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Risiko wird Wirklichkeit: Trockenheit mit Langzeitgedächtnis, Erwärmung auf der Überholspur

Von Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

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    Zwei extrem trockene und warme Jahre hintereinander haben die Trockenheit in Sachsen bis in tiefe Bodenschichten hinein verschärft. Die Temperaturen stiegen schneller als in den Klimaprojektionen abgebildet. Jahresmitteltemperaturen wie 2019 wären danach erst um 2050 zu erwarten gewesen. Grundwasserdürre, Niedrigwasser in den Flüssen, schwer geschädigte Wälder und schwankende Erträge in Landwirtschaft und Gartenbau sind die Folgen. Das sind Ergebnisse, die Klima-, Wetter-, Umwelt- sowie Land- und Forstwirtschaftsexperten heute beim 8. Jahres-Presse-Gespräch »Wetter trifft auf Klima« in Dresden vorgestellt haben.

    Dieser Einschätzung liegt eine gemeinsame Auswertung des Landesumweltamtes Sachsen (LfULG) und des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zugrunde. Untersucht wurde, wie sich die Witterung 2019 in die aktuelle Klimaentwicklung im Vergleich zur Refe-renzperiode 1961 – 1990 einordnen lässt.

    Danach fehlen in Sachsen seit November 2017 bis Dezember 2019 rund 335 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das entspricht ungefähr einem halben mittleren Jahresniederschlag in Sachsen. Die regionalen Unterschiede waren beträchtlich. Hier summierten sich Niederschlagsdefizite zwischen 225 Litern pro Quadratmeter im Vogtland und 440 Litern pro Quadratmeter im Landkreis Bautzen.

    Im Jahr 2019 besonders betroffen waren das Frühjahr und der Sommer. Da sind 14 Prozent bzw. 39 Prozent weniger Regen gefallen. Der trockenste Monat war der April mit 57 Prozent weniger Niederschlag. Mit einer Abweichung von +2,3 Grad*) war 2019 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Sachsen und verdrängt 2018 auf den zweiten Platz.

    Mit 25 Prozent mehr Sonnenstunden war Sachsen auch das sonnenreichste Bundesland. Extrem zu warm waren 2019 die Monate Juni mit einer Abweichung von +5,3 Grad, August +2,8 Grad und Dezember +3,5 Grad. Der Juni war noch nie wärmer und sonnenreicher als 2019. Den insgesamt längsten wärmeren Abschnitt seit 1881 bilden die 26 Jahreszeiten von Sommer 2013 bis Herbst 2019. In diesem langen Zeitraum traten vermehrt atmosphärische Bedingungen auf, die die Ausbildung von Trockenheit begünstigen.

    Bei der Bodenfeuchte macht sich das Langzeitgedächtnis der Trockenheit besonders bemerkbar. In vielen Regionen Sachsens wurden Tiefstwerte erreicht. Die überdurch-schnittlichen Niederschläge im Dezember 2018 und Januar 2019 konnten das Defizit des Bodenwasserspeichers aus dem Trockenjahr 2018 nicht vollständig auffüllen. Aktuell gibt es vor allem in Nord- und Ostsachsen immer noch große Defizite.

    Nur durch überdurchschnittliche Niederschläge im weiteren Verlauf dieses Winters und Frühjahrs 2020 könnte sich auch die Grundwasserneubildung wieder normalisieren, so die Wasserexperten des LfULG. Dass aktuell rund 90 Prozent der ausgewerteten 167 Messstellen den monatstypischen Grundwasserstand um durchschnittlich 60 Zen-timeter unterschreiten, verdeutliche die vorherrschende Grundwasserdürre in Sachsen. Eine ähnliche Situation gab es Anfang der 1990er Jahre das letzte Mal.

    2019 war das fünfte abflussarme Jahr in Folge und durch eine anhaltende, teils ext-reme Niedrigwassersituation in den sächsischen Flussgebieten geprägt. Streckenweise sind vor allem kleinere Flüsse trockengefallen. So wie sich das Jahr 2019 aus hyd-rologischer Sicht mit Niedrigwasser verabschiedete, hat das Jahr 2020 begonnen. Zum Stichtag 27.1. lagen die Durchflüsse an 27 Prozent der Pegel im Niedrigwasserbereich, weitere 34 Prozent steuern darauf zu.

    Damit herrscht bereits jetzt eine Situation, die sich 2018 und 2019 jeweils erst Ende Juni/Anfang Juli einstellte. Sollte die Witterung in den kommenden Monaten nicht überdurchschnittlich nass ausfallen, ist davon auszugehen, dass sich im Frühsommer 2020 erneut eine ausgeprägte großflächige Niedrigwassersituation in Sachsen einstellen wird.

    Die Trinkwassertalsperren in Sachsen konnten die Rohwasserabgabe für die Trink-wasseraufbereitung 2019 auch unter den schwierigen meteorologischen und hydrolo-gischen Randbedingungen immer sicherstellen. Auf Extremsituationen wie Hochwas-ser oder Trockenheit ist die Landestalsperrenverwaltung bestmöglich vorbereitet. Die Talsperren werden in Abhängigkeit von der meteorologischen Situation gesteuert. Auch länger anhaltende Trockenperioden sind in den Plänen zur Talsperrensteuerung enthalten und mit den Wasserversorgern abgestimmt.

