Was macht Dieter II in der Leipziger Braustraße?

Für Dieter II wird's nächstes Jahr noch schöner in Leipzig Zentrum-Süd. Dieter II kennt jeder Leipziger: grau, Kopf wie ein Windlicht, Hut wie Sancho Pansa. In der Beethovenstraße steht er rum. Ab 2016 darf er auch in die Braustraße. Die wird nämlich saniert und braucht fünf Dieter II. Dieter II ist eine von den unzähligen Leipziger Leuchten-Typen, die in den letzten Jahren in modernem, strengem Design entwickelt wurden.
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Früher haben es drei Typen Schinkel-Leuchten getan. Heute bekommt jeder Straßentyp auch seinen eigenen Lampentyp. Und es ist wie in einem schwedischen Selbstbastel-Kaufhaus: Jeder Typ hat einen eigenen Namen. Der fünf Meter hohe Dieter II hat gleich noch 13 Dieter-Typen-Kumpel – von Dieter I bis Dieter VIII R U LED.

Dazu gibt es aus der Heiterblickstraße aus dem Hause „Leipziger Leuchten“ noch 51 weitere Lampentypen von Kora bis Lotta. Alle unter dem Motto „Lichtkonzepte seit 1889“. Was einen natürlich auch auf den Gedanken bringt, ob es aus gegebenem Anlass auch Lampen mit dem Namen Karl oder Wilhelm gibt. Das zwar nicht, aber zu Ehren berühmter zeitgenössischer Personen findet man einen Burkhard und einen Leo.

Aber in der Braustraße soll halt Dieter II sein Zuhause finden. Ganz knapp kündigte das die Stadt jüngst an: „Die Braustraße zwischen Dufour- und Karl-Liebknecht-Straße im Sanierungsgebiet ‚Innerer Süden‘ wird ausgebaut. Das beschloss die Stadtspitze auf Vorschlag von Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau. Das Vorhaben soll im Juli 2016 starten und in rund dreieinhalb Monaten abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten betragen rund 397.000 Euro. Finanziert wird die Maßnahme über die Verwendung von Einnahmen aus Ausgleichsbeträgen im Sanierungsgebiet. Straßenausbaubeiträge entfallen.

Fahrbahn und Gehwege der Dufourstraße befinden sich derzeit in einem schlechten Zustand. Im Zuge des Ausbaus, der zugleich eine städtebauliche Aufwertung des Straßenraumes bedeutet, werden auf der Nordseite der Braustraße 77 Parkstände und ein Behindertenparkplatz für das so genannte Senkrechtparken eingerichtet. Fahrbahn und Parkstände erhalten einen Asphaltbelag, für die Ober- und Unterstreifen der ansonsten mit Platten belegten Gehwege sowie die Grundstückszufahrten ist Granitkleinpflaster vorgesehen. Auch eine neue Straßenbeleuchtung wird installiert. Ebenso werden 25 Fahrradbügel aufgestellt und sieben Bäume gepflanzt. – Gebaut wird in zwei Bauabschnitten. Dazu ist jeweils Vollsperrung erforderlich. Der vorhandene Parkplatz bei ALDI kann auch während der Sperrung angefahren werden. Rechtzeitig vor Beginn der Bauarbeiten wird noch einmal ausführlich über das Vorhaben informiert.“

Was nicht drin stand in der Meldung: Die Zeit drängt. Denn auch das Sanierungsgebiet „Innerer Süden“ wird irgendwann in den nächsten Jahren aufgehoben. Damit die rumpelige Straße noch mit Ausgleichsbeträgen auf Vordermann gebracht werden kann, muss die Baumaßnahme vor Aufhebung des Sanierungsgebietes passieren.

Wenn man durch die Straße geht, hat man wirklich noch das Gefühl, der Bauzustand stammt aus dem Jahr 1858, als die Straße ihren Namen bekam. Damals war die Stadtgrenze übrigens nur 50 Meter entfernt. Das Brandvorwerk gehörte noch nicht zu Leipzig und an der Zeitzer Straße, die heute Karl-Liebknecht-Straße heißt, wurde noch Straßenzoll kassiert. Das Zollhaus ist die heutige Kneipe „Killywilly“.

