Boxen mit Samthandschuhen: Eine Auswertung der Wahlplakate im „neuen Berlin“.

Für FreikäuferLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 75, seit 24. Januar im HandelUnter einem Wahlkampf kann ich mir etwas viel Aufregenderes vorstellen. Die Leipziger Oberbürgermeisterwahl am 2. Februar wirft jedenfalls nicht besonders große Schatten voraus – zumindest wenn wir uns die Wahlplakate der Parteien beziehungsweise der Kandidaten zu Gemüte führen: blass und konturlos, oft nicht spannender als die graue Rückseite. Als hätten sich alle mit dem Religionslehrer als alten und künftigen OBM abgefunden.

Im Allgemeinen wird zwischen themen-, partei- und personenbezogenen Botschaften unterschieden. Aktuell scheint es mir wie ein Wettstreit der Trivialitäten. Wer würde schon Aussagen widersprechen wie „Nein zu Kinderarmut“ oder „Bezahlbares Wohnen in jedem Alter“ oder „Mehr Zusammenhalt“?

Fangen wir mit Burkhard Jung (SPD) an. Sein selbst gewähltes Motto lautet „Lebenswerteste Stadt Deutschlands“. Ja, das ist Leipzig, wenn wir dem entsprechenden Städteranking glauben wollen. Andere Rankings: andere Ergebnisse. Am 29. Dezember 2019 schrieb die FAZ: „Der Oberbürgermeister ist ein ziemlich guter Verkäufer, nicht nur der eigenen Politik, sondern auch seiner Stadt. Kaum etwas regt ihn so sehr auf wie die Vorstellung, der Boom seiner Stadt habe sich ohne oder gar gegen die Politik entwickelt.“

Also worauf basiert das „Wunder von Leipzig“, das aus einer schrumpfenden Stadt mit überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit eine sogenannte „Schwarmstadt“ gemacht hat? Immerhin haben wir den Titel „Armutshauptstadt Deutschlands“ erst neulich an Dortmund abgetreten. Hat die Politik (von Burkhard Jung) für niedrige Mieten mit entsprechendem Verfall, für Industriebrachen und für Freiräume gesorgt? Kaum. „Es war über weite Strecken auch Chaos, das Leipzig groß gemacht hat“, urteilt die FAZ. Genau.

Dazu kommt die Weltoffenheit. In keiner ostdeutschen Stadt leben mehr Migranten, Westdeutsche und EU-Ausländer. Mehr als die Hälfte der heutigen Leipzigerinnen und Leipziger lebten 1989 noch nicht hier. Insofern passt das Plakat von Die PARTEI: „Stadt der Zugezogenen“.

Darüber hinaus brilliert Die PARTEI mit dem gewohnt ernsten Spaß: „Blond. Blau. Besorgt“ oder „Leipzig raus aus Sachsen“ kennen wir schon von der Sachsenwahl. Ganz edel ist die brandaktuelle Persiflage auf CDU-Kandidat Sebastian Gemkow „Sichereres Leipzig“, wo sich Katharina Subat, die Kandidatin von Die PARTEI, als Polizistin verkleidet.

Auf Facebook posten sie dazu: „Wir fordern die rücksichtslose Aufrüstung der Polizeikräfte mit ausschließlich letalen Waffen, um mit Vernunft und Augenmaß auf die linksterroristische Bedrohung zu reagieren. Und endlich ein paar Zecken umzunieten.“

Zurück zu Oberbürgermeister Jung, der durchaus die Leipziger Großspurigkeit lebt. Er vereinnahmt ein paar passende Vorhaben und will mit dem Mantra „nach vorn gedacht“ beeindrucken. Seine Wahlplakate sind hingegen wenig großspurig aufgemacht. Sie sehen eher aus wie eine schulische Projektarbeit. Oder sie wollen so aussehen, um jung und frisch und locker zu wirken.

Interessant auch, dass Jung seine Parteizugehörigkeit fast verbirgt. Das fette „SPD“ früherer Tage ist zu einem zarten, fast unsichtbaren Umriss geschrumpft. Im Vorbeifahren nicht zu erkennen. Und sehschwache Fußgänger müssen ebenfalls sehr nahe herantreten, um die drei Buchstaben zu erkennen.

Das trifft bemerkenswerterweise auch auf CDU-Herausforderer Sebastian Gemkow zu. Ganz unten in der Ecke hat sich kleingedruckt die „Leipziger Union“ verkrümelt. Kein Mensch kann das erkennen. Aber es ist ja auch eine Personenwahl.