    Damit wird sichergestellt, dass das vorhandene Wasser so lange wie möglich reicht. Sollten stärkere Niederschläge weiterhin ausbleiben, kommen diese Pläne zur Anwendung. Wird das Wasser in den Talsperren tatsächlich knapp, gibt es bei den regionalen Wasserversorgungsunter-nehmen Pläne zur Notwasserversorgung. Auch die Bevölkerung kann ihren Beitrag leisten, indem sie sparsam mit Trinkwasser umgeht!

    Landwirtschaft und Gartenbau blieben auch 2019 nicht von Witterungsfolgen ver-schont. Ackerkulturen wie Winterweizen, Wintergerste, Winterraps, Kartoffeln und Mais lieferten meist nur mäßige Erträge. Bedingt durch unterschiedliche Böden und Nieder-schlagsdefizite gab es große regionale Unterschiede. Die Spanne reichte zum Beispiel bei Winterweizen von 18 Dezitonnen pro Hektar auf sandigen Böden bis zu 101 Dezitonnen auf lößreichen Böden.

    Der Durchschnitt in Sachsen lag 2019 bei 71 Dezitonnen pro Hektar. Im Dauergrünland und Futteranbau ist der Ertragsausfall 2019 nicht ganz so heftig ausgefallen wie 2018. In den Regionen mit großem Boden-wasser- und Niederschlagsdefizit bestand jedoch keine Chance, Futterkonserven als Reserve anzulegen. Nach zwei trockenen Jahren ist es dringend notwendig, 2020 die Voraussetzungen für einen breiter aufgestellten Futterbau zu schaffen. Der mehrjähri-ge Ackerfutter- sowie der Zwischenfruchtanbau gewinnen immer mehr an Bedeutung. Leguminosen sind dafür besonders gut geeignet.

    Im Baum-Obst-Anbau konnten auf von Hagel verschonten Flächen durchschnittliche Erträge erzielt werden. Die Extremhagelereignisse am 10. und 11. Juni 2019 in den Anbaugebieten Borthen und Leisnig führten zu erheblichen Ernte- und Qualitätsverlus-ten bei Äpfeln. Einige exponierte Erdbeerflächen wurden durch Spätfrost in der ersten Mai-Dekade geschädigt. Bei Gemüse kam es verbreitet zu starken Ertragsausfällen, die zum größten Teil nicht durch Bewässerung abgefangen werden konnten. Die wie schon 2018 viel zu klein gebliebenen Zwiebeln ließen sich schlechter vermarkten.

    Stürme, Nassschnee und extreme Trockenheit haben seit 2017 einen Einbruch in Fichten- und Kiefern-Forsten eingeleitet. Es handele sich dabei um kein Einzelereignis mehr, sondern müsse als Prozess verstanden werden, so die Experten vom Staatsbetrieb Sachsenforst. Weitreichende Auswirkungen auf die sächsische Forstwirtschaft seien nicht auszuschließen. Betroffen sind insbesondere das Niveau und die Stetigkeit der regionalen Holzversorgung in Verbindung mit der Ertragssituation von Forstbetrieben.

    Großflächige Einbrüche von Ökosystemleistungen, die für die Funktionalität der sächsischen Kulturlandschaft von erheblicher Bedeutung sind, zählen ebenfalls dazu. Insgesamt ist diese Entwicklung ein Indikator für die Verletzlichkeit der sächsischen Kulturlandschaft im Klimawandel. Durch den systematischen Waldumbau in Sachsen wird diese Verletzlichkeit gepuffert.

    So wurde im Staatswald in den vergangenen 30 Jahren auf einer Fläche von mindestens 80.000 Hektar unter den gefährdeten Fichten und Kiefern eine zweite Waldschicht geschaffen. Das ist mehr als ein Drittel der Fläche des Staatswaldes und das Potenzial für einen »Zukunftswald« mit einer vielfältigen Baumartenzusammensetzung aus Weißtanne, Buche, Ahornarten, Eichenarten, Hain-buche, Lindenarten, Vogelkirsche und Douglasie. Diese Zukunft darf nicht dem Reh- und Rotwild geopfert werden.

    Die Fortsetzung der Reihe zu warmer Winter hat begünstigt, dass sich die Feinstaubkonzentrationen in der Außenluft verringert haben und die Grenzwerte im Tages- und Jahresmittel 2019 sicher eingehalten worden sind. Die beiden extrem zu warmen Jahre 2018 und 2019 führten jedoch wieder zu hohen Mittelwerten der Ozonkonzentration, die das hohe Niveau der Vorjahre noch übertraf.

    Der aktuelle Jahresrückblick „Wetter trifft Klima 2019“ ist ab sofort online.

    *) Die Abweichung der Temperatur im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961 – 1990 wird fachlich korrekt in Kelvin (K) angegeben. Der besseren Verständlichkeit wegen, haben wir die Angabe »Grad« gewählt.

    Jahresrückblick 2019 – Wetter trifft auf Klima | https://www.klima.sachsen.de/jahresruckblicke-wetter-trifft-klima-12409.html

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