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Emmas Appell

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    Befremdlich, dass man ernsthaft überlegt, ob man inmitten all der Fakes, Lügen im Rahmen von Wahlkämpfen und der letzten Jahre, einen Text einer 12-Jährigen namens Emma veröffentlichen kann. Wir bei der L-IZ.de kennen das Mädchen persönlich, auch ihre zurückhaltende Intelligenz und die Buchmengen, die sie liest. Die nachfolgenden Zeilen sind von ihr allein. Sie entstanden auch initiiert durch die Aktion des Buchkinder Leipzig e.V., in welchem Kinder vor allem mit Plakaten in Leipzig darauf aufmerksam machen, dass sie in Sachsen zur Landtagswahl erst ab 18 Jahren wählen dürfen. Sie haben keine Stimmen am 1. September 2019 und doch so viel zu sagen.

    Vorwort von Michael Freitag: „Lüge“, „missbrauchte Kinder“, „alles gesteuert“ heißt es gern, wenn sich Menschen unter 18 Jahren zu politischen Themen zu Wort melden. Zuerst einmal ein Ausdruck zutiefst zerstörten Vertrauens darin, dass wir alle eigentlich einmal gelernt haben, dass man nicht lügen soll? Und doch tun es so viele, längst auch in voller Absicht, um Wählerstimmen zu bekommen.

    Die „Fridays for Future“-Bewegung hat ja eine regelrechte Kampagne gegen sich erlebt; bösartig, persönlich, oft sexualisiert und unter der Gürtellinie. Ja teils derart aggressiv gegen ihre von Wissenschaftlern gestützten Forderungen, als ginge es darum, die 10 bis 18-Jährigen in ihre „Lehranstalten“ zurückzupeitschen, in Ketten mit Blick auf die Tafel zu fixieren.

    Man wollte sie regelrecht mundtot machen und einschüchtern, doch sie waren unbequem und sind es geblieben. Auch die Plakatmotive der Buchkinder Leipzig e.V.-Aktion (hier alle zu finden), welche nun seit dem Wochenende bemerkenswerterweise überall in Leipzig durch Linke, SPD, FDP, Grüne und CDU aufgehängt wurden, zeigen das Engagement unserer Kinder und ihre Themen (siehe Bilder, alle FDP Leipzig). Dafür Dank auch von mir an alle, die geholfen haben.

    Auch demonstrieren waren sie schon, wollen gar selbst mitwählen dürfen.

    Und immer wieder frage auch ich mich, heute über 40 Jahre alt, wie sehr haben wir „Erwachsenen“ uns eigentlich angewöhnt zu glauben, dass unsere Zukunft in Kindergestalt nicht auch ganz eigene, neue Gedanken mitbringt? Gebaut aus elterlichen Einflüssen, aber längst auch durch eigene Bücher, Videos im Netz, Informationen aus der Schule, die unser Gehirn ein ganzes Leben lang so wunderbar immer neu zusammenzusetzen versteht?

    Ist es, weil schon uns niemand wirklich zuhören wollte, wir uns erst in der Pubertät mit fast schon roher Gewalt im Widerspruch durchsetzen, einen eigenen Weg finden mussten? Gönnen wir den jungen Mitmenschen nicht, so viel Leben vor sich zu haben und deshalb radikale Forderungen aufzustellen? Oder ist es einfach die eigene Verbitterung darüber, wie weit man sich selbst von einst gewussten Gerechtigkeitsempfindungen entfernt hat und wurde, die so manchen dazu bringt, Menschen, die mit 14 Jahren immerhin teilstrafmündig werden, eine reale Mitbestimmung zu versagen?

    Sind wir dann nicht eher selbst durch das Leben, Enttäuschungen und „Erfahrungen“ bequem und stumpf geworden, den Satz „da kann man doch eh nichts machen“ auf den verkniffenen Lippen? Oder ist es längst ein knallharter Interessenskampf um politischen Einfluss, der den Nachwuchs mit U18-Wahlen abspeisen möchte? Wahlen, die keinen Einfluss auf die Sitze in Kommunalvertretungen, Bundes- und Landesparlamente haben?

