Der Anteil der übergewichtigen Sachsen steigt seit 2003 immer weiter an

Für alle LeserAdipositas – also krankhaftes Übergewicht – ist ein Thema der Zeit. Auch viele Sachsen schleppen viel zu viele Pfunde mit sich herum, eine Last, die dann oft noch viele andere Erkrankungen nach sich zieht. Aber stimmt denn die Aussage noch „Die Sachsen werden immer fetter?“ Susanne Schaper, die Sprecherin für Sozial- und Gesundheitspolitik der Linksfraktion im Landtag, wollte das jetzt mal genauer wissen.

Solche Zahlen werden regelmäßig im Mikrozensus erfasst: Ein statistisch relevanter Teil der Bevölkerung wird befragt, die Zahlen werden dann hochgerechnet. Einziges Problem, so die Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU): „Es wird erläuternd darauf hingewiesen, dass im Mikrozensus Daten zu Altersgruppen unter 18 Jahren nicht in der gewünschten Form vorliegen, sodass hilfsweise auf die Schulreihen- und Schuleingangsuntersuchungen zurückgegriffen wurde. Da diese aber nur in ausgewählten Schuljahren erfolgen, konnte jeweils nur ein Teil der Altersgruppe betrachtet werden.“

Und das Ergebnis spricht für sich, denn die Entwicklungen bei Erwachsenen und Kindern laufen ziemlich parallel. Sowohl der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit einem Body-Mass-Index von 30 und höher wuchs in den letzten Jahren als auch der bei den Erwachsenen.

Die vielen Bemühungen staatlicherseits, das Problem in den Griff zu bekommen, greifen also noch nicht wirklich. So stieg der Anteil der übergewichtigen Kinder in den Schuluntersuchungen der 2. Klassen seit 2005 von damals 6,6 Prozent auf 8,8 Prozent. Bis 2012 schien man die Entwicklung irgendwie gebremst zu haben, aber seitdem steigen die Zahlen wieder an. Dasselbe Bild bei den Untersuchungen in den 6. Klassen, wo der Anteil der übergewichtigen Kinder im selben Zeitraum von 8,6 auf 11 Prozent stieg.

Da das Schuluntersuchungen sind, kann man durchaus auch den Faktor von zu wenig Sportunterricht ins Feld führen. Viele Kinder bewegen sich zu wenig, oft zu Hause erst recht nicht. Und die Bewegungsarmut verknüpft sich oft genug mit falschem, weil viel zu zucker- und fettreichem Essen und zu viel Süßgetränken.

Auch in den Schuleingangsuntersuchungen stieg der Anteil der Kinder mit Übergewicht von 6,5 auf 8,4 Prozent.

Und diese falschen anerzogenen Gewohnheiten verlieren sich ja nicht im Leben. Im Gegenteil: Im Lauf des Lebens legen immer mehr Erwachsene an Gewicht weiter zu.

So hatten 2017 immerhin 7,7 Prozent der 18- bis 30-Jährigen einen BMI von 30 und mehr. Ein Wert, der 2013 noch bei 5,9 Prozent gelegen hatte. Und mit jeder Alterskohorte steigt dieser Wert: 11,6 Prozent der 30- bis 40-Jährigen fielen darunter, 14,4 Prozent der 40- bis 50-Jährigen, 20 Prozent der 50- bis 60-Jährigen und 26,6 Prozent der 60- bis 70-Jährigen. Das geht logischerweise alles auf die Knochen und auf den Kreislauf.

Durchschnittlich waren 2017 immerhin 17,7 Prozent der Erwachsenen mit einem BMI über 30 belastet. 2013 hatte der Wert noch bei 16,6 Prozent gelegen, 2003 sogar nur bei 13,9 Prozent.

Susanne Schaper hatte dann noch nach den Operationen gefragt, die den schwergewichtigen Menschen helfen sollen. Aber das ist ja nur immer die letzte Lösung. Die anteilig steigenden Fallzahlen erzählen ja davon, dass die existierenden Präventionsprogramme die Zielgruppe entweder nicht erreichen oder den falschen Ansatz haben. Und gerade die steigenden Zahlen bei Kindern und Jugendlichen geben zu denken. Sie leiden als erste unter einer ungesunden Lebensweise und schaffen damit Anlagen, die im weiteren Leben immer mehr zur Belastung werden.

Neuer Kinder- und Jugendreport der DAK zeigt gravierende Unterschiede zwischen Stadt und Land und die Folgen von Armut

Adipositas
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