Wessen Erbe ist eigentlich die ostdeutsche AfD?

Für alle LeserDa ackern sich die demokratischen Parteien die ganze Zeit ab, sich in einem relativ fairen politischen Wettbewerb zu behaupten – und dann kommt eine Marketingtruppe in Blau-Rot und beansprucht einfach mal die Wende für sich. Oder doch die Friedliche Revolution? Zahlreiche bekannte Bürgerrechtler verwahren sich gegen den Missbrauch. Aber hat nicht eher Andreas Wassermann recht, der in seinem „Spiegel“-Essay schreibt: „Die AfD gehört zum Erbe von '89“?

Am Sonntag, 18. August, veröffentlichten namhafte Bürgerrechtler ihre Offene Erklärung „Nicht mit uns: Gegen den Missbrauch der Friedlichen Revolution 1989 im Wahlkampf“. Darin verwahren sich an den ’89er Geschehnissen aktiv beteiligte Bürger und Bürgerinnen gegen solche absurden Gleichsetzungen und Aneignungsversuche der Revolution von 1989. Darunter befinden sich zahlreiche Prominente des öffentlichen Lebens.

Zu den Erstunterzeichnern gehören Marianne Birthler, Frank Ebert, Rainer Eckert, Ralf Hirsch, Freya Klier, Ilko-Sascha Kowalczuk, Gerd Poppe, Werner Schulz, Uwe Schwabe und Annette Simon.

Der Offene Aufruf

Nicht mit uns: Gegen den Missbrauch der Friedlichen Revolution 1989 im Wahlkampf

Die Friedlichen Revolutionen der Jahre von 1989 bis 1991 in Ostmitteleuropa und der DDR traten für die grundlegenden Menschenrechte ein und führten zum Sturz des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa. Diese Revolutionen leiteten eine globale „Zeitenwende“ ein und ermöglichten die Einigung Europas. Entscheidend waren das Zusammenwirken der Bürgerbewegung und der Menschen auf den Straßen sowie der Wille, sich der Diktatur nicht mehr zu beugen.

In einem glücklichen Moment unserer Geschichte zwangen sie mit ihrem Mut, ihrer Friedfertigkeit und Wahrhaftigkeit die Diktatoren in die Knie, sie stürzten die Berliner Mauer und ermöglichten die Vereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990. Mit der Wiedervereinigung erfüllten sich die Ziele der Revolution: Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, offene Grenzen, ein geeintes Europa und Wahrung der Menschenrechte.

Wenn heute die „Alternative für Deutschland“ versucht, die DDR mit der jetzigen Bundesrepublik gleichzusetzen und ihre Führung versucht, sich als Vollender einer angeblich unvollkommenen Revolution anzupreisen sowie zum Aufstand aufzurufen, so wird hier eine Geschichtslüge verbreitet. Die DDR war eine kommunistische Diktatur, und die Bundesrepublik ist eine freiheitliche Demokratie. Wer diese Unterschiede nicht anerkennt, verharmlost die SED-Diktatur. Deutschland braucht keine Revolution 2.0, wir werden nicht unterdrückt, wie es die Staatssicherheit im Auftrag der SED praktizierte. Wir lehnen Parolen wie: „Hol Dir Dein Land zurück – vollende die Wende!“, die etwa die Brandenburger AfD im Wahlkampf einsetzt, ab. Das ist bereits unser Land!

Für die Demagogen der AfD sind wir 1989 nicht auf die Straße gegangen. Wir haben ein Land, in dem noch viel zu ändern und zu verbessern ist. Das ist in der Demokratie immer so. Demokratie ist anstrengend, weil viele Interessen um den besten Weg gemeinsam ringen. Lasst uns gemeinsam anstrengen, lasst uns gemeinsam die garantierten Grundrechte im Grundgesetz verteidigen und lasst uns gemeinsam nach Verbesserungen für unsere Gesellschaft suchen. Dafür brauchen wir keine Spalterpartei wie die AfD. Spaltung hatten wir in Deutschland lange genug!