    Ich lasse all dies offen, ich weiß es manchmal nicht mehr, wenn ich mich so mancher Hasswelle der vergangenen Jahre und Wochen erinnere.

    Möge Emmas Appell ein freundliches, kluges und verständiges Publikum finden, denn mitbestimmen kann sie nicht, wie so viele. Und möge er gehört werden auch über die hinaus, die am 1. September 2019 für ihre Kinder, Enkel und Urenkel mitwählen.

    Emmas Appell

    Noch 6 Tage, bis in Sachsen gewählt wird. Nur noch 6 Tage, um das Unheil, was uns zu großer Wahrscheinlichkeit erwartet, so gut es geht, zu verhindern. Die Frage ist nur wie??? Wir, und ich spreche damit für alle die, die nicht wahlberechtigt sind, können nicht viel bewegen. Wir können nur hoffen, dass die Menschen, die eine Stimme haben, diese auch intelligent und zu unseren Gunsten nutzen.

    Uns gehört nun mal die Zukunft, und in meiner idealen Version davon, herrscht keine faschistische Partei – mit Parolen aus dem dritten Reich – die unsere hart erkämpfte Freiheit und Demokratie zunichte machen möchte, und das Land (das sich mit ein bisschen Hilfe JETZT in die richtige Richtung entwickeln würde, nämlich in einen weltoffenen und lebenswerten Ort) zurück ins Mittelalter stürzen will. Deshalb richte ich diesen Appell an alle die, die es sich noch nicht ganz überlegt haben, wem sie ihre Stimme geben.

    Und ich richte ihn auch an die, die schon genau wissen, dass sie ihre Stimme kommenden Sonntag der falschen Partei geben wollen. Ich bitte euch: Nutzt eure Stimme weise, denn es ist ein Privileg, überhaupt eine zu haben, und BITTE, nutzt sie zugunsten der Jugend, die noch lange nach euch leben wird (eure Fehler ausbadend), und der dieses Land genauso gehört.

    Hier nochmal ein paar Gründe, warum man die AFD nicht wählen sollte.

    Nicht nur, dass sie rassistisch und menschenverachtend ist, sie instrumentalisiert auch Hass und Angst, holt das Schlimmste aus den Menschen heraus, und bietet trotzdem keine Lösungen. Den Schwerpunkt hat sie nur auf ein Thema gerichtet und betreibt Propaganda durch „Alternative Fakten“ und Volksverhetzung.

    Sie gibt Leuten, die sich zurück nach 1933 sehnen, eine Stimme und eine Plattform und nutzt die Angst derer, die sich vom Staat im Stich gelassen und betrogen fühlen, für ihre eigene Popularität aus. Die Gefahr besteht darin, dass die Grenzen von dem was man sagen darf immer fließender werden.

    Durch ein paar hetzende Individuen fühlen sich Hunderte Idioten bestätigt und trauen sich immer mehr, ihre widerlichen, rassistischen Äußerungen in der Öffentlich preiszugeben und kommen leider meist ungestraft davon. Doch bei Äußerungen bleibt es nicht immer, manche rassistische Äußerungen schwingen dann auch in Gewalt um. All das hat die AFD durch ihre gewaltprovozierenden Kommentare zu verantworten.

    Die Hoffnung liegt nun bei euch.

    Protest in der Leipziger Innenstadt: Jugendliche wollen wählen dürfen

    Wahlwerkstatt-Voting: Die Abstimmung zu den Buchkinder-Plakaten zur Landtagswahl in Sachsen + Das Ergebnis

    Über 70-Jährige stellen mittlerweile ein Viertel aller Wahlberechtigten und die AfD punktet besonders bei den 45-bis 60-Jährigen

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    16 KOMMENTARE

    1. „Ich denke, wer wählen will, sollte sich für maßgebliche Lebensumstände interessieren.“

      Also dazu fallen mir auf Anhieb dutzende Erwachsene ein, die dann besser nicht wählen sollten.^^

    2. Darjeeling, es kann so sein, dass es nach der Wahl so weiter geht wie bisher, aber es muss nicht so sein.

      a) Leute in „Alt“Parteien können eventuell auch durchaus mal was ändern.

      b) Parteien sind keine statischen Gebilde, Leute werden alt und treten ab, junge Leute übernehmen und machen sicher auch mal was anders.

      c) Vielleicht gründet Emma eine eigene Greta-Thunberg-Partei, wird nächste Bundeskanzlerin und alles wird anders.

      d) Außerirdische landen und übernehmen die Weltmacht 😛

      Was weiß ich, tausend Millionen Sachen können noch passieren…irgendwas wird sich gewiß ändern. Weil sich immerzu was ändert. Da bin ich mir recht sicher.

