Tim Elschner: Die Markthalle ist gesetzt, aber wo soll der Rest der vielen Verwaltungswünsche hin?

Für alle LeserDer Stadtrat berät derzeit den auf Vorschlag von Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau von der Verwaltungsspitze bestätigten Entwurfsplan Nr. 392 „Wilhelm-Leuschner-Platz“. Zudem wurde am Mittwoch, 17. Juni, der Entwurf zur Beauftragung einer Machbarkeitsstudie für die Markthalle an den Stadtrat zur Beratung und Beschlussfassung übergeben. Das Problem bei diesem Bebauungsplan ist die Unübersichtlichkeit, stellt Grünen-Stadtrat Tim Elschner fest.
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Über die Beauftragung der Machbarkeitsstudie freue sich seine Fraktion sogar, sagt Tim Elschner, der in der Grünen-Fraktion stadtentwicklungspolitischer Sprecher ist. „Die Fraktion freut sich, dass mit der Beauftragung einer Machbarkeitsstudie, die vor dem spezifischen Hintergrund unserer Stadt und des hiesigen Marktumfeldes Varianten für die Realisierung einer Markthalle entwickeln soll, nun endlich ein weiterer Schritt in Richtung Umsetzung gegangen wird.

Aktuelle Entwicklungen in anderen nordeuropäischen Städten zeigen, dass Markthallen immer mehr ins öffentliche Bewusstsein treten. Die Stadt Bochum plant ebenso wie in den Niederlanden Amsterdam nach Rotterdam den Bau einer Markthalle. Dies zeigt, wie fortschrittlich das Denken des Leipziger Stadtrates im Jahr 2008 bereits war, als der Grundsatzbeschluss zum Bau der Markthalle auf dem historischen Grundstück gefasst wurde. Auch der fortschreitende Klimawandel zeigt eindringlich, dass die wirtschaftliche Förderung von regionalen Erzeugern und damit verbundene kurze Lieferketten eine zentrale Aufgabe ist.“

Doch die weitere Entwicklung des Wilhelm-Leuschner-Platzes stellt sich derzeit trotz des Planentwurfs als insgesamt unübersichtlich dar, muss Tim Elschner konstatieren: „Der Stadtverwaltung ist in ihrer Aussage zuzustimmen, dass die qualitative Entwicklung des Gesamtareals für die Stadt eine hohe strategische Bedeutung hat und die Stadt Leipzig als Haupteigentümerin selbst die schrittweise Entwicklung und mögliche Ansiedlung steuern muss.

Trotzdem hätte der Stadtrat in die Überlegungen hinsichtlich potentieller Nutzungen viel frühzeitiger eingebunden werden müssen. Stattdessen hat die interfraktionelle Arbeitsgruppe zum Wilhelm-Leuschner-Platz, die auf Initiative meiner Fraktion 2017 beschlossen wurde, erst auf mehrfaches Drängen des Stadtrates, nach ihrer letzten Sitzung vor über zwei Jahren, nun endlich wieder ihre Arbeit aufgenommen. Die weitere Entwicklung des Wilhelm-Leuschner-Platzes muss nun endlich mit maximaler Transparenz diskutiert werden!“

Zwischendurch sind einige Vorentscheidungen zu Ansiedlungen eben doch wieder ohne den Stadtrat gefallen. Damit wird es eng auf der Fläche.

Der Platz wird nicht nur als Wissenschafts-, Kultur-, Bildungs- und Verwaltungsstandort, sondern auch für bezahlbares Wohnen und die Markthalle gebraucht. Die Überlegungen der Stadtverwaltung gehen offenbar in die Richtung, hier neben einer Verwaltungsunterbringung auch noch die Musikschule und die Volkshochschule unterzubringen, vermutet Elschner. Zudem – und hier verfolgt die Verwaltung das gleiche Interesse wie der Freistaat Sachsen – sollen auch das Forum Recht, die Juristische Fakultät und das Global Hub auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz untergebracht werden.

„Meine Fraktion kann sich die Unterbringung der Juristischen Fakultät und des Forums Recht auf dem nördlichen Baufeld grundsätzlich gut vorstellen“, sagt Tim Elschner. „Das Überfrachten der bestehenden Flächenangebote auf den drei Baufeldern durch immer wieder neue Überlegungen der Stadtverwaltung hinsichtlich städtischer Nutzungsbedarfe wie Verwaltungsunterbringung, Volkshochschule oder Musikhochschule weckt eine kaum einzulösende Erwartungshaltung.

Und für die Grüne Fraktion ist bei allem klar: Die Markthalle und der vom Stadtrat beschlossene Wohnungsbau sind gesetzt. Für meine Fraktion ist das vom Stadtrat 2015 beschlossene städtebauliche Leitbild für den Wilhelm-Leuschner-Platz weiter von zentraler Bedeutung.“

Wesentliche Bestandteile der Städtebaulichen Leitlinien sind neben der Markthalle im mittleren Baufeld unter anderem die Wohnanteile von 40 Prozent Bruttogeschossfläche im südlichen und 20 Prozent im nördlichen Baufeld.

„Dieses Leitbild darf nicht filetiert werden“, betont Elschner. „Es braucht weitere Aufklärung zu den angedachten Flächentauschgeschäften mit dem Freistaat, die auch in Zusammenhang mit dem Wilhelm-Leuschner-Platz zu sehen sind. Bei einer Entwicklung des Platzes zu einem Verwaltungs- und Wissenschaftstandort würde die angestrebte Vielfalt und Urbanität verloren gehen. Transparenz ist deshalb eine exakte gebäude- und etagenscharfe Auflistung der Flächenbedarfe im Verhältnis zu den Flächenangeboten der jeweiligen Baufelder.“

Zwar sind das Wohnen und der soziale Wohnungsbau neben der Markthalle im Planentwurf gesetzt und enthalten, trotzdem ist auch für Elschner zweifelhaft, wie dies gelingen soll. Die Gründe dafür sind einerseits die angestrebten Eigentümerstrukturen – so fehle nach wie vor jede Aussage, wie und durch wen der Freistaat auf dessen Flächen den gewünschten Wohnungsbau realisieren will – und andererseits die diskutierte Einordnung des Wohungsbaus im nördlichen Baufeld mit Ausrichtung zum lärmintensiven Ring.

„Wir begrüßen grundsätzlich, dass im Bebauungsplan für 30 Prozent der vorgesehenen Bruttogeschossfläche auch sozialer Wohnungsbau vorgesehen ist. Es ist aber zu befürchten, dass das vom Stadtrat vorgeschriebene Ziel für den Wohnungsbau verfehlt werden könnte“, gibt Elschner zu bedenken. „Alle Beteiligten sind deshalb gefordert, dem städtebaulichen Leitbild für Wilhelm-Leuschner-Platz gerecht zu werden, damit der Wilhelm-Leuschner-Platz das erhoffte vielfältige, urbane und nachhaltige Quartier wird.“

Wirtschaftsdezernat will jetzt erst mal eine Machbarkeitsstudie zur Leipziger Markthalle beauftragen

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