Die Silvesternacht gilt generell als Stresstest für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste. Auch der aktuelle Jahreswechsel verlief in Leipzig nicht friedlich. Brennende Straßenbarrikaden, Angriffe auf Einsatzkräfte, Anzeigen wegen Landfriedensbruchs prägten wieder die Nacht, in der sich Menschen eigentlich versammeln, um auf ein gesundes neues Jahr anzustoßen. Doch wenn es nur ein kleiner Trost sein mag, eines lässt sich auch sagen: Es hätte, wie in anderen Städten, schlimmer kommen können.

320 Einsätze verzeichnet die Polizeidirektion Leipzig in der Silvesternacht zwischen 18:00 Uhr und 06:00 Uhr. Neben unzähligen kleineren Rangeleien kam es im Stadtteil Grünau zu einer größeren Auseinandersetzung. Dort mussten sich die Feuerwehr und die zu Hilfe gerufene Polizei zunächst zurückziehen, wie Polizeisprecher Olaf Hoppe gegenüber LZ berichtete.

Erst eine zusätzliche „Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit“ (BFE) umstellte schließlich eine Gruppe von 23 Randalierern und nahm deren Identitäten auf. Anzeigen wegen Landfriedensbruchs wurden erstattet. In der Innenstadt kontrollierte die Polizei einzelne Personen, darunter auch Kinder, und stellte bei ihnen Feuerwerkskörper der verbotenen Kategorie 4 sicher. Auch in diesen Fällen wurden Strafanzeigen gestellt.

Barrikaden in Connewitz

Im Süden von Leipzig kam es in der Nacht zu vereinzelten Scharmützeln, bei denen Polizeifahrzeuge und Einsatzkräfte mit Feuerwerkskörpern und Flaschen attackiert wurden. Eine Beamtin wurde dabei leicht verletzt, blieb aber „dienstfähig“, wie es von Seiten der Polizei hieß. Über die Ereignisse berichtete LZ bis in die frühen Morgenstunden in einem Live-Ticker.

Immer wieder errichteten bisher unbekannte Täter Hindernisse aus Müllcontainern, zündeten sie an. Ein Feuerwehrmann erlitt beim Löschen einer brennenden Barrikade um 00:45 Uhr durch Beschuss mit Pyrotechnik ein Knalltrauma. An der Haltestelle „Connewitzer Kreuz“ gingen Wartehäuschen zu Bruch, ein Fahrkartenautomat wurde aufgesprengt. In den zurückliegenden Jahren hatten die Leipziger Verkehrsbetriebe die Glasscheiben der Unterstände demontiert.

Polizeisprecher Olaf Hoppe konstatiert auf Anfrage, dass die Silvesterkriminalität im Stadtgebiet insgesamt rückläufig sei. Er bestätigt allerdings auch die Beobachtung der LZ-Reporter aus der Nacht, dass die Aggression punktuell, so eben auch in Connewitz, größer war als im Vorjahr.

Polizeipräsident René Demmler schätzte offiziell ein: „Trotz des überwiegend friedlichen Verlaufs waren Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr stark gefordert. Der Einsatz der vielen Kräfte in der Silvesternacht war notwendig und angemessen. Die Angriffe auf Einsatzkräfte von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei sind inakzeptabel und klar zu verurteilen.“

Warum? In der Leipziger Kochstraße am Connewitzer Kreuz wird ein Rettungswagen mit Silvesterraketen beschossen. Foto: Tom Richter
Warum? In der Leipziger Kochstraße am Connewitzer Kreuz wird ein Rettungswagen mit Silvesterraketen beschossen. Foto: Tom Richter

Silvesterdramen an anderen Orten

Trotz der Ausschreitungen in Grünau und Connewitz sind Leipzig größere Unglücke erspart geblieben. Andernorts gab es Geschehnisse, über die noch lange gesprochen werden wird. So kam es in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt zu einem Brand von historischer Bausubstanz. Betroffen von dem Unglück sind unter anderem eines der dienstältesten indischen Restaurants der Stadt, das Büro des Marktmeisters und etliche Wohnungen.

Etwa einhundert Einsatzkräfte kämpften am Domplatz bis in die Mittagsstunden gegen das Feuer. Dessen Entstehung die dortige Polizei derzeit durch Treffer von Silvesterraketen vermutet, was die Diskussion um ein mögliches Verbot von privatem Feuerwerk anheizen wird. Denn für das Gebiet galt bereits eine Verbotszone, was den Häusern als Maßnahme traurigerweise nicht geholfen hat.

Der Dachstuhl des historischen Gebäudekomplexes am Domplatz wurde schwer beschädigt. Foto: Stadtverwaltung Erfurt
Der Dachstuhl des historischen Gebäudekomplexes am Domplatz wurde schwer beschädigt. Foto: Stadtverwaltung Erfurt

Tödlich endete das Jahr für zwei junge Männer in Bielefeld. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge zündeten die beiden jeweils 18-Jährigen selbstgebaute Feuerwerkskörper, wobei sie sich schwerste Gesichtsverletzungen zuzogen. In einem der beiden unabhängigen Fälle starb das Opfer noch am Unglücksort. Der zweite Mann erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Wie eine Fackel brannte im niederländischen Amsterdam die 1872 errichtete „Vondelkerk“. Nach ihrer Entweihung und Umnutzung als Veranstaltungsort war sie Bestandteil der dortigen Kulturszene. Bereits im November 1904 brannte der ursprüngliche Kirchturm nieder, wurde jedoch neu aufgebaut. Durch das Silvesterfeuer der letzten Nacht wurde sie örtlichen Berichten zufolge so stark zerstört, dass nur noch die Grundmauern des Gebäudes stehen.

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