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Schulmuseum und Museum in der Runden Ecke brauchen jetzt einen Runden Tisch Kinosaal

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    Der Streit um den ehemaligen Stasi-Kinosaal geht weiter. Oder auch nicht. Zumindest hört das Gezerre nicht auf um die Nutzung des Saales, in den sich das Museum in der Runden Ecke und das Schulmuseum eigentlich brüderlich und schwesterlich teilen wollten. Ein Streit, der eigentlich im fairen Dialog hätte gelöst werden können. Doch dann mischten sich auch Stadtratsfraktionen ein. Nun meldet sich auch der Wissenschaftliche Beirat des Schulmuseums zu Wort.

    Ins Rollen kam der Streit, nachdem das Schulmuseum und die Stadt Anfang 2016 signalisierten, dass man nun tatsächlich die schon 2003 vereinbarte Zeit im alten Stasi-Kinosaal für Veranstaltungen und Ausstellungen nutzen möchte. Bislang hatte das Schulmuseum davon keinen Gebrauch gemacht – das Bürgerkomitee als Betreiber des Museums in der Runden Ecke hatte also volles Programm geplant und sich den Saal auch langfristig für Veranstaltungen organisiert.

    Also wurde die Stadt eingeschaltet, der Oberbürgermeister betonte, dass man die Hälfte-Hälfte-Vereinbarung auch städtischerseite gern umgesetzt sehen möchte.

    Warum der Streit dann ab Sommer eskalierte, wird am Ende wohl niemand sagen können. Einige Berechtigung hat ja der Wunsch des Bürgerkomitees, die 2009 konzipierte Ausstellung zur Friedlichen Revolution wenigstens bis Oktober zeigen zu wollen. Am 9. Oktober feiert Leipzig ja auch wieder den Tag der Friedlichen Revolution.

    „Der Wissenschaftliche Beirat wendet sich entschieden gegen die Vereinnahmung des städtischen Gebäudes Goerdelerring 20 als Teil des Museums in der ‚Runden Ecke‘“, schreibt nun der Wissenschaftliche Beirat des Schulmuseums in seiner öffentlichen Stellungnahme. Unterzeichnet haben die Beiratsmitglieder Prof. Dr. Ulrich Brieler, Prof. Dr. Thomas Hofsäss, Prof. Dr. Alfons Kenkmann, Dr. Volker Rodekamp und Prof. em. Dr. Dr. h.c. Dieter Schulz. „Das Gebäude wird seit 1999 durch das Schulmuseum genutzt, seit 2000 sind Verwaltungsflächen in der ersten Etage durch die Stadt an das Bürgerkomitee Leipzig e. V. vermietet. Die mietfreie, gleichberechtigte paritätische Nutzung des ehemaligen Kinosaals regelt eine 2003 geschlossene Nutzungsvereinbarung, die auch weiterhin Grundlage der Zusammenarbeit vor Ort ist. Wir fordern die politisch Verantwortlichen im Stadtrat und die Verwaltung auf, daran keinen Zweifel zuzulassen und die Weiterentwicklung des Schulmuseums weiter nachhaltig zu unterstützen.“

    Wobei sie das eigentliche Dilemma damit schon benennen: Der Kinosaal liegt im vom Schulmuseum genutzten Gebäude am Goerdelerring, das einst von der Hauptverwaltung der Leipziger Stasi mit in den ganzen Stasi-Komplex integriert wurde. In diesem Saal feierten die Geheimdienstler ihre Feste. Er bietet sich also geradezu an, hier auch Vorträge und Filme zur Stasi-Geschichte präsent zu machen. Die einvernehmliche gemeinsame Nutzung macht also Sinn.

    Aber man hat seit Februar nicht wirklich zu einer gemeinsamen Gesprächsbasis gefunden, in der die Konturen der künftigen Nutzung vereinbart worden wären. Stattdessen hat man jede Menge Politik mit ins Boot geholt.

    Parallel stehen auch die neuen Konzeptionen für das Museum in der Runden Ecke aus. Denn zumindest der Wissenschaftliche Beirat des Schulmuseums kann sich vorstellen, dass der Gebäudekomplex künftig Demokratie besser erlebbar macht. „Wir unterstützen daher die Entwicklung des gesamten Areals zwischen Dittrichring, Großer Fleischergasse und Goerdelerring zu einem lebendigen, gegenwartsbezogenen Ort der demokratischen Bildung, zu der das Schulmuseum einen integralen Beitrag leisten wird.“

    Am Mittwoch, 24. August, war der Kinosaal Thema im Stadtrat. Die SPD-Fraktion war vorgeprescht, um per Stadtratsbeschluss die Ausstellung „Was glaubst du denn?! Muslime in Deutschland“ im Oktober im Kinosaal unterzubringen.

    Die Abstimmung wurde vertagt, weil ein Änderungsantrag der anderen Faktionen dafür plädierte, einen anderen Standort für die Ausstellung zu suchen.

    „Durch den Änderungsantrag wurde deutlich, dass es im Stadtrat offenbar keine sichere Mehrheit für den Antrag zum Abbruch der Ausstellung zur Friedlichen Revolution gibt“, kommentiert das Bürgerkomitee den Vorgang.  Daher habe die SPD-Fraktion diesen Antrag kurzfristig von der Tagesordnung der Stadtratssitzung genommen und vertagt. „Das Bürgerkomitee erwartet nun, dass die Stadtverwaltung dem demokratischen Willensbildungsbildungsprozess im Stadtrat nicht vorgreift. Es dürfen jetzt keine kurzfristigen Fakten geschaffen werden, ehe nicht die grundsätzlichen Konzepte erarbeitet wurden.“

    Und auch die Aussage Burkhard Jungs in der Stadtratssitzung kritisiert das Bürgerkomitee, es gebe keinerlei aktuelle Zusage des Bürgerkomitee Leipzig e.V., die Ausstellung zur Friedlichen Revolution in Leipzig im Stasi-Kinosaal zum 31. August 2016 abzubrechen.

    Aber eines ist ziemlich deutlich, nachdem das Problem bis in den Stadtrat geflutet ist: Die Lösungen können die beiden Museen nur gemeinsam finden. Vorschlagsweise – man hat ja was gelernt aus der Geschichte – an einem Runden Tisch. Und: Ohne Gewalt.

    Erklärung des Wissenschaftlichen Beirats des Schulmuseums.

     

    Wortmeldung des Bürgerkomitees Leipzig zum Stand der Dinge.

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