Eine vierspurige Raserstrecke kann nicht die Lösung sein

Aktion am 15. März: Die Innere Jahnallee braucht sofort eine Radverkehrsanlage für mehr Sicherheit

Für alle LeserAm 15. März soll es endlich so weit sein, dann soll das 13-jährige Experiment, hier zwei Fahrspuren auf einer Bundesstraße einfach mal zu Parkspuren zu machen, enden. Dann wird die Innere Jahnallee wieder vierspurig. Ein Kompromiss, denn die von Volker Holzendorf gestartete Petition nach all den tragischen Unfällen mit Radfahrern forderte hier Radfahrstreifen auf beiden Seiten. Und die Forderung wird auch weiter von Ökolöwe, ADFC und BUND unterstützt.

„Durch meine Petition, sicheren Radverkehr in der Inneren Jahnallee in Leipzig ermöglichen, wurde endlich der Unfallschwerpunkt Jahnallee seitens der Straßenverkehrsbehörde anerkannt“, berichtet Volker Holzendorf. „Allerdings bin ich über die für den 15. März angekündigten Maßnahmen entsetzt: Wieder mal wird der Radverkehr komplett vergessen.“

Zumindest tut sich die zuständige Straßenverkehrsbehörde schwer, hier das Sinnvolle und Naheliegende einfach umzusetzen. Es wirkt wie ein Spiel auf Zeit, in dem man auch den ewigen Verfechtern dauerhafter Stellplätze immer wieder Raum geben will, ihre Forderungen öffentlich zu machen und eine verkehrsrechtlich unhaltbare Situation einzufordern.

Dabei ist die Anlage durchgehender Radwege auf der Jahnallee überfällig.

„Wir begrüßen zwar, dass die Stadtverwaltung auf der Inneren Jahnallee endlich Tempo 30 umsetzt“, ergänzt Tino Supplies vom Ökolöwen, „mit der Aufweitung auf vier Autospuren mitten im Wohngebiet macht die Verwaltung aber gleichzeitig alles wieder zunichte, was sie eigentlich erreichen will. Die Straßenbahn wird nun riskant überholt, die Schüler der Lessingschule, Radfahrer und Fußgänger werden gefährdet. Die Stadt bleibt aufgefordert, unverzüglich sinnvolle Varianten für eine sichere und attraktive Jahnallee vor Ort zu testen, bevor noch mehr schlimme Unfälle passieren.“

Und nicht nur in der Inneren Jahnallee bleibt es gefährlich. Gerade der Ranstädter Steinweg ist bekannt dafür, dass Besitzer PS-starker Autos hier Gas geben und mitten in der eigentlich schlecht einsehbaren Ausbuchtung der Straßenbahnhaltestelle rasen, als kämen danach mehrere Kilometer Autobahn – und nicht höchst brisante Überwege zur Haltestelle. Der tödliche Unfall vom 13. Februar, bei dem ein junger Mann beim Versuch, zur Haltestelle zu gelangen, überfahren wurde, hat genau mit dieser Raserei zu tun.

Und dass es in der Inneren Jahnallee oft so gefährlich wurde, hat auch damit zu tun, dass der Radverkehr in Leipzig permanent wächst, die Stadtverwaltung aber regelrecht abgetaucht ist beim Bau eines sicheren Radwegenetzes.

Unfallkarte des Statisischen Bundesamtes über Fahrradunfälle in der Jahnallee 2017. Screenshot:L-IZ

Unfallkarte des Statisischen Bundesamtes über Fahrradunfälle in der Jahnallee 2017. Screenshot:L-IZ

„Kinder ab 10 Jahren sind vollwertige Verkehrsteilnehmer und müssen die Fahrbahn oder Radwege benutzen. Wir wollen, dass in Leipzig Kinder und alle anderen gern Rad fahren und sich sicher fühlen. Ohne eine sichere Radinfrastruktur in der Jahnallee wird dieses Ziel nicht erreicht. Es wird Zeit, diesen Zustand für den Weg zu Schulen und Kindergärten im Waldstraßenviertel zu ändern!“, betont Robert Strehler, Vorsitzender des ADFC Leipzig.

Und dass es in der Jahnallee auch um hohe Schadstoffbelastungen geht, betont Martin Hilbrecht, Vorsitzender des BUND Leipzig: „Die Mobilität der Zukunft muss emissionsfrei werden. Deswegen ist es völlig unverständlich, dass hier in der Jahnallee die Fehler der 1990er Jahre wiederholt werden und dem Autoverkehr mehr Raum zur Verfügung gestellt wird, statt endlich sichere Radverkehrsanlagen zu schaffen.“

Der 15. März wird also auch wieder ein symbolischer Tag beim zähen Ringen um eine sinnvolle Radverkehrslösung in der Jahnallee. Volker Holzendorf will an diesem Freitag, 15. März, ab 11:30 Uhr zusammen mit dem Ökolöwen, ADFC und BUND symbolisch den Radweg in der Inneren Jahnallee an der Kreuzung Leibnizstraße stadteinwärts ausrollen und damit der Stadtverwaltung und insbesondere der Straßenverkehrsbehörde zeigen, wie der Verkehr der Zukunft aussehen wird.

An der Kreuzung Jahnallee/Leibnizstraße stadtauswärts wird um 11:30 Uhr ein kurzes Stück Radweg ausgerollt sein, um zu symbolisieren, wie der Straßenraum in der Jahnallee unter Berücksichtigung des Radverkehrs aussehen müsste.

Halteverbot und Vierspurigkeit an der Inneren Jahnallee: Offensichtlich verschoben auf 12. März 2019

JahnalleeVerkehrssicherheit
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