15.9 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Michael Ballweg zum 21. November in Leipzig: Halbe Distanzierungen und geschraubte Gegenfragen + Video & Bildergalerie

Anzeige
Werbung

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Werbung

    Dass der ehemalige Unternehmer Michael Ballweg ein Freund der freien Presse wird, steht auch in Zukunft kaum zu erwarten. Vielleicht liegt es am Oberlehrer-Tonfall gegenüber langjährigen Journalisten, den seine Anhänger offenbar als „widerständig“ verstehen. Oder seinem Hang zu devoten Fan-TV-Machern auf Youtube, die ihm unangenehme Nachfragen stets ersparen. In jedem Fall aber wohl an der Art, wie er einer normalen, schriftlichen L-IZ.de-Presseanfrage vom 23. November gegenübertritt, welche auch im Interesse des Stuttgarter „Querdenkers“ selbst erfragen möchte, wie die „Querdenken“-Bewegung zu den Vereinnahmungsversuchen von Rechtsextremisten am 21. November 2020 in Leipzig steht. Gar nicht, könnte man die Antworten des Bewegungs-Initiators Ballweg an die L-IZ.de überschreiben.

    Könnte, wäre, hätte. Kurz gesagt: Michael Ballweg und die „Querdenken“-Organisationen hatten mit dem Geschehen am 21. November 2020 in Leipzigs Innenstadt nichts zu tun, so Michael Ballweg. In einer Pressemitteilung, welche bereits zuvor „Querdenken“-Anwalt Ralf Ludwig vor allem über Telegram verbreitet hatte, behauptete dies auch Ludwig.

    Für den 21. November in Leipzig vorab, wie für den 18. November 2020 in Berlin nachträglich wird darin ausgeschlossen, dass „Querdenken“ selbst etwas mit den Versammlungsanmeldungen zu tun hatte. In der Tat wurde die Versammlung in Berlin von „Honk for Hope“-Sprecher Alexander Ehrlich in Berlin angemeldet, in Leipzig war es am 21. November 2020 ein rechtsextremer Liedermacher.

    Scheinbar fiel dieser schmale Grat der Unterscheidung sogar den eigenen „Querdenkern“ schwer – sie warben gern für beide Demonstrationen, die laut Ballweg nicht mögliche Verwechslung des 21. November mit dem 7. November 2020 kann man anhand der Screenshots im Artikel selbst beurteilen.

    Während also Markus Haintz, am 7. November 2020 in Leipzig neben Rechtsanwalt Dirk Sattelmaier als „Querdenken“-Anwalt vor Ort und auf der Bühne agierend, zu dem Versuch von etwa 8.000 Menschen am 18. November 2020 das neue Infektionsschutzgesetz“ in Berlin zu verhindern, fast minütlich Neuigkeiten auf Telegram publizierte, folgte Tage darauf das Ludwig-Dementi.

    Für den 21. November 2020 in Leipzig stellt Michael Ballweg auf L-IZ-Nachfrage zur hohen Ähnlichkeit der Mobilisierungswerbung mit dem 1989er Bezug und den Aufrufen „auf den Ring“ zu gehen noch einmal seine persönliche Sicht auf die inhaltlich ähnlichen Demonstrationen dar: „Ein ‚Querdenken’-Stil ist dann nicht vorhanden, wenn nicht ‚Querdenken’ auf dem Plakat steht.“ Und betont zu Ludwigs Pressemitteilung: „Sie schreiben, dass in einer Pressemitteilung unsererseits ‚suggeriert’ wird, dass wir als Querdenken-Initiative nichts mit der Versammlung zu tun haben. Dies ist keine Suggestion, dies ist eine Tatsache.“

    Dabei bezieht sich Ballweg auf die konkreten Versammlungsanmelder.

