Falsche Manns-Bilder, gestörte Nähe und Konfliktunfähigkeit im Korsett

Für alle LeserAm Samstag, 12. Oktober, haben wir das kurze Interview mit dem Soziologen Dr. Alexander Yendell, Mitglied des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung (KReDo) der Uni Leipzig, mit auf die Seite genommen. Er schnitt eine Frage an, die drei Tage nach dem Attentat in Halle zumindest einige nachdenkliche Journalistinnen und Journalisten beschäftigte. Denn selten war so deutlich, wie sehr Rechtsradikalismus von einer Welt der orientierungslosen Männer erzählt.

Und zwar nicht erst dann, wenn sie mit Waffen losziehen und mit Helmkameras ihre mörderischen Vorhaben auch noch ins Internet übertragen. Allein das schon erzählt von einem riesigen Bedürfnis, gesehen zu werden, etwas zu werden in einer Welt, in der sich Menschen wie der gescheiterte Chemiestudent Stephan B. (27) als „Loser“ fühlen, Versager oder – wie auf den Zetteln in seiner Wohnung zu lesen, die die Polizei gefunden hat – „Niete“.

Es geht um das Selbstbild von Männern in unserer Welt. Um falsche Vor-Bilder. Um falsche Abzweigungen und die Belohnungsmechanismen einer Gesellschaft, deren Ideal – wenn man so die ganzen erfolgreichen Hollywood-Filme sieht – im Bild des großen Shootings besteht, in dem der treffsichere Kämpfer für das „Gute“ die Bösewichter reihenweise von der Stange schießt. Oder ganz allein den Kampf aufnimmt gegen das Finstere und Böse. Die „Mächte der Finsternis“.

Was wurde uns in den letzten Jahren für Quatsch über Verschwörungstheorien erzählt. Unsere bunten Medien erzählen überhaupt nichts anderes. Auch wenn das alles erst einmal Fiktion ist. Aber die Fiktion füllt alle Kanäle und schwappt auch in die Reality-Shows. Und sie bestimmt Wahlergebnisse. Mit Vernunft und Klugheit hat die Wahl rücksichtsloser Zampanos wie Trump, Berlusconi, Johnson oder Erdogan nichts zu tun. Aber mit einem Bild davon, wie Männer zu sein haben, wie man sich die großen Helden auf der Bühne der Welt eigentlich vorstellt.

Der Rechtsradikalismus ist nur die extreme Ausformung dieser Erwartungen. Er tritt in Erscheinung, wenn der Glaube an den großen Erretter beginnt, die Normen unseres Zusammenlebens aufzuweichen.

Deswegen stimmen all die Vorwürfe an die AfD, die dieser Tage laut wurden. Und sie stimmen auch wieder nicht. Sie beschreiben eine Entwicklung, die von den Großsprechern dieser rechtsnationalen Bewegung forciert wird – das Verschieben des Sagbaren in einen Bereich, in dem das Gesagte jede Basis aus Vertrauen und Verständnis zerstört.

Denn sie sprechen mit ihrer Aggressivität den anderen (den „Altparteien“, den „Linksgrünversifften“, den „Gutmenschen“, den „Ausländern“, den „Feministinnen“ …) regelrecht das Recht ab, sich zu Wort zu melden. Und diese Sprache wirkt. Sie wirkt sichtlich zuallererst bei Männern. Auch bei jüngeren Männern, die sich in ihrer Rolle in unserer Welt nicht mehr wohlfühlen. Vielleicht auch nie wohlgefühlt haben.

Nur dass sie den wichtigen Schritt nicht gehen und diese Verunsicherung nicht auch anderen zugestehen.

Vielleicht, weil sie meinen, dass man das nicht darf, so als Mann.

Denn das wird nicht nur in der entsorgten DDR so gewesen sein, dass junge Männer genau mit so einem Bild von sich und ihrem Verhalten zur Mitwelt erzogen wurden. Männer zeigen keine Schwäche und all der Kram. Von Herbert Grönemeyer in seinem Song „Männer“ ja sehr hübsch auf den Punkt gebracht.