Gemkows Plakate strahlen deutlich mehr Wärme und Ruhe aus. Das fängt beim grünlich-schwarzen Hintergrund an und zieht sich bis zum goldgelben Namenszug. Seine Slogans sind prägnanter, legen sich inhaltlich-konkret allerdings wenig fest. Dahinter kann sich fast jeder einreihen und zustimmend nicken. Ein echter Wahlkampf gegen den Amtsinhaber findet auf den Gemkow-Plakaten nicht wirklich statt. Seine Banner sind dennoch die schönsten. Und während sie in Leipzig glänzen, hat er in Dresden sein Ministeramt angetreten.

Deutlich „dagegen“ artikuliert sich indes wie erwartet die AfD mit ihrem Kandidaten Christoph Neumann. Das liest sich „Neu statt Jung“, „Der neue Mann“ oder „Wende für Leipzig“. Nicht eben zum mit der Zunge schnalzen ausgefeilte Wortspiele. Wer Neumann nicht kennt, wird nicht sonderlich angesprochen sein von den kaum gehaltvollen Plakaten, was auch ein abgebildetes Völki auf blassblauem Grund alles andere als ändert. Die Plakate hängen zudem wieder vornehmlich in den Ausfallstraßen – oft ganz oben an den Laternenmasten – sowie in der Peripherie, wo Leipzig weniger grün und links tickt.

Aber ziemlich spannend könnte eine biographische Annäherung sein. Wer wählt schon gerne Lehrer? Jung hängt also nicht an die große Glocke, dass er Religionslehrer ist. Gemkow gewinnt den Blumentopf in Leipzig nicht, weil er in Dresden Minister ist. Und Neumann? Auf der AfD-Website steht „seit 2011 Unternehmer in Leipzig“. Dabei betreibt er eine Relocation Agentur, die Ausländern das Einreisen und Eingewöhnen erleichtert. Wenn das nicht ironisch ist.

Auf die Idee einer wahlplakatbasierten Ausschau auf die OBM-Wahl brachte mich allerdings Franziska Riekewald von der Linken. Genauer gesagt ihr Fotograf oder ihre Fotografin. Was für eine Zumutung ist das denn bitteschön? Unscharf, schlecht ausgeleuchtet, mit einem unansehnlichen Rotstich.

Da SPD, CDU, die Linke, die Grünen und auch die AfD allesamt mit 20 Prozent der Stimmen plus x liebäugeln dürfen, ist so ein Plakat ein echter GAU. Ein Stimmungs- und Stimmenkiller. Wohltuend klare Statements wie „Ja zum Mietendeckel“ oder „Ja zum Antifaschismus“ dürften das kaum wieder rausreißen für die Kandidatin der Linken.

Die einzige verbleibende linke Alternative ist – zumindest von den Wahlplakaten ausgehend – Katharina Krefft. Die Grüne ist seit einigen Jahren Fraktionsvorsitzende und durchaus sozialpolitisch in Erscheinung getreten. In Verbindung mit den grünen Themen, welche die politische Agenda dominieren, ist Krefft erste Herausforderin von Jung.

Ihre Wahlplakate kommen fruchtig grün und sympathisch daher: „Mehr Grün“, „Mehr Teilhabe“, „Mehr soziale Gerechtigkeit“, „Mehr Fuß- und Radverkehr“ sind nicht revoluzzerhaft, deuten dennoch zarte Kritik und demzufolge Bedarf nach Veränderung an. Gut. Endlich Wahlkampf.

Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 75, Ausgabe Januar 2020. Zum Lesen klicken.

Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 75, Ausgabe Januar 2020. Zum Lesen klicken.

Aber während sich Jung und auch Gemkow mehr oder weniger überzeugend die Ärmel hochkrempeln und ins fotografische Phrasenschwein einzahlen, um nicht spießig und steif daherzukommen, tritt Krefft in einem Hippielook vor die Kamera, mit dem sie außer Stammwählern und sonstigen Linken wohl kaum jemanden überzeugen kann.

Reicht das? Besteht Hoffnung auf eine spannende Wahl? Plakate sind ja bekanntlich nicht ausschlaggebend – weder für die Wahlentscheidung noch den Wahlausgang. Wären sie es, würden Jung, Gemkow und Krefft einen Dreikampf hinlegen, in dem Gemkow siegt. AfD und Linke scheiden nichtssagend aus.

