These #16: Kinder und Jugendliche suchen ihre Werte und Vorbilder – was sie finden, liegt auch an Dir.

Für alle LeserDieser Verantwortung muss sich die Gesellschaft bewusst sein und Werte, die sie vermitteln will, täglich leben. In Walt Disneys „Mary Poppins“ (1963) wird für die schwer händelbaren Geschwisterkinder eine „Kinderschwester“ gesucht. Um genau zu sein, die sechste Kinderschwester in Folge. Der Vater ist der Meinung, er verfüge über genügend Urteilsfähigkeit, Einsicht und Menschenkenntnis, um eine geeignete Kinderschwester für seine „Brut“ zu finden.
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Er wünscht sich eine Kinderschwester, die agiert wie ein Feldherr, da die Zukunft des Staates in ihren Händen liege. Sie soll seriös, verantwortungsbewusst, geordnet, präzise, diktatorisch und nicht charmant sein.

Seine Kinder hingegen wünschen sich eine Frau zum Spielen, die nicht nur böse zu ihnen ist. Eine die lustig und klug ist und dies nicht nur drinnen, sondern auch draußen zeigt. Eine Kinderschwester, die, wenn sie Bauchschmerzen haben, ein liebes Wort für sie bereithält und nicht nur Rizinusöl und Tee. Sie soll kochen können und ihre Versprechen halten. Im Gegensatz dazu versprechen sie, ihr keine Kröten ins Bett zu legen oder Pfeffer in den Tee zu streuen.

Kinder und Jugendliche suchen sich selbstbestimmt ihre Vorbilder. Innerhalb der Familie können dies beispielsweise die Eltern sein, die sich enthusiastisch streiten und danach wieder versöhnen und respektvoll miteinander umgehen oder die Oma, die phantasievoll bäckt.

Auch die Trainer eines Vereins, die motivieren sowie Respekt und Zuversicht ausstrahlen, können als Vorbild dienen, oder aber Menschen die fürsorglich in der Straßenbahn den Platz für eine schwangere Frau freigeben oder im Straßenverkehr auf die gegenseitige Rücksichtnahme achten und sich auch einmal zurücknehmen.

Wer sich an seine eigenen Vorbilder erinnert, denkt möglicherweise mit einem Schmunzeln an den ersten Starschnitt, krisenbehaftete Lovestories, schrille Girlbands oder mutige Comichelden zurück. Ganz gleich, was unsere Eltern davon hielten oder gerade weil sie davon nichts hielten, fanden wir sie toll.

Das gleiche Phänomen ist auch in der heutigen Generation zu beobachten. Kinder und Jugendliche folgen und orientieren sich begeistert an Influencer*innen, seltsam wirkenden Rap-Hip-Hop-orientalisch-angehauchten Gruppen mit gebrochenem Deutsch und nehmen virtuell an deren Leben teil, eifern ihnen nach und beurteilen deren Verhalten, Lifestyle, Status und Beliebtheit an der Anzahl ihrer Follower.

Große Teile der nachfolgenden Generationen verbünden sich weltweit und fordern ein erweitertes Denken über die Nachhaltigkeit unseres täglichen Seins. So ist aktuell die Tochter einer schwedischen Opernsängerin Vorbild von Jugendlichen in der ganzen Welt. Jede Generation hat die Möglichkeit, eigene Werte selbst zu erleben.

Das bekannte Modellernen nach Albert Bandura beschreibt die Bezeichnung kognitiver Lernprozesse, wenn ein Wesen als Folge der Beobachtung das Verhalten anderer Wesen nachahmt oder annimmt. Es erweitert die bereits bestehenden Verhaltensmuster, ungeachtet ob positive der negative Verhaltensweisen „kopiert“ werden.

Auch wir als Teil der Mobilen Jugendarbeit, die junge Menschen lebensnah mit Respekt annehmen und ihnen mit Empathie, Wachsamkeit, Pflichtgefühl, Professionalität, Teamgeist und Gerechtigkeit gegenübertreten, sollten uns bewusst sein, dass wir unbewusst eine Vorbildrolle einnehmen. Gewiss muss man auf den schmalen Grat innerhalb unserer Arbeit zwischen „Recht und Unrecht“ aufmerksam machen.

Wir begegnen Jugendlichen im öffentlichen Raum, welche den Missbrauch durch organisierte Radikale erfahren haben oder sogar Teil davon sind. Jene Vereinigungen, die sich ebenfalls an den sehnsüchtigen Werten bedienen, wie zum Beispiel Zusammengehörigkeit, Gerechtigkeit, Autorität, Anerkennung, Freiheit und so die Umgangsformen und inneren Strukturen regeln.

Jene Radikale, die aufgrund organisierter Freizeitmöglichkeiten, ihrer Lautstärke, Sport, Musik, Status und ihrer Mitglieder als Gruppe für junge Menschen hoch attraktiv sind. Die Herausfoderung ist dabei, seine eigenen Werte nicht ungehört zu lassen.

Durch den täglichen Diskurs mit jungen Menschen kann wertschätzend über Alternativen gesprochen werden, ganz gleich, wie die eigenen Vorstellungen und Rollen sind. Gerade weil der Ton in der Politik gefühlt immer rauer wird und das Vertrauen in die Gesellschaft vermeintlich schwindet, besteht ein erhöhtes Risiko für Unsicherheit und Unzufriedenheit. Doch auch wir haben die Chance, selbstwirksam und selbstbestimmt zu leben, geprägt durch unsere eigene Biografie, Kultur und Sozialisation.

Wenn wir täglich die für uns wichtigen Werte (er-)leben, wie zum Beispiel Freiheit, Selbstbestimmung, Disziplin, Ehrlichkeit, Nächstenliebe, Zuverlässigkeit, Loyalität, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Integrität, Mut, Pünktlichkeit, Fürsorglichkeit, Geduld, Toleranz und Rücksichtnahme, können wir eine Orientierung und Vorbild für die nachfolgenden Generationen sein.

Eine weitere Auswirkung könnte sein, dass unsere Werte innerhalb der Gesellschaft trotz des „Individualisten-Hashtag-Wahns“, Verrohung und sinkenden Hemmschwellen erhalten bleiben und im besten Fall vermischt oder gar verbessert werden.

Welche Werte und Normen sind Dir wichtig und in welcher Gesellschaft willst Du Leben?

Zeig die Beste Version von Dir!

Supercalifragilisticexpialigetisch

Infos zur Thesen-Aktion: Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens hat der Mobile Jugendarbeit Leipzig e.V. einen Kalender mit 25 Thesen aus der Praxis zusammengestellt. Diese beziehen sich auf aktuelle Gegebenheiten und Entwicklungen in Gesellschaft und Jugendarbeit, auf die die Streetworker des Vereins in ihrer täglichen Arbeit stoßen. Die Thesen sollen zum Nachdenken und zur Diskussion anregen – und im Idealfall den Anstoß für einen Veränderungsprozess geben.

Mehr Infos zur Mobilen Jugendarbeit Leipzig e.V.:
www.kuebelonline.de

These #15: Mobile Jugendarbeit – Immer am Puls der Zeit.

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Foto: Ralf Julke

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Corona-Hotspot Sachsen: Hasenfüßige Landräte und ein Brief an den OBM
Die aktuelle Kampagne der Stadt: Maske auf und durch. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

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