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Kundgebungen zum Nahostkonflikt ohne große Zwischenfälle + Videos

Von René Loch & Michael Freitag (Text), Sabine Eicker, Alexander Böhm (Fotos und Videos)
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    Der aktuelle Nahostkonflikt ist am Samstag, dem 15. Mai, auch in Leipzig angekommen. Mehrere hundert Menschen beteiligten sich an Israel-solidarischen und pro-palästinensischen Kundgebungen auf dem Augustusplatz, wobei letztere etwas besser besucht war. Mehrere Polizeiketten trennten die Teilnehmenden auf der Seite des Gewandhauses von den Teilnehmenden auf der Seite der Oper. Zumindest während der Kundgebungen gab es keine so schweren Konfrontationen, wie einige im Vorfeld erwartet hatten.

    Allerdings kam es kurz vor dem Start zu einem Angriff von pro-palästinensischen Teilnehmer/-innen auf Teilnehmer/-innen des Gegenprotests. Später gab es Aufregung auf der pro-palästinensischen Seite, weil eine unbekannte Person mit einem Messer gedroht haben soll. Eine kurze Verfolgungsjagd blieb erfolglos.

    Schlimmer traf es einen Unbekannten, welcher nach dem Ende der Pro-Israel-Demonstration in der Nähe der Moritzbastei im Durchgang am Uniriesen offenbar so schwer verprügelt wurde, dass ein Krankenwagen gerufen werden musste. Wer die Angreifer waren, ließ sich vor Ort nicht feststellen, die Polizei hat den Vorfall aufgenommen.

    An der Moritzbastei begann, fast unberührt vom Geschehen auf dem Augustusplatz, die 24-stündige Mahnwache mehrerer Organisationen rings um die Asylpolitik der EU und Deutschlands und die weltweiten Fluchtbewegungen.Anlass der Versammlungen war die aktuelle Eskalation im Nahostkonflikt. Zuletzt flogen hunderte Raketen der palästinensischen Terror-Organisation Hamas auf Ziele in Israel. Israel wiederum nahm Objekte im Gazastreifen ins Visier. Sowohl in der israelischen als auch in der palästinensischen Zivilbevölkerung gab es Todesopfer.

    Aufrufe zu Beginn der Woche

    Nachdem zu Beginn der Woche ein Aufruf zu einer pro-palästinensischen Demonstration auf dem Torgauer Platz veröffentlicht wurde, folgte der Aufruf zum Israel-solidarischen Gegenprotest. Nach mehreren Orts- und Zeitverschiebungen fanden beide Versammlungen parallel am Samstag, dem 15. Mai, ab 13 Uhr auf dem Augustusplatz statt.

    Vor der Oper waren zahlreiche Israel-Flaggen zu sehen. Banner und Parolen richteten sich gegen Antisemitismus und forderten, den Gazastreifen von der Hamas zu befreien. In Redebeiträgen hieß es, dass die Eskalation im Nahen Osten von der palästinensischen Seite ausgehe.

    Während die israelische Bevölkerung durch den Raketen-Abwehrschirm gut geschützt sei, würde der Antisemitismus weltweit bedrohlich zunehmen.

    Video: LZ

    Kritik an Leipziger Stadtrat

    Auf der anderen Seite waren unter anderem „Free Palestine“-Rufe und Schuldzuweisungen an Israel zu hören. Auf Schildern war zu lesen, dass Israel ein Apartheidsstaat sei und Kinder töten würde.

    Eine Rednerin zweifelte an, dass die Raketen auf Israel aus dem Gazastreifen kommen. Sie forderte den Leipziger Stadtrat zudem dazu auf, einen Beschluss zurückzunehmen, in dem die gegen Israel gerichtete BDS-Boykottkampagne als antisemitisch bezeichnet wurde.

    Nach Abschluss der Kundgebungen bewegten sich zahlreiche Teilnehmer/-innen der pro-palästinensischen Kundgebung zur Eisenbahnstraße, wo auf Höhe der Herrmann-Liebmann-Straße eine kurze Spontan-Demonstration folgte. Diese war nach wenigen Minuten und einigen Böller-Würfen wieder vorbei.

    Anschließend fuhren noch einzelne Autos mit Palästina-Fahnen und lauter Musik die Eisenbahnstraße auf und ab – begleitet von je einem Polizeiwagen pro Pkw.

    Einzelne Redebeiträge (Auszüge) beider Seiten am 15. Mai 2021

    Video: LZ

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      13 KOMMENTARE

      1. Lieber Stefan,

        man behauptet also einfach Dinge, dabei basht man noch ein bisschen die LZ-Kolleginnen die vor Ort waren und wenn es dann an die Belege geht, weil man in einer Reaktion Erklärungen bekommt, wirds still?

        Daran sollten sich dann doch einige hier langsam gewöhnt haben: wird unsere Arbeit attackiert, stehen wir parat und debattieren das dann auch zu Ende – vor allem, weil wir hier nicht bei irgendeinem sozialen Hetzwerk sind.