    3. Nein, lieber Olaf, ich nehme Emma sehr ernst. Ich selbst empfinde die ewige Diskussion um die DDR und HartzIV und so weiter und so fort auch als absolut ermüdend, auch wenn ich älter bin als Emma. Es ist in Ordnung, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, Dinge zu thematisieren und auch nach Gründen zu suchen. Aber wenn Leute sich jahrelang nur noch in Vergangenheitsbewältigung suhlen, ohne auch nur mal zwischendurch nach vorne zu sehen, wird es komisch. Wir schreiben das Jahr 2019 und es gibt auch noch aktuelle Probleme, ja, die haben natürlich Gründe aus der Vergangenheit und sind gewachsen, aber es wär mal gut, sich eher um die Lösung der Probleme JETZT zu kümmern und nach vorne zu sehen anstatt ewig zurück zu schauen und herumzujammern. Wie soll denn diese permanente jammerige nostalgische ostdeutsche Bauchnabelshow irgendwas ändern? Wär mal an der Zeit, eher aufzustehen und was zu tun. Und dass ein junger Mensch nicht in die ewige Kakophonie, wie schlecht es uns doch ging und geht, einstimmt, finde ich nachvollziehbar und gut. So schlecht geht es den Leuten im Osten auch nicht. Ich lebe hier ganz gut. Ja, könnte immer noch besser sein, aber vom Prinzip her kann ich nicht klagen. Und die Menschen um mich herum, die sitzen auch nicht im Armenhaus. Das soll bestehende Probleme nicht wegreden, aber es gibt eben nicht nur Drama-Drama-Drama im Osten!

    4. Liebe Ellen,
      ich glaube „J.“ hat Emma nicht ernst genommen, weil er unterstellt hat, daß sie auf Grund ihres jugendlichen Alters bestimmte Themen nicht interessieren. Ich denke, wer wählen will, sollte sich für maßgebliche Lebensumstände interessieren.
      Und zur Frage der Dummheit halte ich mich lieber an Robert Musil. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Dummheit

    5. Hallo lieber Olaf,
      also „dumm“ wären die AfD-Wähler, wenn sie den alternativen Medien glaubten,
      dass die AfD in Sachsen kein Prüffall sein kann,
      weil sie vom VS unterwandert ist..
      So vielleicht besser? 😉
      Also, den Fokus gibt’s schon..

    6. Ich halte mal kurz fest: ich kann auf der L-IZ.de in dem gemeinten Sinne keinen „Fokus auf die AfD“ erkennen. Wie auch, an Sachthemen ist ja da auch ein eklatanter Mangel erkennbar …

    7. @Michael Freitag
      Selbst wenn es so wäre, ist der Fokus auf diese Partei noch unverständlicher.
      Ich glaube, diese Partei wurde „hochgeschrieben“. Fraglich sind die Motive. Vor allem aber: die anderen Parteien blieben unbehelligt. Alle Medien in diesem Land sind fokussiert auf AfD. Als gäbe es nichts anderes.
      Doch, gibt es.
      Wir werden noch ein paar Wochen nach der Wahl die Koalitionsverhandlungen vorgeführt bekommen und danach, danach geht es so weiter wie bisher. Vielleicht gibt die AfD noch ein paar Aufreger. Kann man noch etwas vom Wichtigen ablenken. Und dann geht es weiter und weiter mit der neoliberalen Politik. Der Frust wird wachsen. Kretschmer hat den neuen Ton schon gefunden, übrigens unisono mit Dulig: Alle Kritiker sind einfach nur Miesmacher.
      Für Emma wird nichts besser werden.

