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Queerfeministinnen bekennen sich zu Anschlag auf Eisenacher Neonazitreff

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    Am frühen Montagmorgen, den 11. Januar 2021, detonierten in Eisenach mehrere Sprengsätze vor und in der rechtsextremen Szenekneipe „Bull`s Eye“. Nach Polizeiangaben wurden das Haus und ein Auto beschädigt. Die Täter besprühten außerdem mit roter Farbe die Fassade. „Fight nazis every day“, dazu ein Venussymbol. Ein Bekennerschreiben ist aufgetaucht. Im Internet kursiert ein Video der Tat. Der Staatsschutz ermittelt.

    Ließ der Schriftzug schon erahnen, aus welcher politischen Ecke die Angreifer stammen könnten, blieb ein Bekennerschreiben nicht lange aus. Auf dem Szeneportal „de.indymedia.org“ bekannte sich am Dienstag eine Gruppierung von FLINTA*-Personen zu dem Angriff. Das Kürzel ist in queer-feministischen Zusammenhängen gebräuchlich und steht für Frauen, Lesben, inter-, non-binary- und trans-Personen. Mit dem Anschlag möchten sie nach eigenem Bekunden ihren Stellenwert in der linken militanten Szene unterstreichen.

    „Oft wird in den Medien, bei den Bullen aber auch intern ein Bild von einer größtenteils männlichen linksradikalen Szene gezeichnet in denen FLINTA* Personen entweder gar keinen Platz haben, oder sich diesen sehr viel härter erarbeiten müssen“, heißt es in dem Text. „Bei Aktionen wie diesen nehmen sie oft einen außergewöhnlichen, beinahe auserkorenen Platz ein, dem wollen wir etwas entgegensetzen. Wir FLINTA* Personen sind nicht nur vereinzelt oder gar nicht präsent bei Aktionen. Wir sind hier und wir sind kämpferisch, Seite an Seite mit unseren Gefährt*innen“ (Fehler im Original).

    Gleichzeitig stellte die Gruppe ein Tatvideo ins Netz. In verwackelten Kameraeinstellungen ist, untermalt von frechen Beats, zu sehen, wie sich mindestens drei Personen an der Fassade zu schaffen machen. Eine vierte steht hinter der Kamera.

    Das Datum war sicher kein Zufall. Fünf Jahre zuvor, am 11. Januar 2016, griffen über 200 Rechtsextremisten einen Straßenzug im Leipziger Stadtteil Connewitz an, der als Hochburg der linken Szene gilt. Der Anschlag kann in eine Serie von Angriffen gegen die Szenekneipe und ihren Betreiber eingeordnet werden.

    Am 19. Oktober 2019 hatten 10 bis 15 Vermummte den Szenetreff attackiert, in dem sich 2014 die NPD versammelt hatte. Die Täter drangen in die Räumlichkeiten ein und griffen die Anwesenden mit Schlagstöcken, Reizstoffsprühgeräten und Faustschlägen an. Fensterscheiben und Teile des Inventars gingen zu Bruch. Mehrere Personen wurden teils erheblich verletzt.

    Am 14. Dezember 2019 griff ein Kommando den Wirt des „Bull`s Eye“ in der Nähe von dessen Wohnung an. Leon R. gilt als Größe der Eisenacher Neonazi-Szene.

    Die Behörden ordnen diese beiden Angriffe einer Leipziger Vereinigung zu, die sich im Januar 2019 gegründet haben soll. In mehreren Medienberichten ist von bis zu zehn Personen die Rede, die der Gruppe angehört hätten.

    Als Rädelsführerin meinen die Ermittler die Leipzigerin Lina E. identifiziert zu haben. Die 25-Jährige sitzt seit Anfang November 2020 in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen die Studentin und zwei Mitbeschuldigte wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. E. soll der Gruppe seit September 2019 angehört haben.

    Ausschlaggebend für die Gründung sei die von allen Mitgliedern geteilte militante linksextremistische Ideologie gewesen, die eine Ablehnung des bestehenden demokratischen Rechtsstaates, des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung sowie des staatlichen Gewaltmonopols beinhaltet hätte. Vor diesem Hintergrund habe die Vereinigung Angriffe gegen Personen durchgeführt, die aus ihrer Sicht der „rechten Szene“ angehörten.

    Die Leipzigerin, die in der hiesigen Szene als eine Randfigur galt, soll dabei nach Lesart der Ermittler eine herausgehobene Stellung eingenommen haben. Laut Haftbefehl habe sie bei Anschlägen das Kommando übernommen, deren Ausführung vorbereitet und ihren Pkw als Fluchtmittel zur Verfügung gestellt.

    Lina E.`s Unterstützernetzwerk kritisierte Ende November die Medienberichterstattung über den Fall. „Dass es sich bei der vorläufig Inhaftierten um eine Frau handelte, führte schließlich dazu, dass sich die mediale Berichterstattung vornehmlich auf die Farbe der Fingernägel, die Länge des Rockes und die Körperfigur konzentrierte. Durch diese Konzentration auf weiblich-zugeschriebene Attribute wird das Bild der ‚weiblichen Unschuld‘ gezeichnet, das im Kontrast zum männlich konnotierten Vorwurf zu einem sexistischen Konstrukt der weiblichen Gewalttäterin wird.“

    Dass sich Frauen in der radikalen Linken seit langem an militanten Aktionen beteiligen, ist allgemein bekannt. Man denke nur an die zahlreichen RAF-Terroristinnen, von denen einige Führungspositionen auf der Kommandoebene einnehmen konnten, oder die radikal-feministische Terrorgruppe „Rote Zora“.

    Die Beteiligung von Frauen an schweren bis schwersten Straftaten ist demzufolge weder ein neues noch sonderlich sensationelles Phänomen. Neu ist, dass sie sich dabei filmen, wohl wissend um das Risiko der Strafverfolgung. Geht es dieser Gruppe also mehr um die eigene Selbstinszenierung als um die Sache?

    Mit dem Tatvideo haben sich die Beteiligten möglicherweise ein Eigentor geschossen. Liegt den Strafverfolgern erst einmal geeignetes Vergleichsmaterial vor, lässt sich mittels digitaler Bildforensik gut feststellen, ob eine bestimmte Person auf dem Video zu sehen ist.

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    1 KOMMENTAR

    1. Da sag mal einer in Eisenach wär nichts mehr los! Regelmäßiger Besuch vom Kindercircus aus Kassel.
      Mein Tipp falls Sie noch preiswerte Immobilien suchen.

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