Aber in der heutigen Stadtpolitik ist die Braustraße ja vor allem durch das Haus Nummer 15 berühmt. Dort lebte von 1867 bis 1881 Wilhelm Liebknecht mit seiner Familie, 1871 wurde hier Sohnemann Karl Liebknecht geboren. Deswegen heißt das Haus heute Liebknechthaus – aber nicht die SPD sitzt drin, sondern die Linke. Und die darf auch ihre Fahnenmaste behalten, denn auch im Bauplan für die aufgemöbelte Braustraße sind wieder „2 Fahnenmaste in Flucht der geplanten Baumachse“ vorgesehen.

Das Liebknecht-Haus - hinten rechts - darf seine beiden Fahnenmaste behalten. Foto: Ralf Julke

Das Liebknecht-Haus – hinten rechts – darf seine beiden Fahnenmaste behalten. Foto: Ralf Julke

Baumachse klingt nach ganz vielen Bäumen. Aber da hält sich die Stadt lieber zurück. „Im Baubereich werden insgesamt 7 Bäume neu gepflanzt. Dabei werden 2 Baumarten gepflanzt. 5 Säuleneichen ( Quercus robur ‚Fastigiata Koster‘) werden an den mittleren Standorten eingesetzt und 2 Hopfenbuchen (Ostrya carpinifolia) kommen am Anfang und Ende des Bauabschnittes in die vorbereiteten Baumscheiben.“

Aber natürlich macht einen das Aufstellen von Dieter II skeptisch. Dass die beiden Hopfenbuchen auf den alten Straßennamen Bezug nehmen, leuchtet ein. Immerhin wurde die Straße damals nach der angrenzenden Vereins-Bierbrauerei benannt. Das ist das heutige Gelände der „Feinkost“. Aber was will man den Linken in der Braustraße mit den Eichen vor der Nase erzählen? Ist das Bedacht? Auch extra noch die Säuleneiche, die sogar nach Wikipedia etwas stramm Militärisches hat: „Die Seitentriebe wachsen hierbei, ähnlich einer Säulenpappel, straff aufrecht.“

Manche Planungen der Stadt sind ein Rätsel. Weniger rätselhaft ist die Absicht, 77 Stellplätze in der Straße unterzubringen.

„Die geplante Fahrbahnbreite der Braustraße beträgt insgesamt 7,00 m. Auf der Südseite werden 2,00 m breite Längsparkstände markiert. Somit verbleibt eine 5,00 m breite Fahrgasse. Auf der Nordseite der Braustraße werden Parkstände in Senkrechtaufstellung errichtet. Die Länge der Parkstände beträgt 4,30 m zuzüglich eines 0,70 m breiten Überhangstreifens. Nach dem Ausbau der Braustraße stehen insgesamt 77 Stellplätze und 1 Behindertenstellplatz zur Verfügung. Die Gehwegbreiten betragen auf der Südseite 2,25 m (bei Gebäuderücksprüngen bis 2,34 m) und auf der Nordseite 2,66 m bis 2,79 m.“

Ausgelegt werden die Gehwege übrigens nicht mit den alten Granitplatten, die jetzt dort herumliegen, sondern mit „Betonplatten (80 x 60 cm) mit Natursteinvorsatz (Cityflair-Platten ‚Typ Leipzig‘)“. Da denkt man, in deutschen Städten ist alles genormt, da stellt sich heraus, dass es nicht nur ein ganz spezielles Leipziger Leuchten-Programm gibt, es gibt sogar ein ganz eigenes Leipzig Gehweg-Platten-Programm mit Cityflair. „Die Platten werden 2-reihig mit Mittelfuge verlegt. Ober- und Unterstreifen werden mit Mosaikpflaster (Altmaterial) befestigt. Im südlichen Gehweg werden die Betonplatten direkt hinter dem Granitbord verlegt (ohne Unterstreifen). Die Grundstückszufahrten werden in Natursteinpflaster (Granit) in Verlängerung des Granitplattenbandes und mit Quarzporphyr (Rhyolith) die Ober- und Unterstreifen ausgebildet.“

Also: fünf Dieter II auf Cityflair.

Gebaut werden soll übrigens ab Juli 2016: „Die Baumaßnahme wird in 2 Bauabschnitten jeweils unter Vollsperrung realisiert. Die Bauabschnitte wurden so gewählt, dass die Andienung / das Anfahren des vorhanden Parkplatzes (ALDI)  jederzeit gewährleistet wird. Die Gesamtbauzeit wird mit 3,5 Monaten geplant und die Ausführung ist ab Juli 2016 vorgesehen.“ Wenn nichts dazwischen kommt. Denn auch hier gilt: „Eine Kampfmittelbelastung kann nicht ausgeschlossen werden.“

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