Unfallschwerpunkt Cottaweg

Schon seit zwei Jahren grübelt Leipzigs Verkehrsbehörde über die Entschärfung der brandgefährlichen Stelle

Für alle LeserSie sieht so harmlos aus, die Querung für Radfahrer an der Einmündung in den Cottaweg. Erst wenn man den Unfallatlas des Statistischen Bundesamtes aufruft, sieht man, wie sich auf diesem kleinen Stück die Punkte stapeln, die einen Unfall mit Radfahrerbeteiligung zeigen. Die Karte von 2016 ähnelt der für 2017 aufs Haar. Weshalb sich 2017 auch die Leipziger Unfallkommission schon einmal mit dieser Gefahrenstelle beschäftigte.

Meist ging es hier mit leichtverletzten Radfahrern ab, doch sowohl 2016 als auch 2017 gab es auch jeweils einen Fall mit einem Schwerverletzten. Also war die Stelle 2018 wieder Thema in der Unfallkommission, denn sie ist genauso brisant wie die nun seit Monaten in der Diskussion befindliche Innere Jahnallee. Was nicht nur daran liegt, dass an dieser Stelle die Radfahrer in beide Richtungen fahren dürfen, sondern auch daran, dass die gesamte Jahnallee eine der wichtigsten Ost-West-Routen im Leipziger Radverkehr ist. Und genau das wurde von Leipzigs Straßenverkehrsbehörde seit 13 Jahren sträflichst missachtet. Hier hätte schon längst etwas geändert werden müssen.

Während Ranstädter Steinweg und Innere Jahnallee unter völlig mangelhaften bzw. sogar fehlenden Radverkehrsanlagen leiden und das beim Umbau 2006 sogar auch noch zum Dauerzustand gemacht wurde (mit entsprechenden Folgen für Radfahrer und Fußgänger), geht es am Cottaweg um eine insgesamt für den Radverkehr völlig ungelöste Situation. Man sieht der Einmündung der Bowmanstraße in die Jahnallee noch heute an, dass hier sozialistische Verkehrsplaner am Werk waren, die einfach nur eine schnelle Autoabkürzung bauen wollten, ohne auch noch an störende Verkehrsarten wie den Radverkehr zu denken.

Deswegen gibt es nicht nur rund um diese Kreuzung lauter unübersichtliche Situationen und bei Kleinmessebetrieb eine völlig chaotische Situation an der Ampel über die Jahnallee – Radfahrer, die zum Cottaweg wollen oder vom Kleinmessegelände stadteinwärts, landen direkt an dieser Radfahrerquerung am Eingang zum Cottaweg.

Die meisten Unfälle passieren hier, weil stadteinwärts fahrende Radfahrer von Kraftfahrern, die vom Cottaweg in die Jahnallee einbiegen wollen, übersehen werden.

Ein Dilemma, das Leipzigs Straßenverkehrsbehörde eigentlich lösen wollte. Das war 2017 schon Thema und 2018 bei der Vorstellung des Verkehrsunfallberichts ebenfalls. Eine um mehrere Meter in den Cottaweg hineinverlegte Radfahrerfurt soll das Problem entschärfen, weil die Sicherheitsexperten davon ausgehen, dass Autofahrer dann die Radfahrer rechtzeitig sehen.

Kartendetail aus dem Unfallatlas: Unfallschwerpunkt Cottaweg. Screenshot: L-IZ

Kartendetail aus dem Unfallatlas: Unfallschwerpunkt Cottaweg. Screenshot: L-IZ

Aber hätte das den tödlichen Unfall von Mittwoch, 22. Mai, verhindert? Eine 20-jährige stadtauswärts fahrende Radfahrerin wurde dabei von einem in den Cottaweg abbiegenden Lkw erfasst.

Die Meldung der Polizei dazu:

Tödlicher Verkehrsunfall
Ort: Leipzig (Altlindenau), Jahnallee (B 87), Einfahrt Gelände „Kleinmesse“, Zeit: 22.05.2019, gegen 12:30 Uhr

Der Fahrer (57) eines Lkw MAN war auf der Jahnallee stadtauswärts unterwegs. Hinter dem Cottaweg bog er nach rechts zur Zufahrt zum Festplatz „Kleinmesse“ ab und übersah dabei vermutlich eine Fahrradfahrerin, die auf dem Radweg stadtauswärts fuhr. Er erfasste die Frau, die noch am Unfallort ihren schweren Verletzungen erlag. Zeugen riefen das Rettungswesen und die Polizei. Die Identität der tödlich Verletzten konnte noch nicht zweifelsfrei geklärt werden. Die Leiche der Frau wurde in die Rechtsmedizin gebracht. Die Ermittlungen dazu dauern noch an. Gegen den Lkw-Fahrer wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Die Identität ist mittlerweile geklärt. Das nächste Weiße Fahrrad erinnert jetzt dort an den nächsten tödlichen Fahrradunfall.

In diesem Fall war die Radfahrerin eigentlich stadtauswärts nicht nur auf der „richtigen“ Straßenseite unterwegs. Sie hätte auch für den Kraftfahrer gut sichtbar gewesen sein müssen. Polizeisprecher Andreas Loepki empfahl zwar, Radfahrer sollten in solchen Situationen auch mal auf ihr Vorfahrtsrecht verzichten. Nur wird die Radfahrerin wahrscheinlich nicht einmal gemerkt haben, dass von hinten ein Lkw kam, der vor ihr dann ins Kleinmessegelände einbiegen wollte. Denn dass sie sehenden Augen in den abbiegenden LKW hineingefahren ist, darf man wohl eher ausschließen.

Gerade die Art dieses Unfalls zeigt, dass die gesamte Verkehrssituation für Radfahrer auf der Jahnallee – und in diesem Fall im kompletten Abschnitt zwischen Angerbrücke und Cottaweg – meist nichts Besseres ist als ein Provisorium, an vielen Stellen unübersichtlich, oft genug auch gegen die Regeln der StVO und aus den unterschiedlichsten Lösungen und Halbheiten zusammengestückelt. Und für Radfahrer brandgefährlich, auch dann, wenn sie sich regelkonform verhalten.

Liebe Kinder, lernt aus meiner Geschichte! oder Warum in unserer Welt nichts so eindeutig ist, wie es gern verkauft wird

RadwegeVerkehrsunfälle
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