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Kommentar: Immer gegen die Autofahrer!

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    Es ist schon ein wenig her, da gab es am 26. März 2021 mal wieder einen dieser netten Privat-Pkw-zentrierten Menschel-Berichte in der lokalen Autofahrerzeitung. Für diese war bereits im Juni 2020 „verkehrte Welt“ gewesen, als sich Bewohner des Leipziger Stadtteils Anger-Crottendorf gegen mehr Stellplätze an der Gregor-Fuchs-Straße wehrten und mehr Raum für den Radverkehr forderten.

    Neu entzündete sich der Auto-Konflikt an Garagenbesitzern, die wegen eines dringend benötigten Schulneubaus auf ihre Auto-Unterstellmöglichkeiten verzichten sollen. Und nun schlug auch noch (erstmals) das Ordnungsamt im Viertel zu und sanktionierte die unzähligen Falschparker. Immer gegen die Autofahrer! Könnte man als Autofahrerzeitungsleser meinen.

    Nein, an den grundlegenden Haltungen gewisser Journalisten oder unzähliger privater Autofahrer wird sich wohl nichts mehr ändern. Sie sind im jahrzehntealten Denken verhaftet, dass eine wachsende Kommune Raum für immer mehr Autos zu schaffen hat, Parkraum inklusive, möglichst wie gewohnt kostenfrei.

    Und selbst wenn eine Schule neuem Leben im Viertel Rechnung tragen soll, stehen rasch einmal – ich kann für dieses gelebte Klischee nichts – vier alte weiße Männer mit verschränkten Armen vor ihren Mietgaragen abgelichtet auf der Zeitungsbarrikade, um den Untergang ihrer Mittelstandsidylle zu verkünden.Der offensichtlich männlich dominierte Widerstand sieht sich hierbei derart im Recht, dass er mal eben die Privatadresse einer Grünen-Politikerin und Bürgervereinsmitglied ans Garagentor nagelt und die Autofahrerzeitung das Bild samt Wohnanschrift davon anfangs ungeschwärzt im Netz veröffentlicht. Aus Versehen natürlich, zufällig übersehen.

    Vielleicht meint die Abteilungsleiterin ruhender Verkehr im Ordnungsamt Claudia Geißler-Ploog ja auch diesen gezielten Prangerversuch, wenn sie anlässlich eines Termins im Stadtbezirksbeirat-Ost formulierte, dass sie in ihrer 19-jährigen Tätigkeit „eine solche harte Auseinandersetzung noch nicht erlebt habe.“

    Vielleicht aber hat sie diese Auseinandersetzungen noch nicht derart erlebt, weil man seitens des Leipziger Ordnungsamtes dem Wachstum der Automengen und den steigenden Falschparkergewohnheiten jahrelang tatenlos zusah. Tut man das, entsteht ein gefühltes Gewohnheitsrecht, welches in Wut umschlägt bei plötzlich verändertem Vorgehen, wie der nun stattgefundenen Aktion in Anger-Crottendorf.

    Die „Debatte“ der Autofahrerzeitung um Anger-Crottendorf

    Vielleicht hätte sie aber auch einen Brief an die ideologisch agierende Autofahrerzeitung verfassen sollen, die dieser komplett verdrehten Sichtweise auf ein Leben mit einem Privat-Pkw im Leipzig des Jahres 2021 ständig Raum gibt und am 26. März 2021 den Pranger sogar auf die eigene Internetseite stellte? Inszeniert als „Kampf gegen oben“, wie so viele Wutbürgernummern der vergangenen Jahre.

    Ohne Erklärungen und begleitende Informationen heizt man Veränderungs-Frust noch weiter an und treibt die betroffenen Menschen in eine scheinbar ausweglose Lage. Und weil man presseseitig so tut, als ob „die da oben“ eben einfach nicht wollen, wird die Tür zu ideologischen Grabenkämpfen weit aufgestoßen, wo sachliche Fakten und Überlegungen Platz finden müssten.

    Auf die Spitze getrieben, schürt man so sogar Hass zwischen denen, die vorgeben, schon „immer in Anger-Crottendorf“ gelebt zu haben (kein Argument für einen Autostellplatz übrigens) und denen, die „zugezogen sind“ und somit „das Problem“ sein sollen.

    Wenn man dann am Ende einer solchen medialen Debattenkultur vollkommen abgedreht ist, wird aus der sachlichen Raumfrage ein „politisches Thema“, bei dem man fröhlich von verbal bis wortwörtlich auf irgendwelchen Parteien herumklopfen kann, die zumindest statt eines „Weiterso“ beständig Vorschläge für Lösungen unterbreiten – die Schweine!

    Journalistisch nennt man so etwas, wenn es entgegen dieses Beispiels gut gemacht ist, den „Menschen aufs Maul schauen“, in Wirklichkeit ist es hier ein kritikloses „Nach-dem-Munde-reden“ ohne journalistische Einordnung in die Leipziger Realitäten. Und ein bisschen Hexenverbrennungsattitüde durch Fingerzeigen via Wohnadresse einer vermeintlich „Schuldigen“ ist dann eben auch dabei.