Und trotzdem ist es nur die Oberfläche. Weil ein Verzicht auf alle diese gesellschaftlich erwarteten Attribute von Mann noch kein neues Standing ergeben, keinen neuen Halt. Was sind denn dann die anderen Angebote von Mann-Sein?

Und warum redet dieser Stephan B. auch noch solchen Blödsinn über Frauen, wie Veronika Kracher im „Tagesspiegel“ feststellt: „Die Aufnahme beginnt mit einem Statement, das er auf Englisch vorträgt:

,Hallo, mein Name ist Anon, und ich glaube, der Holocaust hat nie stattgefunden. Feminismus ist Schuld an der sinkenden Geburtenrate im Westen, die die Ursache für die Massenimmigration ist – und die Wurzel dieser Probleme ist der Jude.‘ Juden sind in seiner Logik schuld an dem ,Großen Austausch‘. Damit schlägt er sowohl in die Kerbe des Christchurch-Attentäters Brenton Tarrant, der sein Manifest so betitelt hatte, als auch der Identitären Bewegung, die auch in Halle ansässig ist und, wenn auch in weit elitärerem Jargon, ebenfalls vor der ,Umvolkung‘ warnt. In der Idee vom ,Großen Austausch‘ fließen Antisemitismus, Antifeminismus und Rassismus in eins: Juden tragen die Schuld daran, dass Frauen sich dem Feminismus zuwenden, und sind dafür verantwortlich, Migranten nach Europa zu transportieren.“

Von einer Freundin des Stephan B. war ja bis jetzt nirgendwo die Rede, nur von einer Mutter, mit der er augenscheinlich im Clinch lag.

Und Freunde? Richtige, echte Freunde im richtigen Leben?

Auch erst mal nichts. Scheinbar nur lauter anonyme „Freunde“ im Internet. Ein Leben ohne wirkliche Nähe, soziale Kontakte, auch dem, was die meisten Menschen erleben, wenn sie sich wirklich mal miteinander beschäftigen: Streit, Unmut, Zorn, Rauflust, Betroffenheit …

Stimmt schon: Faschismus fängt damit an, nicht mehr betroffen sein zu wollen. Nicht mehr fühlen zu wollen, dass man auch anderen Menschen wehtun kann. Dass Nähe und Verständnis schmerzen können.

Alle Bilder, die der Faschismus liefert, sind Bilder von „coolen“ Helden, die keine Gefühle zeigen, die ohne Erbarmen für eine „Sache“ kämpfen, irgendein abstraktes Gebilde, das aufgeladen wird mit mythischer Bedeutung: Staat, Nation, Reich, Mission, Rasse, Religion … Alles Dinge, die irgendwo über unseren Köpfen schweben, diffuse Gebilde, die mit dem realen Leben hier unten nichts zu tun haben. Jenem Leben, in dem sich gerade Männer zunehmend hilflos und desorientiert fühlen, weil sie meinen, nicht dazuzugehören, nicht gemeint zu sein.

Was sie oft auch nicht sind. Das dürfen wir auch nicht vergessen. Eine Gesellschaft, die fortwährend aussortiert und Menschen zu Objekten macht, erzeugt auch flächendeckende Gefühle der Machtlosigkeit.

Da verlagert sich dann vieles, erstaunlich vieles in eine fiktive Parallelwelt: die Welt der Spiele, wo man (sind ja alles nur virtuelle Figuren ) hemmungslos töten kann. Also zumindest am Joystick Macht hat, etwas anzurichten. Eine Macht, die einem (scheinbar) in der Wirklichkeit verwehrt ist.

Oder wohl doch eher von den eigenen Hemmungen und Barrieren. Deswegen sind die Frauen so wichtig. Frauen, die augenscheinlich mit ihrem Selbstbewusstsein für Männer wie diesen Stephan B. nicht nur unerreichbar scheinen, sondern auch bedrohlich. Sie fordern ja etwas von ihrem Gegenüber. Sie fordern ihn heraus, er selbst zu sein, sich zu zeigen und standzuhalten – und zwar friedlich: im Gespräch, auf Augenhöhe.