    Tatsachen vom 21. November 2020

    Tatsache war jedoch auch, dass es zur Ankündigung des 21. November 2020 lange Zeit keine Anmeldung bei der Stadt Leipzig gab und anschließend der Anmelder selbst vor Ort seine Kundgebung gar nicht erst begann. Tatsache auch, dass der eigene „Querdenken“-Anmelder vom 7. November, Nils Wehner, anschließend verkündete, vorerst keine Versammlungen mehr in Leipzig anmelden zu wollen.

    Was aus dem Anmelde- und Polizeichaos folgte, war ein teils fern von jeder polizeilicher Beobachtung vollzogener „Querdenker“-Umzug durch die Leipziger Innenstadt, welcher in der Großen Fleischergasse an einer friedlichen Blockade von linken Autonomen endete. Begleitet war der Zug von bekannten Rechtsextremisten wie Michael Brück (Die Rechte, Dortmund) samt Begleitung, Christian Bärthel (Altkader der NPD mit Bezügen zum NSU-Umfeld), Yves Rahmel (Ex-PC Records und Die Rechte NRW), Steffen Thiel (NPD Sachsen-Anhalt), Patrick Wieschke (NPD), Peter Schreiber (Vorsitzender NPD Sachsen, für Deutsche Stimme TV) sowie Rechtsauslegern wie Heinrich Fiechtner (Ex-AfD-Mitglied, parteilos, Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg), Richard Houdershell (enger Bekannter von Rechts-Rapper Chris Ares), Jens Maier (AfD Sachsen), Nikolai Nerling, Hagen Grell, Sven Liebich und vielen mehr.

    Flankiert war das Ganze von einer Eisenacher Schlägertruppe rechter Kampfsportler, welche die Bundespolizei zwar am Hauptbahnhof Leipzig stoppte, dann aber den größten Teil ohne polizeiliche Begleitung in die Stadt entließ. Ob diese Gruppierung je auf der Versammlung ankam ist unklar (siehe Video), die Bundespolizei schrieb danach von der Feststellung, dass sie 10 offene Haftbefehle vollstrecken konnte.

    Lässt man Ballwegs teils falsch adressierte Belehrungen (offenbar meint der Stuttgarter die LVZ?) über das korrekte Arbeiten von Journalist/-innen mal weg, bleibt also stehen: die unangemeldete Versammlung von etwa 800 bis 1.000 Personen am 21. November 2020 in Leipzig unter starker Beteiligung von NPD-Kadern aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, „Die Rechte“-Aktivisten aus Dortmund, Rechtsextremen, nationalistischen Youtubern und Holocaustleugnern sowie gewaltbereiten Hooligans hat nichts mit ihm oder seiner Bewegung „Querdenken“ zu tun.

    Dass sich unter den versammelten auch bekannte Gesichter der „Bewegung Leipzig/Querdenken“ befanden, konnte der angehende Politiker offenbar von Stuttgart aus nicht sehen.

    Derzeit schließt der Initiator der Coronafolgenleugnerinitiative auch mit Blick auf erste Ankündigungen für eine weitere „Querdenker“-Versammlung am 19. Dezember 2020 aus, dass eine eigene Versammlung, wie die am 7. November 2020 in Leipzig, noch in diesem Jahr stattfinden wird. Die mutmaßlich stattfindende Versammlung am 19. Dezember hat also ebenfalls nichts mit Ballweg und seiner Organisation zu tun.

    Oder in breitbeinigem Ballweg-Deutsch auf die Frage, ob „Querdenken“ noch eine weitere Versammlung für das Jahr 2020 in Leipzig vorbereitet: „Wenn wir eine planen, werden Sie es mitbekommen. Dann steht auf dem Plakat „QUERDENKEN-711“ oder „QUERDENKEN-341“ oder eine der weiteren Städte.“

    Nicht die ganze Wahrheit

    Natürlich ähneln sich der Stil und das Auftreten der Demonstrierenden dennoch deutlich. Dies mag auch damit zu tun haben, dass die Organisation, welche unter anderem nach Leipzig mobilisierte, die ehemalige Erfurter „Querdenken 361“ um Arno Niederländer war. Ehemalig deshalb, da wohl seitens Ballwegs „Querdenken“-Zentrale bereits vor dem Auftritt in Leipzig Bedenken bestanden, die weitere Nutzung des Namens „Querdenken“ jedenfalls versuchte sie Niederländer zu untersagen.