    Das ist eine Form der Einschüchterung von Menschen, wie sie einer Zeitung nicht passieren darf und wie sie konstruktiv denkende Menschen auch in Anger-Crottendorf niemals versuchen würden.

    Bringen wird gutes Zureden bei jenen, die solche Mittel wählen, nicht mehr viel – manche Einstellungen müssen mit ihren Ideologen und den entsprechenden Zeitungen aussterben. Ändern werden sie sich zu Lebzeiten und nach über 30 Jahren „Freie Fahrt für freie Bürger“ – Autolobby-Propaganda des ADAC wohl nicht mehr wirklich.

    Wie sieht die Realität abseits solcher Ideologien aus?

    Die Stadt Leipzig und auch mein Kinderviertel Anger-Crottendorf wurde nicht als „Autostadt“, sondern maßgeblich als Gründerzeitstadt ab etwa 1870 bis 1939 erbaut, vergrößert und erweitert. Das zeigt sich an den überwiegend schönen Häusern, Parkanlagen und der Grundstruktur Leipzigs entlang der nun endlich wieder ans Licht kommenden innerstädtischen Flüsse.

    Aber eben auch an den Straßenbreiten, die inklusive Fußwegen meist um die 20 bis 25 Meter, in vielen Stadtteilen aber auch deutlich darunterliegen.

    Als sie und die anliegenden Häuser gebaut wurden, reichten sie mehr als aus und erfüllten ihren Zweck.

    Noch vorwiegend ohne Pkw lebten in den „goldenen 20ern“ über 700.000 Menschen in Leipzig. Sie teilten sich nahezu ausschließlich angemietete Räume mit weit mehr (öfter sterbenden) Kindern, lebten beengter als heute in ihren Wohnungen und gingen nahezu alle ihre täglichen Wege zu Fuß. Alle Fotos aus dieser Gründerzeit zeigen Räder, die Bimmel (anfangs noch von Pferden gezogen), Pferde-Droschken und immer wieder Fußgänger, Fußgänger und nochmals Fußgänger.

    Fernreisende kamen am Bayerischen und seit 1915 am Hauptbahnhof Leipzig an, per Zug natürlich, nicht mit dem Auto.

    Nun ist Leipzig 2021 wieder über 600.000 Einwohner stark und es befinden sich laut der städtischen Zahlen aus dem Jahr 2019 stets um die 202.000 Pkw in Privatbesitz in der Stadt (neuere Zahlen sind nicht verfügbar). Zwischen 2015 und 2019 stieg diese Zahl übrigens entlang des Bevölkerungswachstums der Stadt um 4.000 bis 5.000 Pkw jährlich.

    Und auch die Zahl der beruflichen Pkw-Pendler stieg, der Leipziger Quartalsbericht berichtete für 2018 bereits von 97.720 Einpendlern nach Leipzig und 64.311 Auspendlern. Ergibt also fast 100.000 Parkplätze täglich, über die der Leipziger/-innen hinaus.

    Ein realistisches Bild vom Berufsverkehr in Leipzig. Foto: Michael Freitag
    Ein realistisches Bild vom Berufsverkehr in Leipzig. Foto: Michael Freitag

    Damit folgt auch die Region Leipzig dem falschen Trend westdeutscher Städte: Der Ausbau des ÖPNV kam dort im „Autozeitalter“ der vergangenen Jahrzehnte nicht hinterher, dafür immer mehr Automobile in die Stadt. Die Staumeldungen um München, Stuttgart oder den Ruhrpott künden vom Versagen in den Jahrzehnten zuvor.

    Hinzu kommt aktuell noch der Drang der vergangenen Jahre vieler Menschen, größere Autos, umgangssprachlich „SUVs“ oder „Stadtpanzer“ zu kaufen. Nicht selten wird also der rarer werdende Parkraum auch noch von größeren Pkw beansprucht.

    Denn es kommen in Leipzig weitere rund 20.000 gewerblich genutzte Pkw und Transporter hinzu, welche man gern unter dem sogenannten „Wirtschaftsverkehr“ summiert. Ob damit wirklich alle Anlieferungen in Läden und Gewerben teils per Lkw erfasst sind, ist dabei für diesen Kommentar unerheblich. Erheblich ist eher, dass die überall geparkten privaten Pkw sogar diesen Liefer- und Dienstleistungsverkehr behindern, von Feuerwehren und Medizinischen Notdiensten in Notlagen ganz zu schweigen.

    Das Anwachsen der Automengen von nahe null auf nunmehr rund 320.000 inklusive Einpendler und ohne Durchgangsverkehr ist also neben dem Ausbau des ÖPNV die maßgeblichste Veränderung im Vergleich zur städtebaulich maßgeblichen Gründerzeit bis 1939 in den Altbauquartieren.