Und wenn man das nicht gelernt hat? Wie viele lernen das nicht? Wie viele erleben Eltern, die nur die alten Rollenbilder kennen und das Zusammenleben als ewigen Machtkampf, als Rollen- und Versteckspiel inszenieren?

Ich glaube sogar, das Alexander Yendell zu spät ansetzt. Denn wenn Kinder schon gelernt haben, dass Aggressivität die zentrale Form ist, sich in der Gesellschaft (oder gegen die Eltern) durchzusetzen, ist es schon zu spät. Das ist dann keine Basis.

Aber was ist die Basis?

Die steckt ansatzweise in dem Interview, das Judith Luig in der „Zeit“ mit dem Rechtsextremismusexperten Matthias Quent geführt hat. Dort sagt Quent: „Genau. Man arbeitet mit kalkulierten Ambivalenzen. Das Judentum übernimmt hier eine Funktion. Statt zu sagen, es gibt komplexe Zusammenhänge in einer arbeitsteiligen Gesellschaft, die Probleme schaffen, sagt man, hier gibt es eine böse Macht, die sorgt gesteuert für Schwierigkeiten, beispielsweise für Migration. Der Jude, die Jüdin als solche, als konkrete Figur, ist für diese Erzählung gar nicht mehr nötig. Bei diesem Phänomen spricht man vom Antisemitismus ohne Juden. Ähnliche Konstrukte fanden sich auch bei den Nationalsozialisten.“

Das Sich-nicht-Wohlfühlen in der eigenen Rolle wird nicht aufgelöst. Was man ja schaffen kann, indem man rauskommt aus seinem Schneckenhaus und sich mit dem Fremden, als bedrohlich Empfundenen beschäftigt.

Aber man sieht solche Männer nicht losgehen und fragen. Das würde ja die Überzeugung aushöhlen, sie wüssten schon alles. Sie hätten genug Lebenserfahrung, um zu wissen, was wirklich die Gründe für all diese Unsicherheiten sind. Für diese Unsicherheiten werden „Schuldige“ konstruiert. Eine sehr infantile Haltung, in der ihre Sprecher nicht einmal mehr merken wollen, wie sehr sie sich damit in eine kindische, abhängige Position begeben und genau das für unmöglich halten, was sie eigentlich darstellen wollen: von ihrem Tun eigentlich überzeugte Menschen.

Eine Opferrolle, die man in allen, wirklich allen, rechtsradikalen Bewegungen findet.

So gesehen passt auch das Puzzle-Stück, das Judith Horchert im „Spiegel“ beisteuert: „Aber es ist eben nicht egal, wer der Täter ist. Er selbst mag zwar als Person bedeutungslos sein, deshalb lässt sich über die Nennung seines Namens, für die sich der ,Spiegel‘ nun entschieden hat, durchaus streiten. Doch es handelt sich nicht um irgendeinen gestörten Einzeltäter, sondern um den Vertreter eines ganz bestimmten Tätertypus – und der ist, im Gegensatz zum Attentäter selbst, keineswegs bedeutungslos. Letztlich interessiert nicht, wer dieser Kerl ist, sondern wie es zu so einem Kerl kommen konnte. Derartige Terroranschläge sind keine singulären Phänomene, keine voneinander unabhängigen Ereignisse, schon gar keine ,spannenden News‘ oder gar ,Storys‘. Sie sind Ergebnis eines Systems, das Täter wie diesen erst möglich macht. Ein System, das auch aus bedeutungslosen Männern Mörder machen kann, die sich selbst für Helden halten.“

Übrigens ein Phänomen, das uns auch bei den Amokläufern in Roman Grafes Buch „Spaß und Tod“ begegnete.

All diese Männer erzählen von etwas, was unsere ganze Gesellschaft durchdringt. Und was sich auch nicht auflöst, wenn wir das jetzt nur dem Rechtsradikalismus zuschreiben, der freilich davon profitiert, dass es sichtlich so viele Männer gibt, die in sich selbst so völlig ratlos und verunsichert sind, dass sie eine äußere Erklärung für ihre Orientierungslosigkeit brauchen wie ein Korsett. Ein Korsett, in dem sie sich regelrecht in Sicherheit bringen. Da kann ihnen dann keiner mehr was. Da kommt keiner mehr an sie heran. Schon gar nicht an ihre Gefühle der Ohnmacht.

