Gegner der Corona-Maßnahmen „spazieren“ durch Leipzig + Video & Audio

Für alle LeserIn Leipzig sind am Montag, den 4. Mai, etwa 200 Menschen durch die Innenstadt „spaziert“, um damit gegen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zu protestieren. Sie blieben zwar still – doch aus diesem noch weitgehend unübersichtlichen Spektrum des Protestes hatte es in den vergangenen Tagen bereits Kundgebungen mit Redebeiträgen gegeben. Dort wurde die Kritik an den Maßnahmen teilweise mit Verschwörungstheorien verknüpft.
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Erneut sind in Leipzig zahlreiche Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Corona-Schutzverordnung zu protestieren. Etwa 200 Personen beteiligten sich am Montag, den 4. Mai, an dem Protest, der diesmal als „Spaziergang“ stattfand. Zuvor hatte es Aufrufe gegeben, bundesweit am Montagabend solche „Spaziergänge“ durchzuführen. Die Mobilisierung für die Veranstaltung in Leipzig lief seit mindestens Sonntag in verschiedenen Telegram-Gruppen.

Polizei und Ordnungsamt schienen dennoch nicht darauf vorbereitet, erst am Ende, als die „Spaziergänger/-innen“ wieder am Augustusplatz eintrafen, wollte das Ordnungsamt erfahren, wer die Versammlung anmelden würde.

Der „Spaziergang“ vom 4. Mai 2020 in Leipzig

Video: L-IZ.de

Treffen ohne Reden vor der Nikolaikirche

Bereits gegen 17 Uhr hatten sich Personen vor der Nikolaikirche versammelt. Nach Angaben mehrerer Beobachter/-innen gab es dort jedoch dieses Mal keine Reden. Gegen 19 Uhr versammelten sich etwa 200 Personen auf dem Augustusplatz. Von dort liefen sie durch die Innenstadt zum Richard-Wagner-Platz und von dort über den Willy-Brandt-Platz zurück zum Augustusplatz.

Die Polizei wurde erst zum Schluss aktiv und umstellte einen Teil der „Spaziergänger/-innen“. Ob es sich aus Sicht der Behörden um eine Versammlung im rechtlichen Sinne handelte, wurde nicht klar, Banner oder Plakate wurden bis auf wenige Ausnahmen keine mitgeführt. Dennoch blieb es weitgehend unverständlich, warum der sonst seit Jahren strikte Kurs Leipziger Behörden verlassen wurde, einen Anmelder der Demonstration bei Beginn der Versammlung zu fordern.

Mehrere Gruppierungen

In den vergangenen Tagen hatte es mehrmals Protest gegen die Corona-Schutzverordnung gegeben. Inwieweit die einzelnen Gruppierungen zuammengehören, ist noch relativ unklar. Die Redner/-innen verbreiteten dabei zum Beispiel am 2. Mai 2020 vor der Nikolaikirche Behauptungen, wonach die Medien von der Regierung gelenkt seien, Deutschland keine Verfassung habe und der Ausbruch der Pandemie geplant gewesen sei.

Andere Redebeiträge adressierten soziale und ökologische Probleme. Zumindest eine Ordnerin, welche sich am 2. Mai 2020 ebenfalls organisatorisch betätigte und zudem das Grundgesetz verlas, hatte zuvor bei einer ähnlichen Demo das unter anderem von langjährigen Impfgegner/-innen gestützte Bündnis „Ich bin anderer Meinung“ (IBAM) beworben.

Ein weiterer Redner verglich am 2. Mai die aktuelle Situation mit 1933 und setzte die Coronamaßnahmen mit der Gleichschaltungspolitik der NSDAP gleich. Inwieweit sich Menschen derzeit hier wie dort in ihrem Protest gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen beteiligen, ist noch unklar.

Video der Versammlung vom Samstag, 2. Mai 2020 vor der Nikolaikirche

Die Redebeiträge, Verschwörungstheorien und eine Intervention vom 2. Mai 2020. Video: L-IZ.de

Ex-Legida-Vorstand spaziert mit

Einer der „Spaziergänger/-innen“ vom 4. Mai 2020 war der Leipziger Rechtsanwalt Arndt Hohnstädter. Dieser bildete vor einigen Jahren gemeinsam mit Markus Johnke und Silvio Rösler den Vorstand des rechtsradikalen Legida-Vereins. Hohnstädter selbst beendete öffentlich die Existenz des Leipziger PEGIDA-Ablegers.

Vor Gericht verteidigte Hohnstädter unter anderem den ehemaligen NPD-Stadtrat Enrico Böhm und den Neonazi Kevin D., der sich am 11. Januar 2016 am Überfall auf Connewitz beteiligt haben soll.

Heute gab er auf L-IZ.de-Nachfrage am Ende des Spazierganges an, er sei lediglich aufgehalten worden und somit zufällig (siehe Video) seit der Innenstadt bis zum Augustusplatz mitgelaufen. Einige andere Teilnehmer des heutigen Rundganges erzählten auf Nachfrage über ihre Motivation, an der Aktion teilzunehmen – auf ihren Wunsch hin ohne Bild und nur mit Tonaufnahme.

Die Statements einiger Teilnehmer des „Spazierganges“ vom 4. Mai 2020

Audio: L-IZ.de

Bereits morgen Abend soll es auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz die nächste Kundgebung gegen die derzeit zunehmend gelockerten Coronaregeln geben. Dann möchte sich erneut die Gruppierung als eine von mehreren zusammenfinden, welche bereits am Samstag demonstriert hatte (siehe Video vom 2. Mai 2020).

Das „Solidaritätsnetzwerk Leipzig“ ruft zu einer Gegenkundgebung auf, die gleichzeitig in der Nähe stattfinden soll.

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