    Wo also lägen Lösungsansätze beim zunehmenden Platz-„kampf“ auch durch immer mehr Radler/-innen auf den noch immer gleich großen Straßen wie einst?

    Auf keinen Fall wohl darin, dass es weiterhin überall und jederzeit kostenfreie Stellplätze vor der eigenen Haustür geben wird. Eine Entwicklung, die in den zentrumsnahen Vierteln längst begonnen hat und auch vor etwas weiter außen liegenden Stadtteilen wie Anger-Crottendorf mit gerade einmal 20 Minuten Fußweg ins Leipziger Zentrum nicht haltmachen wird.

    Anwohnerparken und kostenpflichtige Angebote für alle anderen haben sich längst auf den Weg gemacht und zum Beispiel im Waldstraßenviertel für Entspannungen gesorgt.

    Ebenso wenig wird die Lösung darin liegen, den Straßen(Park)raum zu erweitern – es sei denn, man will dafür Häuser abreißen, Parkanlagen schreddern und so auch noch das letzte Grün in den Quartieren und dem Zentrum der Stadt vernichten?

    Es wäre ausgesprochen spannend zu erleben, wie viel Zustimmung so ein Vorschlag finden würde. Nur macht ihn irritierenderweise keiner. Vielleicht ja, weil er absolut irrsinnig wäre oder es fehlt der Mut, seinen Egoismus so richtig ins Groteske zu überhöhen.

    Hier und da ist dann von quartiersnahen Parkhäusern als Lösung die Rede. Bauen soll diese dann aber wieder die Stadt Leipzig, denn bezahlen wollen die meisten auch dann einen Stellplatz nicht.

    Denkt man dabei an den lustigen Vorschlag eines 2020 gescheiterten CDU-OBM-Kandidaten, in den Quartieren die Innenhöfe auszubaggern und da Tiefgaragen anzulegen, wäre sicher eine Bürgerumfrage interessant, wie viele dafür die Jahre des Baulärms und Dreck sowie die anschließend devastierten Innenhöfe in Kauf nähmen?

    Und was wäre mit all dem dennoch nicht gelöst?

    Richtig: Der fließende Autoverkehr hätte so die Chance noch weiter anzuwachsen und spätestens bei den ersten wirklichen Staus in Leipzig wäre das Geschrei der Egoisten nach Lösungen vom Staat, also auf Kosten aller, erneut unüberhörbar. Aber vielleicht reißen wir dann einfach wieder weitere Häuser ab und graben uns eine Tiefgarage unter dem Auwald?

    Wenn also jemand nach mehr Raum für Pkws in Leipzig ruft, soll er endlich auch mal sagen, wie.

    Oder wir reden über die Lösungen, auch in Anger-Crottendorf

    Und dabei vor allem anderen über weniger Pkw in privatem Besitz, gern auch über kleinere Pkw, einen attraktiveren ÖPNV, aber auch die heute schon mögliche Nutzung von Carsharing und „TeilAuto“-Angebote.

    Und bevor mir nun wieder ein Auto-Ideologe mit Ideologie „gegen das Auto“ kommen möchte: Hier stehen einfach Gedankengänge, die hoffentlich nachvollziehbar zum Diskutieren einladen sollen. Ergänzen darf man hierbei sicher, dass neben der Raumnahme, die etwa sechs Fahrrädern entspricht, ein Pkw im Privatbesitz nur etwa 3 Prozent seiner Lebenszeit überhaupt bewegt wird.

    Leider ist zudem ein vermeintlich „bezahltes Auto, was vor der Tür steht“ eines, was jeden Tag Geld kostet: Steuern, Instandhaltung, Benzin und bald sicher auch eine Parkplatzgebühr.

    Möge jeder einmal selbst einen Zettel und Stift nehmen und seine Anschaffungs- und Betriebskosten für sein Privatauto berechnen. Und sich fragen, wie viele Kilometer er/sie dafür fährt und was dies finanziell mit einem ab und zu genutzten „Teil“- oder „Leihauto“ für Transporte oder andere Wege bedeuten würde.

    Gern wird ja angeführt, dass neben Pendlern vor allem Familien oft sagen, sie würden das Auto dringend benötigen, um die Kinder in Kita und Schule und sich selbst zur Arbeit, zum Familieneinkauf usw. zu bringen.

    Dann könnte man fair debattieren, um wie viel man also denen die Parkplatzsuche im eigenen Wohnviertel erleichtert, die das Auto im privaten Betrieb wirklich nutzen (müssen)?

    Eine Frage, die natürlich auch die Autofahrerzeitung ihrer durchschnittlich längst ergrauten Leserschaft mal stellen könnte. Garniert mit einer fetten Kampagne, die für das nun von der Freibeuterfraktion im Leipziger Stadtrat vorgeschlagene 365-Euro-Ticket für Leipziger Senioren samt noch saftigerem ÖPNV-Ausbau vor allem der Außenbezirke Leipzigs wirbt, als ihn diese Links-Grüne Mehrheit im Stadtrat vorschlägt.