    Gleichzeitig erschien die Werbung für den 21. November in allen einschlägigen Telegram-Kanälen der „Querdenken“-Bewegung selbst, bei Suborganisationen wie „Studenten stehen auf“ oder im reichweitenstarken Kanal von „Querdenken“-Anwalt Markus Haintz.

    Für Michael Ballwegs Erklärungen sprechen, dass der Stuttgarter Reisezirkus mit dem bekannten Protagonisten wie am 7. November ausblieb und so – nicht wie Ballweg vermutet – keine 5.000 sondern eher keine 1.000 Versammlungsteilnehmer am 21. November nach Leipzig kamen. Erstmals klar sein müssten nun die Verhältnisse vor dem 19. Dezember 2020. Dann möchte „Querdenken“ nicht in Leipzig Party machen. Obwohl Ballweg selbst laut seinen Antworten wohl wenig Probleme damit hätte, in Leipzig mit Rechtsextremen zu marschieren.

    Und diese mobilisieren in ersten Bekundungen bereits wieder zum Weihnachtstreffen mit Ringlauf und Sternmarsch ins Leipziger Zentrum.

    Statt Distanzierungen verschraubte Erläuterungen

    Besonders merkwürdig in seiner Antwort an die L-IZ.de bleibt, dass sich Michael Ballweg lieber in diffusen Gegenfragen verliert, statt – mit einer Reihe Namen von langjährigen Rechtsextremisten am 21. November in Leipzig konfrontiert – ein paar klare Worte zu Extremismus auf den verschiedensten „Querdenker“-Versammlungen zu verlieren. Seine Sicht auf den 21. November 2020 lautet eher so: „Die dazu zu findenden Videos ergaben im Zuge unserer Recherchen tausende von friedlich zusammenstehenden Menschen sowie ein Block von nicht-friedlichen Demonstranten innerhalb der Gegendemonstration.“

    Im Weiteren sei die Frage zu stellen, welche Schritte wir als Zeitungsverlag dagegen einleiten würden, wenn die von uns genannten NPD-Vertreter unsere Zeitungen kaufen würden. Im Gegensatz zu Ballweg können wir das leicht beantworten: das dürfte kaum vorkommen, Rechtsextreme lassen in den zurückliegenden 15 Jahren die L-IZ.de oder die LEIPZIGER ZEITUNG erfahrungsgemäß ihre Anwälte für sich lesen. Weiterhin wundert sich Ballweg, warum wir „NSU, AFD und NPD erwähnen? Wie setzen sich die restlichen 4.991 Teilnehmer parteipolitisch zusammen? Was haben wir damit zu tun?“

    Querdenken-Chatgruppe 711 bei Telegram: Nationalismus, Antisemitismus und ein Feindbold. De Radikalisierung ist im vollen Gange. Screen Telegram Querdenken 711
    Querdenken-Chatgruppe 711 bei Telegram: Nationalismus, Antisemitismus und ein Feindbild. Die Radikalisierung ist im vollen Gange. Screen Telegram Querdenken 711

    Nichts natürlich, nichts mit der grotesk überhöhten Teilnehmer/-innenzahl vom 21. November, nichts mit „Die Rechte“-Fans aus Dortmund, die schon am 7. November in vorderster Front vor Ort waren und nichts mit einer systematischen Unterwanderung der Infokanäle der „Querdenken“-Bewegung durch „Rattenjäger“.