Aber was ist eigentlich mit der FDP? Die gibt’s doch auch noch. Ja, die Liberalen fallen erneut aus dem Rahmen. Sie wählten für ihren Kandidaten Marcus Viefeld ein Querformat. Dazu grelles Hintergrundgelb, das wie eine alte Leuchtstoffröhre in den Augen schmerzt. Sein Fokus beziehungsweise Credo sind Unternehmergeist, Wohlstand und Fortschritt. Irgendwie wenig passend für den Zweitplatzierten in der „Armutshauptstadt“-Liste, die doch gleichzeitig ideell reich und lebenswert ist.

Wird das „neue Berlin“ etwas grüner oder etwas konservativer? Oder verkauft sich der alte Jung am besten? Oder kommt gar die Piratin Ute Elisabeth Gabelmann unter dem Radar hervor und entert frech das OBM-Geschmeide? Mit Wahlplakaten tritt sie ja nicht in Erscheinung.

Ich tippe auf Verlängerung. Der zweite Wahlgang wäre dann am 1. März. Damit jedoch müssten wir die Plakate noch einen Monat länger ertragen.

MDR-Wahlarena „Fakt ist …!“: Eine LVZ-Kooperation und zwei unwichtige Kandidatinnen

Sicherheit ist für eine Partei, die seit 30 Jahren den Innenminister stellt, kein wirklich gutes Wahlkampfthema

Hinweis der Redaktion in eigener Sache (Stand 24. Januar 2020): Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen. Doch eben das ist unser Ziel.

Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen und ein Freikäufer-Abonnement abschließen (zur Abonnentenseite).

Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Aufrechterhaltung und den Ausbau unserer Arbeit zu unterstützen.

Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 350 Abonnenten.

Alle Artikel & Erklärungen zur Aktion Freikäufer“

* Leserclub *Leipziger ZeitungOBM-Wahl
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Mit dem Gesetzentwurf von CDU, Grünen und SPD ist das Bündnis Gemeinschaftsschule in Sachsen nicht wirklich glücklich
Die Vertreter des Bündnisses "Gemeinschaftsschule in Sachsen" im Sächsischen Landtag. Foto: Bündnis „Gemeinschaftsschule in Sachsen“

Foto: Bündnis „Gemeinschaftsschule in Sachsen“

Für alle LeserDer Volksantrag „Längeres gemeinsames Lernen in Sachsen“ mit dem „Gesetz zur Einführung der Gemeinschaftsschule im Freistaat Sachsen“ (Landtags-Drucksache 7/522) steht am Mittwoch, 15. Juli, als Tagesordnungspunkt 3 zur Beratung und abschließenden Beschlussfassung im Sächsischen Landtag an. Eine ganz diffizile Sache, denn wenn der Landtag den Gesetzesantrag annimmt, weicht er in wesentlichen Punkten vom Volksantrag ab.
Misstraut den Denkmälern: Wer gab eigentlich die Genehmigung, den Findling an den Friedhofsweg zu setzen?
Der nächtlich veränderte Kolonialstein. Foto: privat

Foto: privat

Für alle LeserEin Denkmal, bei dem man sich nichts denkt, ist natürlich sinnlos. Wenn dann einfach nur die Schrift getilgt ist, bleibt so ein Klops in der Landschaft stehen, wird zum Stein des Anstoßes und fordert regelrecht heraus zu einer nächtlichen Aktion, wie sie eine Gruppe Politischer Interventionisten in der Nacht vom 13. zum 14. Juli vollbracht hat. Der als Kolonialstein bekannte Findling am Friedhofsweg nah am Völkerschlachtdenkmal bekam die Aufschrift „Deutsche, erinnert eurer Kolonialverbrechen“.
Zwischen: Eine echte Zwischen-Austellung mit Michael Zettlers nachdenklichen „Masken“-Bildern
Eröffnung der Ausstellung „Zwischen“. Foto: ODP Galerie

Foto: ODP Galerie

Für alle LeserKunst ist manchmal schneller als die Welt da draußen. Während noch heftig über Maskenpflicht diskutiert wurde, machte sich der Leipziger Fotograf Michael Zettler an die Arbeit und verwandelte das ganze Maskenproblem in ein Kunst-Projekt. Seit dem 10. Juli ist es in der Ausstellung „Zwischen“ in der ODP Galerie in der Rolf-Axen-Straße 35 in Kleinzschocher zu sehen. Und das auch nur bis Donnerstag, 16. Juli. Ein echtes Zwischen-Projekt eben.
Sommerferienprogramm: Kreative Luftbotschaften, geheime Fächersprache und verzauberte Gartenstunden
ußenansicht des Eingangsbereichs zum Gelände des Schillerhauses. Foto: Markus Scholz

