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Wenn Leipziger/-innen träumen: Politische Bildung und Erinnerungskultur stärker verankern

Von Henry Lewkowitz, geschäftsführender 2. Vorstandsvorsitzender Erich-Zeigner-Haus e.V.
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    Seit 2014 sitz die Alternative für Deutschland (AfD) im Sächsischen Landtag und dieses Jahr wurde sie zum zweiten Mal in den deutschen Bundestag gewählt. Dies sind Entwicklungen, die mich nicht überraschen, aber entrüsten. Mein Name ist Henry Lewkowitz und meine Träume für Leipzig entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern werden stark von der gesamtgesellschaftlichen und politischen Situation unseres Landes geprägt.

    Schaue ich in die letzten Monate zurück, so stechen zwei Ereignisse besonders heraus.
    Zum einen spreche ich hier von der U-18-Wahl in Sachsen. Mit 16,72 Prozent lag die AfD bei den Kindern und Jugendlichen Sachsens auf Platz 1. Dieses Ergebnis verdeutlicht, dass der Rechtsruck unserer Gesellschaft kein alleiniges Problem der Rentner/-innen oder Ü50er ist, sondern auch das Denk- und Wahlverhalten unserer Jüngsten stark beeinflusst.

    Fast 1/5 der Schüler/-innen entschied sich dazu, ihre Stimme in Form eines Wahlkreuzes hinter einer Partei zu setzen, welche in den letzten Jahren durch Forderungen nach einer „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“ lautgeworden war und von einem „Schuldkult“ innerhalb der deutschen Gesellschaft spricht.

    Als zweites Ereignis erinnere ich mich an den Fackelaufmarsch am 3. Dezember 2021 vor dem Haus der Sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping. Dieser Aufmarsch steht hier nur stellvertretend für den aufstrebenden Rechtspopulismus und Antisemitismus, welcher in dem letzten Pandemiejahr immer salonfähiger geworden zu sein scheint.

    Wir blicken also zurück auf ein Jahr, in welchem Bilder von Fackelmärschen stark an Aufmärsche der ehemaligen NSDAP erinnern und Ungeimpfte sich nicht vor einem Vergleich mit den damals verfolgten Jüdinnen und Juden scheuen. Es werden zutiefst geschichtsrevisionistische Perspektiven eingenommen und ich denke, dass das Jahr 2021 mal wieder deutlich gezeigt hat, dass historisch-politische Bildungsarbeit und eine stärker verankerte Kultur des Erinnerns unserem Land und unserem Miteinander sehr guttun würden!

    Ich selbst engagiere mich seit mehreren Jahren im Erich-Zeigner-Haus e.V., dem ich auch als geschäftsführender 2. Vorstandsvorsitzender vorstehe, im Rahmen der historisch-politischen Bildungsarbeit. Im Zentrum steht vor allem die Arbeit mit Jugendlichen in Form von Stolpersteinprojekten, wobei diese gemeinsam mit der Projektleitung Opferbiografien recherchieren, Exkursionen durchführen und am Ende selbst, im Rahmen des Kunstprojekts Gunter Demnigs zum dezentralen Gedenken, Stolpersteine verlegen.

    Wir stellen in unserer Arbeit immer wieder fest, dass die alleinige Auseinandersetzung mit den Themenbereichen Nationalsozialismus und Antisemitismus im Unterricht für viele Jugendliche nicht ausreichend ist und vor allem auch der Bezug zur heutigen Zeit, mit dem Betrachten des erstarkenden Rechtsextremismus und Rechtspopulismus bei den Jugendlichen auf großes Interesse stößt.

    Ich bin deshalb der Meinung, dass die Arbeit zu den Themenbereichen Erinnerungskultur und Antidiskriminierungsarbeit als auch Rechtsextremismus nach wie vor notwendig und relevant sind und ich sehe Vereine, wie zum Beispiel das Erich-Zeigner-Haus, in der Verantwortung, diese Arbeit auch stets weiterzuentwickeln und die Themen mehr in die Mitte der Gesellschaft zu integrieren.

    Um diesen Wunsch oder auch Traum gerecht werden zu können, ist es mein Anliegen, dass auch seitens der Sächsischen Landespolitik diese Arbeit mehr Anerkennung und Unterstützung erfährt.

    Betrachte ich die Förderpolitik des Landes Sachsen, so wird leider deutlich, dass nur knapp 15 Prozent der Gelder im Bereich der Projektförderung für Projekte mit Bezug zur NS-Erinnerung vorgesehen sind und über 80 Prozent der Gelder in Projekte zur Erinnerung an die DDR fließen.

    Es soll an dieser Stelle nicht darum gehen, den einen Themenbereich über den anderen zu priorisieren, doch es sollte anhand der derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklungen deutlich werden, dass die Erinnerung an die Schrecken des Dritten Reichs nicht nur nach wie vor relevant sind und demnach auch mehr Förderung erfahren sollten, sondern eine Demokratisierungswirkung in der Gegenwart kann nur durch eine intensivierte kritische Erinnerung an die NS-Verbrechen, deren Gedankengut auch heute noch gesellschaftlich anzutreffen ist, erzielt werden.

    Diese Förderung ist beispielsweise auch notwendig, da die historisch-politische Bildungsarbeit zum Thema NS-Zeit und Shoa nun seit mehreren Jahren vor der Herausforderung steht, dass die Generation der Zeitzeug/-innen stetig geringer wird.

    Wir als außerschulische Bildungseinrichtung möchten dieser Herausforderung gerne gerecht werden, neue Ideen und Konzepte entwickeln, um ein nachhaltiges Erinnern auch für zukünftige Generationen zu ermöglich, doch dies ist uns leider nur mit einer umfassenden Unterstützung und Förderung möglich!

    Mehr aktuelle Träume auf L-IZ.de, in der Coronakrise 2021 und aus den letzten Jahren

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