Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, versteht sein Amt vor allem als ein Amt für Verhinderungen. Das bekommt jetzt auch die Deutsche Nationalbibliothek zu spüren: Er hat sich gegen die Realisierung des eigentlich dringend notwendigen geplanten Erweiterungsbaus der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig entschieden. Der geplante Magazinbau am Deutschen Platz in Leipzig sollte der langfristigen Archivierung der Bestände der Deutschen Nationalbibliothek dienen.

Als hochfunktionales und klimastabiles Magazin war er darauf ausgelegt, die sichere Aufbewahrung von derzeit rund 35,5 Millionen Medienwerken für etwa 30 Jahre zu gewährleisten.

Seit 2018 wurde das Bauprojekt von der Deutschen Nationalbibliothek in enger Abstimmung mit der/dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie dem Sächsischen Staatsministerium der Finanzen geplant. Nach einem europaweiten Architekturwettbewerb erhielt Anfang 2025 das Dresdner Architekturbüro CODE UNIQUE Architekten den Zuschlag. Im August 2025 lag ein abgestimmtes Planungskonzept vor.

„Uns ist die angespannte Haushaltslage des Bundes bewusst“, sagt Frank Scholze, Generaldirektor der Deutschen Nationalbibliothek. „Gleichzeitig ist es dank intensiver Planung gelungen, die Baukosten rund 30 Millionen Euro unter den ursprünglich bewilligten Kosten zu kalkulieren. Der Erweiterungsbau ist darauf ausgelegt, wirtschaftlich und nachhaltig dringend benötigte Magazinflächen zu schaffen.“

Die Notwendigkeit zusätzlicher Magazinflächen ergibt sich aus mehreren Faktoren: Die Lagerkapazitäten für Neuzugänge in Leipzig sind nahezu erschöpft. Gleichzeitig müssen Bestände aus dem klimatisch nicht geeigneten Altbau verlagert werden, um sie langfristig zu sichern. Der geplante Neubau sollte eine energieeffiziente und nachhaltige Bewahrung des nationalen Kulturerbes ermöglichen.

Weimers Verachtung für das gedruckte Buch

Und dann wird es ganz obskur und zeigt, wie wenig Weimer vom Kulturgut Buch hält: Zur Begründung seiner Entscheidung erklärte der Staatsminister, die Sammlung körperlicher Medienwerke bis weit in die Zukunft hinein sei nicht mehr zeitgemäß; die Deutsche Nationalbibliothek solle sich stärker auf die digitale Sammlung konzentrieren.

Aus Sicht der Deutschen Nationalbibliothek greift diese Einschätzung jedoch zu kurz. Die Bibliothek ist gesetzlich verpflichtet, zwei Exemplare physischer Medienwerke sowie digitale Publikationen zu sammeln. Eine Reduzierung auf ein Exemplar würde eine Änderung des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek erfordern. Die Deutsche Nationalbibliothek steht hierzu in einem inhaltlichen und rechtlichen Diskurs mit dem Fachreferat des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Gesetzesänderungen sind jedoch erfahrungsgemäß ein längerer parlamentarischer Prozess.

Derweil wachsen die Bestände kontinuierlich: Täglich gehen rund 13.100 neue Medienwerke in der Deutschen Nationalbibliothek ein, darunter etwa 3.300 analoge und 9.800 digitale Publikationen.

Wie angesichts der nahezu ausgeschöpften Magazinflächen in Leipzig künftig mit den Beständen verfahren werden kann, werde derzeit geprüft, teilt die Nationalbibliothek mit. Fest steht jedoch, dass auch alternative Lösungen zusätzliche Kosten verursachen werden – zusätzlich zu den rund sieben Millionen Euro, die bereits in die Planung des Bauprojekts investiert wurden.

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