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LVB wollen Gleiskurve am Wilhelm-Liebknecht-Platz demontieren und dafür die Haltestelle deutlich vergrößern

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    Seit einigen Wochen ist in den Straßenbahnen, die von der Eutritzscher Straße her die Haltestelle Wilhelm-Liebknecht-Platz ansteuern, die Ansage zu hören: Vorsicht! Die Haltestelle ist nicht barrierefrei! – Das überrascht, den eigentlich hat die Haltestelle Hochborde, die ein Einsteigen auch mit Rolli und Kinderwagen problemlos möglich machen. Aber eine Stadtratsvorlage zeigt jetzt, wo das Problem liegt: Die Bahnsteige sind zu kurz.

    Das wird seit März spürbar, seit dort nicht nur die Linien 11 und 16 in so großen Abständen einfahren, dass sie problemlos an die Bordsteige passen. Seitdem fahren ja auch die Umleitungsbahnen Richtung Lindenau hier durch. Es kommen also mehr Bahnen an und sie stehen immer öfter direkt hintereinander. Was stadteinwärts bedeutet, dass die vordere Bahn in einem Bereich steht, in dem es keine Hochborde mehr gibt. Und stadtauswärts kann die nachkommende Bahn gar nicht erst einfahren, denn vor dem zu kurzen Hochbord zweigen auch noch die Gleise aus der Erich-Weinert-Straße ein.

    Der Stadtrat muss jetzt darüber befinden, ob die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) die Gleiskurve zurückbauen dürfen und dafür die Bahnsteige der Haltestelle auf 60 Meter verlängern dürfen. Beides hat Vor- und Nachteile. Und sie wären noch größer, wenn der Betriebshof in der Wittenberger Straße noch eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung von Straßenbahnen spiele würde. Aber mit dem Ausbau der Betriebshöfe von Dölitz, Angerbrücke und Heiterblick hat er stark an Bedeutung verloren.

    Die Diskussion findet man in der Vorlage des Dezernats für Planung und Bau. Sie lautet so: „Die Gleiskurve diente während der Nutzung des Betriebshofes Wittenberger Straße vor allem als Verbindungskurve für ausrückende Wagenzüge der Linien 4, 10, 11, 12 und 16 in Richtung Norden.

    Mit Schließung des Betriebshofes hat diese Gleisverbindung ihre Bedeutung verloren. Sie wurde nur noch für operative Umleitungen der Linie 9 bei Sperrungen im Bereich der Kurt-Schumacher-Straße bzw. Hauptbahnhof, Westseite genutzt, da es hier an der Haltestelle Wilhelm-Liebknecht-Platz zu erheblichen gegenseitigen Behinderungen mit den Linien 10,11 und 16 und zum Teil zur Behinderung des gesamten Verkehrs (Fußverkehr, Radverkehr, Motorisierter Individualverkehr) der landwärtigen Fahrtrichtung kommt.

    Für reguläre Umleitungen der Linie 9 wird daher der Fahrtweg über Eutritzscher, Delitzscher und Wittenberger Straße bevorzugt und die Gleiskurve am Wilhelm-Liebknecht-Platz kaum mehr genutzt. Auch künftig sind weder eine Umleitungsführung noch ein regulärer Linienverkehr in der Relation Berliner Straße – Erich-Weinert-Straße – Michaelisstraße – Nordplatz vorgesehen.“

    Gleiskurve in Richtung der üblichen Fahrstrecke der Linie 9 in der Erich-Weinert-Straße. Foto: Ralf Julke
    Gleiskurve in Richtung der üblichen Fahrstrecke der Linie 9 in der Erich-Weinert-Straße. Foto: Ralf Julke

    Aber gibt es dann überhaupt noch eine Ausweichtrasse?

    Die gibt es tatsächlich: „Infolge des Rückbaus der Gleiskurve am Wilhelm-Liebknecht-Platz wird gleichzeitig die Gleistrasse Wittenberger Straße inkl. aller Abzweige als Umleitungsstrecke unverzichtbar. Die Umleitungsstrecke der Linie 9 über die Wittenberger Straße wird um ca. sieben Minuten verlängert und erfordert im Umleitungsfall Zusatzkurse. Bei Umleitung der Linie 9 über die Wittenberger/Delitzscher Straße wird die neue Haltestelle Roscherstraße in der Berliner Straße nicht mehr erreicht, weshalb zusätzlich Schienenersatzverkehr (SEV) einzurichten ist.“

    Trotzdem kommen die städtischen Planer zu dem Schluss: „Im Ergebnis überwiegen die Vorteile des vollwertigen barrierefreien Ausbaus der Haltestellen der Linien 10, 11 und 16 und die Verlängerung des Bahnsteigs, die mit dem Erhalt der Gleiskurve nicht möglich wäre. Durch die Verlängerung der Bahnsteige entsteht zudem ein großer betrieblicher Zugewinn (Halt 45 m-Züge möglich). Weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass bei der Instandsetzung der Gleisanlagen auf die Erneuerung und Unterhaltung von zwei Weichenbestandteilen verzichtet werden kann.“

    Wobei eigentlich schon lange ein Ersatz für diese Gleiskurve geplant ist. Aber wann der gebaut wird, steht in den Sternen. Die Vorlage erwähnt das zumindest: „Für die Alternative Roscherstraße ist langfristig die Schaffung aller nötigen Fahrbeziehungen über die Roscherstraße notwendig. Der Abschnitt wurde in den am 18.12.2019 beschlossenen Nahverkehrsplan als zu prüfende Trassenfreihaltung integriert.“

    Diese neue Streckenführung ist umso wichtiger, als mit dem Neubau des Wohngebietes auf dem ehemaligen Eutritzscher Freiladebahnhof auch eine neue Staßenbahnhaltestelle an der Berliner Straße entstehen soll.

    Und wann soll die Haltestelle Wilhelm-Liebknecht-Platz umgebaut werden?

    „Die Haltestellen am Wilhelm-Liebknecht-Platz werden durch den Neubau und die Verlängerung der Bahnsteige und damit die Schaffung der vollständigen Barrierefreiheit für die Fahrgäste deutlich aufgewertet“, betont die Vorlage. „Durch die vorgesehene Verlängerung der landwärtigen Haltestelle von 30 m auf etwa 60 m kann künftig ein 45 m-Zug, wie er auf den Linien 10, 11 und 16 eingesetzt wird, barrierefrei halten. Dadurch wird der Ein- und Ausstieg insbesondere für mobilitätseingeschränkte und ältere Fahrgäste deutlich einfacher und bequemer. Die geplante Bauzeit ist 2022.“

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