Foto: Markus Scholz

Im Juli und August werden die jungen Besucherinnen und Besucher des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig beim bunten Ferienprogramm auf facettenreiche Weise kreativ tätig. Die sommerlichen Temperaturen verbringen die Kinder mit vielseitigen Workshops im Freien und sammeln bei Angeboten wie dem Gestalten von Luftbotschaften, dem Kennenlernen der rätselhaften Fächersprache und Kalligraphie-Schrift sowie einer Entdeckungstour im Bauerngarten des Schillerhauses ganz neue Erfahrungen.
Die Oper der Stunde: Donizettis „RITA“
Quelle: Nicole Rundo

Quelle: Nicole Rundo

Dank der Initiative von Ugo D'Orazio, Studienleiter an der Oper Leipzig, und Mitgliedern des Solistenensembles, ist erstmals wieder seit dem Lockdown in Leipzig eine komplette Oper zu hören: „RITA“ – ein sprudelnder Einakter von Donizetti mit allen emotionalen Zutaten: Liebe, Betrug, Prügel und einer Braut, die zuerst keiner haben will, bis sich doch alles fügt.
Dienstag, der 14. Juli 2020: Stadtrat, Coronaregeln und Sommerpause
Oberbürgermeister Burkhard Jung wird am Mittwoch zum letzten Mal vor der Sommerpause eine Ratsversammlung leiten. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle Leser/-innenDie politische Sommerpause steht kurz bevor und ob es inmitten der Coronakrise eine erholsame werden kann, ist völlig offen. Morgen verabschiedet sich zumindest der Leipziger Stadtrat für zwei Monate von der Bildfläche. In der Ratsversammlung geht es unter anderem um Klimaschutz. Einen Tag später sind AfD-Ultrarechte in Altenburg zu Gast. Protest gibt es auch aus Leipzig. Die L-IZ fasst zusammen, was am Dienstag, den 14. Juli 2020, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Sachsen will Großveranstaltungen ab dem 1. September wieder erlauben
Sozialministerin Petra Köpping (SPD). Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Für alle Leser/-innenFußballstadien mit mehreren tausend Menschen und ähnliche Großveranstaltungen sind seit Monaten nur noch als Erinnerung präsent. Doch das könnte sich bald ändern. Sachsen will solche Veranstaltungen ab dem 1. September wieder erlauben. Zudem hat das Kabinett eine ab Samstag geltende Corona-Schutzverordnung erarbeitet, die weitere Lockerungen enthält. Während die Maskenpflicht bestehen bleibt, verabreden sich Corona-Leugner/-innen zum Einkaufen ohne Maske.
Corona-Effekt: Leipzig verlor im zweiten Quartal über 600 Einwohner/-innen
Kassensturz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDer Corona-Shutdown sorgte nicht nur dafür, dass viele Leipziger auf einmal im Homeoffice festsaßen, Urlaubsreisen ausfielen und viele Geschäfte geschlossen hatten. Er brachte das Umzugsgeschehen fast komplett zum Erliegen. Wer kein Studium beginnt oder eine neue Arbeitsstelle antritt, der bleibt da lieber, wo er ist. Und das machte im zweiten Quartal 2020 sehr gut sichtbar, wie sehr das Leipziger Bevölkerungswachstum vom Zuzug abhängt.
Ein Managementplan für wilde Vögel in Leipzig wäre wohl keine schlechte Idee
Tauben auf dem Leipziger Markt. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserVielleicht hätten die Grünen in ihrer Anfrage doch weniger nach der Taubenvergrämung in Leipzig fragen sollen als nach den Plänen der Leipziger Verwaltung, wilde Vögel in der Stadt tatsächlich zu schützen. Denn über Vergrämung weiß man im Rathaus recht viel – beim Schutz der Vögel aber hat man nur lauter stumpfe Instrumente und nicht wirklich einen Plan.
Warum man die Rietzschke wohl lieber nicht verrohrt hätte und bald wieder freilegen sollte
Ausschnitt der Starkregen-Gefahrenkarte zwischen Paußnitz und Wundstraße. Karte: Stadt Leipzig, Amt für Geoinformation und Bodenordnung, Verkehrs- und Tiefbauamt