***

Die Debatte: Teil 1 – Die Macht der Straße

Andreas Wassermanns zentrale These lautet: „Die DDR wurde auch von Menschen zu Fall gebracht, die heute gemeinsam mit Neonazis demonstrieren.“

An der These stimmt natürlich so manches nicht. Denn zu Fall gebracht wurde 1989 die alleinherrschende SED. Die DDR existierte noch bis zum 2. Oktober. Eher könnte man formulieren: Die DDR wurde abgewählt. Obwohl auch zur Volkskammerwahl im März 1990 kaum noch jemand antrat, der die DDR erhalten wollte. Es ging bei der Wahlentscheidung eigentlich nur noch um die Frage, wie schnell die Deutsche Einheit vollzogen werden sollte. So gesehen haben wohl eher 90 Prozent der DDR-Bürger „die DDR zu Fall gebracht“.

Aber Wassermann geht es um etwas anderes, nämlich die Verwandlung der Friedlichen Revolution, deren treibende Kräfte bis zum 9. November eindeutig die engagierten Bürgerrechtsgruppen waren. Aber auch sie hätten nichts erreicht, hätten nicht nach dem 2. Oktober immer mehr Menschen den Mut gefunden, auf der Straße gegen die SED-Herrschaft zu demonstrieren. Auch die Bürgerrechtler stellten damals sehr folgerichtig fest, dass die Friedliche Revolution erst ins Rollen kommen konnte, als auf den Straßen nicht mehr die Hochengagierten allein demonstrierten, sondern eine kritische Masse erreicht wurde. Nämlich jene 110.000 Menschen, die am 9. Oktober in Leipzig um den Ring zogen. Und die Mahnungen waren damals auch unüberhörbar: Der „Druck von der Straße“ durfte nicht aufhören. Deshalb protestierten die Bürgerrechtsgruppen ja auch in Leipzig deutlich gegen die Versuche der noch regierenden SED, den Protest von der Straße in geschlossene Säle zu verlegen, was dann meist als „Dialog“ verkauft wurde.

Selbst um die Weihnachtszeit 1989 waren die Warnungen unüberhörbar, dass das Demonstrationsgeschehen auf den Straßen nicht abreißen durfte, auch wenn mittlerweile die ersten Erfolge unübersehbar waren – die Maueröffnung am 9. November, zuvor der Machtwechsel von Honecker zu Krenz, im Dezember dann der komplette Rücktritt der alten SED-Garde und die Installation von Hans Modrow als neuen Ministerpräsidenten, dem reformbereiten Chef der Dresdner SED-Bezirksleitung, der dann auch die ersten wirklich freien Wahlen in Aussicht stellte …

Aber bevor es diese Wahlen und eine wirklich demokratisch gewählte Regierung nicht gab, war die Friedliche Revolution nun einmal nicht wirklich erfolgreich.

Das Deutschlandlied, das alles übertönte

Aber nach der Maueröffnung – punktuell auch schon davor – begann auch noch ein anderer Prozess, der manche Demonstrationsteilnehmer, die vorher gern dabei waren, zunehmend fernbleiben ließ: Mit den Gesängen von „Deutschland einig Vaterland“ und bald auch dem „Deutschlandlied“ kam eben nicht nur der Wiedervereinigungsgedanke in die Demonstrationen, der diese und am Ende auch den Wahlkampf völlig dominieren sollte. Es kamen auch die ersten nationalistischen Töne auf.

Es tauchten nicht nur Deutschlandfahnen auf, sondern auch Reichskriegsflaggen. Bei Leipziger Demos verteilten die rechtsradikalen Republikaner eifrig ihre Materialien. Vermehrt mischten sich auch junge Leute mit Glatzen und Springerstiefeln unter die Demonstrierenden. Es wurde sehr ungemütlich, spätestens, als die ersten Angriffe auf Jugendliche begannen, die eindeutig als „links“ zu erkennen waren. Auch in Leipzig.

Man kann es als Verdienst Helmut Kohls interpretieren, dass er diesen nationalen Querschlag einfing, als er die Deutsche Einheit auch für die Bundesregierung auf die Tagesordnung setzte. Dass im März die CDU so überraschend zum Wahlsieger wurde, hat direkt damit zu tun.