    Damit jenen das Umsteigen auf den ÖPNV freudig erleichtert und attraktiv gemacht wird, die ihr Auto im Schnitt nachweislich am allerwenigsten nutzen.

    Übrigens: Die Ausdehnung Leipzigs beträgt in Nord-Süd-Richtung 23,4 Kilometer und in Ost-West-Richtung 21,3 Kilometer. Bei vernünftiger Verkehrslage ist es demnach mittelmäßig geübt problemlos möglich, in einer Stunde von einem Stadteingangsschild zum anderen zu radeln.

    Die besten Fahrer/-innen bräuchten keine halbe. Wären da nicht die ganzen Ampeln, die vorrangig wegen des Autoverkehrs existieren, parkende Autos am Fahrbahnrand und auf Radwegen. Radwege, die es auch nur gibt, weil die Fahrbahn nach ebenfalls falschem Denken möglichst exklusiv automobil genutzt werden soll.

    Nachtrag: Die wichtigen Themen „Klimakrise“, Ressourcennutzung fossiler Brennstoffe und Ressourcenaufwendung beim Bau eines Pkw noch vor dem Nutzungsbeginn hat der Autor aus Platzgründen weggelassen. So ist der Text auch für Leugner des menschlichen Anteils am Klimawandel vielleicht verstehbar.

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    15 KOMMENTARE

    1. @Sebastian: In Summe für mich hat sich alles gelohnt 😉 Das Aufheulen derer, die sich sonst nie zu Wort melden (und nun anhand des in den letzten Jahren systematisch entstandenen Raummangels merken, dass es eben nicht einfach „weiterso“ geht) zeigt, dass es jetzt Zeit ist, wirklich zu debattieren. Für das Klischeebild der Autofahrerzeitung kann ich übrigens wirklich nichts, das haben andere bedient (die Jungs selbst vielleicht?).

      Die Debatte ist auch deshalb jetzt zu führen, weil auch „Ext3mum“ seine Zahlen vorrechnet und noch immer nicht genau gelesen hat 😉 (Übrigens Danke für die Titulierung „Gutmensch“ – ich bin gern ein guter Mensch, wer nicht)

      Genau diese Pendler habe ich angesprochen im Text und Familie usw., die manchmal wirklich nicht anders können, als täglich ein Auto zu nutzen. Ich habe auch weiter oben im Kommentar Berufspendler bewusst ausgenommen – gerade die Einpendler sind ein echtes Problem und ebenfalls wohl nur per Ticketoffensive und besseren Nahverkehr zu überzeugen.

      Wo ist aber die Solidarität der anderen, die ihren Pkw aus Lifestyle-Gründen haben (nein, ALLE BRAUCHEN ein Auto 😉 bei der Parkplatzfrage mit denen, die das Auto mangels Alternativen bei täglichen Arbeitswegen über 30 Kilometern (hin und zurück gesamt) wirklich brauchen? Die Gründe dafür liegen eben im noch immer mangelhaften ÖPNV, die Carsharing-Angebote werden sicher weiter preislich sinken – sind aber natürlich auf Gelegenheitsnutzer ausgelegt …

      Zum Tema „aufzwingen“: Nein, ich bin davon als jemand, der seit nun 30 Jahren auf dem Rad den Dreck der Autofahrer einatmen und mich dem stets höheren Unfallrisiko muss, denke ich weiter davon entfernt, als anders herum. Finden Sie nicht? Nur kann mir niemand die täglichen Automengen in Leipzig ausschließlich mit Pendlern und Familien erklären.

      Zu den Pendlern: https://www.l-iz.de/politik/kassensturz/2021/04/quartalsbericht-4-2020-hohe-pendlerzahlen-sind-ein-zeichen-dass-etwas-gewaltig-schieflaeuft-382644

    2. Dieser Text, egal ob er nun Kommentar ist oder in eine andere Kategorie fällt, gefällt mir persönlich besser als manch anderes Pamphlet (lediglich meine Auffassung), was bisher zum Thema „Auto in Leipzig“ zu lesen war. Einiges davon würde ich ebenfalls so sehen.

