Ketten-Baustellen in der Prager Straße und in Leutzsch und Böhlitz-Ehrenberg

So viel Geld haben die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) seit dem Olympia-Sofortprogramm 2006 nicht mehr ausgeben können für ihre Bauvorhaben im Gleisnetz: 25 Millionen Euro im Jahr 2017. Das metert nicht nur, wie LVB-Geschäftsfüher Ronald Juhrs so gern sagt. Das sorgt für rauchende Köpfe. 16 große und mittlere Baustellen werden die Leipziger in diesem Jahr in Atem halten. Oder zur Verzweiflung bringen.

Die erste große ist längst im Gang: Seit dem 1. März wird in der Prager Straße an der Haltestelle Gerichtsweg gearbeitet. Es ist der oberirdische Beginn einer Baustelle, der vor allem die Straßenbahnnutzer hier bis zum Oktober in Atem halten wird. Nicht nur wegen der 1,6 Millionen Euro, die für die Gleisumbauten zwischen Johannisplatz und Gerichtsweg umgesetzt werden.

Das zwingt zu mehrfachen Sperrzeiten für die Straßenbahn. Die Linie 15 fährt weiträumig Umleitung über die Dresdner und die Riebeckstraße. Seit dem 1. März fährt ein Ersatzbus in der Prager Straße. Was noch bis zum 12. März so sein wird, dann fährt kurzzeitig wieder die Straßenbahn durch die Prager – bis zum Beginn der ganz großen Gleiserneuerung im Juni: Vom 24. Juni bis zum 6. August ist hier ganz und gar Baustelle, fährt auf der Strecke keine Straßenbahn mehr.

Bauen im Windschatten

Was die LVB, so Dirk Sikora, Bereichsleiter Infrastruktur der Leipziger Verkehrsbetriebe, dazu nutzen werden, im Schatten dieser Gleissperrung gleich noch vier weitere Gleisstücke auf der Prager Straße zu erneuern bzw. zu reparieren. Das hat den Vorteil: Man muss später nicht extra neue Sperrungen ansetzen, sondern nutzt die Gelegenheit, wenn sowieso keine Straßenbahn über den Gleisabschnitt fährt, hier gleich mal ein ganzes Paket dringender Reparaturen durchzuführen. Das betrifft die Gleisüberfahrt an der Kregelstraße, die Kompletterneuerung der Überfahrt Riebeckstraße/Technisches Rathaus, die Gleisüberfahrt An der Tabaksmühle und eine Instandhaltung an der Mühlstraße. Vier Abschnitte, die auch noch etliche Meter neue Gleise beinhalten.

Denn, so Sikora: Man sieht sich als LVB auch in der Pflicht, den ÖPNV flüssig zu halten. Stichwort: wachsende Stadt. Wenn der ÖPNV nicht rollt, fehlt dem Stadtwachstum eine wesentliche Grundlage.

LVB-Baustellen 2017 mit den Baustellen in der Prager Straße (Nr. 1) und der Georg-Schwarz-Straße (Nr. 3). Karte: LVB

LVB-Baustellen 2017 mit den Baustellen in der Prager Straße (Nr. 1) und der Georg-Schwarz-Straße (Nr. 3). Karte: LVB

Schon 2016 hatten die LVB das Thema flüssiges Fahren auf ihre Agenda geschrieben und ganze Kilometer Langsamfahrstrecken abgearbeitet. „Insgesamt haben wir die Länge der Langsamfahrstrecken von 11.000 Meter auf 7.000 gesenkt“, sagt Sikora. Das sei ein guter Wert – auch im Vergleich mit anderen Verkehrsunternehmen: Bei 6.000 bis 7.000 Meter will man sich künftig einpegeln. Denn wenn wieder ein paar hundert Meter Langsamfahrstrecken abgearbeitet sind, werden in der Regel an anderen Stellen im Netz neue Verschleißerscheinungen sichtbar und neue Langsamfahrstrecken werden nötig. „Wir sind ja fortwährend dabei, Reparaturen im Gleisnetz durchzuführen. Das gehört zur Natur der Sache“, sagt Sikora.

Deswegen sei es geradezu zwingend, die Großbaustellen zu nutzen, um in ihrem Windschatten so viele Reparaturen wie möglich  durchzuführen.

Schattenbaustellen auch in Böhlitz-Ehrenberg

Ein Beispiel dafür ist in den Jahren 2017 und 2018 auch der Umbau der Georg-Schwarz-Straße zwischen Hans-Driesch-Straße und Philipp-Reis-Straße, ein Bauprojekt, das die LVB zusammen mit der Stadt angehen. Diese Riesenbaustelle nimmt sowieso die Zeit von April 2017 bis Dezember 2018 in Anspruch. Die erste große Sperrung für die Straßenbahn gibt es vom 10. Juni bis zum 6. August. Fast zwei Monate, die die LVB dazu nutzen können, auch noch ganze Gleisstücke Richtung Böhlitz-Ehrenberg zu erneuern. Dazu zählt eine Instandhaltung an der Haltestelle Ludwig-Jahn-Straße, eine Sanierung in Höhe Untere Mühlenstraße und ein grundhafter Ausbau zwischen Auen- und Südstraße. Und dazu kam dann noch eine Flickstelle, die eigentlich nicht geplant war: Auf der Georg-Schwarz-Brücke gab es vor kurzem einen Gleisbruch. Hier muss also auch ein Gleisstück erneuert werden, so dass die LVB in der Georg-Schwarz-Straße und auf dem Westast der Linie 7 allein 1,2 Kilometer Gleise erneuern.

Das mit der Georg-Schwarz-Brücke ist Pech. Eigentlich stand die Erneuerung der Brücke längst im Erneuerungsprogramm der Stadt Leipzig. Aber ihr geht es wie so vielen Straßen- und Brückenerneuerungen: Der Baubeginn verschiebt sich immer weiter in die Zukunft. Sikora geht davon aus, dass diese Brückenerneuerung vor 2020 nicht angepackt wird. Also muss man flicken.

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