Aber das kaschierte auch wieder nur das unübersehbar nationalistische Element, das in den Demonstrationen schon unüberseh- und unüberhörbar war. Da übernahmen eine ganze Menge Leute, die sich in der DDR nie wirklich mit den fatalen Folgen des deutschen Nationalismus auseinandergesetzt hatten, eine Haltung, in der sie aus der eher geduckten Haltung eines DDR-Bürgers in die quasi-stolze Ersatzhaltung „Jetzt sind wir wieder Deutsche“ geschlüpft sind. Das war auch vor 1989 im Osten schon angelegt. Mit allen Problemen, die die Polizei hatte, mit den zunehmend öffentlichen rechtsextremen Übergriffen umzugehen.

Denn der „verordnete Antifaschismus“ in der DDR bedeutete eben auch, dass die tatsächlich vorhandenen nationalistischen und rechtsextremen Einstellungen nur unter den Teppich gekehrt wurden. Was es nicht geben sollte, existierte zumindest auch in den Zeitungen nicht.

Die Fehler nach 1990

Und besser lief das auch nach 1990 nicht. Man denke nur an die wirklich inakzeptablen Reaktionen der jeweiligen Landesregierungen auf die Vorfälle in Rostock-Lichtenhagen oder Hoyerswerda. Da blamierten sich auch reihenweise gestandene westdeutsche Politiker, die lieber die Einwanderungsgesetze verschärften, als klare Kante gegen die Brandstifter zu zeigen. Brandstifter profitieren immer von der politischen Feigheit der Amtsträger. Sie fühlen sich dadurch nicht nur bestätigt. Ihre Haltung wird damit auch bei mehr Menschen als akzeptabel wahrgenommen.

Was dann ab 2015 in Sachsen wieder in aller Reinheit zu beobachten war. Bis hin in den amtlichen Unwillen, gegen die Brandstifter und die dahinterstehenden Netzwerke juristisch vorzugehen.

So gesehen empfinden sich auch die Nationalisten in Ostdeutschland als Teil der „Wende“. Und die AfD appelliert genau an diesen Nationalismus, wenn sie in Brandenburg plakatiert „Hol Dir Dein Land zurück – vollende die Wende!“

Diesen Leuten genügt ein einiges Deutschland mit einer funktionierenden Demokratie nicht. Das sagt ja der Spruch eindeutig, auch wenn man ihn erst einmal auf den Grundtopos der AfD beziehen kann, die einfach mal alle Ausländer aus dem Land schaffen will. Von Wirtschaft und Demografie hat die AfD unübersehbar keine Ahnung. Aber der Spruch bedeutet eben auch, dass diese Partei die Demokratie verachtet. Sie sieht sich als einzige „Alternative“ zu allen anderen. Sie will eine Ein-Parteien-Herrschaft. Nichts anderes sagt der Spruch.

Aber hier steht „Wende“. Nicht Friedliche Revolution.

Denn an der Friedlichen Revolution hatten die ost- wie westdeutschen Nationalisten keinen Anteil. Sie hätten nicht mal gewusst, wie man das machen sollte. Sie hätten auch keine Runden Tische zustande gebracht und schon gar keinen friedlichen Übergang bis zu den ersten freien Wahlen.

Sie waren aber eindeutig lautstarke Trittbrettfahrer der Demonstrationen – ab November 1989 immer stärker präsent und immer lauter. Sie konnten freilich den Prozess hin zur Demokratisierung und zur Einheit nie okkupieren. Sie waren zwar laut, aggressiv und hyperaktiv. Aber sie waren nie die Mehrheit. Und sie haben in all den Jahren danach immer wieder versucht, die Straße zu erobern und sich als „Volksbewegung“ darzustellen.

Sie arbeiten nur zu gern mit den diffusen Begriffen „Volk“ und „Wende“, gerieren sich als „Volksversteher“. Die „Wende“, die sie meinen, ist etwas anderes als das, was wir eigentlich unter Friedlicher Revolution und Prozess der Deutschen Einheit verstehen. Aber die Formel ist wie so oft eine Verkleidung für das, was tatsächlich gemeint ist: Abschottung, Ausgrenzung und organisierte Verachtung anderer Menschen. Fein verknüpft mit einem latenten Verschwörungsgeraune: Irgendwer hat euer Land geklaut, Leute. Und im AfD-Ton sind das meistens „die Ausländer“.