      Was mich wirklich stört ist die Sache mit den alten weißen Männern. Klar, wer sein Gesicht zeigt, wer seinen Kopf in den Wind streckt, der muss damit leben, dass er auch konfrontiert wird. Aber bitte nicht mit dem Alter oder der Hautfarbe. Es gibt auch verdammt unvorteilhafte Bilder von Juliane Nagel, Jürgen Kasek oder anderen öffentlichen Personen, und wie alle Politiker müssen sie es aushalten, wenn das über Satire o.ä. thematisiert wird. Aber ich finde es langsam widerlich, wenn über solche Oberflächlichkeiten, so ähnlich wie auf dem Pausenhof, der Finger erhoben wird: „Guck mal, die Alten da auf dem Bild – wie doof die aussehen!“ Sonst wird sich an vielen Stellen, teilweise im voreilenden Gehorsam, mittels Genderei und Sternchen allinkludierend ausgedrückt und so getan, als ob dann bitte auch immer alle überall gemeint sind, aber an solchen Stellen wird es einfach unmenschlich.
      Das Durchschnittsalter in Deutschland kann leicht recherchiert werden, die häufigste „Hautfarbe“ dürfte auch allgemein bekannt sein. Es ist die Normalität und nichts anstößiges, wenn Männer dieses Alters und dieser Hautfarbe sich zu ihrer Meinung äußern. Warum sie mit verschränkten Armen auf dem Bild stehen wird den gleichen Grund haben, wie die Tatsache, dass die Perspektive so gewählt ist, dass die Männer leicht auf die Kamera herunterschauen: Ich tippe auf den Photographen. Soviel zur Stimmungmache jenseits der Fakten oder Gedankenanstöße, die im Artikel durchaus auch zu finden sind.

      Man kann durchaus thematisieren, dass die Garagenbesitzer unter, oder über einem bestimmten Durchschnittsalter sind. Oder man polemisiert darüber, dass sie deswegen auch konservativ sind, deren Ehefrauen, die auf dem Bild nicht zu sehen sind und sich auch weniger häufig in der Öffentlichkeit zu Wort melden, vielleicht eh schon immer gegen die Garage waren und es nicht gern sehen, wenn sie die Herren wieder zum Frühschoppen treffen (ja, Garagen sind auch soziale Bereiche und Treffpunkte, so wie Kneipen es einst mehr waren als heute!). Oder man hängt sich einfach nicht an einem Pressebild auf. Es ist bekannt, wozu solche Bilder gemacht werden.

      Ansonsten leidet die Thematik, nicht nur dieser Artikel, ein bißchen darunter, dass Leuten der Lebensstil anderer Leute aufgezwungen werden soll. Die Beispiele „nur eine halbe Stunde zu Fuß in die Stadt!“ oder „in nur einer Stunde einmal quer durch mit dem Rad!“ oder dieser bei mir Übelkeit erzeugende Anspruch, anderen Leuten die Nutzungshäufigkeit ihres Besitzes vorzuhalten zeigen es deutlich.
      Das ist aber nicht der Lebensstil aller Leute. Und das Umfrageergebnis letztens („was, wenn diesen Sonntag der Landtag gewählt würde?“) zeigte ja erschreckend genug, wohin die Reise im Stimmungsbild aktuell in Sachsen geht. Sicher nicht unbedingt wegen dem aktuellen Zeitgeist betreffend Radverkehr, das wäre zu kurz gegriffen, aber nach ungefähr 12 Jahren nur-links-wählen ist bei mir nun auch der Zug abgefahren.

      Ich verstehe allerdings auch Sie, Herr Freitag. Wenn man nämlich selbst Gefallen an solchen Dingen hat, die faktisch gut zu begründen und vernünftig sind (Sport, gesunde Ernährung, Bewegung, Denken vor Handeln,…) oder man sich im Laufe des Lebens vielleicht durch einige Disziplin dazu gebracht hat, sich dahingehend zu ändern, fällt es sehr leicht anderen Leuten zu unterstellen, dass sie es doch auch einfach tun könnten. An dieser Stelle würde ich mangelnde Empathie unterstellen.

      Wie in anderen Kommentaren schon mehrfach geschrieben, bin ich absolut dafür, die absurdesten Spitzen abzuschneiden. Weniger bildhaft: natürlich ist es gut, wenn der Gehweg wieder frei ist für Fußgänger, wenn dort vorher Autos standen. Es ist auch gut, wenn per Blitzerkästen die Geschwindigkeitseinhaltung erzwungen wird.
      Aber auch wenn es keine PFLICHTaufgabe der Stadt ist für mehr Parkraum zu sorgen, so könnte es doch ein Angebot sein. Ein bezahltes von mir aus.
      – Tiefgaragen unter Neubauten werden nicht mehr per Planungsrecht künstlich verkleinert. Im Gegenteil, sie können weiteren Platz bieten für Autos der Umgebung, die dann nicht mehr auf der Straße parken
      – Parkhäuser, zum Beispiel unter der geplanten Grundschule (oder daneben?) werden nach Vorabstimmung mit den Einwohnern mit eingeplant, wenn solche krassen Fälle wie der im erwähnten Garagenhofabriss stattfinden
      – Bei gut funktionierenden Verkehrsachsen, in dem Beispiel Karl-Heine-Straße oder Waldstraße wird der Parkraum nicht zusätzlich durch politisch motivierte Umbauten verkleinert

      Da wird öffentliches Geld in die Hand genommen, um den Gastwirten ihren Platz außerhalb der gemieteten Immobilie auf öffentlichem Grund zu vergrößern. Irre, woher diese Lobby eigentlich kommt. Und ich als Fußgänger darf dann um die Kellner auf dem Fußweg herumkurven, wie am Viet Village Beethovenstraße. Oder als Radfahrer an jeder roten Ampel halten, wie dann demnächst auf der Karl-Heine-Straße, wo ich bisher einfach von oben nach unten durchfahren kann. Die Akzeptanzquote wird sich dann vermutlich ähnlich wie auf der Karli einstellen.

