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Straßenbahnhaltestelle Hauptbahnhof: Keine Lösung für den Antrag des Jugendparlaments?

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    Es geht ja nicht nur jungen Leuten so, dass sie an der Straßenbahnhaltestelle Hauptbahnhof immer wieder in brenzlige Situationen geraten. Was ja meist dann passiert, wenn man es eilig hat oder gar von einer Straßenbahn zur nächsten am anderen Bahnsteig will. Um die Situation für Fußgänger zu entschärfen, hatte das Jugendparlament hier ein paar Warnleuchten beantragt. Doch das Verkehrs- und Tiefbauamt erklärt jetzt, warum das nichts ändern würde.

    Zumindest aus amtlicher Sicht nicht. Denn nach Verordnung ist die Haltestelle korrekt gebaut worden, damals, 2004, als alles ganz schnell gehen musste im Vorfeld der Fußball-WM 2006 und man sich auch keine Zeit dafür lassen wollte, die Haltestelle tatsächlich einmal anders anzulegen. Damals wurde nur ganz kurz darüber diskutiert, ob man die Haltestelle nicht direkt vor den Hauptbahnhof verlegen könnte.Man entschied sich lieber für das mittige Modell und machte dabei mehrere Fehler, die eher nichts mit der Bauverordnung zu tun haben, als mit der Tatsache, dass man nicht einmal die normalen Stoßzeiten im Verkehr wirklich bedacht hatte.

    Dann wird es auf den durch Kioske, Glasverschläge und Säulen verengten Bahnsteigen nicht nur eng, sondern unübersichtlich. Besonders unübersichtlich wurde es in der Mitte der Bahnsteige, wo oft zeitgleich eine Menge Passagiere versuchen, auf andere Bahnsteige zu wechseln und dabei auch mit ein- und abfahrenden Straßenbahnen ins Gehege kommen.

    Das wurde mit dem Teilumbau der Haltestelle im Jahr 2019 etwas entschärft. Seitdem gibt es einen dritten Überweg über die Fahrbahnen nördlich der Haltestelle. Und auch die Papierkörbe wurden endlich aus der Laufrichtung der wartenden Fahrgäste gedreht.

    Nicht entschärft wurden freilich die Wege an der Ost- und der Westseite der Haltestelle, wo es querende Fußgänger meist mit ein- und ausfahrenden Bahnen aus beiden Richtungen zu tun bekommen. Wem sein Leben lieb ist, der schaut sich hier lieber zehnmal nach beiden Seiten um, bevor er die nächsten Gleise überquert.

    Gerade diese hohe Frequenz der ein- und ausfahrenden Fahrzeuge ist der Grund dafür, dass es keine Extra-Signalanlage gibt, betont die Verwaltung jetzt in ihrer Stellungnahme zu Antrag aus dem Jugendparlament.

    „Der Haltestellenbereich am Hauptbahnhofvorplatz ist die von Straßenbahnen und Linienbussen am stärksten frequentierte Verkehrsanlage in Leipzig. Die Möglichkeiten der Gestaltung der Fußgängerquerungen über die Gleise wurden bereits bei der Planung der Verkehrsanlage sorgfältig untersucht und abgewogen“, betont das Verkehrs- und Tiefbauamt.

    „Im rechtlichen Sinne nehmen die Straßenbahnen dort nicht am Straßenverkehr teil, da sie sich beidseits der Fußgängerquerungen auf einem sogenannten besonderen Bahnkörper befinden und die Querungsstellen nicht in die vorhandene Lichtsignalsteuerung einbezogen sind. Die maßgebenden Signalstandorte befinden sich jeweils erst hinter den Konfliktflächen.“

    Was eigentlich nur heißt: Fußgängerampeln gibt es nur außerhalb der Haltestelle. Wer von dort kommt, sieht lediglich zwei Warnschilder „Vorsicht Straßenbahn!“ Danach muss jeder beim Überschreiten der vier Gleise selbst aufpassen, wobei die Querung der Haltestelle meist schon damit endet, dass sich von links oder rechts eine Straßenbahn in die querenden Fußgängerströme schiebt.