So gesehen – mit der latenten Ausländerfeindlichkeit – gehört die AfD eben nicht zum Erbe von ’89, wie Wassermann behauptet, sondern zum etwas piefigen Erbe der DDR, die Ausländer so gern aus der Öffentlichkeit verbannte und Mauern baute. Das ist der Kern der AfD. Oder um mal Erich Honecker falsch zu zitieren: „Vorwärts nimmer, rückwärts immer!“

Sächsisches Verfassungsgericht: AfD darf nur mit 30 Listenkandidaten antreten

Hinweis der Redaktion in eigener Sache: Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler unter dem Label „Freikäufer“ erscheinender Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen.

Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen.

Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Erreichung einer nicht-prekären Situation unserer Arbeit zu unterstützen. Und weitere Bekannte und Freunde anzusprechen, es ebenfalls zu tun. Denn eigentlich wollen wir keine „Paywall“, bemühen uns also im Interesse aller, diese zu vermeiden (wieder abzustellen). Auch für diejenigen, die sich einen Beitrag zu unserer Arbeit nicht leisten können und dennoch mehr als Fakenews und Nachrichten-Fastfood über Leipzig und Sachsen im Netz erhalten sollten.

Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 500 Abonnenten.

Alle Artikel & Erklärungen zur Aktion Freikäufer“

Friedliche RevolutionAfDLandtagswahlNationalismus
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Der Bambusspross wird zum Bambusstamm: Erstaunlich lebendige Spruchweisheiten aus Kambodscha
Gabriele und Ngen Yos: Der Bambusspross wird zum Bambusstamm. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserManchmal ist es wirklich nur die Sprache, die uns daran hindert, in den Kulturen fremder Völker uns selbst wiederzufinden, das Vertraute, das allen Völkern gemeinsam ist. Denn alle Menschen müssen für ihren Lebensunterhalt arbeiten, mussten Land urbar machen und miteinander klarzukommen lernen. Wären da nicht ein paar Tiere, die es nur in Südostasien gibt, die Sprichwörter, die Gabriele und Ngen Yos jetzt veröffentlicht haben, könnten manchmal auch aus deutschen Sammlungen stammen.
Freitag, der 7. August 2020: Von „Warnungen aus der Nachbarschaft“ zu „Weimarer Verhältnissen“
Im Vordergrund: ein schwarzer Block; im Hintergrund: ein schwarzer Block. Foto: Tim Wagner

Foto: Tim Wagner

Für alle Leser/-innenAls vor drei Jahren einige hundert Antifaschist/-innen in Wurzen demonstrieren wollten, reagierten Einwohner/-innen, indem sie Geschäfte verbarrikadierten. Ähnlich unverhältnismäßig fielen nun die Reaktionen auf die Ausladung einer Kabarettistin in Hamburg aus, gegen die angeblich Linke gewaltsam vorgehen wollten. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 7. August 2020, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Einkommenstatistik 2018: Sachsen ist kein gutes Pflaster für Selbstständige
Primär- und Verfügbare Einkommen 2018. Grafik: Freistaat Sachsen, Statistisches Landesamt

Grafik: Freistaat Sachsen, Statistisches Landesamt

Für alle Leser„Verfügbares Pro-Kopf-Einkommen stieg im Jahr 2018 in Sachsen um 3,3 Prozent bzw. 646 Euro“, meldete am Donnerstag, 6. August, das Statistische Landesamt. Das klang erst einmal gut. Denn wenn die Sachsen 2018 mehr Einkommen hatten, mussten sie sich ja weniger vor Armut fürchten, oder? Aber tatsächlich erzählt die sächsische Statistik von einer nicht gerade unwichtigen Entwicklung bei den Beschäftigten – nämlich dem schleichenden Verlust an Selbstständigen.
LVB wollen Gleiskurve am Wilhelm-Liebknecht-Platz demontieren und dafür die Haltestelle deutlich vergrößern
Gleiskurve am Wilhelm-Liebknecht-Platz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSeit einigen Wochen ist in den Straßenbahnen, die von der Eutritzscher Straße her die Haltestelle Wilhelm-Liebknecht-Platz ansteuern, die Ansage zu hören: Vorsicht! Die Haltestelle ist nicht barrierefrei! – Das überrascht, den eigentlich hat die Haltestelle Hochborde, die ein Einsteigen auch mit Rolli und Kinderwagen problemlos möglich machen. Aber eine Stadtratsvorlage zeigt jetzt, wo das Problem liegt: Die Bahnsteige sind zu kurz.
Mutmaßlicher Komplize will auspacken: Mammut-Mordprozess um verscharrten Geschäftsmann am Landgericht geplatzt
Er soll den Mord in Auftrag gegeben haben: Hüseyin D. (51, r.), hier 2018 bei seiner Vorführung am Landgericht. Er kam nun aus der U-Haft frei. Foto: Lucas Böhme