Gefühle, die aber jeden Tag neu produziert werden. Davon lebt doch eine derart blindlings auf radikalisierten Wettbewerb getrimmte Gesellschaft, in der schon ein Straucheln genügt – und du bist raus. Dein mühsam erworbenes Statusbild geht in Klump, das ganze mühsam mit Fleiß und Unterordnung zusammengeklebte Konstrukt aus Familie, Karriere, Haus und Kindern.

Eine Gesellschaft, die jedem ihrer Mitglieder das Gefühl einimpft, dass es beim kleinsten Versagen abstürzt und Teil einer verachteten Menge von Verlierern wird, produziert genau diese Menge. Jeden Tag. Ganz systematisch. Nicht nur mit „Hartz IV“. Aber auch. Und deswegen funktionieren alle diese Actionfilme und Actionspiele so: Es geht nur vordergründig um den Kampf des Guten gegen das Böse.

Das sind Schablonen. Es geht um Winner und Loser. Und es geht um ein Weltbild, das so nicht einmal allein den Rechtsradikalen gehört: ein Weltbild, das das Dasein eines Mannes nur als einen Kampf begreifen kann, in dem einer sich bewähren muss und in dem er andere besiegen, hinter und unter sich lassen muss.

Erst so gibt es Level und Punkte und Anerkennung. Es ist der Nukleus des radikalisierten Marktes, auf dem nicht der viel gerühmte „homo oeconomicus“ agiert, sondern der Rücksichtsloseste, der, der den cleversten Weg findet, alle Regeln zu ignorieren und die Gegner abzuzocken, bis sie vom Kampfplatz verschwunden sind.

Wer in so einer Welt als Mann aufwächst, hat nicht nur ein Problem, sondern verdammt viele. Erst recht, wenn er nie gelernt hat, Konflikte anders anzupacken. Wie gesagt: Da kommt mir Yendells Ansatz zu spät. Das muss man früher lernen, da, wo es das eigene Selbstbild noch nicht infrage stellt, sondern formt. Da, wo Erwachsene Kindern zeigen, wie man Dinge gemeinsam anpackt und Probleme zusammen löst.

Denn Souveränität entsteht durch Respekt, durch das Begreifen, wie wichtig Ruhe und Gelassenheit bei allem sind, was man anpackt im Leben. Und durch die Fähigkeit, sich selbst nicht für den Nabel der Welt zu halten. Dann geht man mit dem Schuldigwerden auch anders um. Denn schuldig macht sich jeder, jeden Tag, allen möglichen Mitgeschöpfen gegenüber.

Nur lernen die einen augenscheinlich nie, mit diesem Schuldigwerden umzugehen, sich auch einmal in eine Position der Demut zu begeben, wenn sie um Entschuldigung bitten. Sie stecken fest in ihrem Korsett der Not, keine Schwäche zeigen zu dürfen. Stets irgendwem zeigen zu müssen, dass sie nicht wanken und nicht weichem. Lauter Tapfere aus Napoleons Garde, die sich lieber über den Haufen ballern lassen als diesem Großmaul von Kaiser mal zu sagen: Du hast sie ja nicht mehr alle …

Klar. In so einer strammen Uniform lässt sich das ganz schwer sagen. Erst recht, wenn man im Kopf all diese verquasten Bilder von Heldsein und Soldatsein und Gehorsamsein mit sich herumschleppt. Nur ja nicht das Gesicht verlieren oder gar verantwortlich sein für das, was man da gerade tut …

Die armen Schweine.

Hagen Rether | Westliche Werte und unsere Helden

Haben wir wirklich keine anderen Werte? Und keine anderen Helden? Das lass ich mal als Frage stehen. Weil ich so das dumme Gefühl habe, dass andere Männer-Bilder zwar längst existieren, in der kapitalistischen Verwertungskette aber nicht so gut vermarktbar sind wie Brutalos aller Art, mit denen ich auf keinen Fall in einem Haus leben wollte.

Die Serie „Nachdenken über…“

In der Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen wird zu wenig getan

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