        Und zwar ohne dabei in Ausländerfeindlichkeiten abzudriften – dieser Wahnsinn ist aus der gleichen Hölle wie der „Judenhass“, Rassismus und andere Menschenfeindlichkeiten.

        Weshalb ich meinem Hinweis des Unglaubens eine längere Ausführung dessen vorangestellt habe, was mir zu einer der friedlichsten „Nahost“-Demos in Deutschland bekannt ist. Hinzu kommt, dass es die Demo mit der größten „Gegendemo“ – besser der größten Demo gegen Antisemitismus – war.

        Haben Sie überlesen? Ist Ihnen egal? Sie machen nun eine isolierte „Outing“-Geschichte aus meinem ziemlich langen Text.

        Apropos: da darf man auch mal fragen, wo eigentlich die „schweinchenrosane Mehrheitsgesellschaft“ am Samstag 13 Uhr war? Richtig: nicht da. Wie so oft übrigens: das wird gern „den Linken“ überlassen. Stattdessen zeigt man Israelflaggen auf Facebook, das muss genügen.

        Ich muss der Sache nicht bis auf den finalen Urgrund gehen, im Grunde war und ist es mir egal, welcher Glaubensrichtung irgendwer, also auch Saschok, anhängt. Ich habe aber auch die Zugehörigkeit zu einer mir ziemlich gut bekannten Glaubensgemeinschaft hier nicht als Argument eingeführt.

        Aber darauf hingewiesen, dass es dann ja zukünftig ausreichend Gelegenheiten geben dürfte, sich auch mal in Realität kennenzulernen – und zu reden, wirkliche Verständigung eben. So wie das Demokraten tun.

        M.F.

      2. Hm, warum soll Saschok sich jetzt irgendwo in leiblicher Präsenz „outen“?

        Ich – als doofer getaufter Allerweiltsbiodeutscher und damit als Mitglied einer schweinchenrosa Mehrheitsgesellschaft gelesen seiend – würde das auch nicht machen, nur damit man mir irgendwas glaubt.

        Reicht es nicht, wenn er von sich schreibt, dass er „mit Kippa“ aus dem Haus gekommen sei, um ihm zu glauben, dass er praktizierender Jude sei? (soweit ich den Subtext richtig erfasse…)

        Ich glaube, diese Aussage dürfte einige Mitleser jetzt überrascht haben. Ich möchte ihm das gerne glauben, ohne mich mit irgend(s)einer Meinung gemein zu machen. (Das hebräische Zitat in einem anderen Kommentar wollte ich mir mal übersetzen lassen…)

      3. Lieber Saschok,

        dann jetzt (meine Zeit, nicht Ihre übrigens) mal ausführliche Antwort zu Ihren Beiträgen der letzten Stunden hier. Es ist höchst befremdlich, wie Sie versuchen uns als Redaktion mit besten Kontakten zu nahezu allen jüdischen Strömungen in Leipzig (ja, es gibt auch da Unterschiede) hier indirekt die Verharmlosung von Antisemitismus unterzuschieben. Ihre Motivation ist mir dabei egal: es ist einfach falsch und zudem infam.

        Während den Zeiten, wo Sie sich womit auch immer beschäftigten, habe ich gemeinsam mit anderen die Geschichte des jüdischen Sportclubs Bar Kochba erstmals (mit) aufgeschrieben und publiziert. Und das ist nur ein Beispiel von vielen, die Sie schlicht nicht wahrnehmen.

        Zum Aktuellen: Ihr Antrieb scheint mir ein grundlegend ausländerfeindlicher zu sein. Ihre Bilder von der Eisenbahnstraße sind schief, denn gerade (auch) dort leben jüdische, christliche, muslimische usw. Menschen Tür an Tür. Weshalb es (auch das wussten Sie nicht, wetten?) im Vorfeld der Leipziger Demos zu Gesprächen kam, die die Eskalation unterbinden sollten. Unter anderem auch deshalb waren am Ende alle Demos auf dem Augustusplatz und NICHT am Torgauer Platz, wie anfangs angekündigt.

        Was letztlich dazu führte, dass vor Ort auch die palästinensische Seite versuchte, durch Ordner und Einwirkung die Lage nicht eskalieren zu lassen. Diese Bemühungen, wie auch der der Gegenseite, keine Gewalt aufkommen zu lassen (und da waren ausreichend „Autonome“ am Start), konnten die Szene am Beginn und manche Parole nicht eingrenzen.

        Und ja, „Judenhass“ existiert auch in Leipzig, wie man da hören konnte. Und das sollte nicht sein – wenn wir in einer idealen Welt leben würden, wie so vieles andere auch nicht.

        Doch – um nur ein Beispiel zu geben – wenn die BILD im Furor einer Propaganda-Postille von „500 Judenhassern“ an diesem Tag in Leipzig spricht, lügt sie einfach (eigentlich eine Dauerbeschreibung).

        Unter den Teilnehmerinnen der palästinensischen Demonstration (siehe Bildergalerie) waren auch jüdische Mitbürgerinnen, die teils sogar Redebeiträge hielten. Eben weil die Debatte vielschichtig ist.

        Das alles (Vorgespräche, die antiimperialistische Fahne, die Redebeiträge) wussten Sie nicht.