Foto: Lucas Böhme

Für alle LeserEin ebenso spektakuläres wie zähes Verfahren um die Tötung eines Geschäftsmannes im Leipziger Norden vor fast sechs Jahren wird komplett neu aufgerollt. Dabei schien der Prozess nach über zwei Jahren seinem Ende nahe. Doch nun meldete sich überraschend ein mutmaßlicher Mittäter zu Wort, der seit Jahren untergetaucht ist. Bringt er eine Wende in den verworrenen Fall?
Trödelei bei sächsischen Regionalplänen macht das neue Klimaprogramm zum zahnlosen Tiger
Windräder am BMW Werk im Leipziger Norden. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDas Sächsische Energie- und Klimaprogramm ist ein Thema, bei dem nicht nur Marco Böhme, Energie- und Klimaschutzpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, wie auf Kohlen sitzt. Im Koalitionsvertrag von CDU, SPD und Grünen wurde zwar ein schnellerer Ausbau von Photovoltaik- und Windenergieanlagen beschlossen. Aber tatsächlich stockt der Ausbau, während die Landesregierung ganz offiziell für den Weiterbetrieb der schmutzigen Kohlekraftwerke gekämpft hat. Bremst da jemand?
In diesem Buch stirbt jeder: Die lustvolle Demontage des Romaneschreibens in einem Roman von Beka Adamaschwili
Beka Adamaschwili: In diesem Buch stirbt jeder. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserVor ein paar Jahren hat der georgische Autor Beka Adamaschwili seinen Helden Piere Sonnage in die Literatenhölle geschickt. Das Buch gefiel nicht nur den Georgiern. Vielleicht auch, weil Adamaschwili sie nicht mit den Malaisen der gegenwärtigen georgischen Politik oder der jüngeren Geschichte konfrontierte. Im Gegenteil: Augenzwinkernd nahm er sie mit in die großen Bücher der Weltliteratur. Denn nichts öffnet Horizonte so sehr wie große Literatur. Auch wenn der Autor darin seltsame Dinge anstellt.
Haltungsnote: „Jump, you Fuckers“ – Eine Kolumne über Börsencrash und Steuergerechtigkeit
Autor, Leipziger und Kolumnist David Gray. Foto: Erik Weiss Berlin

Foto: Erik Weiss Berlin

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 81, seit 31. Juli im HandelAls 2008 die Finanzkrise begann, forderten Demonstranten, dass die Banker, die die Krise verursacht hatten, gefälligst aus ihren Bürotürmen springen sollten. So, wie das einige der Bankrotteure am Schwarzen Freitag 1929 getan hatten. Es sagt viel über den Fortschritt der Zivilisation aus, dass beim Bankencrash 2008 kein einziger Banker zerschmettert auf dem Büropalasthofpflaster landete. Stattdessen betonte die Bankerelite nur kurz nachdem der erste Staub sich gesetzt hatte, wie gefährlich es sei, jetzt etwa die Boni einzufrieren.
Donnerstag, der 6. August 2020: Die Kurve steigt wieder an
Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz kritisiert die Kritik an den Kritikern der Corona-Maßnahmen. Foto: Arnold Vaatz

