Der 16. Mai ist Europäischer Adipositas-Tag. Adipositas - das ist krankhaftes Übergewicht. Das belastet nicht nur Gelenke und Kreislauf, es belastet auch die Seele. Kaum jemand weiß das besser als die Forscher am Leipziger Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen. Dort hat man sich die neuen Kosten fürs deutsche Gesundheitssystem angeschaut. Und war ein bisschen erschrocken.

Starkes Übergewicht ist in Deutschland ein wachsendes und zunehmend auch teures Gesundheitsproblem. Die direkten Krankheitskosten im deutschen Gesundheitssystem aufgrund von Adipositas und deren Folgeerkrankungen sind deutlich angestiegen und lagen im Jahr 2008 bei rund 8,6 Milliarden Euro. Das sind also eigentlich schon veraltete Zahlen. Der Betrag wird wohl schon längst im zweistelligen Miliardenbereich liegen.

Ohne wirksame Prävention und Therapie werden die Ausgaben weiter ansteigen, warnt das IFB Adipositas. Die Gesundheitsökonomen des IFB konnten zeigen, dass die Kosten hauptsächlich auf die stationäre und ambulante Behandlung von Adipositas-Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen sowie Leber- und Gallenleiden zurückgehen. Die Kostenschätzungen für 2008 liegen deutlich höher als in einer vorangegangenen Studie für das Jahr 2002.

Die direkten Kosten hatten für 2002 nur rund 4,9 Milliarden Euro betragen. Die Ursachen für den Kostenanstieg sind, so erläutern die Statistiker, einmal die Zunahme der Adipositas in der Bevölkerung, aber auch die genaueren Berechnungsdaten für 2008.

Nach den Berechnungen vom November 2014 gingen im Jahr 2008 rund 3,27 Prozent der Gesamtausgaben im Gesundheitssystem auf das Konto von Übergewicht und Adipositas, während der Anteil im Jahr 2002 noch 2,1 Prozent betrug.  Dazu kommen dann noch die indirekten Kosten durch Produktivitätsausfälle wie Arbeitsunfähigkeit oder Frühverrentung. Sie lagen im Jahr 2008 in einer ähnlichen Dimension – bei 8,2 Milliarden Euro. Die Zahl der durch Übergewicht und Adipositas bedingten Sterbefälle lag bei ca. 48.000. Vor allem Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Folge von schwerer Adipositas führten zu einem vorzeitigen Versterben der Betroffenen.

Die Forscher um Professor Hans-Helmut König, Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, ermittelten in der IFB-Studie die Krankheitslast von Übergewicht und Adipositas anhand der Daten aus bundesweiten Gesundheitserhebungen, epidemiologischen Studien sowie Routinedaten des  Statistischen Bundesamtes und der Sozialversicherung.

Die Höhe der Kosten ist bedenklich, stellen die IFB-Forscher fest, da Adipositas in Deutschland und international weiter zunimmt. Derzeit sind in der Bundesrepublik gemäß einer Studie des Robert Koch-Instituts (DEGS 2011) rund 60 Prozent der Erwachsenen übergewichtig, etwa 23 Prozent sind mit einem Body-Mass-Index von 30 kg/qm und mehr adipös.

Die Leipziger Zahlen, die in einer Bürgerumfrage 2013 ermittelt wurden, sind nicht ganz so heftig. Danach haben insgesamt 46 Prozent der Befragten Übergewicht. In dieser Zahl stecken 13 Prozent mit Adipositas. Die Befragung zeigte auch, dass Adipositas vor allem ein Problem älterer Menschen ist: weniger Bewegung und falsche Ernährung sind mit die Hauptgründe. Aber nicht nur. Denn auch 26 Prozent der 18- bis 34-Jährigen sind übergewichtig, bei den 35-bis 49-Jährigen sind es schon 44 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen – immerhin Menschen, die noch im Berufsleben stehen, sind es schon 60 Prozent und bei den Senioren sind es 67 Prozent.

Prof. Hans-Helmut König mahnt: „Die hohen Kosten von Übergewicht und Adipositas zeigen, wie wichtig effektive Therapie- und Präventionsprogramme sind. Die Ausgaben werden weiter steigen, wenn es nicht gelingt, solche Programme wissenschaftlich auf ihre Wirksamkeit hin zu prüfen und sie kosteneffektiv flächendeckend anzubieten.“

Voraussetzung dafür sei, dass Adipositas als ernsthafte Erkrankung mit vielfältigen Ursachen anerkannt werde. Da Adipositas oft nur als Folge eines schlechten Lebensstils und als alleinige Schuld der Betroffenen abgetan wird, sei die Schaffung geeigneter Therapie- und Vorbeugungsmaßnahmen erschwert. Denn die Forschungen zeigen auch, dass die Betroffenen oft genug mit einem ganzen Bündel gesundheitlicher, aber auch seelischer Beeinträchtigungen zu kämpfen haben.

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Es gibt 2 Kommentare

Und nun sichert es die Arbeitsplätze im medizinischen Bereich, in Sanitätshäusern und Herstellern von speziellen Pflegemitteln, von DiätassistennInnen, Krankenkassenmitarbeitern, Kureinrichtungen, und nicht zu vergessen der Lebensmittelindustrie wiederum.
Irrerweise stellt Nestlé nicht nur die schlimmsten Dickmacher her, sondern auch Spezialnahrung für Kranke und Übergewichtige. Von der Wiege bis zur Bahre das einzig Wahre von Nestlé. Wer Ironie findet darf sie behalten

Man bedenke: gleiches Übergewicht hat zuvor verschiedenen “Lebensmittelherstellern” ein vielfaches an Milliarden eingebracht und unzählig viele Arbeitsplätze gesichert.
😉

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