    Der Tagesspiegel schreibt am 31. Juli 2020 über Michael Ballwegs Verhalten, als er mit klar rechtsextremen Bezügen zu Reichsbürgern seines heute Ex-Pressesprechers Stephan Bergmann konfrontiert wird: „Der Tagesspiegel hat Michael Ballweg, den Initiator von ‚Querdenken 711‘, zu den Veröffentlichungen seines Pressesprechers befragt. Michael Ballweg bat um Zusendung der Screenshots, versprach, diese umgehend zu prüfen. Danach hat er sich nicht wieder gemeldet.“

    Wozu wohl auch die „Antwort“ an die L-IZ.de auf unsere Anfrage hin passt: „Falls Sie darauf hinaus wollen, dass die politische Ausrichtung extremistischer Natur wäre, müssen wir dem widersprechen. Wir sind eine demokratische Bewegung in der politischen Ausrichtung der Rechtsstaatlichkeit.“

    Dazu dürfte es längst deutlich andere Sichtweisen auf seine „Querdenken“-Bewegung geben, die Radikalisierung ist auch laut ZDF in vollem Gange. Von der als Coronafolgenleugnung als gezeigtes Verhalten am 7. November in Leipzig ganz zu schweigen.

    Video-Szenen vom 21. November 2020 ua. am Hauptbahnhof Leipzig

    Video: L-IZ.de

    Foto-Impressionen vom 21. November 2020 in Leipzig (alle, außer wenn anders gekennzeichnet, L-IZ.de)

    Unser Schreiben mit den Fragen an Michael Ballweg

    Sehr geehrter Herr Ballweg,

    vorab gestatten wir uns eine Anmerkung zur Bitte, diese Mail an den/die Verantwortlichen auf dem Mailwege weiterzuleiten. Das von Ihnen zur Verfügung gestellte Formular entspricht leider in mehreren Punkten nicht den normalen Datenschutzvorgaben, wie wir sie beachten, von einer Übersendung eines Presseausweises mit persönlichen Wohndaten sehen wir grundsätzlich auch vor dem Hintergrund der nachfolgend geschilderten Informationen ab.

    Unsere Kontaktdaten zur Leipziger Internet Zeitung L-IZ.de finden Sie anbei und in unserem Impressum.

    1. Bei der Anmeldung und Bewerbung der Kundgebung am 21. November 2020 auf dem Leipziger „Kurt-Masur-Platz“ in Leipzig wurde offenbar durch entsprechende Werbung der Bezug zu „Querdenken“ und der Demonstration am 7. November 2020 bewusst hergestellt und so in den einschlägigen „Telegram“-Kanälen von „Querdenken“ (u.a. in der Gruppe 711, 341 usw.) beworben. War diese Anmeldung und Bewerbung mit Ihnen abgestimmt?

    2. Wenn nein (wie bereits im Vorfeld durch Herrn Rechtsanwalt Ralf Ludwig betont), wie wollen Sie zukünftig wirksam den Eindruck verhindern, dass solche Kundgebungen, die anschließende Demonstrationen und das Gesamtgeschehen nicht mit „Querdenken“ und Ihnen in Verbindung steht? (Anmerkung: eine weitere Ankündigung ist bereits für den 19. Dezember 2020 im Umlauf)

    3. Im Zuge des Demonstrationsgeschehens fiel auf, dass eine starke Gruppe von „Querdenken“ Erfurt (361) rings um den lokalen Initiator Arno Niederländer inklusive ihm selbst an der Demonstration in Leipzig beteiligt war. Im Vorfeld hatte diese „Querdenken“-Gruppe auch mobilisiert. Wie stehen Sie zur Teilnahme dieser (laut Niederländer) offiziell zur „Querdenken“-Initiative gehörenden Lokalgruppe aus Erfurt am 21. November 2020?

    4. Wann hat „Querdenken“ selbst eine weitere Demonstration in Leipzig angedacht oder ist derzeit keine Anmeldung bis Jahresende durch Sie oder die lokale „Querdenken 341“ geplant?

    5. Steht die seit heute im Raum stehende Anmeldung einer weiteren Demonstration am 19. Dezember 2020 in Leipzig im „Querdenken“-Stil mit Ihnen oder einer der „Querdenken“-Gruppen in Verbindung?