Karte: Stadt Leipzig, Amt für Geoinformation und
Bodenordnung, Verkehrs- und Tiefbauamt

Für alle LeserSo tauchen Flüsse wieder auf und am Ende bleibt völlig rätselhaft, warum Leipzigs Verwaltung sich gar nicht so richtig gemeint fühlt von den Ergebnissen der am Montag, 13. Juli, vorgestellten Starkregen-Gefahrenkarte. Auch wenn Peter Wasem, Leiter des Umweltschutzamtes, erklärte: „Der Schutz vor Überflutung durch Oberflächenwasser ist Gemeinschaftsaufgabe von Kommune, Bürgern und weiteren Akteuren.“ Bürgerinnen und Bürger könnten durch die Entsiegelung von Flächen in Höfen oder Einfahrten oder die Begrünung von Dächern auch selbst aktiv werden. Und die Stadt?
Auch Westsachsen fällt weiter durch nitratbelastetes Grundwasser und hypertrophierte Flüsse auf
Überdüngt: Das Wasser der Weißen Elster. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserDeutschland ist ja so ein besonders zu großen Konzernen sehr freundliches Land. Da ist man zwar Teil der EU und unterschreibt auch wichtige Regularien, die die Umweltbelastung verringern und der Gesundheit der Menschen guttun sollen. Aber so richtig ernsthaft in die Pflicht will man die Konzerne nicht nehmen. Das Ergebnis ist bei Autoabgasen, fairer Produktion oder Nitratbrühe im Grundwasser überall dasselbe: Es passiert viel zu wenig. Die Themen werden ausgesessen.
Juliane Nagel: Es braucht keine Straßennamen zur kritischen Auseinandersetzung mit der Kolonialzeit!
Die Ernst-Pinkert-Straße führt direkt zum Zoo. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIm Rahmen der Stadtratssitzung am 9. Juli 2020 beantwortete der Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning auch die Einwohneranfrage zur Umbenennung der Ernst-Pinkert-Straße und -Schule. Er schloss die Beantwortung mit der Darlegung seiner persönlichen Meinung. Demnach hätte die Benennung von Straßen oder öffentlichen Einrichtungen auch nach Persönlichkeiten mit problematischen Einstellungen eine pädagogische Wirkung und würde die kritische Auseinandersetzung fördern. Eine Auffassung, der die Linke-Stadträtin Juliane Nagel deutlich widerspricht.
Montag, der 13. Juli 2020: Schulen im Normalbetrieb und Hochschulen vor ungewissem Semester
Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Für alle Leser/-innenDas sächsische Kultusministerium möchte das kommende Schuljahr weitgehend im Normalbetrieb durchführen – ohne allgemeine Maskenpflicht, aber mit uneingeschränkter Präsenzpflicht. Ob und inwieweit die Hochschulen im Wintersemester zur Präsenzlehre zurückkehren können, ist noch ungewiss. Die L-IZ fasst zusammen, was am Montag, den 13. Juli 2020, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Gastkommentar von Christian Wolff: Was tun? – Praktische Erwägungen zur Krise der Kirche
Blick zum Turm der Peterskirche. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser„Ging eine Schockwelle durchs Land? Hörten Kommentatoren Alarmglocken läuten? Nein. Stattdessen: Apathie, Ratlosigkeit, Verdrängung, Ignoranz.“ – mit dieser Feststellung kommentiert Malte Lehming im Berliner „Tagesspiegel“ die weitgehende Nicht-Reaktion der Kirchen auf die erschreckenden Austrittszahlen 2019. In der Tat: In vielen Kirchgemeinden verläuft die Debatte über die düsteren Zukunftsperspektiven der eigenen Institution mehr als verhalten.
Berg der investiven Ausgabereste wuchs in Leipzig 2019 um 68 Millionen Euro an
Ein Berg von Ausgaberesten ... Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSie haben sich alle Mühe gegeben, Leipzigs Planer, von den 657 Millionen Euro, die ihnen im letzten Jahr fürs Bauen von Schulen, Straßen und Brücken zur Verfügung standen, möglichst viel verbaut zu bekommen. Aber auch der Endspurt im Herbst hat nicht geholfen. Über 300 Millionen Euro bekamen sie einfach nicht an den Markt. Am Donnerstag, 9. Juli, hat Finanzbürgermeister Torsten Bonew sozusagen die Baubilanz für 2019 gezogen.