    „Rechtsgrundlage für die Sicherung ist hier die Verordnung über den Bau und Betrieb der Straßenbahnen § 20, Abs. (4). Demnach muss der Bahnübergang nicht technisch gesichert sein, da lediglich ein Fußweg kreuzt und eine gute Übersicht über die Bahnstrecke gegeben ist“, findet das Verkehrs- und Tiefbauamt.

    „Bauliche Anlagen wie Drehkreuze o. ä. sind zwar nicht vorhanden, stattdessen ist jedoch die Höchstgeschwindigkeit der Straßenbahnen auf 20 km/h begrenzt (innerbetriebliche Anweisung) und es wird durch Hinweiszeichen auf den Vorrang der Straßenbahnen bzw. die mögliche Gefahr aufmerksam gemacht.“

    Dass das Anliegen aus dem Jugendparlament so ganz unberechtigt wohl doch nicht war, wird deutlich, wenn das VTA über die Untersuchungen zum Antrag berichtet.

    „Ungeachtet dessen wurde auch die Einbeziehung der Fußgängerquerungen in die Lichtsignalsteuerung untersucht“, liest man da.

    Mit dem Ergebnis: „Wegen der Absicherung der großen Anzahl von Straßenbahnen gegenüber den Fußgängern und der unterschiedlichen Straßenbahnrelationen untereinander kann keine sinnvolle und bedarfsgerechte Schaltung von Grünzeiten für Fußgänger zzgl. der gemäß Richtlinien vorgeschriebenen Sicherheitszeiten erfolgen. Die beantragten Warnblinker müssten dauerhaft blinken und würden damit den Sinn der Warnung vor einzelnen Fahrzeugen nicht erfüllen.“

    Ergebnis also: Zu viel Verkehr mit zu vielen Teilnehmern aus allen Richtungen. Da ist das menschliche Warnsystem mit seinen drei bis sieben Sinnen ganz augenscheinlich sinnvoller und hilfreicher. Es funktioniert einfach besser, wenn nicht noch zusätzliche Warnleuchten aufblinken.

    „Es ist davon auszugehen, dass die Akzeptanz einer Signalisierung unzureichend wäre, nicht zuletzt, da die Fußgänger auch zügig zwischen den verschiedenen Linien umsteigen möchten. Darüber hinaus müsste dann auch die Fußgängerquerung in der Mitte der Haltestelle gesichert werden, was technisch nicht beherrschbar wäre“, meint das VTA.

    „Aus den genannten Gründen wird letztendlich eine Fußgängersignalisierung einschließlich des Einsatzes von Warnblinkern als nicht zielführend und geeignet eingeschätzt. Von den Fußgängern darf an dieser offensichtlich anspruchsvollen Verkehrsanlage ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit und ein dementsprechend aufmerksames, vorsichtiges Verhalten, so wie es auch beim Straßenbahnfahrpersonal vorausgesetzt wird, erwartet werden.“

    Da kann man natürlich einwenden: Warum geht das dann an der gerade umgebauten Haltestelle Goerdelerring? Drei Dinge sind dort anders: Die Bahnsteige sind deutlich breiter, es bedienen weniger Straßenbahnlinien die vier Gleise und es werden auch keine Busse eingefädelt, die am Hauptbahnhof die Fahrzeugreihenfolge noch mehr verdichten.

    Ob die Ratsfraktionen mit der Auskunft zufrieden sein werden, werden wir sehen. Denn Unfälle passieren an der Haltestelle Hauptbahnhof immer wieder. Oft einfach deshalb, weil auch der aufmerksamste Mensch in diesem Gewimmel nicht immer die Übersicht bewahren kann. Erst recht, wenn man im Gewühl dann auch noch zu einer Bahn auf einem anderen Bahnsteig gelangen will.

    So richtig gelöst scheint das Problem noch lange nicht.

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      4 KOMMENTARE

      1. > DER war echt gut. Mehr als zwei, drei Dutzend Autos fahren da ja am Tag nicht über den Ring…
        Aber abseits der Fehleinschätzung zur Automenge

        Das war ja eben auch ironisch gemeint. KFZ (und natürlich LKWs und Bussen) macht dieser Umweg i.d.R. nicht viel aus.

