Die Gedenkstätte für Zwangsarbeit in Leipzig lädt in Kooperation mit der Universität Leipzig zur Buchvorstellung von „Schicksale“, dem vierten und finalen Band der „Verloschene Lichter“-Reihe von Mordechai Strigler, ein. Der jiddische Schriftsteller schuf mit seinen frühen Zeitzeugenberichten ein literarisches Denkmal für die Opfer der Schoah. Am 19. April wird der Herausgeber Frank Beer um 18 Uhr im Leipziger Capa-Haus aus dem Buch lesen. Ergänzt wird die Lesung durch wissenschaftliche Einordnungen des Historikers Martin Clemens Winter.

Bereits kurz nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Buchenwald im April 1945 begann Strigler mit beispielloser Schonungslosigkeit, seine Erfahrungen in den Lagern des besetzten Polens literarisch zu verarbeiten. Er war damit einer der ersten Shoa-Überlebenden, die darüber schrieben.

In „Schicksale“ konzentriert er sich auf die Zeit vom Winter 1943/44 bis zur Schließung der Munitionsfabrik im August 1944 sowie die Menschen in Werk C und ihre Beziehungen zueinander. Damit liefert Strigler ungewöhnlich offen eine Sozialstudie jüdischer Schicksale in deutscher Gefangenschaft. Nun liegt die vollständige Reihe erstmals in deutscher Erstausgabe in der Übersetzung von Sigrid Beisel vor.

Der Eintritt zur Veranstaltung, die von der Alfred Landecker Foundation unterstützt wird, ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Schicksale

Verloschene Lichter IV. Ein früher Zeitzeugenbericht über die Opfer der Schoah

zu Klampen Verlag
694 Seiten, Paperback
Format: 12,50 x 20,50 cm
Euro (D) 48,00
ISBN 9783987370021

Frank Beer (Hrsg.), Sigrid Beisel (Übers.), Mordechai Strigler

Mordechai Strigler schuf mit seiner Buchreihe „Verloschene Lichter“ ein literarisches Denkmal für die Opfer der Schoah. Nach „Majdanek“, „In den Fabriken des Todes“ und „Werk C“ erscheint nun der vierte Teil und Abschluss der Tetralogie in deutscher Erstausgabe.

Die Tetralogie „Verloschene Lichter ist die Schilderung von bloß fünfzehn Monaten Hitlerhölle. Das ist nur ein Fragment der Vernichtung und nicht einmal das grausamste, wenn man von außen darauf schaut.“ Mordechai Strigler, 1950 Bereits kurz nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Buchenwald im April 1945 begann Mordechai Strigler, seine Erfahrungen in den Lagern des besetzten Polens literarisch zu verarbeiten.

Wie kaum ein andererZeitzeugenbericht beschreibt Striglers Text mit beispielloser Schonungslosigkeit die Lagerorganisation und das Lagerleben sowie den Umgang der jüdischen Gefangenen untereinander. In „Schicksale“ berichtet Strigler von der Zeit vom Winter 1943/44 bis zur Schließung der Munitionsfabrik und Vorbereitung der Evakuierung der Häftlinge im August 1944.

Er konzentriert sich dabei auf die Menschen in Werk C des Arbeitslagers Skarżysko-Kamienna und ihre Beziehungen zueinander. Das Eintreffen von assimilierten und getauften, aber auch deutsche Juden aus Krakau im Lager im Frühjahr 1944 verschärfte schwelende Konflikte: Aufgrund der vielen sozialen Unterschiede entstanden unter ihnen Spannungen, die das Leben der Gefangenen teils dramatisch verschlechterten. Strigler liefert damit ungewöhnlich offen eine Sozialstudie jüdischer Schicksale in deutscher Gefangenschaft.

FRANK BEER:

Frank Beer, Jahrgang 1965, ist promovierter Naturwissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter einer Bundesbehörde in Bergisch Gladbach. Er hat die vielbeachtete Quellenedition „Nach dem Untergang. Die ersten Zeugnisse der Shoah in Polen 1944–1947“ initiiert und mitherausgegeben. Seine Übersetzungen von Zeitzeugenberichten erschienen in Büchern und im Internet.

SIGRID BEISEL:

Sigrid Beisel, Jahrgang 1958, lebt in der Nähe von Freiburg im Breisgau. Sie beschäftigt sich seit 2003 mit der jiddischen Sprache und Kultur. Seit 2007 ist sie nebenberuflich als freie Übersetzerin tätig. Ihr Hauptgebiet ist die Transkription und Übersetzung jiddischer Handschriften. Veröffentlichte Übersetzungen bisher: Drei Zeugenberichte von Holocaust-Überlebenden, erschienen in »Nach dem Untergang: Die ersten Zeugnisse der Shoah in Polen 1944-–1947. Berichte der Zentralen Jüdischen Historischen Kommission«, Metropolverlag.

MORDECHAI STRIGLER:

Der jiddische Schriftsteller und Journalist Mordechai Strigler wurde 1918 bei Zamość (Polen) geboren. Während der Nazizeit war er Häftling verschiedener Arbeits- und Konzentrationslager. Kurz nach seiner Befreiung emigrierte er nach Paris und begann seine Erfahrungen in der Tetralogie „Verloschene Lichter“ niederzuschreiben. 1952 ging er nach New York und arbeitete bis zu seinem Tod im Jahr 1998 für jiddische Zeitungen. 1978 erhielt er den Itzik Manger-Preis für Jiddische Literatur. Bei zu Klampen wurden „Majdanek“ (2016), „In den Fabriken des Todes“ (2017) und „Werk C“ (2019) veröffentlicht.

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