    8. Vielleicht können wir uns auf ‚müßten‘ einigen, so im Zusammenhang mit Problemen und lösen und Parteien. Aber vielleicht liegt da irgendwo der Unterschied zwischen Optimisten und Realisten oder wie heißen die gleich nochmal?

    9. Also ich sehe ehrlicherweise die AfD bereits als „vorübergehendes Phänomen“, zumindest als der Scheinriese, die diese Partei derzeit ist. Wenn die Kalbitzens und Höckes und Co. die Truppe endgültig unter ihrer Fuchtel haben, gehts (wieder) weiter bergab.

      Die Probleme lösen müssen schon die angeblichen „Altparteien“ (ein Begriff, der angesichts des Altersschnitts bei der AfD ein Witz an sich ist 😉

    10. Ja, natürlich wäre alles viel schlimmer mit AfD, und wieso manche sie für eine Lösung halten, ist mir schleierhaft. Das ist aber garnicht der Punkt. Es geht darum, daß sich, zugegebenermaßen gefühlt, der Rest des politischen Spektrums hinter dem kleinsten gemeinsamen Nenner versteckt und nach der Wahl weitermacht wie bisher, als wäre nix gewesen, mit allen negativen Folgen für die Zukunft unserer Kinder und allem, was die AfD erst groß gemacht hat.

    11. Naja Olaf, für junge Menschen sind DDR, Schröder und HartzIV etc. olle Kamellen. Alles was die über 40jährigen so wütend macht, sind für die jungen Leute Themen des vorigen Jahrtausends. Es sind ja auch Themen der Vergangenheit.

      Übrigens ist die AfD eine zutiefst neoliberale Partei, von daher zeugt es auch nicht wirklich von Cleverness, aus Enttäuschung über die neoliberale Politik anderer Parteien eine andere, noch neoliberalere Partei zu wählen.

      Ist ein wenig, wie zu sagen, mir ist zu warm, ach ich geh mal in den Ofen, vielleicht ist es da kühler.

      Ich schätze, selbst wenn ganz viele Leute AfD wählen würde, würde alles noch viel schlimmer kommen. Stimmen in der AfD fordern seit Jahren Abschaffung des Mindestlohns, Senkung der HartzIV-Sätze, Zwangsarbeit für Arbeitslose, Abschaffung der Gewerkschaften bzw. Einschränkung deren Rechte, steuerliche Verbesserungen für Millionäre und steuerliche Verschlechterungen für alle Einkommensschwache.

    12. Vielleicht ist es auch das Vertrauen in Politik und Politiker, das im Laufe der Jahre nicht nur enttäuscht, sondern ziemlich nachhaltig zerstört wurde?

    13. Es ist schade, unendlich schade. Eine Hoffnung weniger.

      Die AfD kommt nicht von ungefähr. Es gibt Gründe für deren Existenz. Und es gibt Gründe für Wähler, denen ihre Stimme zu geben. Das kann man alles wenig erbaulich finden. Den Wählern zu sagen, sie seien dumm und würden Nazis wählen… nun ja, ich fürchte, das treibt den Einen oder die Andere noch zusätzlich an.

      Das Entscheidende ist jedoch, daß es die bisherige Politik ist, die so etwas wie die AfD erst ermöglicht und groß gemacht hat. Ja es drängt sich regelrecht auf, daß die Parteien, die wollen daß die AfD nicht gewählt wird, in einer Art kollektivem Trommelwirbel auf diese Partei weisen. Aus einem einzigen Grund: Daß sie selbst in dem von ihnen verursachten Lärm untergehen, niemand mehr auf sie schaut. Daß niemand mehr danach fragt, wo ihre Verantwortung für die Politik der letzten 20… 30 Jahre, für diesen Zustand ist.
      M.a.W., eine „tolle“ Ablenkung von der eigenen verfehlten neoliberalen Politik.
      Diese Politik wird nämlich weiter geführt. Auch, wenn die AfD von niemandem, von keinem einzigen Wähler gewählt würde, würde diese neoliberale Politik weitergeführt. Eine Politik, die die Demokratie, die Menschen und unsere Welt zerstört.

      Schade.

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