        > Fehlt mir da jetzt nur die Perspektive auf….“schwächere“?
        Ja, das mag wahrscheinlich sein. Mich hat dort die Querung zwischen dem Verkehr dort auch nie wirklich gestört, mit Kind sieht man das eben anders. Bei einer gewissen „Menge“ an Querenden war die (zu kleine) Mittelinsel zu eng und der KfZ- Verkehrsfluß zu stark, um dort sicher zu queren. Letztendlich sind Wartebereiche für Radfahrer an vielen Stellen zu eng. Vor einem brettern die KfZ mit 50 km/h, hinter einem fährt einem die Tram fast den Kinderanhänger weg. Da gibt es etliche Stellen, z. Bsp. am Waldplatz vor der AOK (dort steht man, wenn man von der AOK zur Arena fährt, aufgrund der Ampelphasen als Radler immer) oder in der Friedrich-Ebert-Str.

      2. Zum Thema „Augen weg vom Handy“:
        Vielleicht fordert das Jugendparlament ja als nächstes eine Bodenampelanlage am Hauptbahnhof. Das wäre wenigstens zeitgeistgerecht 🙂

        Es wäre so oft sinnvoll den Kopf einzuschalten, statt über allerlei Verbote und Reglementierungen nachzudenken. Aber zum Beispiel auch auf der Beethovenstraße wollen die Studenten eben freizügig an der Albertina queren, gern auch ohne Umsicht das Rad aus der Bügelanlage auf die Straße ziehen. Reaktion: Die Straße muss beruhigt werden, es werden Poller gefordert. Ich fordere Blumenkübel! Denn wenn ich dort mit dem Rad halbwegs schnell lang fahre, sind diese Leute nicht nur für Autofahrer eine Gefahr. Deswegen müssen auch die Zweiräder – zum Schutz der Studenten natürlich – abgebremst werden. Mit einer großzügigen Kübelanlage. Der Ökolöwe darf auch Insektenwildblumensamen einbringen und ein Schild aufstellen.

        > und natürlich 3km mehr Fahrtweg für ein paar KfZ
        DER war echt gut. Mehr als zwei, drei Dutzend Autos fahren da ja am Tag nicht über den Ring…
        Aber abseits der Fehleinschätzung zur Automenge (zusätzlich zu Bussen, LKW usw.) finde ich die Idee der Einbahnstraße des Ringes gar nicht mal so schlecht. Es könnte sich sogar ein Vorteil daraus ergeben, dass nicht jede Querungsrichtung mit Ampelstoppzeiten berücksichtigt werden müsste. Vielleicht verkürzt sich dadurch sogar die Zeit, bis man auf den Ring kommt.

        Zur Hans-Driesch-Straße: Ich komme da eigentlich immer zu den gleichen Zeiten vorbei. Egal ob per Auto oder per Rad: Werktags Morgens und am späteren Nachmittag. Vielleicht queren Sie dort häufiger, oder zu anderen Zeiten, aber „das Gros“ der dort querenden Radler besteht zu meinen Beobachtungszeiten keineswegs aus Eltern mit Kindern. Das kann natürlich zwischen 9 und 16 Uhr anders sein.

        Warum eine Verkehrsinsel für Eltern mit Kindern nicht sicher sein soll verstehe ich nicht. Man nimmt das Kind an die Hand und geht zusammen los, wenn eine Gelegenheit dazu da ist. Wenn das Kind auf einem Rad ist, steigt es dort ab und schiebt zusammen mit dem Elternteil über die Straße. Fehlt mir da jetzt nur die Perspektive auf….“schwächere“?

      3. Ja, am Hauptbahnhof wäre eine Fußgängerampel in der Tat überflüssig. Für die Straßenbahnen würde sie die Durchlassfähigkeit extrem einschränken, für Fußgänger nur Dauerlicht anzeigen. Da ist im Endergebnis nichts gekonnt. Da hilft nur Augen hoch vom Handy! Einzig mehr Platz für die umweltfreundlichen Fortbewegungsmittel wäre wünschenswert, aber wahrscheinlich wenig realistisch. Eine Tieferlegung des Rings geht dort leider nicht. Der Ring als komplette Einbahnstraße für PKW würde wahrscheinlich weniger Platz benötigen, hätte aber immense Bautätigkeit zur Folge (und natürlich 3km mehr Fahrtweg für ein paar KfZ).