    6. Im Zuge unserer Recherchen ergaben sich folgende Umstände rings um das Demonstrationsgeschehen am 21. November 2020. Anmelder der Kundgebung auf dem Kurt-Masur-Platz war ein einschlägig bekannter rechtsextremer Liedermacher namens Manuel Zieber, aufgerufen und mobilisiert wurde auch durch Jürgen Elsässer (Compact) und unter anderem NPD und „Die Rechte“ sowie Kreise der Identitären Bewegung.

    7. Auf der Demonstration selbst beteiligten sich u.a. Michael Brück (Die Rechte, Dortmund) samt Begleitung, Christian Bärthel (Altkader der NPD, NSU-Verbindungen), Steffen Thiel (NPD Sachsen-Anhalt), Patrick Wieschke (NPD), Peter Schreiber (Vorsitzender NPD Sachsen, Deutsche Stimme), Heinrich Fiechtner (Ex-AfD, parteilos, Landtag Baden-Würtemberg), Richard Houdershell, Jens Maier (AfD Sachsen), Yves Rahmel (Ex-PC Records, Die Rechte NRW), Nikolai Nerling sowie die angesprochene „Querdenken“-Gruppe aus Erfurt uvm..

    8. Wie stehen Sie im Zusammenhang mit diesen (aktiven und aktivistisch berichtenden) teils klar rechtsextremistischen Teilnehmern zu der leicht mit Ihren Kundgebungen zu verwechselnden Anmeldungen und welche Schritte werden Sie dagegen einleiten?

    Die Antworten von Michael Ballweg (welche er parallel an die Deutsche Preseagentur – DPA – versandte und in den genannten Telegramgruppen veröffentlichen ließ)

    Zu Ihrem Vorwort:

    Zum Markenregister: Aufgrund unserer Erfahrung mit irreführender Berichterstattung haben wir die Wortmarke Querdenken mit Ergänzung der entsprechenden Orts-Initiativen sichern lassen, um im etwaigen Fall Missbrauch dieses Namens zu unterbinden.

    „Politische Ausrichtung von Querdenken“: Falls Sie darauf hinaus wollen, dass die politische Ausrichtung extremistischer Natur wäre, müssen wir dem widersprechen. Wir sind eine demokratische Bewegung in der politischen Ausrichtung der Rechtsstaatlichkeit.

    Sie schreiben, dass in einer Pressemitteilung unsererseits „suggeriert“ wird, dass wir als Querdenken-Initiative nichts mit der Versammlung zu tun haben. Dies ist keine Suggestion, dies ist eine Tatsache. Vorausgesetzt, man geht von der Üblichkeit aus, dass der Versammlungsleiter damit gemeint ist. Wer sonst noch zu einer Demonstration kommt, steht nicht im Einfluss des Versammlungsleiters.

    Zu Ihren Fragen:

    1. Was sich in den Nachrichten auf Telegram-Kanälen abspielt, sowie in den Kommentaren, obliegt nicht unserer Verantwortung. In dem offiziellen Kanal von Querdenken-711 (@querdenken_711) ist kein ist Bewerbung vorgenommen worden. In der Gruppe für Leipzig (@BewegungLeipzig) wurde von einem Benutzer ein Plakat geteilt. Wenn man sich in diesen Gruppen bewegt, die sich im Übrigen selbst organisieren, steht dort auf dem entsprechenden Flyer kein Wort von „Querdenken“-Initiative

    2. Ist es nicht so, dass Sie dieses Plakat niemals mit Querdenken in Verbindung hätten bringen dürfen? Ist es nicht so, dass es Ihre Aufgabe ist, bei der Versammlungsbehörde anzurufen und in Erfahrung zu bringen, wer die Demo anmeldet? Oder wenn Sie unsicher sind, uns anzufragen?