      Es gibt Dinge, die laufen so langsam aus dem Ruder.

    3. Zur Preiskalkulation bezüglich beispielsweise meiner monatlichen Kosten: Teilauto- 23,56€ pro Tag zur Arbeit (67km pendeln täglich) bei 24 Arbeitstagen im Monat=565,44€ (Ohne Benzinkosten zu kalkulieren) dem gegenüber inklusive Benzinkosten, Steuer und Versicherung bin ich monatlich mit heruntergerechnet ca. 350€ mit meinem PKW doch deutlich günstiger. Hinzu kommt, wenn man jetzt argumentieren wöllte, dass ich mit der Bahn fahren könnte, die ungünstige Fahrplansituation und die zusätzliche Zeit, die mich diese Art der Beförderung täglich kosten würde, die ich für mich unnutzbar verlorengehen würde. Zeit, in der Hausarbeit erledigt werden kann, Essen gekocht werden kann, und Zeit mit der Familie verbracht werden kann, anstatt alleine in irgendeinem Zug zu sitzen, auf einem Bahnhof auf notorisch verspätete Züge zu warten. Außerdem fehlt die Flexibilität im Punkto Überstunden, da man sich nach den Fahrplänen des ÖPNV richten muss, die mit Verlaub gesagt, eine extrem fragwürdige Zuverlässigkeit haben. Und „günstig“ ist der ÖPNV nun wirklich nicht mehr. Eine Monatskarte kostet mich 173€ zuzüglich 3h verschwendete Lebenszeit täglich im Zug (72 Stunden im Monat!) die in Geld aufgewogen 1036€ Arbeitslohn entsprächen… die Zahlen sprechen für sich selbst!

    4. Hinweis an die Moderation: der Artikel in BILD-Qualität wird auch beim 2. und 3. Lesen nicht besser. Die Aneinanderreihung von unrecherchierten populistischen Negativaussagen über die Anwohner lassen sich mit der Aussage, dass der Autor selbst seit 20 Jahren ohne PKW lebt, nicht rechtfertigen. Einzelne Lebensumstände lassen sich nicht, wie hier versucht wird, wie eine Schablone gleichmacherisch jedem überstülpen. Es ist ja schön, dass der Autor offensichtlich für sich die Patentlösung gefunden hat, seine Work-Life-Balance zu optimieren. Gelingt aber nicht jedem adäquat. Fakt ist, dass der Tenor des Artikels ausschließlich negativ gegenüber den Betroffenen ist, die hier von einem Tag auf den anderen vor vollendete Tatsachen gestellt wurden, für die es keinen einfachen Ausweg aus der aktuellen Situation gibt.

    5. @4Future – Danke für diesen Tipp!

      „Politiker und Verwaltung müssen den Mut aufbringen, dem Autoverkehr Fahrstreifen und Stellplätze wegzunehmen. Bei einer wirksamen und damit verantwortbaren Verkehrspolitik führt kein Weg daran vorbei. In unserem bisherigen System hat das Auto bislang inakzeptabel viel Raum.“
      [https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/das-auto-steht-ueberall-im-weg-auch-in-berlin-man-muss-es-wegraeumen-li.94227]
      Passt wunderbar zum Thema / Kommentar.

    6. Ach ja, das Ding mit dem ruhenden Verkehr…
      Ich weiß das dies ein etwas abseitiger Vergleich ist, aber man stelle sich einmal vor:
      Jeder der sich einen Teppich kauft verlangt, dass er diesen im für alle vorgesehenen Verkehrs- und Nutzungsraum (öffentlichen Raum) ausrollen darf und ihn niemand betritt oder überschreitet.
      Von seiner Kommune erwartet er zudem, dass sie dieses Recht des Ausrollens unterstützt, indem sie Ausrollplätze (kostenfrei!) schafft. Die sinnhafte tägliche Nutzung des Teppichs zum Flug zur Arbeit oder wohin auch immer wird nicht geprüft. Und wer über die finanziellen Mittel verfügt, muß sich nicht mit dem Bettvorleger zufriedenstellen, nein, er darf sich natürlich auch den großen Handgeknüpften kaufen und seiner Frau oder den großen Kindern das alte Textil überlassen. Und dieses will ja weiterhin ausgerollt werden.

