Kurzauftritt statt Drohkulisse: Schwarz-Weiße Wahrheiten in Leipzig + Video

Für alle LeserSie hatten es bereits in anderen Städten getan, in Leipzig ging es mangels Überraschung ein bisschen nach hinten los. In einer Art „Kunstaktion“ versuchen gerade Splittergruppen der sogenannten „Querdenker“ Flashmobs zu veranstalten, welche dem Wort nach gar keine sind. Öffentliche Aufrufe oder schnelle Mobilisierungen gibt es kaum, weshalb es auch auf dem Leipziger Markt am 14. November 2020 nur 13 Teilnehmende waren, die in Schutzanzügen stumm Schilder herumtrugen. In der Folge des 7. November 2020 kam es dann jedoch nur zu einem Kurzauftritt, Polizei und „Querdenken“-Gegner waren bereits vor Ort.
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Sie treten so auf, wie es der Hallesche Rechtsextreme Sven Liebich am 7. November 2020 und zuvor in Halle/Saale als „Coronapolizei“ bereits ähnlich vormachte: mit einem weißen „Schutzanzug“ samt Kapuze und in ihren wortlos vorgetragenen Gruppenschreitereien zusätzlich mit weißen Gesichtsmasken. Was wiederum an die Aktionen der sogenannten „Spreelichter“ in den Jahren 2014 erinnert. Die Brandenburgische Neonaziorganisation war 2014 verboten worden, nachdem sie mit dem Stilmittel der Maskierung sogenannte nächtliche „Fackelläufe“ in meist kleineren Städten wie Bautzen veranstaltet hatte und neben anderen Aktionen so versuchte eine Art anonyme Drohkulisse zu errichten (Kurzerklärung Wiki).

Hier nun statt Fackeln trug man im Tageslicht Schilder, auf welchen jene Botschaften standen, von denen Corona-Maßnahmengegner überzeugt sind: so soll sich die Gesellschaft verhalten und anfühlen im Moment. Sie selbst nennen es „Schwarze Wahrheiten“ und legen es darauf an, dabei gefilmt und so möglichst ohne weitere journalistische Einordnung im Netz verbreitet zu werden. Eine der ersten Aktionen fand bereits Anfang November in der Schweiz statt und wurde durch „Ostsachsen TV“ – einem eher regionalen Videokanal – ohne weitere Einordnung präsentiert.

Der Youtube-Kanal aus dem Raum Bautzen, welcher unter anderem mit Werbung von Hentschke Bau finanziert wurde – jenem Bauunternehmen, dessen Chef als AfD-Großspender in Erscheinung trat – ist neben ostdeutschen Bezügen kaum als journalistisches Angebot zu bezeichnen. Zur „Schwarze Wahrheiten“ – Aktion in der Schweiz raunte der Netzsender: „Wer die Aktion organisiert hat ist unklar. Was mit der Aktion ausgedrückt werden soll steht außer Frage.“

In der Tat: vor dem gerade einmal fünfminütigen Auftritt in Leipzig gab es Beratungen innerhalb der Gruppe, wie man bedrohlich wirken könne, um die Menschen „aufzuwecken“. Längst sind viele in der „Querdenker“-Bewegung der festen Überzeugung, alle anderen Menschen würden schlafen, ein typisches Anzeichen für Sekten.

Der Staat schlief dieses Mal nicht und war bereits vor ihrem Eintreffen mit gleich mehreren Einsatzwagen vor Ort. Statt alle zu überraschen und zu wecken, musste die Aktion als Versammlung vor Ort angemeldet werden, bevor sie sich im Durchgang des Alten Rathauses umkleiden durften. Mindestens zwei beteiligte Personen aus dem Umfeld der sogenannten „Montagsspaziergänge“ waren an der Aktion beteiligt und trugen den Maskenträgern unter dem Protest etwa 25 Gegendemonstranten die Rucksäcke hinterher.

Apropos Tragen

Nach ersten Ankündigungen möchte eine Gruppierung rings um den neurechten „Neuen Schmalkaldischen Bund“ (NSB) unter anderem unter der Beteiligung von Jürgen Elsässer (Compact) am 21. November 2020 das wiederholen, was „Querdenken“ am 7. November 2020 aufführte. Leipzig soll also ein weiteres Mal ertragen, dass unter dem Missbrauch der 89er Revolution gegen die Corona-Schutzmaßnahmen über den Ring gelaufen wird.

Bereits für den 7. November hatte auch der NSB mit einem Videoaufruf mobilisiert, längst wachsen so bei „Querdenken“ seit Jahren bekannte Rechtspopulisten, Nationalisten und neue Strömungen im Kampf gegen „das System“ unter dem Slogan „nicht rechts, nicht links“ zusammen. Entwicklungen, wie sie in den 20ern des 19. Jahrhunderts in eine „national-sozialistische Partei“ namens NSDAP mündeten.

Starten soll die Demo, für welche auch in der Reichbürgerszene aufgerufen wird, wie gewohnt auf dem Leipziger Augustusplatz.

Spreelichter reloaded by „Querdenken“

Video: L-IZ.de

Leipzig am 7. November: Nachwehen für einen „Querdenker“ + Video

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* Video *DemonstrationCoronakriseQuerdenken
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