn kann besetztes „Black Triangle“ vorerst nicht räumen lassen

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