      Gedankenexperimente sind in der Naturwissenschaft üblich.

      stefan lange

    7. @Pseudonym: Ich bin wahrscheinlich nicht der richtige Maßstab, bin aber eben diese Zeiten mit 25-35 Jahren relativ locker so gefahren. Mit geübt meine ich ein Maximaltempo auf dem Rad von runden 40 kmh in der Spitze (im Schnitt demnach eine deutlich über 30), mit weniger geübt 20 kmh im Mittel. Deshalb die Stunde und die halbe Stunde natürlich ohne Ampeln und Auto-Verkehr (wie natürlich zugespitzt am Ende beschrieben)

      Das gleiche dürfte fürs Laufen gelten – mit 1,90 Metern Körperhöhe hat man einen langen Schritt.

      Ja, die Zeitangaben sind etwas zu knapp bemessen. Hiermit hoffentlich geradegerückt.

    8. Ext3mum Zitat aus dem Kommentar, welches Sie einfach überlesen haben könnten: „Gern wird ja angeführt, dass neben Pendlern vor allem Familien oft sagen, sie würden das Auto dringend benötigen, um die Kinder in Kita und Schule und sich selbst zur Arbeit, zum Familieneinkauf usw. zu bringen.

      Dann könnte man fair debattieren, um wie viel man also denen die Parkplatzsuche im eigenen Wohnviertel erleichtert, die das Auto im privaten Betrieb wirklich nutzen (müssen)?“

      Das ist der Einstieg gegen Ende in eine Debatte, die man mal führen könnte.

      Zu Ihrem zweiten Einwand (Finanzen), ebenfalls aus dem Artikel: „Leider ist zudem ein vermeintlich „bezahltes Auto, was vor der Tür steht“ eines, was jeden Tag Geld kostet: Steuern, Instandhaltung, Benzin und bald sicher auch eine Parkplatzgebühr.

      Möge jeder einmal selbst einen Zettel und Stift nehmen und seine Anschaffungs- und Betriebskosten für sein Privatauto berechnen. Und sich fragen, wie viele Kilometer er/sie dafür fährt und was dies finanziell mit einem ab und zu genutzten „Teil“- oder „Leihauto“ für Transporte oder andere Wege bedeuten würde.“

      Ihr M.F.

    9. @Ext3mum und @Christof,
      ich habe mich extra registriert um das noch Mal zu erwähnen: In der Überschrift steht groß „Kommentar“. Dies ist kein Artikel sondern ein Kommentar. Zeitungsartikel sind idealerweise weitestgehend objektiv und folgen journalistischen Prinzipien. Kommentare haben diesen Anspruch nicht. Kommentare sind Meinungen.

      Und ich stimme zu, dass ein paar Punkte nicht stimmen. Z.B. die Laufzeit in die Innenstadt oder das Radeln von einer Seite der Stadt zur anderen. Und das sollte meiner Meinung nach auch noch in einem Nachtrag erläutert oder korrigiert werden. Es ändert aber nichts an der grundlegenden Aussage von @Michael Freitag.
      Resourcen sind begrenzt und wenn wir Mal in die USA schauen zeigt sich, dass eine Erweiterung von Autoinfrastruktur in Gebieten mit schlechtem Verkehrsfluss die Situation oft nicht verbessert. Ein Beispiel ist der Katy Freeway in Houston, Texas. Die Autobahn hat mittlerweile 26 Spuren und verbessert den Verkehrsfluss nicht. Eine Erweiterung von Straßen führt oft zu mehr Verkehr als vorher, da der zusätzliche Platz für Autos mehr Leute zum Autofahren animiert.
      So ist es auch mit zusätzlichem, kostenlosen Parkraum. Mehr Leute werden sich ein Auto anschaffen, weil ja mehr Platz da ist, was letzendlich ein Teufelskreis ist.
      Wir müssen uns damit abfinden, dass das Auto eine ineffiziente Art der Fortbewegung ist. Es verbraucht viel Platz und Resourcen und wird im Schnitt nur von 1,46 Personen genutzt.

    10. Kleiner Faktencheck:
      Wenn man von Anger-Crottendorf zu Fuß in die Stadt in 20min möchte, müsste man schon joggen.
      In zügigem Tempo ist es in 25min, bei normalem Tempo in 30min zu schaffen.

      @ext3mum
      Zustimmung! Zu pauschal sollte man den Artikel nicht annehmen. Natürlich gibt es Mitbürgernde, die auf den PKW aufgrund diverser Verpflichtungen angewiesen sind.
      Die Stadt ist prinzipiell im Recht; es gilt, mit Kompromissen und Rücksicht zu agieren.
      Wir wollen ja alle miteinander hier wohnen.

