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Grüne wünschen sich eine Verlängerung der Linie 14 in die Spinnereistraße

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    Nicht nur die "Grundsatzentscheidung" zum neuen Standort des Naturkundemuseums steht am 20. Januar auf der Tagesordnung des Stadtrates. Denn die Verwaltung ist schon viel weiter beim Nägel-mit-Köpfen-machen, denn ein Theaterhaus will sie aus der Halle 7 der Baumwollspinnerei unbedingt machen. Das will sie am 20. Januar nicht nur beschließen lassen, sondern auch gleich mal Geld dafür freischlagen.

    11,7 Millionen Euro soll allein die Herrichtung der alten Fabrikhalle zur Unterbringung des Lofft und des Leipziger Tanztheaters (LTT) kosten. Und weil das Projekt noch gar nicht in der Maßnahmenliste zum Sanierungsgebiet Leipzig West verankert ist (das soll ebenfalls erst mit dem Beschluss geschehen), ist auch noch nicht klar, ob und wann es dafür Gelder gibt. Da die Stadt aber gleich losplanen möchte, will sie das Geld schon einmal vorschießen: 4,2 Millionen Euro noch 2016, 5,7 Millionen im Jahr 2017. Da das Geld aber im Haushalt nicht eingeplant ist, soll es vorfinanziert werden.

    In dieser Vorlage wird das Thema fehlende ÖPNV-Anbindung überhaupt nicht angesprochen.

    Aber was für ein Museum gilt, gilt auch für kleine Theater: Ohne Publikum läuft nichts. Aber wie kommt das Publikum da hin? Beim Lofft ist man reineweg aufgekratzt, dass man bald in die Spinnerei ziehen könnte. Darüber, wie das Publikum da hinkommt, dazu macht sich zumindest das LOFFT (wer auch immer den Text verfasste) im aktuellen Programmheft und in einer Pressemitteilung keine Gedanken: „2016 wird vor allem das Jahr der Entscheidung. Gibt es einen neuen Standort für das LOFFT oder nicht? Der Stadtrat entscheidet über das Vorhaben Halle 7 auf der Leipziger Baumwollspinnerei. Wir finden, unser zeitgenössisches und internationales Programm passt wunderbar an diesen Kunstort, den nicht nur die Leipziger lieben. Und wir freuen uns auf die direkte Nachbarschaft mit dem Leipziger Tanztheater LTT.“

    Aber die Grünen machen sich Gedanken. Und sie wollen die fehlende ÖPNV-Verbindung unbedingt in diesem Antrag mit unterbringen. Denn wenn die beiden freien Theater da draußen einfach absaufen, weil das Publikum nicht hinkommt, war auch die ganze Freude-Freude-Idee für die Katz.

    Und so beantragen die Grünen: „Bis zur Eröffnung wird eine direkte ÖPNV-Anbindung, idealerweise per Bahn, vorläufig per Bus, der Halle 7 eingerichtet. Die Verlängerung der Linie 14 über Spinnereistraße und Saarländer Straße bis zur Lützner Straße wird hinsichtlich Potenzial, Realisierungsmöglichkeit (Eisenbahnunterführung) und Kosten geprüft. Bei erfolgreicher Prüfung bemüht sich die Verwaltung um Fördermittel zur Realisierung.“

    Das Problem an dieser Führung der Linie 14 ist: es fehlt ein halber Meter.

    Um die Straßenbahn in der Karl-Heine-Straße/Ecke Saalfelder Straße unter der Eisenbahnbrücke durchführen zu können, hätte die Brücke beim Bau der neuen Anlagen und der Bahnstation fürs neue S-Bahn-Netz um einen halben Meter angehoben werden müssen. Ein Vorhaben übrigens, zu dem die Bahn durchaus bereit war – sie wollte aber einen kleinen siebenstelligen Investitionszuschuss der Stadt dafür. Darüber wurde 2009 recht intensiv diskutiert.

    Aber wie das so ist, wenn wirklich in die Zukunft geplant werden soll: Leipzigs Verwaltung zögerte und verweigerte dann die Hürde. Es fehlen dort schlicht die Leute, die sich vorstellen können, was eine zusätzliche Straßenbahnführung durch die Spinnereistraße – möglicherweise über die Saarländer Straße bis zur Lützner Straße, hier bedeuten könnte – und wie schnell sich die einmalige Geldinvestition rentiert hätte.

    Die Verlängerung der Linie 14 war auch schon vor Ausbau des Mitteldeutschen S-Bahn-Netzes in der Diskussion.

