Die aktuelle Düngemittelknappheit und die anhaltenden Preiserhöhungen machen es deutlich: Die Landwirtschaft braucht endlich eine langfristige Strategie zur Steigerung der Nährstoffeffizienz. Diese würde erhebliche Kosteneinsparungen ermöglichen und die Resilienz der Höfe stärken. Statt kurzfristiger finanzieller Hilfen ohne strukturelle Veränderungen fordert die AbL eine politische Strategie für einen nachhaltigen Umgang mit Nährstoffen, sowohl im EU-Düngeaktionsplan als auch in der nationalen Gesetzgebung zur Düngung.

Die AbL begrüßt zwar die Ziele des geplanten EU-Düngeaktionsplans, die heimische Düngeversorgung zu stärken und den Preisanstieg entgegenzuwirken, lehnt jedoch jede Schwächung der Klima- und Wasserschutzziele ab. Die vorgeschlagene Abschwächung der EU-Standards auf Importe von CO2-intensiven Düngemitteln, (CBAM) oder der Umweltstandards für die Industrie, darf nicht umgesetzt werden. Die AbL fordert stattdessen eine konsequente Fokussierung auf die Förderung einer nachhaltigen, krisenfesten Landwirtschaft durch einen effizienten Umgang mit Düngemitteln.

Jetzt ist es entscheidender denn je, die Nährstoffverwendung am tatsächlichen Bedarf jedes Betriebs zu orientieren, basierend auf wissenschaftlich fundierten Zielwerten. Die AbL ruft die Bundesregierung auf, Verantwortung zu übernehmen und eine effektive Düngepolitik umzusetzen hin zu einer einzelbetrieblichen Betrachtung der Stickstoffeffizienz im Sinne der Verursachergerechtigkeit. Dafür braucht es neben einer verpflichtenden Nährstoffbilanz mit Obergrenzen gezielte Anreize und Beratungsangebote.

Martin Schulz, Landwirt in Niedersachsen und AbL-Bundesvorsitzender, macht deutlich:

„Deutschland steht unter Druck, seine Nährstoffüberschüsse zu verringern. Gleichzeitig zeigt die Abhängigkeit von mineralischen Düngerimporten seit Jahren ihre Folgen: steigende Kosten auf unseren Höfen und Unsicherheit. Die letzten Jahre haben bewiesen, dass es sich nicht um einmalige Krisen handelt, sondern um strukturelle Herausforderungen. Doch beim Düngemanagement fehlt seit Jahrzehnten ein langfristiger Plan.

Statt kurzfristiger Lösungen zugunsten der Industrie braucht es endlich eine Strategie, die die Höfe aktiv unterstützt und gleichzeitig Klima- und Wasserschutz konsequent vorantreibt. Es gibt bereits wirksame Lösungen für ein besseres Stickstoffmanagement, u.a der Anbau von Leguminosen, der auch weitere positive Umweltwirkungen hat und daher aktiv weitergefördert werden sollte. Verbindliche Instrumente wie eine Nährstoffbilanzierung und die damit verbundenen Anreize fehlen noch und sind unverzichtbar, um die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft zu stärken und die Lebensmittelproduktion langfristig zu sichern.“

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