Raus aus der Kohle

Im Sommer gibt es das 1. Klimacamp im Leipziger Land und am Freitag wird gegen die Bedrohung von Pödelwitz demonstriert

Für alle LeserDer Kohleausstieg ist deutschlandweit im Gang. Die großen Konzerne verkaufen ihre Kohlekraftwerke. Die Bundesregierung setzt den Strukturwandel endlich auf die Tagesordnung. Und im Sommer wird der Leipziger Südraum etwas erleben, was man bislang nur aus NRW und der Lausitz kennt: das 1. Klimacamp im Leipziger Land.

Diesen Sommer vom 26. Juli bis zum 5. August findet zum ersten Mal ein Klimacamp im Braunkohlerevier bei Leipzig statt. Mit der Veranstaltung soll auf die sozialen wie ökologischen Folgen des Braunkohleabbaus aufmerksam gemacht und Alternativen für eine soziale, demokratische und ökologische Gesellschaft erprobt werden. Bis zu 1.000 Menschen werden erwartet, teilen die Ausrichter mit.

Gemeinsam lernen, diskutieren und Alternativen leben: Mit zahlreichen Workshops und Podiumsdiskussionen soll das Klimacamp viel Raum bieten, um von- und miteinander zu lernen. Florian Teller, Sprecher für das Klimacamp im Leipziger Land, erklärt: „Auf dem Camp organisieren wir uns basisdemokratisch und treffen Entscheidungen im Konsens. Sorgearbeit, wie Klos putzen oder kochen wird von allen erledigt. Wir vernetzen uns mit anderen sozialen Bewegungen, denn nur gemeinsam können wir Gesellschaft verändern. Daneben ist auch vielfältiger Protest Bestandteil des Klimacamps“.

Für den Abbau von Braunkohle werden Menschen in der Region zwangsumgesiedelt und ganze Dörfer vernichtet. Für die größte Aufmerksamkeit sorgte das Ende von Heuersdorf, um das Aktivisten und Bewohner lange gekämpft haben und das wahrscheinlich gar nicht hätte abgebaggert werden müssen, weil die Millionen Tonnen Kohle unter dem Dorf gar nicht mehr gebraucht werden.

Dasselbe gilt für Pödelwitz, ein Dorf, das die Mibrag unbedingt freilenken will, obwohl sie für die Kohle unter dem Dorf noch nicht mal eine Abbaugenehmigung hat. Im Gegenteil. Es ist absehbar, dass auch diese Kohle nicht gebraucht wird, um im Kraftwerk Lippendorf verfeuert zu werden.

Aber solange sich Sachsens Regierung um eine klare Position im Kohlebergbau herumdrückt, können die beiden EPH-Töchter LEAG und Mibrag relativ ungestört ihre Politik machen.

Braunkohle ist einer der klimaschädlichsten Energieträger und beschleunigt den Klimawandel. Von dessen Folge sind vor allem Menschen in Ländern des globalen Südens betroffen, die am wenigsten dazu beigetragen haben.

„Mit dem Klimacamp wollen wir auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam machen. Wir fordern Klimagerechtigkeit: Dazu ist ein schnellstmöglicher Ausstieg aus der Braunkohle notwendig, wichtig ist aber auch, dass dieser nicht zulasten der Menschen aus der Region oder der Beschäftigten geht. Daher suchen wir nach Wegen, wie der Kohleausstieg schnellstmöglich und sozial-verträglich umgesetzt werden kann und als Teil eines nachhaltigen Strukturwandels gedacht wird“, sagt Florian Teller.

Das Klimacamp findet in enger Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren, wie dem Bündnis „Pödelwitz bleibt“ statt. Obwohl der Ausstieg aus der Braunkohle bereits auf Bundesebene diskutiert wird und es mit Erneuerbaren Energien längst Alternativen gibt, sind immer noch Dörfer vom Abriss bedroht. So wie Pödelwitz, wo die Mitteldeutsche Braunkohle AG (Mibrag) ihren Tagebau Vereinigtes Schleenhain erweitern will. Dem sollen die Dörfer Pödelwitz und Obertitz zum Opfer fallen.

Jens Hausner vom Bündnis „Pödelwitz bleibt“ und Anwohner sagt dazu: „Den Tagebau zu erweitern, ist aus klimapolitischer Sicht vollkommen aus der Zeit gefallen. Dieser Tagebau hat jetzt schon eine genehmigte Laufzeit bis 2040. Selbst ein Großteil der bereits zum Abbau genehmigten Braunkohle muss im Boden bleiben, um beim Klimaschutz nicht komplett zu scheitern. Darum muss man öffentlich machen, welche vollkommen abwegigen Planungen die Mibrag hier verfolgt.“

Auf dem Klimacamp wird auch die Degrowth-Sommerschule zu Gast sein. Nach drei Jahren im Rheinland findet sie nun erstmals im Raum Leipzig statt. Die Degrowth-Bewegung sieht in der Wachstums- und Profitorientierung unserer Wirtschaft eine grundlegende Ursache für soziale, globale Ungleichheit.

„In einer Welt mit begrenzten Ressourcen ist unendliches Wachstum nicht möglich und führt zu sozialer und ökologischer Ausbeutung. Das sehen wir auch hier vor Ort. Während der Sommerschule suchen wir nach Alternativen, unsere Gesellschaft so zu organisieren, dass ein gutes Leben für alle möglich wird“, erklärt Ruth Krohn, Pressekontakt der Sommerschule. Kernstück der Sommerschule sind mehrtägige Kurse, die sich in diesem Jahr mit Visionen für eine soziale, ökologische und demokratische Gesellschaft befassen.

In den Braunkohlerevieren im Rheinland und in der Lausitz haben Klimacamps bereits Tradition. Klimacamps sind Orte des gemeinsamen Lernens, der Vernetzung, des Lebens von Alternativen und des kreativen Protestes. Das Klimacamp im Leipziger Land ist Teil einer wachsenden Klimagerechtigkeitsbewegung. Diesen Sommer finden in zahlreichen europäischen Ländern Camps und Protestaktionen gegen fossile Energie statt.

Alle Veranstaltungen sind öffentlich und Menschen aus der Region herzlich eingeladen, das Klimacamp zu besuchen. Weitere Informationen zum Programm finden sich zukünftig online unter: klimacamp-leipzigerland.de.

Und die nächste Aktion gegen die Zerstörung von Pödelwitz gibt es schon am Freitag, 23.März.

Dann findet die Aktion „Rote Linie gegen Abbaggerung − kein weiteres Dorf!“ gegen die Tagebauerweiterung in Pödelwitz statt. Treffpunkt ist 16 Uhr am Bürgerhaus in Pödelwitz. Teilnehmen werden unter anderem Grünen-Fraktionsvorsitzender Volkmar Zschocke sowie die Landtagsabgeordneten Dr. Gerd Lippold und Katja Meier

Organisiert wird die Aktion von der Bürgerinitiative Pro Pödelwitz, dem BUND, Greenpeace und weiteren Organisationen.

Treffpunkt am Bürgerhaus in Pödelwitz (04539 Gemeinde Groitzsch, Landkreis Leipzig) ist am Freitag, 23. März, 16 Uhr.

Rechnerisch fehlt Buschhaus heute schon beim wirtschaftlichen Betrieb der Tagebaue im Leipziger Südraum

PödelwitzKohleausstiegKlimacamp
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Über Leipzigs Dächern. Foto: Marko Hofmann

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