19.5 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Neue Sorgen über alte Deponie in Möckern: Bürgeranfrage zu Umweltgefahren morgen im Stadtrat

Mehr zum Thema

Mehr

    Die Deponie in Möckern wirft ihren Müll wieder aus – und neue sorgenvolle Fragen auf. Über den zweifelhaften Zustand dieser für mehr als vier Millionen Euro sanierten Altlast berichteten wir bereits im vergangenen Jahr. Am morgigen Mittwoch wird sich jetzt der Stadtrat, ausgelöst durch eine Bürgeranfrage, mit der auch als Nahleberg bekannten Erhebung befassen.

    „Ist der Stadtverwaltung bewusst, dass es sich hier um eine Umweltschädigung enormen Ausmaßes handelt?“ Gestellt hat diese pikante Frage Bernhard Würfel aus Leutzsch. Für ihn und seine Ehefrau Constanze ist der Nahleberg seit vielen Jahren ein beliebtes Ausflugsziel, wie sie der L-IZ erzählen. Eine Sache stößt dem Ehepaar aber zunehmend negativ auf: „Bei Spaziergängen auf den Nahleberg tritt der dort verbrachte Müll im unteren Bereich der Anhöhe offen zutage.“ So beginnen sie auch ihre Bürgeranfrage, die sie gemeinsam verfasst haben. Sie fragen nach „Studien zur Beeinträchtigung der Umwelt“ und wollen wissen, wann mit der „Beseitigung der Müllhalde“ zu rechnen sei.

    Müll auf einer Müllhalde ist nun wahrlich nichts Ungewöhnliches. Doch diese Deponie wurde Mitte der 2000er Jahre saniert und in Teilen für die Öffentlichkeit als Aussichtsplattform und für sportliche Aktivitäten zugänglich gemacht. An der Oberfläche lagernder Müll war abgetragen, die Böschung profiliert, mit Spundwänden verstärkt, das Plateau mit einer Schicht aus Abdeckmaterial überzogen und mit Sträuchern begrünt worden. Alles, um den Müllberg zu sichern und Eintrag von Schadstoffen ins Grundwasser zu reduzieren. So geht es aus dem Sanierungsbescheid vom 19. September 2003 hervor, der uns mittlerweile vorliegt.

    Gekostet hat das Ganze 4,3 Millionen Euro. Das Grundwasser wird trotzdem geschädigt und der Müll kommt auch wieder hervor. „Wenn wir den Berg hochgehen, kommen wir an Spray-Dosen aus DDR-Zeiten vorbei“, erzählen die Würfels.

    Nahleberg in Leipzig-Möckern: Zwischen Bäumen und Sträucher quillt Müll aus dem Boden. Foto: Michael Billig
    Nahleberg in Leipzig-Möckern: Zwischen Bäumen und Sträuchern quillt Müll aus dem Boden. Foto: Michael Billig

    Die Eheleute aus Leutzsch sind bei weitem nicht die einzigen, denen die begrünte Deponie Sorgen bereitet. Über Twitter meldete sich im vergangenen Oktober ein Nutzer mit einem Foto, das allerlei Unrat zwischen Laub und Gestrüpp zeigte. „Die alte Deponie in Möckern gibt ihren Müll wieder her“, twitterte er und fragte: „Soll das so?“ Der Tweet war an die Stadt Leipzig, ans uns, aber auch an lokale Umweltverbände und andere Medien gerichtet.

    Wir haben angefangen zu recherchieren und mehrfach über unsere Rechercheergebnisse berichtet. Mittlerweile konnten wir bei der Stadtreinigung Leipzig als Eigentümerin der Deponie und bei der Landesdirektion Sachsen als zuständige Behörde wichtige Akten einsehen. Bei dieser Einsichtnahme stellten wir fest, dass es schon im Jahr 2013 einen Hinweis aus der Bevölkerung auf den löchrigen Zustand der Deponie gab. Damals war Sickerwasser ausgelaufen. Eine mit giftigen Schadstoffen belastete Brühe verteilte sich über die Nahle-Böschung und mündete in das angrenzende Fließgewässer.

    Das städtische Umweltamt, das im April 2013 zur Kontrolle ausgerückt war, erspähte auf den betroffenen Flächen „hellbraunen Schaum“ und „eine schwimmende, in Regenbogenfarben schillernde Schicht“. Damit war klar: Bei der Sicherung der Deponie muss nachgebessert werden. Wurde auch. Zwei Jahre später.

    Fraglich ist, ob die Deponie heute sicher genug ist. Selbst der Deponie-Experte Said Al-Akel von der Leipziger HTWK wunderte sich, als wir uns mit ihm Anfang November zu einem gemeinsamen Rundgang über die sanierte Kippe trafen. „Nach heutigem Standard dürfte das eigentlich nicht so sein“, kommentierte er deren Zustand. Neben jeder Menge Hausmüll entdeckte der HTWK-Professor auch zwei verschlossene Glasflaschen, die mit schwarzen, undefinierbaren Flüssigkeiten befüllt waren.

    Das Ehepaar Würfel berichtet uns, dass sich immer mehr Menschen in ihrem Umfeld immer häufiger fragten, was es mit dem Müll auf dem Nahleberg auf sich hat. „Früher ist der Müll nicht so deutlich aufgefallen. Viele wollen wissen, was da nun los ist“, sagt Bernhard Würfel. Das habe ihn und seine Ehefrau bewogen, die Bürgeranfrage zu stellen.

    Wie gewohnt berichtet die L-IZ.de am 17. April 2019 wieder live inklusive Livestream aus dem Leipziger Stadtrat.

    Experte der HTWK wundert sich über sanierte Deponie Leipzig-Möckern: „Das dürfte nicht so sein“ + Video

    Topthemen

    - Werbung -

    Aktuell auf LZ