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Neue Stolpersteine erinnern an das Schicksal von jüdischen Mitbürgern aus Leipzig im Nationalsozialismus

Am Mittwoch, den 29. November 2017, verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig in Leipzig 33 neue Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus. Das Projekt Stolpersteine erinnert und vergegenwärtigt das Leid von jüdischen Mitmenschen, Kindern und Erwachsenen mit Behinderungen, Sinti und Roma, Homosexuellen sowie politisch Andersdenkenden und allen anderen von der Ideologie des Nationalsozialismus Verfolgten und Ermordeten. Seit nunmehr über 10 Jahren werden diese Erinnerungsmale in Leipzig verlegt. Am 29. November 2017 folgen weitere 33 Steine, die in der Nähe der einstigen Wohnhäuser der Opfer in den Gehweg eingelassen werden. Die Recherchen zu den Opfern erfolgten u. a. in Schülerprojekten.

Die Verlegung neuer Stolpersteine beginnt am 29. November 2017 um 9.30 Uhr an der Funkenburgstraße 17. Dort werden acht Steine für Familie Rosenzweig verlegt. Diese sind für den 1877 in der Ukraine geborenen Familienvater Jakob Hermann Rosenzweig, seine beiden Geschwister und die Kinder. Nur wenige Familienmitglieder überlebten den Holocaust, die anderen wurden nach Theresienstadt, Treblinka und Ausschwitz deportiert und ermordet. Um 10.00 Uhr folgt die Verlegung von Stolpersteinen in der Humboldtstraße 2 für Familie Affenkraut. Die Eltern waren polnische Juden, die ab 1912 in Leipzig lebten.

Hier wuchs ihre damals noch junge Familie. Das jüngste Kind, Tochter Edith, wurde 1929 geboren. „Bis ungefähr 1934 lebte ich glücklich und sorgenfrei mit meiner Familie in der Humboldtstraße“, schrieb Edith Affenkraut 1944 nach ihrer Befreiung in Frankreich über ihre früheste Kindheit. Ihre älteren Geschwister flohen ab 1934 nach Palästina. Die jüngeren Kinder und die Eltern kämpften uns Überleben. 1938 sollten sie nach Polen abgeschoben werden. Weil ihnen polnische Pässe fehlten, wurde ihnen die Einreise aber verwehrt.

1939 wollte die Familie nach Belgien fliehen. Der Versuch misslang. Etwa 1942/43 wurden drei Geschwister und die Mutter von Edith nach Ausschwitz, Riga und Kaiserwald deportiert. Der Vater floh mit den beiden jüngsten Töchtern zunächst nach Belgien und dann nach Frankreich. Edith überlebte, weil ihr Vater sie in einem Kloster versteckte. Schwester Leni und ihr Vater wurden gefunden, nach Auschwitz deportiert und ermordet. Zu einer Tragödie wurde die Massenabschiebung nach Polen für jüdische Mitbürger im Jahr 1938 auch für Familie Kalter. Der jüdische Priester Baruch und seine Frau Hanna Kalter lebten in der Lotzingstraße 11. Zur Erinnerung an ihr Schicksal werden 10.30 Uhr Stolpersteine verlegt. Zusammen mit 40.000 anderen Juden mussten sie im Ghetto Tarnow leben, überlebten die Auflösung des Ghettos aber nicht.

Gemeinsame Erinnerung mit Familienangehörigen u. a. aus Israel, der Schweiz und Schottland

Die nächste Stolpersteinverlegung findet am Mittwoch um 11:nalsozialistischen Rassenpolitik, weil sie in einer sogenannten „Mischehe“ lebten. Vater Hermann war Jude. Er selbst kam nach Denunziation und Verhaftung im Leipziger Polizeigefängnis 1942 unter nicht geklärten Umständen ums Leben. Ein weiterer Stolperstein wird um 13:30 Uhr in der Bornaischen Straße 75 für Herbert Thiele verlegt. Auf Grund seiner illegalen politischen Aktivitäten gegen das NS-Regime wurde er 1934 verhaftet, kam später als politischer Häftling ins Konzentrationslager Buchenwald, wo er 1940 starb.

Bei den Verlegungen um 14:00 Uhr in der Ludwig-Erhard-Straße/Ecke Ranftsche Gasse sowie um 15:00 Uhr in der Humboldtstraße 6 handelt es sich um Stolpersteine für Familie Rimalower. In der Ludwig-Erhard-Straße/Ecke Ranftsche Gasse lebte Fanny Rimalower, die im September 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. Die über 80-Jährige überlebte im Ghetto nur zehn Tage. Ihr Sohn Feiwel Rimalower, dem in der Humboldtstraße 6 gedacht wird, wurde systematisch enteignet. Seine drei Kinder konnten gerettet werden. Er und seine Frau Marie kamen im besetzten Polen ums Leben. Angehörige aus der Schweiz und Schottland sind bei der Verlegung anwesend. Auch bei der Verlegung der Stolpersteine in der Konstantinstraße 6 um 14:20 Uhr für Familie Rosenthal sind Enkel aus Israel anwesend. Der asthmakranke Jakob Rosenthal starb 1942 entrechtet und gedemütigt im israelitischen Krankenhaus. Seine Frau Johanna wurde in Auschwitz ermordet. Ihrer Tochter Ingeborg gelang 1936 die Flucht nach Palästina.

Seit 2006 erinnern insgesamt 389 Stolpersteine in Leipzig an Opfer der NS-Diktatur

In Leipzig begann das Projekt am 3. April 2006 mit der Verlegung von 11 Steinen durch den Kölner Bildhauer Gunter Demnig. Koordiniert werden seitdem sämtliche Verlegungen durch die Arbeitsgemeinschaft „Stolpersteine in Leipzig“, die von der Stadt Leipzig beauftragt – ganz bewusst parteiübergreifend arbeitet. Die Arbeitsgruppe koordiniert nicht nur die Steinverlegungen, sondern steht für die Betreuung interessierter Gruppen und deren Recherchen zur Verfügung, plant Termine rund um die Stolpersteine, kümmert sich um den medialen Auftritt der Projekte und hält selbstverständlich Kontakt zu Hinterbliebenen und Angehörigen. Zur Arbeitsgruppe gehören das Archiv Bürgerbewegung Leipzig, die Gedenkstätte für Zwangsarbeit in Leipzig, der Ev.-Luth. Kirchbezirk Leipzig und das Bürgerkomitee Leipzig e.V., Träger der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“. Durch das Engagement und die investierte Arbeit dieser Einrichtungen konnten die Stolpersteine Erinnerungen an die Schicksale der vielen Opfer im Nationalsozialismus schaffen und so einen wichtigen Teil zum kollektiven und auch individuellen Bewusstsein der Stadt beitragen.

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Die Residenzstadt Dresden an der Elbe. Foto: Michael Freitag

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