        Ich gehe also davon aus, dass Sie sich mit den direkten und angrenzenden Problemen dieser Auseinandersetzungen derart oberflächlich befasst haben, dass es nochmals zu betonen ist: Sie sind hier am falschen Adressaten, wenn es um den Schutz jüdischen Lebens in Leipzig geht.

        Und mit Verlaub, Ihre vorgebliche Zugehörigkeit zur (leider) noch immer kleinen jüdischen Gemeinde (die ich kenne), glaube ich erst, wenn Sie bei einem Anlass in den kommenden Monaten / Jahren vor mir stehen und sagen: Hallo, ich bins Saschok. Denn dafür haben Sie hier schon zu viel seltsames Zeug erzählt.

        Dann können wir reden. Und Sie werden im direkten Austausch rasch feststellen müssen, wie falsch Sie hier liegen. Wenn Sie zur Reflektion fähig sind.

        Ihr M.F.

        PS.: Auch die Geschichte mit dem „Palituch“ hat eine deutlich längere Geschichte gerade durch die Ex-DDR, die in Israel einen kapitalistischen Feindstaat und in den Palästinensern Verbündete sah), als Sie darzustellen versuchen. Ich habe es also auf nahezu allen Ebenen satt, mir Ihre verkürzten Behauptungen und Angriffe auf unsere Zeitung bei einem überaus komplexen Thema durchlesen zu müssen.

      4. Angst haben ist schon recht verharmlosend. Es ist mittlerweile pure Furcht nicht mehr wie nach der Aussiedlung aus der Sowjetunion in der Ludwigstraße (meine erste deutsche Adresse) mit Kippa aus dem Haus gehen zu können und sich frei zu bewegen. Mit dem mittlerweile linksideologisch verwaschenem Palästinatuch durch die Eisenbahnstrasse zu gehen gehört zum Alltag aber eben nicht mehr mit hebräischen Religionssymbolen. Soviel zu multikulti und Gleichberechtigung in dieser. Scheinheilig selbstgerechtem Stadt. Übrigens war es in einem Kommentar in ihrer Journalie u lesen, ich würde einen jüdisch-russischen Kosenamen missbrauchen um meine Ideologie zu kaschieren.

      5. @Saschok: der Unterschied zwischen den Fahnen wird in der Fotogalerie erklärt. Sie gehen demnach irre in Ihrem Vorwurf 😉

        Ich fühle mich übrigens sicher, auch nach 2015, auch inmitten der jeweiligen Demonstranten gestern und auch sonst. Ich halte es geradezu für ein Privileg und eine Verpflichtung, in einem der sichersten Länder der Welt zu leben.

        Wovor also haben Sie genau Angst?

      6. „entlarvt die journalistische Meinungsbigotterie“

        „Entlarvt“ haben vor allem Sie sich direkt mit Ihrem ersten Kommentar. Und auch die anderen lassen tief blicken. Ich fürchte, einen ihre „Meinung“ bestätigenden Bericht werden Sie hier nie finden. Zum Glück.

      7. “ Was auf dem Augustusplatz nicht zu sehen war, war der schwarze Block aus Leipzig“

        Ich empfehle Ihnen, das Video noch einmal anzusehen, vor Ort hatten Sie Ihre Brille anscheinend nicht dabei. Aber dafür gibts ja zum Glück solche Aufzeichnungen.

      8. Der auf dem Augustusplatz öffentlich gezeigte Judenhass einschließlich das Aberkennen des israelischen Staatsrechtes und dazu die die rein dokumentierende nicht wertende Berichterstattung, wo man ja ansonsten sich inflationär am politischen Kampfbergriff Antesemitismus bedient, entlarvt die journalistische Meinungsbigotterie.

      9. Der feine Unterschied jetzt als kleine Ergänzung im Kommentar zu lesen. Was auf dem Augustusplatz nicht zu sehen war, war der schwarze Block aus Leipzig. Gleichwohl ist die „antiimperialistische“ Orientierung in der herkömmlichen Form bis heute im Mainstream der revolutionär-marxistischen und auch der autonomen Gruppen dominierend, es sei denn Faschismus gibt es nur in Deutschland. Dann aber ran an die Neudefinition für den Leipziger Globus.

      10. Die Fahne der „antiimperialistischen Aktion“ (nicht Antifa-Fahne) gehörte zum Umfeld der MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands), welche mit geschätzt vier bis fünf Personen bei der Pro-Palästina-Demo vertreten war.

      11. Ja es stimmt es wird hell. Die zwei Antifa- Fahnen standen uns gegenüber. Jenseits von Antisemitismus bekämpfen. Wo ist den jetzt hier der das sonst so gern bemühte Kampf gegen den Antisemitismus. Orientierungsprobleme oder was?

      12. „Wir haben immer davor gewarnt besonders ab September 2015“

        Ahja. Jetzt wirds langsam hell.

      13. Von 1990 bis 2015 konnte man sich sicher fühlen. Deutschland war für uns ein Zufluchtsort. Wir haben immer davor gewarnt besonders ab September 2015.

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