Foto: Arnold Vaatz

Für alle Leser/-innenDie Tage, an denen in Sachsen kein einziger neuer Coronafall dazu kam, sind offenbar vorläufig gezählt. Allein seit Montag hat es 45 neue Fälle gegeben. Zu den Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen hat sich der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz geäußert – und klingt dabei nicht viel anders als jene, die auf der Straße waren. Die L-IZ fasst zusammen, was am Donnerstag, den 6. August 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Eine Line ziehen macht glücklich und gesund: Slacklinen in Leipzig
Slackline-Romantik vorm Stelzenhaus. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 81, seit 31. Juli im HandelSie sind unter uns, man kann sie sehen – jeden Mittwoch im Clara-Park oder sogar auch schon am Karl-Heine-Kanal: Slackliner. Diese Menschen, die über ein schmales Seil balancieren und dabei die komischsten Verrenkungen machen, um nicht herunterzufallen. In Polen werden die Lines sogar an Kirchtürme und Rathäuser gespannt, in Tschechien hängen sie zwischen Felsen. In Leipzig versucht der Verein Slacknetz Leipzig e. V., den Sport prominenter zu machen. Vielleicht klappt das ja bald zum Stadtfest? Ruthger Fritze gehört dem Verein an und erklärt die Faszination des Sportes.
Das letzte, verrückte Jahr der DDR und der Weg zur Einheit (5): Der offizielle Antifaschismus in der DDR
März 1966: Der vor dem Obersten DDR-Gericht angeklagte Auschwitzer Lagerarzt Horst Fischer zeigt an einer Tafel die Krematorien des Vernichtungslagers. Fischer wird im Juli 1966 hingerichtet. © Bundesarchiv

© Bundesarchiv

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 81, seit 31. Juli im Handel„Wir bitten das Volk in Israel um Verzeihung für Heuchelei und Feindseligkeit der offiziellen DDR-Politik gegenüber dem Staat Israel und für die Verfolgung und Entwürdigung jüdischer Mitbürger auch nach 1945 in unserem Lande.“ Ernüchternde Worte, mit denen sich Sabine Bergmann-Pohl, Präsidentin der ersten und letzten frei gewählten DDR-Volkskammer, im April 1990 an die Öffentlichkeit wendet – und das Selbstverständnis der DDR als antifaschistisches Vorbild zerlegt.
BachOrgelFestival in der Thomaskirche Leipzig

©Son

Am kommenden Samstag, 8. August, wird das bisher gut besuchte BachOrgelFestival in der Thomaskirche Leipzig mit zwei identischen Konzerten um 15:00 und 17:00 Uhr fortgesetzt. Die Kirchgemeinde St. Thomas schätzt sich glücklich, dass dem berühmten Organisten der Kathedrale Notre Dame von Paris – Olivier Latry – die Anreise aus Frankreich möglich ist. An der Bach-Orgel, die dieses Jahr Ihr 20. Jubiläum feiert, erklingen Werke von Johann Sebastian Bach und Bert Matter.
Am 24. August in der Heilandskirche: Konzert mit Ensemble Consart

Foto: PR

Das Programm des Ensemble Consart macht sich 2020 auf den Weg. Es spürt dem Leben in der Fremde nach und der ewigen Sehnsucht nach Ankunft. Im Mittelpunkt steht dabei Händels Vertonung der Moseworte im 2. Teil des Oratoriums „Israel in Ägypten“. Dieses wurde für die geringere Besetzung des Konzertes arrangiert und somit kann mit geringer Besucherzahl das Konzert in Leipzig glücklicherweise realisiert werden.
Morgendlicher Leichenfund im Clara-Zetkin-Park: Kriminalpolizei im Einsatz + Update: Mann wurde offenbar Opfer eines Gewaltverbrechens
Die Polizei sperrte den Fundort der Leiche weiträumig ab und sicherte Spuren. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserGrausiger Fund am frühen Donnerstagmorgen am Inselteich im Clara-Zetkin-Park: Ein Passant entdeckte dort einen leblosen Körper. Stundenlang waren Spezialisten der Kriminalpolizei vor Ort und sicherten Spuren. Ob es sich um ein Verbrechen handelt, war zunächst ebenso unbekannt wie die Identität der verstorbenen Person. Die Ermittler halten sich bedeckt.
Zufahrten für den Löhrsteg werden jetzt fußgänger- und radfahrerfreundlich ausgebaut
Eingezwängt in 100 Jahre alte Stützmauern: die Parthe. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIm Zusammenspiel zwischen Stadtrat und Verwaltung hat sich in den letzten Jahren so einiges verändert. Immer öfter nutzen die Stadtratsfraktionen die Möglichkeit, wichtige Stadtentwicklungsthemen noch nachträglich in Verwaltungsvorlagen zu drücken, die sie vorher nicht enthielten. So geschah es im Juni mit der Vorlage zur Sanierung einer Stützwand an der Parthe. Wo aber blieb da der nächste Schritt, das Nachdenken über Fußgänger und Radfahrer? Der steckt jetzt in der neuen Vorlage.