    3. Wieso möchten Sie wissen, warum Menschen auch auf eine Demonstration gehen, wohl „zur gleichen Sache“ (Frieden und Freiheit), nur weil auch Teilnehmer dabei sind, die mit uns verbunden sind? Wo ist das Problem?

    4. Nicht dass wir wüssten. Aber vielleicht wissen Sie ja wieder mehr als wir. Falls wir eine planen, werden Sie es mitbekommen. Dann steht auf dem Plakat „QUERDENKEN-711“ oder „QUERDENKEN-341“ oder eine der weiteren Städte.

    5. Ein „Querdenken“-Stil ist dann nicht vorhanden, wenn nicht „Querdenken“ auf dem Plakat steht. Wenn jemand ein Querdenken T-Shirt auf einer anderen Demonstration wie dieser am 21.11. trägt, dann ist das nur der Tatsache geschuldet, dass er es vorher gekauft hat. Wenn jemand auf einer anderen Demonstration auftaucht, der auch auf unser Demonstration auftaucht, dann ist das nur der Tatsache geschuldet, dass dieser Mensch sich das Recht herausnimmt, auf zwei Demonstrationen zu gehen, bei der er einfach nur Besucher ist und bei der er einfach seine Freiheitsrechte wahrnimmt. Wie sollen wir also dazu stehen, dass es viele Demonstrationen in der Bundesrepublik Deutschland gibt? Was für eine Verbindung suchen Sie denn?

    6. Offensichtlich war Ihnen bekannt, wer angemeldet hat. Warum haben Sie dann also fälschlicherweise von einer „Querdenken“-Demo geschrieben? Im Zuge unserer Recherche ergibt sich bei Betrachtung des Plakates und in Anbetracht der massenhaften Videos folgendes Bild: Das Plakat präsentiert den Aufruf für ein friedliches Zusammensein für Frieden und Freiheit in Deutschland. Die dazu zu findenden Videos ergaben im Zuge unserer Recherchen tausende von friedlich zusammenstehenden Menschen sowie ein Block von nicht-friedlichen Demonstranten innerhalb der Gegendemonstration.

    7. Wenn Sie jetzt also meinen, Mitglieder von Parteien ausgespäht zu haben: Waren die von Ihnen genannten Personen nicht friedlich? Sind diese Menschen aus dem Gefängnis ausgebrochen? Falls Sie eine Bestrafung dieser Menschen möchten, wenden Sie sich an die Polizei, wenn Sie besorgt sind. Standen die genannten Personen in einer Gruppe zusammen, weil Sie Hr. Nerling zusammen mit der NSU, AFD und NPD erwähnen? Wie setzen sich die restlichen 4.991 Teilnehmer parteipolitisch zusammen? Was haben wir damit zu tun?

    8. Diese Kundgebung war mit Sicherheit nicht mit unseren Kundgebungen zu verwechseln. Im übrigen ist auch Frieden und Freiheit nicht mit einem anderen Frieden und Freiheit zu verwechseln, da es nur einen Frieden und eine Freiheit gibt, nämlich für alle Menschen. Ihnen wird wahrscheinlich aufgefallen sein, dass es derzeit viele Demonstrationen für die Wiederherstellung unserer Grundrechte gibt, da sehr viele Menschen die Maßnahmen der Regierung unter wissenschaftlichen und rechtlichen Gesichtspunkten für vollkommen unangemessen halten. Ich gehe nicht davon aus, dass nur Menschen friedlich demonstrieren dürfen.

    Querdenken hat das nicht für sich gepachtet; das Problem geht auch nicht von uns aus. Im Übrigen hat das auch nichts mit „Querdenken“-Stil zu tun und nur Sie haben das offensichtlich verwechselt. Im Übrigen empfehlen wir Ihnen, die Fragen doch bitte an den Anmelder der Versammlung Manuel Zieber zu stellen, anstatt mit Dritten über ihn zu reden. Wie stehen Sie dazu, wenn die von Ihnen genannten Personen Ihre Zeitung kaufen und werden Sie Schritte dagegen einleiten?