        @Sebastian
        Zur Ampel Hans-Driesch- Straße folgende Anmerkung: Wenn man als erwachsener Radler unterwegs ist mag deine Einschätzung stimmen. Aber dort radeln und queren auch viele Eltern mit (Klein-) Kindern. Und da ist eine kleine Warteinsel zwischen mit 50km/h vorbei brausenden PKWs absolut NICHT sicher! Ja, das mag für einige Radler eine etwas längere Wartezeit als vorher bedeuten (und leider gibt es dadurch sicher ach den ein oder anderen Rot- Radler), aber für das Gros der dort querenden Radler ist es eben eine deutliche Verbesserung.

      4. Das ist ein echt interessantes Thema, finde ich. Immer wieder und anhaltend oft äußern Besucher aus anderen Städten, dass „bei der Haltestelle vorm HBF“ so derart viel los sei, dass sie dort eine Ampel erwarten würden. Man kennt sowas aus anderen Städten gar nicht, erst recht nicht das aggressive klingeln der Fahrer.
        Aus Dresden gibt es am Dr. Külz-Ring eine ziemlich ähnliche Anlage mit Bus und Bahn, allerdings wird die nicht so oft vom ÖPNV frequentiert wie der Leipziger HBF. Dort gibts Ampeln, die allerdings wirklich nicht so oft grün zeigen für die Fußgänger_innen*außen.

        Und richtig gut finde ich die Begründung, warum dort keine Ampel steht: es fahren so viele Straßenbahnen, dass entweder Dauerblinklicht wäre, oder häufiges rot für Fußgänger. Was dann entweder den Signalreiz so sehr verwässern würde wie ein „Vorsicht Dachlawinen“ Schild vor Häusern im Sommer, oder eben schlicht nicht akzeptiert würde als Stoplichtsignal, weil jeder seine eigenen Interessen natürlich höher aufwiegt und schnell zur nächsten Bahn will.

        Interessant finde ich daran die Einsicht in die Pragmatik. Kann die nicht öfter mal als Begründung verwendet werden?
        Neue Ampel über die Hans-Driesch-Straße (nahe Elsterbrücke) für 400.000 Euro. Begründung: Zu viel Autoverkehr, die querungswilligen Radler und und Fußgänger könnten nicht sicher und schnell drüber. Was ja bewiesenermaßen eher eine gefühlte Sache war, denn ein echtes Problem. Nach kurzer Zeit hat immer irgendein Autofahrer abgebremst und Lichtzeichen gegeben, oder es gab eh eine Lücke im Verkehr. So wie das bei Tempo 50 eben ist – es gibt schnellere und langsamere, dazwischen kann man durch. Heute wartete ich schon zweimal anderthalb Minuten, bis ich grün bekam mit dem Rad. Das ging vorher deutlich schneller, als es noch keine Ampel gab.

        Während man dort also gesagt hat, dass der Querungskomfort (Sicherheitsgefühl, Wartezeit) höher wiegt als ein stetiger Verkehrsfluß der absoluten Mehrheit der Verkehrsteilnehmer, sagt man am Hauptbahnhof das Gegenteil: weil so viele Bahnen fahren, könne man keine „technisch verordnete Regelung“ installieren, sondern ist auf die individuelle Wahrnehmung des Gewimmels angewiesen. Was ja im Groben tatsächlich funktioniert, auch wenn einige Fahrer gern mit der einen Hand die laute Bimmel betätigen, während sie mit der anderen den Fahrhebel voll nach vorn drücken.
        Der Verkehrsfluss wird höher gewichtet. Ich finde das gut und pragmatisch. Ich staune nur, dass man sich traut solche Selbstverständlichkeiten vonseiten der Verwaltung so offen zu sagen. Und auch schön, dass auch mal eine Aussage in die Richtung kommt, dass nicht immer alles „verampelt“ werden muss, sondern manches sich auch selbst regelt.

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