    Jetzt wird so langsam deutlich, welche Chancen die Stadt damit vergeben hat, die Brückenanhebung nicht zu unterstützen.

    Im Grünen-Antrag heißt es jetzt: „Eine direkte ÖPNV-Anbindung ist Voraussetzung für das Funktionieren der Halle 7 als Kulturstandort. Eigentlich wäre bereits heute eine bessere Anbindung der Baumwollspinnerei wünschenswert, die Entwicklung der Halle 7 macht diese unumgänglich.“

    Die Bahnbrücke von der Saalfelder Straße aus gesehen mit der Liebfrauenkirche im Hintergrund. Foto: Ralf Julke
    Die Bahnbrücke von der Saalfelder Straße aus gesehen mit der Liebfrauenkirche im Hintergrund. Foto: Ralf Julke. Foto: Ralf Julke

    Und sie zeigen, dass sie – ausgehend von so einem kleinen Projekt – auch manchmal fähig sind, die Dinge in den Zusammenhängen zu sehen, zu denen zumindest das Leipziger Kulturdezernat schon lange nicht mehr fähig ist: „Weiterhin bietet die Entwicklung des Standortes Halle 7 die Möglichkeit zur Weiterentwicklung des Schienennetzes in Leipzig und zur Stärkung der Attraktivität der Linie 14. Mit der Verlängerung der Linie 14 würde sowohl die Baumwollspinnerei (inkl. Halle 7) besser angeschlossen als auch der Lindenauer Hafen als neues Quartier noch besser an das Schienennetz angebunden. Durch die neue Wegebeziehung würde die Linie 14  ihren Stellenwert als ‚Kulturbahn‘ erhöhen und neue Fahrgastpotentiale erschließen.“

    Aber wie gesagt: Die Diskussion erfolgte seinerzeit, als es überhaupt darum ging, die Einstellung der Linie 14 zu verhindern, die heute bei ihren viertelstündlichen Fahrten zum Bahnhof Plagwitz rappelvoll ist und spätestens dann, wenn die Stadt und die Stadtbau AG sich endlich über das Jahrtausendfeld geeinigt haben, auch noch hunderte Schüler transportieren muss. Je mehr sich das Wohn- und Lernumfeld im Westen verdichtet, umso wichtiger wird diese Straßenbahnlinie. Und umso mehr wird auffallen, dass man beim Übergang zur Saalfelder Straße millionenwerte Entwicklungschancen versiebt hat. Nicht unbedingt nur, weil die städtischen Planer nicht fähig sind, solche Entwicklungen vorauszudenken, sondern auch, weil es an der Fähigkeit zur komplexen Stadtfeld-Entwicklung fehlt. Die Einzelteile passen nicht zueinander. Und wenn man Entscheidungen trifft, werden auch die Chancen für parallele Entwicklungen nicht mitbedacht, ausgeblendet und am Ende verbaut.

    Genau das ist bei der Linie 14 passiert.

    Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Beitrages war das Zitat des LOFFT nicht der Quelle „Programmheft“ und „Pressemitteilung“ zugeordnet.

    Die Beschlussvorlage zu Lofft und LTT.

    Der Änderungsantrag der Grünen.

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      4 KOMMENTARE

      1. Wenn die Brücke zu niedrig ist, einfach mal Straße ein Stück tiefer legen. Gebuddelt werden muss da ja sowieso, wenn Gleise hin sollen…

      2. Ah ja, die Grünen wachen auf, nachdem sie vehement zur Zerstörung bei der Linie 9 beigetragen haben.

        >Das Problem an dieser Führung der Linie 14 ist: es fehlt ein halber Meter. (und folgende Absätze)

        Da muss ich als NV-Fuzzy breit grinsen. Das Problem mit der Durchfahrtshöhe wurde lange vor 2009 im NV-Forum (von einem einschlägig bekannten Bürger) bemerkt und diskutiert. War sonnenklar, dass die LVB das Problem verschlafen, ignoriert und erst recht nicht der Stadtverwaltung geschildert haben – sie wollten ja die Linie 14 sogar stilllegen.

        Gegenüber einer total verpeilten Stadtpolitik ist jeder kritische Artikel weltbewegend. Wenn es so weitergeht, wird Leipzig doch noch ein Stuttgart des Ostens, sauber, autoaffin und langweilig. Fehlt dann nur noch ein L21.

      3. Die Überheblichkeit eurer Artikel ist weltbewegend.
        Wie gut, dass ihr alles besser wisst! Wie sollte es sonst mit dieser Stadt weitergehen?

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