    Friedliche und freiheitliche Grüße

    Michael Ballweg

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache

    Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten unter anderem alle Artikel der LEIPZIGER ZEITUNG aus den letzten Jahren zusätzlich auf L-IZ.de über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall zu entdecken.

    Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

    Vielen Dank dafür.

    Anzeige
    Werbung

    Mehr zum Thema

    Mehr
      Anzeige
      Werbung

      Topthemen

      5 KOMMENTARE

      1. Danke Mimi 😉 @Michael: Ihnen fällt offenbar nicht mal mehr die innewohnende Falschaussage bei Drewermann auf, welcher einfach behauptet, es sei nicht auf andere Fachrichtungen / Fragestellungen im Rahmen der Pandemieeingrenzung seitens der Bundesregierung Bezug genommen oder „gehört worden“.

        Eben jene falsche Grundannahme wird gern von „Querdenkern“ verbreitet, die sich nicht die Mühe machen (wollen), zum Beispiel den Ethikrat der Bundesregierung, diverse Modellierer und Experten von Gesundeheitsämtern etc. auch nur ansatzweise wahrzunehmen. Es ist ein Frame, eine Erzählung und nicht die Wahrheit.

        Dahinter steckt die Frustration der Geschichtenerzähler, dass „ihre“ Lungenärzte und Bakteriologen (also nicht einmal Virologen) eben als Experte für die Regierung nicht in Frage kamen.

        So kann man – von diesem falschen Punkt aus startend – auch als Drewermann eben falsch landen. Er hat schlicht seine Grundthese nicht geprüft.

      2. Mensch Micha! Ab Sekunde 15, um genau zu sein:
        „kann man politik machen indem man einer fachrichtung, der virologie folgt? noch nicht einmal der epidemiologie, der virologie des rki. kann man das machen, wenn man monokausal alle anderen faktoren die zur menschen gehören, wirtschaft, kultur, sinnerfüllung, außer acht lässt?“
        kleiner Tip: legen Sie noch ne flotte Tonspur drunter um die Zilegruppe zu erweitern. Wie hier z.B:
        https://tuckbot.tv/#/watch/k4of64
        Friedlich und freiheitliche Grüße 😉

      3. @MF, Ihr Zitat:
        „Leider geht Eugen Drewermann hier von einer falschen Prämisse aus, was den Rest wertlos macht. Er glaubt uninformiertermaßen, die Regierungen würden sich ausschließlich auf Virologen und nicht parallel auf Epidemiologen, Mathematiker/-innen, Modellierer usw. stützen.“
        Zitatende

        Selbst nach erneuter Durchsicht des Drewermannschen Vortrags konnten keine Beispiele gefunden werden, die das Zutreffen dieses Vorwurf bestätigen.
        Darüber hinaus kann man sich bei Drewermann nur schwer feststellen, dass er etwas glaubt, insbesondere das Vorgeworfene nicht.
        Um den Streit beizulegen empiehlt sich daher konkret die Nennung der Textstellen aus Drewermanns Vortrag, die Freitags zentralen Vorwurf bestätigen können (bitte mit konkreten Zeitangaben).
        MfG Michael

      4. Lieber Michael, ich verstehe ja, wie verzweifelt sich manche mühen, jeden Schnipsel im Netz zu suchen, der die eigene Sicht stärkt. Leider geht Eugen Drewermann hier von einer falschen Prämisse aus, was den Rest wertlos macht. Er glaubt uninformiertermaßen, die Regierungen würden sich ausschließlich auf Virologen und nicht parallel auf Epidemiologen, Mathematiker/-innen, Modellierer usw. stützen.

        Es gilt also immer: auch der schärfste Verstand versagt, wenn er falsche Informationen zugrundelegt. Kann passieren.

      - Werbung -

      Aktuell auf LZ

      Anzeige
      Anzeige
      Anzeige