Das „unteilbar“-Bündnis, das im vergangenen Oktober in Berlin nach eigenen Angaben mehr als 200.000 Menschen auf die Straße brachte, hat in Sachsen den „Sommer der Solidarität“ ausgerufen. Anlass ist die anstehende Landtagswahl am 1. September. Den Auftakt bildete am Samstag, den 6. Juli, eine Demonstration in Leipzig, an der sich mehr als 3.000 Personen beteiligten. Für den 24. August ist eine Großdemo in Dresden geplant.

In Leipzig hat am Samstag, den 6. Juli, der „Sommer der Solidarität“ begonnen. An einer Demonstration des „unteilbar“-Bündnisses beteiligten sich nach Schätzung der L-IZ mehr als 3.000 Menschen. Die Forschungsgruppe „Durchgezählt“ schätzte die Zahl der Teilnehmenden auf 3.200 bis 3.800; das Bündnis selbst sprach am Abend von 7.500 Teilnehmenden. Die hohe Diskrepanz ließ sich vor allem aus dem extrem langen Demonstrationszug erklären – teilweise war der halbe Innenstadt-Ring mit den Wagen und Menschen gefüllt, ein Ende des Zuges nicht zu erkennen.

Die Demonstration startete kurz nach 15 Uhr in der Nähe des Bayrischen Platzes und führte über den Innenstadtring zur Sachsenbrücke im Clara-Zetkin-Park. Dort fand ab etwa 17.30 Uhr die Abschlusskundgebung mit einem kulturellen Programm statt.

Vor Beginn der Demonstration gab es zahlreiche Redebeiträge, die verschiedene Aspekte der Solidarität betonten. Einen sehr aktuellen Bezug hatte die Rede eines Vertreters des Seenotrettungsvereins „Sea-Watch“. Carola Rackete, die Kapitänin des Schiffes „Sea-Watch 3“, hatte in den vergangenen Tagen viel Aufmerksamkeit erlangt, weil sie mehrere dutzend Migranten aus Seenot rettete und nach einem Anlegemanöver in Italien vorübergehend festgenommen wurde.

Zwei weitere Rettungsschiffe mit Migranten befinden sich aktuell im Mittelmeer und warten auf die Erlaubnis, einen sicheren Hafen anlaufen zu dürfen. Der „Sea-Watch“-Sprecher in Leipzig forderte eine solche Erlaubnis sowie sichere Fluchtwege und das Ende der Kriminalisierung von Seenotrettung.

Auch Britta Taddiken, Pfarrerin der Thomaskirche, und Erik Wolf, Regionalgeschäftsführer des DGB in Leipzig-Nordsachsen, sprachen zu den Versammlungsteilnehmern. Letzterer erinnerte an Angriffe von Neonazis auf Gewerkschafter, beispielsweise am 1. Mai 2009 in Dortmund unter Beteiligung des mutmaßlichen Mörders von Walter Lübcke. „Wir wollen nicht allein sein, wenn wir von Nazis angegriffen werden“, sagte Wolf.

Zudem würden Rechtspopulisten in Koalitionen mit Neoliberalen die Rechte von Arbeitnehmern einschränken. Wolf verwies auf Ungarn, wo Arbeitnehmer zu 400 Überstunden pro Jahr gezwungen werden können und die Bezahlung dafür bis zu drei Jahre dauern darf, und auf Österreich, wo im vergangenen Jahr der Zwölf-Stunden-Tag eingeführt wurde.

Impressionen vom Demonstrationszug

Video: L-IZ.de

Zu den weiteren Redner/-innen gehörte eine Vertreterin der „Interventionistischen Linken“. Diese betonte, dass es in den vergangenen Monaten nicht die Parteien, sondern die sozialen Bewegungen gewesen seien, die mit „radikalen Impulsen“ das „politische Feld wieder nach links öffnen“. Als Beispiele nannte sie die Mieterbewegung, die „Seebrücke“ sowie „Fridays for Future“ und „Ende Gelände“.

Während des anschließenden Aufzugs formierten sich thematische Blöcke, etwa zu Solidarität, Queerfeminismus, Klima sowie Kunst und Kultur. Am Ende des Demozugs liefen Parteien. Dort waren vor allem Linke und Grüne sichtbar. Zu sehen waren beispielsweise auch kurdische und Israel-Fahnen.

Im Clara-Zetkin-Park endete die Demonstration. Dort setzten oder legten sich die Teilnehmenden auf die Wiese und hörten den Redebeiträgen von „Wann wenn nicht jetzt“, „Stadt für alle“ und der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“ zu.

Der Höhepunkt des „Sommers der Solidarität“ ist für den 24. August geplant. Dann soll – eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen – eine Großdemonstration in Dresden stattfinden.

Ausschnitte aus den Redebeiträgen im Clara-Park

Video: L-IZ.de

Fotogalerie: „Unteilbar“ bringt über 240.000 Menschen für mehr Miteinander zusammen

Fotogalerie: „Unteilbar“ bringt über 240.000 Menschen für mehr Miteinander zusammen

Bildergalerie – Impressionen vom Tag in Leipzig (Alexander Böhm & Michael Freitag)

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