    11. Interessanter, wenn auch extrem engstirnig und ungenügend recherchierter polemischer Artikel. Hier wird wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass es sich bei den Anwohnern mit PKW ausschließlich um männliche Geldsäcke handelt, die aus Bequemlichkeit auf ihr „Recht“ pochen. Eben nicht! Unter uns sind auch alleinerziehende in Vollzeit tätige Mütter, die täglich auf das Auto angewiesen sind, weil sie einen ziemlich langen Weg zur Arbeit außerhalb von Leipzig und außerhalb zumutbarer Reichweite des im Artikel viel gepriesenen ÖPNV pendeln müssen, die keine Bodybuilder sind, die 300kg schwere Körper allein durch Muskelkraft gemäß „simpler Physik“ kilometerweit transportieren können und die nicht wohlstandsverwöhnt sind.

      Außerdem ist die Aussage vermessen, dass wir auf unsere „kostenlosen“ Parkplätze pochen würden. Wenn es eine auch kostenpflichtige Alternative gäbe, würde das Problem hier garnicht bestehen. Aber Tatsache ist leider, dass irgendwie in die Köpfe von so manchem ach so umweltbewussten, hoch sozial engagierten Gutmenschen nicht hineingeht, dass das eingebildete Feindbild des fetten faulen Autobesitzers, wie es im Artikel subtil umschrieben gezeichnet wird, eben nicht so einfach und homogen ist, wie der geschätzte Autor sich das hier zusammenreimt! Hier werden auch Leute empfindlich getroffen, die es sozial und wirtschaftlich eben nicht so einfach haben, wie Sie es hier darstellen! Bevor man solche brisanten Aussagen über eine Gruppen von Menschen trifft, sollte man vielleicht erstmal ordentlich recherchieren, wen man da eigentlich alles rhetorisch in die ADAC-Autfahrer-Schublade steckt und ob da nicht vielleicht doch bei der Sache auch Menschen geschadet wird, die beruflich auf ihren PKW abgewiesen sind, die ohne ihren PKW ihrem Job nicht mehr nachgehen können und die überhaupt froh sind, dass sie nur, weil sie mobil sind, ihren Job erst bekommen haben.

      Hinweis der Moderation: Der Autor des Beitrages lebt seit rund 20 Jahren ohne Pkw, ist kein Pendler, hat aber in dieser Zeit auch viele prekäre Jobs auch über die Stadtgrenzen hinaus wahrgenommen. Vielleicht lesen Sie den Beitrag noch einmal, bevor Sie ihm unterstellen, sich über andere Menschen zu erheben. Vielen Dank.

    12. @Christof Danke für die Blumen, die Zuspitzungen sind dem Umstand geschuldet, dass es ein Kommentar ist. Zur Entwicklung seit 89: Ja, die habe ich zugunsten einer Beschreibung des städtebaulich Möglichen unter den Tisch fallen lassen. Auch, weil man sie in Teilen auch auf der L-IZ.de ganz gut nachlesen kann (ich finde irgendwie, sie ist bekannt). Genau so gut hätte ich natürlich auch die Eingemeindungen nach 89 erwähnen müssen, wie auch die beiden Neubauviertel der DDR-Zeit … 😉

      Aber ja: der Rückbau aller anderen Verkehrsarten hat eine gewisse (!) Unabdingbarkeit geschaffen, die dennoch hier und da auch zur undurchdachten Selbstverständlichkeit geworden ist.

    13. Herr Freitag, Ihr Artikel meistens nachvollziehbar, manchmal etwas polemisch, aber er trifft den Kern.
      Was Sie sicher aus Platzgründen nicht erörtert haben, sind die 30 Jahre Verkehrs-Entwicklung nach dem Untergang der DDR. In DDR Zeiten gab es einfach bedingt nicht so viele Pkw und bei weitem nicht das Angebot an Fahrrädern. Da hielt sich das Problem des zuparken von Stadtfläche in Grenzen. Die Kinder konnten zum Teil noch auf den Nebenstraßen spielen. Der ÖPNV und Zug waren die vorrangigen Transportmöglichkeiten.
      Danach hat sich jeder der/die es sich leisten konnten und wollten einen Pkw zugelegt. Der ÖPNV wurde herunter gefahren, Zugstrecken mit über 6000 km still gelegt. „Natürlich“ beherrschten somit die Pkws die Straßen. Ging ja gar nicht anders, wenn man pünktlich auf Arbeit wollte. Und es kamen immer weitere Konkurenten im Straßenraum dazu. Es wurden, gerade im Osten, aber auch nicht die Fahrzeugführenden durch die Medien und Politik mitgenommen, das die Straßen für alle (Alle) Verkehrsteil-nehmer zugänglich sein sollten. Hier war es lange Zeit so wie im Brachland, wer den größten Motor hat, hat Vorfahrt.
      Merkt man recht gut in Berlin, im ehem. Westen wird oft auf Fußgänger/Radfahrende Rücksicht genommen, im ehem. Ostteil der Stadt merklich weniger.

    14. Danke Michael Freitag für die umfassende Zusammenfassung der vergangenen vierzehn Tage. Danke!

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