Besonders schön sieht er zwar nicht aus, schon gar nicht wie so ein klassischer Taubenschlag von einem bäuerlichen Vierseithof. Aber die Deutsche Bahn sieht jetzt eine Lösung für das langjährige Problem mit den Tauben und ihren Hinterlassenschaften im Zugang zur S-Bahn-Station Bayerischer Bahnhof: ein Taubenschlag, der den Tauben vom Bayerischen Platz zur Alternative werden soll.

Der Verein Stadttaubenhilfe Leipzig e. V. und die Deutsche Bahn (DB) konzipierten schon Ende vergangenen Jahres ein Modellprojekt. Es soll den Stadttauben im und um den Bayerischen Bahnhof in Leipzig ein tierschutzgerechtes Leben ermöglichen und die Sauberkeit in der S-Bahnstation verbessern.Bis Ende Februar dieses Jahres wurde in unmittelbarer Nähe zum Eingang des Haltepunkts der S-Bahnstation ein Taubenschlag aufgestellt. Mitte März zogen die ersten Tauben ein, um den Schlag als ihre neue Heimat anzunehmen und somit auch andere Artgenossen anzulocken. Anfang Juni konnten erste Stadttauben beobachtet werden, die das neue Heim bezogen. Mittlerweile fühlen sich dort etwa 60 Vögel wohl.

Sie werden von Mitgliedern der Stadttaubenhilfe mit artgerechtem Futter und frischem Wasser versorgt sowie bei Bedarf tierärztlich betreut. Ebenso erfolgt mit dem Austausch der gelegten Eier durch Gipsattrappen eine tierschutzgerechte Kontrolle der Population.

„Bahnhöfe bieten keinen geeigneten Lebensraum für die Stadttauben. Es ist für die Tiere gefährlich und viele Reisende empfinden sie als unangenehm. Mit dem Taubenschlag haben wir gemeinsam mit der DB den Startpunkt für eine Lösung einer nachhaltigen und tierschutzkonformen Reduzierung geschaffen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist ebenfalls die perspektivische Aufrechterhaltung eines gesunden, jedoch nicht mehr wachsenden Taubenschwarms. Das ist sowohl für die Menschen als auch die Tiere ein tierschutzkonformer Kompromiss um konfliktfrei miteinander leben zu können“, erklärt Konstanze Radke, Vorsitzende des Stadttaubenhilfe Leipzig e. V.

Dies ist ein langjährig erprobtes und erfolgreiches Vorgehen, damit Stadttauben sich langfristig niederlassen. Stadttauben sind seit jeher standorttreu, weshalb es wichtig ist, diesem Schwarm auch am Bayerischen Bahnhof ein neues Zuhause zu erschaffen.

Denn schon kurz nach Eröffnung der S-Bahn-Station Bayerischer Bahnhof erwiesen sich gerade die als Kunstprojekt eingebauten bunten Streben als beliebter Sitzplatz der Tauben, die die unterirdische Station nur zu gern als neue Höhle in Besitz nahmen. So richtig hatten damit weder die Bahn noch die Architekten gerechnet.

„Wir bemühen uns seit vielen Jahren, die Tauben aus dem Bayerischen Bahnhof zu vergrämen. Doch die ergriffenen Maßnahmen zeigten meist nur kurze Wirkung, da die Tiere immer wieder Schutz suchten sowie Schlupfwinkel und Ecken fanden, in denen sie sich niederließen“, erläutert Christian Schulz, Leiter des Bahnhofsmanagements Leipzig.

„Unsere Reisenden fühlten sich oft durch nahrungssuchende Tauben und deren Hinterlassenschaften belästigt. Mit dem Taubenhaus haben die Stadttauben nun ein artgerechtes Domizil und wir hoffen, dass die Vögel dorthin umziehen.“

Das Modellprojekt wird, wenn sich ausreichend Tauben angesiedelt haben, von der Klinik für Vögel und Reptilien an der Universität Leipzig wissenschaftlich begleitet. Der Schwarm im Schlag wird in diesem Rahmen dokumentiert, regelmäßig kontrolliert und medizinisch untersucht. So sollen Rückschlüsse auf die Entwicklung der Population möglich und Erfahrungen für künftige Projekte gewonnen werden.

Durch ein am Taubenschlag angebrachtes Futterhaus können auch die im Umfeld lebenden Wildvögel versorgt werden. Ringsherum wachsen Wildblumen und -pflanzen, die Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten Nahrung und Unterschlupf bieten. So entstand inmitten der Großstadt ein kleiner neuer Lebensraum mit einer bunten Artenvielfalt.

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